E-Book, Deutsch, Band 11, 64 Seiten
Reihe: PERRY RHODAN-Kartanin
Herren / Thurner Kartanin 11: Der Pakt
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-5211-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Miniserie
E-Book, Deutsch, Band 11, 64 Seiten
Reihe: PERRY RHODAN-Kartanin
ISBN: 978-3-8453-5211-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Fast 4000 Jahre in der Zukunft: Zwischen den Sternen der Milchstraße herrscht Frieden. Die Menschen leben auf Tausenden von Welten, pflegen gute Beziehungen zu ihren Nachbarn und arbeiten gemeinsam mit diesen an der Zukunft. Da wird Perry Rhodan um Hilfe gebeten: In der kleinen Galaxis Ursa Minor läuft eine Invasion - die ebenso die Milchstraße bedroht. Geheimnisvolle Parasiten übernehmen ganze Völker. Mit wenigen Gefährten tritt Rhodan gegen die Übermacht der Invasoren an. Seine Wichtigste Begleiterin ist Dao-Lin-H'ay, die einzige Kartanin, die relativ unsterblich ist. Ihm schließen sich der alte Haluter Miro Teik, eine mysteriöse Frau namens Stayn sowie sein Sohn Kantiran an. Unter großen Gefahren sammeln die Gefährten in Ursa Minor viele wichtige Informationen über die Invasoren. Dank ihrer Erkenntnisse setzen sie alles auf eine Karte und wagen den Gegenangriff. Währenddessen gibt Kantiran mehr über seine Vergangenheit preis - und über seine Verbindungen zu Ursa Minor. Hintergrund für alles ist ein Pakt ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Das Gurrad-Problem
Schazharr, Vergangenheit
Die Regenwelt Schazharr machte ihrem Titel alle Ehre. Seit Stunden goss es wie aus Eimern. Von den mit gelbem Gras bewachsenen Hügeln, unter denen heiße subplanetare Ströme flossen, stiegen schwefelhaltige Dampfschwaden auf. Sie ärgerten mich, weil sie die Sinnesorgane meiner Xupras verwirrten. Die sechsbeinigen Tiere blieben immer wieder stehen, schüttelten ihre kantigen Köpfe, keuchten und schnaubten.
Die Nervosität der Tiere übertrug sich auf mich – und ich verfügte in diesem Augenblick nicht über ein genügend stabiles emotionales Fundament, um sie zu beruhigen. Ganz im Gegenteil.
Der Einsatz auf Schazharr erwies sich bislang als einzige Katastrophe. Es hätte gar nicht so weit kommen dürfen, dass sich das Gurrad-Problem in offene Kampfhandlungen ausweitete. Cosmuel machte mir seit Tagen Vorwürfe, weil ich die Splittergruppe der Shanganten nicht mit diplomatischen Mitteln im Zaum hielt.
Weil ich es nicht einmal versucht hatte.
Seit Jahrzehnten eilten wir von Konfliktherd zu Konfliktherd. Verhandelten, überzeugten, manchmal infiltrierten oder kämpften wir auch. Monat für Monat, Jahr für Jahr.
Ich war keine Maschine, mir unterliefen Fehler. Es war schwierig, vielleicht unmöglich, stets fokussiert zu sein, stets alles zu geben. Und es war einfacher, Leben zu beschützen, das von äußeren Aggressoren bedroht wurde, als solches, das sich selbst in den Crochenmist ritt.
Wir erreichten ein Gehölz, die letzte Deckung vor unserem Ziel, dem Rundturm des Präfekten. Die dichten Baumkronen schirmten uns vor dem Regen ab.
Ich befahl den Xupras zu rasten. Sofort rottete sich das Rudel zusammen. Die Tiere legten sich hechelnd und mit bebenden Flanken auf den Waldboden, während das Alphatier pflichtbewusst hin- und herlief und witterte.
Ich verfüge über die Paragabe der Instinkttelepathie. Dank ihrer Hilfe beherrschte ich die wilden Xupras. Selbst wenn sie manchmal zögerten und Widerstand leisteten – sie konnten sich meiner Kontrolle nicht entziehen.
Ich kniete mich neben den Wurzelstock eines umgestürzten Baumes und öffnete den Helm. Mit dem ersten Atemzug strömte beißender Schwefel in meine Lungen. Ich kämpfte gegen den Hustenreiz an, während der Anzugalarm warnend fiepte.
Ich blickte hoch, ließ einige Regentropfen auf mein Gesicht klatschen, bevor ich aufgab und das Visier wieder schloss.
Verflucht.
Ich fühlte mich alt und ausgelaugt. Des Kämpfens müde. Auch sonst war ich an einem toten Punkt angelangt.
Wo waren sie hin, meine Beharrlichkeit und mein Enthusiasmus für neue Missionen? Und woher, bei allen Sternengöttern, nahm Cosmuel ihren Willen und ihre Motivation, bei jedem Einsatz ihr Bestes zu geben, mit Herzblut für das Gute im Universum zu kämpfen?
»Kant!«, rief sie über den Helmfunk, als hätte sie wahrgenommen, dass ich gerade an sie dachte. »Träumst du?«
Ich blickte mich um, suchte ihre schlanke Gestalt im nebligen Einerlei. Meine Partnerin stand, den schweren Kombistrahler in beiden Händen haltend, mehrere Meter entfernt mit dem Rücken gegen einen Baumstamm gelehnt. Über die Zoomfunktion meines Anzuges sah ich ihr Gesicht in allen Details. Zornesfalten waren auf ihrer Stirn. Ihre leuchtend hellgrünen Augen blitzten wütend in meine Richtung.
Es war die aufregende Schönheit der Cosmuel Kain. Die spitze Nase, das schmale Kinn, das neckische herzförmige Muttermal links über der Lippe. Obwohl sie inzwischen mehr als hundert Jahre alt war, wirkte sie kaum älter als vierzig oder fünfzig.
Cosmuel Kain, wie ich ein ehemaliges Mitglied der Friedensfahrer, wie ich ein Kind unterschiedlicher Völker und Kulturen. Während sich bei mir terranische und arkonidische Gene mischten, war sie halb Mensch, halb Cyno.
»Kant!«
Ich räusperte mich. »Alles gut, mein Stern«, gab ich zurück. »Die Xupras haben Mühe mit den Ammoniakschwaden, das ist alles.«
»Du hast dich schlicht nicht gut genug vorbereitet, Kant! Ich hätte dir sagen können, dass die Xupras die falsche Wahl für Schazharr sind.«
Ihre Worte reizten und verärgerten mich. Das Alphatier der Xupras übernahm meine Emotionen. Mit zwei krallenbewehrten Tatzen riss es den Boden auf, schleuderte den Waldboden in einer Fontäne von sich. »Und weshalb hast du es nicht getan?«, fragte ich sie.
Cosmuel lachte bitter. »Früher haben wir jede Mission minutiös vorbereitet. Nun sprechen wir kaum noch miteinander.«
Ich blickte zwischen den Baumstämmen, Nebelschwaden und Regenschleiern in die Ferne, wo sich der mächtige Rundturm des Präfekten undeutlich abzeichnete.
Monburr, der shangantische Präfekt, hielt dort die Geisel in seinem eigenen Anwesen versteckt. So viel Arroganz war fast schon bewundernswert.
Die Shanganten waren ein Teilvolk der Gurrads. Jahrhundertelang hatten sie in erster Linie wegen ihrer wissenschaftlichen Errungenschaften von sich reden gemacht. In der Großen Magellanschen Wolke waren sie stets angesehen und beliebt gewesen. Dann war Monburr an die Macht gekommen und brachte mit seiner Philosophie des Konstanten Konflikts einen Teil der Shanganten dazu, sich vom restlichen Volk abzusplittern.
Er ließ sich zum Präfekten von Schazharr ausrufen und im Lauf der Jahre im Geheimen eine Armee aus Kampfrobotern und Robotschiffen bauen. Die galaktische Öffentlichkeit war erst auf ihn aufmerksam geworden, als er innerhalb weniger Tage zwölf Gurradwelten eroberte und die Residentin von Parrakh entführte.
»Es ist wegen ihr, nicht wahr?«
*
Ich benötigte ein paar Sekunden, um Cosmuels Frage zu verarbeiten. Dann machte es klick. Ich verstand. Wut loderte in mir auf. Das Alphatier schrie gepeinigt.
»Du solltest deinen Tieren sagen, dass sie die Schnauze halten!«
Tränen stiegen in meine Augen, wie immer, wenn ich mich Emotionen übermannten. Ein Erbe meiner arkonidischen Mutter.
Wie kam Cosmuel dazu, ausgerechnet nun diese alte Geschichte aufzuwärmen? Cosmuel, die stets klar unterschied, wann wir in offizieller Mission unterwegs waren und wann wir ... wir waren. Das Liebespaar Cosmuel und Kantiran. Aber waren wir das überhaupt noch?
Ich blickte hoch, sah zwischen Baumkronen und Regenschleier hindurch tanzende dunkle Schatten in den Wolken.
Konzentrier dich auf deine Mission!, befahl ich mir. Alles andere muss verschoben werden.
»Später!«, knurrte ich in meinen Helmfunk. »Wir reden später darüber. Und nein, es geht nicht um sie.«
Jedenfalls nicht in erster Linie, fügte ich in Gedanken hinzu.
»Schön«, sagte sie mit beißendem Spott in der Stimme. »Wir werden reden, das wäre ...« Cosmuel brach mitten im Satz ab, verstummte kurz und fuhr dann hastig fort: »Der Präfekt weiß, dass der Angriff erfolgt. Er hat eine Medienübertragung aus dem Rundturm gestartet!«
Ich benötigte mehrere Sekunden, um den richtigen Feed zu finden. Cosmuel musste die ganze Zeit über die Medienkanäle des Planeten im Blickfeld gehabt haben. Ich nicht. Früher wäre mir eine solche Nachlässigkeit nicht unterlaufen.
Ich fluchte lautlos.
Die Mediensonde erfasste Monburr, wie er auf dem Dach des Rundturms stand. Wie üblich entblößte der Gurrad-Abkömmling seinen muskulösen Oberkörper. Seine grau-schwarz melierte Löwenmähne bildete einen eindrücklichen Kontrast zum wolkenverhangenen Himmel. Die Regentropfen rannen durch seine dichte Brustbehaarung, während er triumphierend in die Aufnahmeoptiken grinste.
An seinem ausgestreckten Arm wand sich eine sichtlich schockierte Asdaje Kham, die Residentin von Parrakh. Das edle Kleid hing in Fetzen von ihrem Körper.
»Zieht euch zurück, Fremde!«, schrie Monburr. »Ihr seid nicht Teil des Konstanten Konflikts. Wenn ihr jetzt umkehrt, verschone ich euer Leben. Wenn ihr aber nur einen Schritt hin zu mir aus dem Gehölz macht, in dem ihr euch versteckt, werde ich euch ausradieren! Glaubt ja nicht, dass ich nicht weiß, wo ihr seid.«
Ich schluckte. Die Nachricht war zwar an Cosmuel und mich gerichtet. Aber der Umstand, dass Monburr einen der planetaren Medienkanäle für seine Drohung verwendete, legte seine wahre Absicht offen: Er wollte, dass man seine Stimme im Reich der Gurrads und Shanganten vernahm.
»Irgendetwas stimmt hier nicht, Kant«, vernahm ich Cosmuels Stimme. »Da ist etwas, das wir nicht verstehen.«
»Du denkst, es ist nicht nur die Hybris, die aus ihm spricht?«
»Er scheint mir zu selbstsicher. Er bettelt geradezu darum, dass wir ihn angreifen und die Residentin von Parrakh zu retten versuchen.«
»Hm«, machte ich nachdenklich. »Ich habe mich eben gefragt, was genau er vor den Augen der Öffentlichkeit inszenieren will.«
»Was machen wir?«
Ich atmete durch. »Du entscheidest.«
Über die Zoomfunktion des optischen Systems sah ich, wie Cosmuel spöttisch in meine Richtung blickte. »Und wenn ich nun entscheide, dass wir uns zurückziehen, um mehr Informationen zu sammeln und ...«
... über uns sprechen? Hatte sie wohl sagen wollen, es dann aber sein lassen.
Bevor ich Cosmuels Frage beantworten konnte, stieß sie einen schnaubenden Laut aus. »Zur Sternenhölle! Darauf habe ich keine Lust. Greifen wir an und finden heraus, was er vorhat.«
Einen Moment lang spürte ich das Gefühl einer außerkörperlichen Erfahrung. Als würde die Zeit stillstehen. In den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten würde ich mir tausendmal wünschen, anders zu reagieren, als ich es...




