E-Book, Deutsch, Band 1
Reihe: Ein Tinus Geving Thriller
Heubner Eiskalt das Schweigen
3. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-738-0
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 1
Reihe: Ein Tinus Geving Thriller
ISBN: 978-3-98637-738-0
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Unter der Oberfläche lauert das Schrecken …
Der fesselnde erste Fall für Ermittler Tinus Geving
Nach einem traumatisierenden Einsatz bei EUROPOL, wagt Tinus Geving einen Neuanfang beim LKA. Sein erster Fall scheint ein reiner Routinefall zu sein. Eine Gruppe von Schülerinnen eines Eliteinternats verschwindet nach einem Wochenendausflug spurlos. Die örtliche Polizei steht vor einem Rätsel und bittet um Hilfe. Tinus Geving nimmt die Ermittlungen auf und geht den Hinweisen nach, doch der schwere Schneefall behindert seine Nachforschungen. Und plötzlich befindet Geving sich in einem Geflecht aus Macht und Intrigen, das bis in die höchsten Kreise reicht. Kann er sich den Fäden entziehen, bevor es ihm die Luft abschnürt oder holt ihn seine eigene dunkle Vergangenheit ein?
Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des Romans Totenstill.
Erste Leser:innenstimmen
„Der Kriminalfall rund um Intrigen, Machtmissbrauch und Korruption fesselt von Beginn an.“„Bedrückend, intelligent, vielschichtig“
„Ich war durchgehend gebannt, weil die Spannung bis zum Schluss nie abreißt.“
„Für Fans von Politthrillern ist Lesevergnügen garantiert!“
Sein ausgeprägtes Interesse für die Abgründe der menschlichen Psyche lässt Arvid Heubner Thriller schreiben, die die Grenzen unserer gesellschaftlichen Moral sprengen. Neben der Musik gilt seine Leidenschaft den Werken französischer und osteuropäischer Schriftsteller sowie skandinavischen Fernsehserien von Forbrydelsen bis Borgen. Arvid Heubner ist Preisträger des NEOBOOKS Bestseller Awards. Er lebt in Bremen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Selbstsucht – Tag 1: Montag, 18. Januar
Meldung MDR AKTUELL
08:00 Uhr
Bei Erzhütte
09:14 Uhr
»Einen solchen Temperatursturz hatten wir seit über zwanzig Jahren nicht«, sagte Markus Grünwald zu seinem Fahrer. »Minus fünfzehn Grad, und das Thermometer fällt weiter. Ich habe Besseres zu tun, als nach ein paar verwöhnten Gören zu suchen.«
Sein Fahrer konnte da nur zustimmen. »Die sitzen gemütlich in der Hütte und führen sich ihre neueste Kaschmirkollektion vor. Wieso betreiben wir so einen Aufwand?«
»Weil ein Anruf von der Schule Gesetzescharakter hat. Wehe, Sie widersprechen, dann werden höhere Stellen bemüht. Sitzen Sie mal auf meinem Stuhl, Henneberg … Wie weit ist es eigentlich noch?« In diesem Augenblick kam das vorausfahrende Räumfahrzeug zum Stillstand. »Aufs Stichwort.«
»Also, Chef, ich befürchte, mit warmer Hütte ist da nicht viel.«
Die Hütte lag völlig eingeschneit und wie ausgestorben da. Aus dem Schornstein drang kein Rauch.
»Dann haben sie sich wohl den Arsch abgefroren. Schauen wir mal nach.«
Sie stiegen aus dem Streifenwagen. Nachdem sich Grünwald beim Winterdienst bedankt hatte, setzte dieser zurück und fuhr davon.
»Den Spuren im Schnee nach zu urteilen, waren sie wenigstens so vernünftig, im Haus zu bleiben. Es gibt nämlich keine«, stellte Henneberg fest.
»Na, nun haben wir’s gleich.« Grünwald klopfte an die Tür. »Hier ist die Polizei, Ihr Freund und Helfer!«
Nichts passierte.
»Vielleicht müssen Sie Ihre Visitenkarte unter der Tür durchschieben, auf dem Gymnasium Eichenburg redet man nicht mit jedem.«
»Sehr komisch!« Er klopfte erneut. »Polizeirat Grünwald, Revierkommissariatsleiter von Altenrode. Bitte öffnen Sie die Tür!« Wieder passierte nichts. »Also, ich habe es auch nach so vielen Jahren immer noch nicht gern, wenn man mich verarscht … Hier ist die Polizei, öffnen Sie jetzt die Tür!«
Es blieb still.
»Vielleicht sind sie ja doch längst abgereist«, sagte Henneberg.
Grünwald schaute auf sein Handy, ob ihm in der Zwischenzeit irgendein Anruf entgangen war – Fehlanzeige. Etwas machte ihn stutzig. »Henneberg, haben die nicht gesagt, sie hätten ihre Leute nicht erreichen können? Ich habe hier Empfang. Wie ist es bei Ihnen?«
»Ebenso.«
»Fragen Sie mal bei der Taxizentrale nach, ob die in letzter Zeit eine Schülergruppe gefahren haben. Ich rufe in der Schule an. Wenn die uns zum Narren halten wollen, wird es diesmal richtig teuer.« Er wählte die Nummer. »Grünwald, Revierkommissariat Altenrode. Sind Ihre Leute denn mittlerweile wohlbehalten angekommen? Uns frieren hier die Zehen ab wegen eines Fehlalarms! – Wie? Immer noch nichts? – Auch nicht telefonisch? – Bei den Eltern und Freunden auch niemand? – Hm, danke. Ja, ich melde mich.«
»Chef? Die Taxizentrale hat niemanden von hier abgeholt, verständlich.«
Grünwald legte die Stirn in Falten, schaute sich ungläubig auf der abschüssigen Lichtung um. »Hier stimmt doch was nicht. Gehen wir mal eine Runde um die Hütte.«
Nachdem sie die Rückseite mit dem aufgeschichteten Kaminholz erreicht hatten, mussten sie feststellen, dass dieses schon länger nicht mehr angerührt worden war, so eingeschneit, wie es war. Vor einem Fenster blieben sie stehen.
»Geben Sie mir mal Räuberleiter, ich werfe einen Blick durch.« Was Grünwald dort sah, schockierte ihn nicht, denn dafür hatte er zu viel erlebt, überrascht war er trotzdem. »Da ist ja noch alles da. Die Hütte ist nicht verlassen.«
Nachdem Grünwald abgestiegen war, fragte Henneberg: »Verschaffen wir uns Zugang?«
»Das lassen wir schön bleiben. Ich habe ein ganz mieses Gefühl. Warum konnten die trotz vorhandenen Funknetzes nicht erreicht werden? Die Hütte ist belegt, und doch sieht es so aus, als wäre seit Tagen keiner mehr hier gewesen. Henneberg, fordern Sie per Funk Verstärkung an und geben Sie an die Kollegen der Kripo die Vermisstenmeldung weiter. Wir haben eine Situation!«
Landtag von Sachsen-Anhalt
Domplatz 6-9
Magdeburg
10:46 Uhr
Anninka Kresch war ihrer Ansicht nach kein »politisches Tier«. Eine solche Bewertung ihrer Person lehnte sie entschieden ab, ganz besonders in Anbetracht des Jahrmarkts der Eitelkeiten, mit dem sie sich gerade konfrontiert sah.
Abgeordnete! Diese jämmerlichen Gestalten, die in der Regel drei Probleme hatten: Drogen, Alkohol, unangemessene Liebschaften. Ihr direkter Vorgesetzter zum Beispiel, Landesinnenminister Frank Schulze, hatte ein äußerst spezifisches Problem. Er vögelte die Frau des Ministerpräsidenten. Es schien lediglich eine Frage der Zeit, bis der betrogene Ehemann seinen Kronprinzen vor die Tür setzen würde. Überhaupt, die Ministerriege: ein heruntergekommener Altherrenklub.
Als Direktorin des Landeskriminalamts wusste sie nur zu gut, welche »Vorkommnisse« bei gewissen »politischen Tieren« vertuscht werden mussten. Und was war der Dank dafür? Sie wurde hier gegrillt!
Nein, Politik war nicht ihr Ding. Es hatte ihr jedoch nicht geschadet, Mitglied der Regierungspartei zu sein. Ideen oder gar politische Visionen waren ihrer Meinung nach völlig überbewertet. Auf das Netzwerk aus Beziehungen und Gefälligkeiten kam es an!
Ihr Juraprofessor und Doktorvater Björn Jochimsen hatte ihr Talent erkannt und sie mit sich nach Magdeburg genommen, als er zum Justizminister ernannt worden war. Dort machte sie sich schnell einen Namen. Vergessen die Zeiten, in denen sie sich während des Studiums als »Fleißmeise« hatte demütigen lassen müssen. Als dann ihr Vorgänger über eine unschöne Geschichte mit Statistikfälschungen stolperte, fiel die Wahl sofort auf sie. Fünfunddreißig Jahre alt und Herrin über die Kriminalpolizei! Ihren ehemaligen Studienkollegen dürfte das Lachen inzwischen vergangen sein.
Doch ihre Karriere trat etwas auf der Stelle, seit sich Jochimsen aus der Politik zurückgezogen hatte. Aber es gab ja noch den Ministerpräsidenten, dem sie nun ihre Zuneigung zuteilwerden ließ. Eigentlich war der Mann ein ekliger Spießer, der sich nicht wundern musste, wenn ihm seine Gattin von der Stange ging. Anninka Kresch ahnte, dass er ihr noch nützlich sein würde. Jäh wurde sie aus ihren Gedanken gerissen.
»Frau Doktor Kresch, Sie haben meine Frage nicht beantwortet!« Der Abgeordnete Meyer. Drei Probleme: Drogen, Alkohol, unangemessene Liebschaften – nicht mit Frauen.
»Verzeihung, Herr Abgeordneter? Ihre Fragestellung erschien mir unklar.«
Dem Mann riss langsam, aber sicher der Geduldsfaden. »Das neue Gesetz erlaubt Ihrer Behörde, Wohnungen zu belauschen, Telefone abzuhören und den Mobilfunkbetrieb zu stören. Weiterhin gestattet es die Internetüberwachung mit Staatstrojanern und eine Sicherheitsüberprüfung aller im Land tätigen Richter! Diese Eingriffe sollen bereits im Gefahrenvorfeld stattfinden. Es ist möglich, dass mir da etwas entgangen ist, aber seit wann betrachtet die Landesregierung ihre Bürgerinnen und Bürger als Sicherheitsrisiko?«
»Herr Abgeordneter Meyer, Ihre Frage richtet sich an die falsche Adresse. Ich bin nicht die Regierung! Aus Sicht meiner Behörde habe ich den ganzen Vormittag über dargelegt, warum eine Änderung des Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung sinnvoll erscheint.«
»Sie als Juristin sollten doch die Tücken in diesem Gesetz erkennen. Es ist schwammig formuliert. Sie haben sich Freiräume gelassen, um im Notfall hart durchgreifen zu können. Wo kein Kläger, da kein Richter. Letztere möchten Sie im Land anscheinend an die Kette legen.«
In diesem Moment erschien eine Nachricht auf ihrem Handy.
Unklare Situation im Polizeirevier Harz. Stehe vor dem Saal B.
»Halten wir Sie von irgendetwas ab?«, ätzte Meyer.
»In der Frage der Sicherheitsüberprüfung von Richtern müssen Sie sich an den Verfassungsschutz wenden«, antwortete sie süffisant und wandte sich an den Ausschussvorsitzenden. »Wenn das alles wäre, Herr Vorsitzender, würden Sie mich entschuldigen?«
Der quittierte es mit einem kurzen Nicken, und sie verließ rasch den Saal.
***
»Dich schickt der Himmel!«
Ihr Stellvertreter Lorenz Behrendt sah betreten aus. »Na, mal sehen, ob du das gleich immer noch sagst.«
»Was ist los?«
»Das Revierkommissariat Altenrode hat um exakt neun Uhr dreißig Vermisstenmeldung gemacht. Eine Gruppe von Schülerinnen samt Tutor aus Eichenburg ist gestern Abend nicht wie vereinbart dorthin zurückgekehrt. In Anbetracht der momentanen Witterungsbedingungen hat sich der Revierkommissariatsleiter persönlich auf den Weg gemacht, um nach dem Rechten zu sehen.«
»Eichenburg! Was haben diese Biester jetzt wieder ausgefressen? Sind es Abiturientinnen?«
»Sieht wohl so aus. Spurlos vom Erdboden verschluckt. Die Hütte war allerdings noch von ihnen belegt. Das Polizeirevier Harz ist mit dem Winterchaos beschäftigt, und deren...




