Herrmann | Reise leben II | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 374 Seiten

Reihe: Reise leben

Herrmann Reise leben II

WIr haben noch nicht genug
2. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-0562-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

WIr haben noch nicht genug

E-Book, Deutsch, Band 2, 374 Seiten

Reihe: Reise leben

ISBN: 978-3-6957-0562-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auf unseren Motorrädern, mit Zelt und kleinem Budget, waren wir in zwei Jahren von Süd nach Nord über den amerikanischen Kontinent gereist. Von dieser abenteuerlichen Zeit habe ich in meinem ersten Buch "Reise leben" berichtet. Als wir in Alaska ankamen, hatten wir noch längst nicht genug von unserem Leben auf Reise! Wir beschlossen, unsere Motorräder nach Neuseeland zu verschiffen und diese wunderbare Welt weiter in westlicher Richtung zu umrunden. Neue Abenteuer und zahllose berührende Begegnungen erlebten wir in Ozeanien und auf der weiten Heimreise.Davon erzählt dieses Buch.

Nach vielen Jahren des normalen, bürgerlichen Lebens als alleinerziehende Mutter, in Norddeutschland in der ambulanten Pflege tätig, traf ich einen Menschen, der wir ich vom Reisevirus befallen war und ist. Gemeinsam begannen wir, auf unseren Motorrädern erst Europa, dann die Welt zu erobern.
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2. Los gehts


Fürs Erste haben wir genug von solchen, mit Dollars zu bezahlenden, Abenteuern erlebt. Nun wollen wir Neuseeland richtig kennenlernen!

Mount Cook ist unser erstes Ziel, wenn wir denn überhaupt ein Ziel brauchen. Eigentlich wollen wir nur fahren und die gleichzeitig vertraute und doch so fremde Landschaft kennenlernen. Lake Tekapo und Lake Pukaki, beide himmelblau aus den Gletschern gespeist, wirken perfekt als Postkarten-Vordergrund zu den schneebedeckten Gipfeln im Westen. Der neuseeländische Sommer zeigt sich uns sehr freundlich mit Sonnenschein und lauem Wind, Zelten ist fast überall möglich.

Am Abend wohnen wir gegenüber dem höchsten der Berge, Mount Cook, der auf Maori Aoraki heißt, am Ufer des Lake Pukaki auf einer kleinen Halbinsel. Außer uns ist niemand hier. Der majestätische Kegel mit seinen Schneefeldern spiegelt sich auf dem glatten See im pinkfarbenen Abendsonnenschein, einige schwarze Schwäne gleiten trompetend dicht über der Wasseroberfläche an uns vorbei. Unser Logenplatz kostet nichts, außer ein paar Blutstropfen, die wir (unfreiwillig) als Tribut an die fiesen kleinen Sandfliegen abtreten.

Die Sonne weckt uns zu einem neuen Reisetag. Die morgendlichen Routinen sind schnell wieder da und mir wird wieder neu bewusst, wie wunderbar es ist, den ganzen Tag in der freien Natur zu sein. Selbst der Toilettengang ist draußen jeden Tag ein schönes Erlebnis. Du lachst? Stell dir mal vor: du gehst vom Zelt ein Stück in den Wald oder in die Büsche, findest dort ein Fleckchen Erde, wo du dir mit einem Stock ein Loch graben kannst und dort hockst du dich hin. Während du dein Geschäft verrichtest, was übrigens im Freien überhaupt nicht stinkt, schaust du dich um, siehst den kleinen Käfern zu, wie sie auf den Blüten um dich herum krabbeln oder genießt den Ausblick auf Berge oder einen plätschernden Fluss. Diese Zeit gehört nur dir allein, ist das nicht herrlich? Am Ende schaufelst du mit dem Stock das Loch wieder zu, es bleibt nichts zu sehen, aber die Pflanzen drum herum freuen sich über die zusätzlichen Nährstoffe. Die Einzigen, die etwas enttäuscht gucken, wenn du das Loch wieder schließt, sind die großen schillernden Fliegen, die dich aufgeregt umschwärmen und die sich schon darauf gefreut haben, sich auf dem schönen Misthaufen zum Frühstück niederzulassen. Nun kannst du dir noch in dem kleinen Fluss die Finger waschen und zur Tagesordnung übergehen. Na, klingt das nicht angenehmer, als jeden Tag dasselbe Klo zu benutzen, das mühsam saubergehalten werden muss und doch immer etwas mieft und wo du immer dieselbe Tür anschaust? Stuhlgangsphilosophie…

Da beide neuseeländische Hauptinseln zusammen nur ca 1600 km lang und nirgendwo breiter als 450 km sind, wir aber einen hübschen

3-Monats-Visums-Stempel im Pass haben, sind die Strecken, die wir hier pro Tag zurücklegen, deutlich kürzer als auf dem amerikanischen Kontinent. Wir wollen ja nicht nächste Woche schon einmal rum sein! Außerdem ist die Landschaft so abwechslungsreich, dass wir sehr oft anhalten, um uns in Ruhe umzuschauen. Und wenn wir dann irgendwo stehen und eine schöne Bucht, einen gigantischen Farnbaum oder einen kleinen Wasserfall bewundern, sind wir beliebtes Ziel für einen Smalltalk mit den allgegenwärtigen Touristen, die häufig mit bunten Mietwagen unterwegs sind. Wir sind offenbar fast die Einzigen, die mit eigenen Fahrzeugen über die Insel cruisen und wegen unserer deutschen Nummernschilder leicht geografisch einzuordnen sind.

Die meisten Besucher sind unterwegs nach Queenstown im Landesinneren, dem neuseeländischen Mekka für alle Outdoor-Sportarten. Das Bungy-jumping wurde hier erfunden. Wir kommen, ohne zu suchen, zu einer historischen Brücke, unter der wild rauschend der türkis-farbene Kawarau-Fluss zu sehen ist. Neugierig und leicht schaudernd schauen wir uns das Spektakel an. Neben der Brücke hängt eine hölzerne Plattform, von der sich die Adrenalin-Junkies heldenhaft hinabstürzen. Je nach Belieben wird das Gummiseil so eingestellt, dass es den Springer vor der Wasseroberfläche abbremst oder erst etwas später... Wir genießen wohlig die Gänsehaut und sind uns darüber einig, dass wir uns diesen Spaß nicht antun müssen. Bewundernd, aber neidlos schauen wir zu. Viele nicht nur junge Menschen beiderlei Geschlechtes stehen zappelig vor Aufregung auf der Brücke, von der rhythmisch treibende, basslastige Musik dröhnt und warten auf ihren Törn. Wenn es so weit ist, werden sie an den Fußknöcheln und um die Hüften zusammengeschnürt, werden währenddessen von zwei obercoolen Einweisern vollgetextet, damit der Proband bloß nicht zum Nachdenken kommt. Dann hüpfen sie, noch gehalten von den Helfern, in die Sprungposition, winken auf Kommando tapfer lächelnd zur Seite, wo die Kumpels auf der Besucherplattform warten und dann, bei dem Kommando „three-two-one-jump” stürzen sie sich in die Tiefe. Ihre Schreie hallen durch die Schlucht, das Gummiband längt sich, der Kopf taucht kurz ins eisige Wasser ein, das Band schnellt zwischen den Wänden der felsigen Schlucht wieder hoch. Nein, das ist definitiv nichts für mich! Nach dem Auspendeln werden die hilflos am Band baumelnden, euphorisierten Helden in ein wartendes Schlauchboot abgesenkt und dort von ihren Fesseln befreit. Wir sehen niemanden, weder jung, noch alt, der oder die vor dem Abgrund kehrt gemacht hätte.

Als uns der Rummel zu viel wird, biegen wir jenseits von der Stadt Queenstown von der Teerstraße ab, die entlang dem See in Richtung Osten führt. Ein kleines Straßenschild verspricht ein „Paradise” und lockt uns auf eine kleine Schotterstraße und durch einen dunklen Wald aus uralten, flechtenbehangenen südlichen Buchen. Ab und zu geht es mit hoher Bugwelle durch kleinere Wasserfurten. Weit hinter dem Wald sehen wir einige einsam gelegene, schmucke kleine Farmhäuser inmitten grüner Weiden, einzelne Wolken werfen ihre Schatten auf die Höhen der graugrünen Berge– ja, das sieht wirklich paradiesisch aus!

Diamond Lake

Am Ende der befahrbaren Straße starten verschiedene Wanderrouten, einige Autos stehen deutlich sichtbar schon seit einigenTagen still. Drei junge Deutsche, die in Australien studieren und arbeiten, treffen wir dort. Gemeinsam finden wir zur Feierabendzeit einen Zeltplatz am stillen blauen Diamond Lake. Ein kleines Lagerfeuer unter dem glitzernden südlichen Sternenhimmel, als Besonderheit für uns gibt es sogar ein kühles Bier aus dem Kühlschrank des kleinen Wohnmobils, Reisegeschichten von verschiedenen Seiten – so kann man es aushalten. Martin hat ein Auslandssemester in China verbracht und hat allerhand Spannendes über das tägliche chinesische Leben zu erzählen. Er sagt, er musste noch nie im Leben soviel Alkohol trinken wie in China...

Der nächste Tag steht im Zeichen Tolkiens:

Am Beginn einer Schotterstraße, die uns abseits der Hauptstraße Richtung Dunedin an der Ostküste, also südöstlich, bringen soll, steht ein handgemaltes Schild, das uns mitteilt, wir kämen nun in das Land von Rohan. LOTR-Fans wissen nun natürlich gleich Bescheid: die Pferdeleute wohnen hier. Jedenfalls im Film. Und diese bergige Graslandschaft mit den unzähligen, wie hingeworfenen, großen, verwitterten Felsen kommt uns tatsächlich bekannt vor. Vor unserem inneren Auge steigen Bilder hoch, wie das Volk Rohans auf dem Weg nach Helms Klamm hier von den Wölfen und ihren Ork-Reitern angegriffen wurde... oder wie die Gefährten auf dem Weg zur Wetterspitze hier entlang trotteten. Noch etwas bombastische Musik dazu und die Illusion wäre perfekt...

Doch das ist alles Fantasie, während wir tatsächlich hier sind und begeistert die als Four-Wheel-Track ausgezeichnete felsige Naturpiste entlangfahren. Herrliche weite Landschaft, der Weg läuft kurvig steil auf und ab, manchmal durch kleine Bäche hindurch, immer problemlos befahrbar. Das Fahren macht Spaß, die Motorräder schnurren zufrieden! Ein kräftiger Wind weht, der Himmel zieht sich allmählich zu, doch es bleibt trocken. Da überall Schafe weiden, fahren wir durch viele Gatter, die geöffnet und geschlossen werden müssen. So bleiben wir in Bewegung. Manchmal stoppen wir für eine Weile und genießen den Ausblick über die Hügel mit den bizarr geformten Felsen und auf ferne Bergketten. Unsere wassergekühlten Jungs schwitzen bei den steilen Bergauffahrten, wir hören, dass die Lüfter häufig arbeiten. Nach den Stunden auf dem Track erreichen wir ein bewirtschaftetes Tal, dort geht es für ein Weilchen auf breiterer Schotterstraße schneller voran.

Es ist Abendbrotzeit, der Magen macht sich bemerkbar. Wir suchen nach einem Platz zum Bleiben und finden ihn an einem kleinen Fluss, dem Styx-River. Keine Ahnung, was dieser harmlos dahinplätschernde Fluss im Abendsonnenschein mit seinen grünen Wiesen und ausladenden Weiden am Ufer mit dem Unterweltfluss der griechischen Mythologie gemeinsam hat. Hinter einer kleinen Brücke führt ein schmaler Weg zu einer versteckten Uferwiese hinab - wie schön! Sogar Feuerstellen sind schon da! Hier finden uns die Orks sicher nicht. Wir erklären den Ort zu unserem...



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