E-Book, Deutsch, Band 2
Reihe: Ein Tinus Geving Thriller
Heubner Blutrot die Jagd
3. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-861-5
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 2
Reihe: Ein Tinus Geving Thriller
ISBN: 978-3-98637-861-5
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Pünktlich auf die Minute und mit einer Leiche an Bord …
Tinus Geving ermittelt in seinem nächsten rasanten Fall
Mit dem Schnellzug von Paris nach Amsterdam kommt nicht nur die neue Ermittlerin Chloé Lambert in Rotterdam an, sondern auch die Leiche eines norwegischen Staatsanwaltes. Chloés neuer Vorgesetzter bei EUROPOL, der ambitionierte Kriminalhauptkommissar Tinus Geving, übernimmt die Ermittlungsleitung. Sein Team findet schnell heraus, dass es sich nicht, wie ursprünglich von den Behörden angenommen, um einen natürlichen Tod, sondern um Mord handelt. Hatte der brisante Fall, an dem der Staatsanwalt beteiligt war, etwas damit zu tun? Schon bald beginnt die Jagd nach dem mutmaßlichen Täter, die fatale Folgen für das Team hat …
Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Totenzug.
Erste Leser:innenstimmen
„Nervenkitzel vom Allerfeinsten!“
„Durchgehend fesselnd und dadurch in einem Rutsch weggelesen – absolute Empfehlung.“
„Den trockenen, bösen Humor von Kriminalhauptkommissar Tinus Geving muss man einfach lieben!“
„Brisanter und actionreicher Polit-Krimi, bei dem sich die Spannung mit jeder Seite steigert.“
Sein ausgeprägtes Interesse für die Abgründe der menschlichen Psyche lässt Arvid Heubner Thriller schreiben, die die Grenzen unserer gesellschaftlichen Moral sprengen. Neben der Musik gilt seine Leidenschaft den Werken französischer und osteuropäischer Schriftsteller sowie skandinavischen Fernsehserien von Forbrydelsen bis Borgen. Arvid Heubner ist Preisträger des NEOBOOKS Bestseller Awards. Er lebt in Bremen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Sonntag, 3. März
Gare du Nord
Paris
14:07 Uhr
Sein Zielobjekt verhielt sich seit der Ankunft in Paris »konform«. Es wusste, dass es möglicherweise beschattet wurde. Jeden unnötigen Schritt vor die Tür des Hotelzimmers hatte es strikt vermieden. Im Freien schirmte es sich so ab, dass kein Zugriff erfolgen konnte, ohne ihn gleichzeitig zu enttarnen. Dabei hatte sein Zielobjekt keine Ahnung, wie nahe er ihm wirklich war.
Endlich wähnte es sich in Sicherheit. Er ging seine gedankliche Checkliste noch einmal durch. Personenobservation, Objektobservation, Standortobservation. Vorbereitung, technische Hilfsmittel, Koordinierung.
Vor dem Bahnhofsgebäude regnete es in Strömen. Das Stationsinnere war belebt. Ein Großteil der Reisenden kehrte an die Arbeitsplätze in Lille, Brüssel oder anderswo im Norden zurück. Hinaus aus der ungemütlichen Kälte, hinein ins Trockene, schnurstracks in die bereitstehenden Züge. In Gedanken hatten sie ihr wie immer viel zu kurzes Wochenende in der Hauptstadt längst abgehakt und die neue Arbeitswoche vor Augen. Kein Blick fürs Bahnhofsgeschehen, keine Aufmerksamkeit für Details.
Das Zielobjekt hatte sich bis eben beim Zeitungsstand aufgehalten und wandte sich zum Gehen. Die Observation führte zum Entschluss, der Entschluss zur Ausführung. Jetzt.
»Au! Passen Sie doch auf!« Sein Ziel fasste sich unwirsch an die linke Wade. Für nicht einmal einen winzigen Sekundenbruchteil blickte es ihm ins Gesicht. Die »Konformität« – durchbrochen.
»Pardon, Monsieur«, murmelte er kaum verständlich und entfernte sich.
Auftrag abgeschlossen.
Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit … Fast wäre er mit einer an ihm vorübereilenden jungen Frau zusammengestoßen. Nein! Sie? Was machte hier? Er kannte sie, nicht persönlich, aber das Gesicht, ihren Namen, ihre Akte. Den Zusammenstoß hatte er gerade noch abwenden können. Sie erkannte ihn nicht. Woher auch? Er ertappte sich dabei, wie er erleichtert durchatmete.
Keinerlei Gefühlsregung zeigen! Kaltblütigkeit.
Wo steckte sein Zielobjekt? Er hatte es aus den Augen verloren. Suchender Blick. Korrektur. Sichtkontakt zum Zielobjekt wieder aufgenommen. Zielobjekt besteigt Zug.
Eine spontane Änderung der Operationsparameter. Sie bestieg denselben Zug! Im Kopf ging er die Informationen durch, die er über sie hatte. Sein fotografisches Gedächtnis erlaubte es ihm, alle potenziellen Gegenspieler zu identifizieren, ihre Handlungen zu antizipieren. Routine. Als »Feuchtling« kannte man immer seine möglichen Gegenspieler. Dann berechnete er das Risiko neu. Wirkzeit, wahrscheinliche Destination, Fahrtdauer. Er kam nur zu einem Ergebnis: Das Risiko lag nunmehr bei hundert Prozent. Sollte er seinen Auftraggeber informieren? Er entschied sich dagegen. Sein Job war erledigt.
Auffällig unauffällig verließ er die Station Richtung Rue de Maubeuge. Der Kameraüberwachung war er sich sehr wohl bewusst. Bisher konnte er davon ausgehen, dass seine Visage niemandem auffallen würde. Ein ungemeiner Vorteil in seiner Profession. Von nun an kalkulierte er die staatlich angeordnete Vorratsdatenspeicherung mit ein. Für den Fall der Fälle. Eine Art Rückversicherung. Paranoid. Paranoia gehörte zum Handwerk.
Er griff zum Mobiltelefon, einem Einweggerät mit Prepaidkarte, und gab die Nummer ein, die man ihm nur für diesen Fall gegeben hatte.
»Ihr Paket wurde ausgeliefert.«
»Keine andere Möglichkeit. Lieferorte erwiesen sich allesamt als zu belebt. Ich weiß, was ich tue.«
Damit war das Gespräch beendet. Er löschte den Gesprächsverlauf und entsorgte das Telefon.
Wo hatte er das schon einmal gehört? Er kramte in seinem Gedächtnis und wurde fündig. Herrgott! Ein kurzes Frösteln durchfuhr ihn. Er realisierte sofort, dass er diesen Auftrag niemals hätte annehmen dürfen. Anonymer Auftraggeber, Kontakt nur über Dritte … Völlig entgegen seiner Gewohnheit! Er wurde nachlässig. Jetzt musste er seine Optionen abwägen und umgehend mit der Planung beginnen. Vorbereitung, technische Hilfsmittel, Koordinierung. Es gab nur zwei Optionen. Auf der einen Seite: der General. Auf der anderen Seite: . Chloé Lambert, Lieutenant der Pariser Polizeidirektion und neue Ermittlerin bei Europol.
Thalys 9351 Paris Nord – Amsterdam Centraal
Zwischen Antwerpen und Rotterdam
16:50 Uhr
Mütter … Ihre Mutter brachte Chloé Lambert langsam zur Weißglut.
»Müssen wir das wieder und wieder diskutieren?«
»Meine Entscheidung verstehen? Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Paris ist eine Sackgasse!«
Unwillkürlich krallte sie sich mit der freien Hand an der Armlehne ihres Sitzes fest. »Das ist überhaupt nicht wahr! Drei Jahre lang war ich in diesem beschissenen Laden. Drei Jahre keine Beförderung, keine Belobigung und immer nur die Drecksarbeit.«
»Ich habe mich ›bewährt‹. Keinen Schwanz hat es interessiert! Aber anscheinend gibt’s anderswo Leute, die meinen Arbeitseifer zu würdigen wissen.«
»Seine Enttäuschung? Wie ist es mit Enttäuschung? Solange diese Punzenlecker von der ESSEC oder der ENA das Sagen haben, sind die Karriereaussichten eh düster. Niemand nimmt Rücksicht auf das aquitanische Landei aus Bordeaux.«
»Maman …«
Du
»Lass gut sein. Wie geht es Papa?«
»Ach, wirklich?«
»Wir wollen mal eines klarstellen: redet nicht mit .«
»Kann er haben.«
»Unnötigerweise. Ich bin erwachsen und kann auf mich selbst aufpassen. Es ist Den Haag, nicht Mali.«
Chloé verdrehte die Augen. Gut, dass ihre Mutter sie in diesem Moment nur hören und nicht sehen konnte. Sie würde auf ewig der kleine »Schmetterling« bleiben, wie ihre Mutter sie mit Kosenamen nannte. Sie würde dann noch der kleine »Schmetterling« sein, wenn sie alt und klapprig war. Und unverheiratet, denn das war die heimliche Sorge ihrer Mutter.
Wie zur Erlösung kündigte die Durchsage aus den Zuglautsprechern den nächsten Halt an: Rotterdam Centraal.
»Wir sind gleich da. Ich muss auflegen.«
»Mache ich. Gib Papa einen Kuss von mir.«
In einer Sache hatte ihre Mutter recht. Sie kam tatsächlich nach ihrem Vater, Geduld war ihre Stärke nicht. Dennoch hatte sie die richtige Entscheidung getroffen, und ihre Eltern würden sich damit abfinden müssen.
Eine weitere Eigenschaft, die Chloé von ihrem Vater geerbt hatte, war ihre Impulsivität. Sie war schnell genervt. Im Moment nervte sie, dass eine Zugbegleiterin – kaum älter als sie – seit einer geschlagenen Viertelstunde wenige Meter hinter ihr versuchte, mit regelmäßig wiederkehrendem Hämmern gegen die Tür einen Fahrgast aus der Toilettenkabine zu bekommen. Der zog sich bestimmt in Ruhe einen durch, oder er trieb andere Sachen. Es gab schließlich alle möglichen Leute …
Jetzt rauschte der Zugchef an ihr vorbei, der das Problem hoffentlich bald lösen würde. Chloé hoffte auf ein paar ruhige Minuten, ehe sie ihren neuen Job antreten würde.
Der Zugchef klopfte, keine Reaktion. »Monsieur, ist alles in Ordnung bei Ihnen?«
»Er antwortet nicht.« Die junge Zugbegleiterin gab sich ratlos.
»Seit wann ist er da drin?«
»Seit über einer Stunde.«
Chloé stöhnte leise, drehte dennoch den Kopf und fragte den Zugchef: »Was ist hier los?«
»Madame, wir haben alles im Griff.«
»Ich kann vielleicht helfen.«
»Ich sagte doch, wir haben alles im Griff«, entfuhr es dem Bahnbeamten in schroffem Ton. Er schien ganz und gar nicht begeistert von der Einmischung.
Da half nur Autorität. Chloé zog ihren neuen Dienstausweis.
»Sieht aber nicht so aus«, sagte sie keck, um der Unfreundlichkeit des SNCF-Beamten etwas entgegenzusetzen.
Sofort änderte der Zugchef sein Auftreten.
Na also, geht doch!
»Wir sind etwas nervös. Offenbar hat sich ein Fahrgast auf der Toilette verbarrikadiert.«
»Und er reagiert nicht«, ergänzte die Zugbegleiterin.
Im Thalys auf der Toilette verbarrikadiert. Chloés Bulleninstinkt schlug Alarm.
»Wissen Sie, wie lange er ungefähr schon da drin ist?«
Die Zugbegleiterin überlegte einen Moment. »Kurz nach der Abfahrt aus Brüssel ist er aufgestanden. Der Mann sah nicht gut aus.«
»Er sah nicht gut aus?«
»Ziemlich grau, und er hat geschwitzt. Wahrscheinlich die...




