Hermanns | Mörder Quote | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 286 Seiten

Hermanns Mörder Quote

Thriller | Fesselnde Spannung für Fans von »Black Mirror«
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-686-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller | Fesselnde Spannung für Fans von »Black Mirror«

E-Book, Deutsch, 286 Seiten

ISBN: 978-3-98952-686-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das Motto »Es kann nur einer übrig bleiben« wurde noch nie so ernst genommen ... Music Star 3000 - die beliebteste Reality-TV-Show Deutschlands geht in die nächste Runde: Millionen starren gebannt auf die Bildschirme, während sich die Showbizz-Träume der Kandidaten in leicht verdauliche Prime-Time-Unterhaltung verwandeln. Doch dann geschieht das Unfassbare: Ein Teilnehmer wird ermordet. Und das Grauen wird bald zum wöchentlichen Ritus: Ein Kandidat nach dem anderen bezahlt für seine Träume mit dem Tod. Könnte eine von Eifersucht getriebene Kandidatin dahinter stecken? Oder sogar ein Jury-Mitglied? Während die Einschaltquoten ins Unermessliche schießen, wird zum Canceln der Show aufgerufen. Doch im Showbusiness gilt ein eiserner Grundsatz: »The show must go on« - selbst wenn jede Folge die letzte sein könnte ...  »Thomas Hermanns ist es gelungen, einen flotten, mit schwarzem Humor gewürzten Krimi rund um den Wahnsinn des Castingshow-Geschäfts zu schreiben.« - Amazon-Leser Das »Tribute von Panem« der Showindustrie - so abgrundtief spannend wie Arno Strobel, so erschreckend originell wie eine Folge »Black Mirror«.

Thomas Hermanns ist Autor, Entertainer und Gründer des Quatsch-Comedy-Clubs, der 2023 sein dreißigjähriges Jubiläum feierte. Im Laufe seiner Karriere erhielt Hermanns zahlreiche Auszeichnungen und Preise, zuletzt im Jahr 2022, als er den Ehrenpreis des Deutschen Comedypreis gewann. Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seinen Roman »Mörder Quote«.
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KAPITEL 2


Sascha klappte den leeren Koffer zu und sah sich in dem kleinen Hotelzimmer um. Es war okay, kein Luxus, aber auch keine Absteige. Und vor allem war er froh, dass er nicht mit den anderen Kandidaten zusammen in einem sogenannten »Haus« wohnen musste, wie es in anderen Castingshows üblich war, sondern abends eine Hoteltür hinter sich zumachen konnte. Er hatte absolut keine Lust auf all den Psychokram, der in solchen »Häusern« für die Einspieler in der TV-Show sorgte. So was wäre nur schlecht für seine Konzentration. Er stellte den Koffer in eine Ecke, setzte sich aufs Bett und fixierte seine drei Motivationsbilder, die auf dem Nachttisch eine Diagonale bildeten. Diese Mädels würden ihn zum Sieg führen – da war er ganz sicher. Die Heilige Dreifaltigkeit seines jungen Popfan-Lebens: Madonna, Britney, Gaga. Oder, wie sein Kumpel Angelo es immer formulierte: »Drei Schlampen und kein Halleluja!«

Als er an Angelo und die Gang dachte, wurde er einen Moment lang sentimental. Der gestrige Abend in ihrer gemeinsamen Stammkneipe, dem Rainbow, war einfach der Hit gewesen. Zu lustig die »Better the devil you know«-Choreografie, die die Jungs für ihn aufgeführt hatten, zu innig die Blicke, die der süße Barkeeper ihm am Ende des Abends noch zugeworfen hatte und die er – Profi, der er ab heute war – nicht mit einer Runde Wildsau-Schnäpsen beantwortet hatte.

»2 qte!«, hatte Angelo ihm heute Morgen zusammen mit einem Handyfoto vom Barkeeper gesimst, und Sascha stimmte ihm zu. Aber er musste sich jetzt auf das Wesentliche konzentrieren. Auf den Wettbewerb. Auf die nächsten zehn Wochen. Denn er war sich sicher, dass es auch wirklich zehn Wochen werden würden, nicht drei und nicht sieben. Er würde am Schluss im Finale stehen. Darauf hatte er sich ein Leben lang vorbereitet, seit er zum ersten Mal mit sechs Jahren unter dem Weihnachtsbaum »Last Christmas« vorgesungen hatte.

Das Foto vom Barmann speicherte er trotzdem. Wenn er als Popstar ins Rainbow zurückkäme, würde es definitiv statt »Wildsau« Champagner geben. Und wer weiß, was noch ...

Es klopfte an der Tür. Sascha sprang auf, checkte seine Haare im Spiegel über dem Waschbecken und öffnete. Einer dieser niedlichen Orga-Typen stand vor ihm mit der unumgänglichen Cargohose plus Baseballkappe auf dem Kopf, also hetero. »Hi! Der Shuttle wäre dann da. Herr Schmitz erwartet Sie in der Maske.«

Sascha warf seinen drei Mädels am Bett einen Blick zu. »Ladys, habt ihr das gehört? Shuttle! Maske! Und ich werde gesiezt – ich denke, wir vier sehen uns demnächst bei den MTV-Awards!« Er strahlte den Cap-Typen mit seinem perfektesten Showstar-Lächeln an. »Ich bin gleich da, Herr ...?«

»Frank.« Der Typ grinste und schob dabei die Kappe etwas weiter hoch, sodass eine blonde Locke wie zufällig herausrutschte.

Sascha strahlte auf 1000 Watt zurück und schloss die Tür etwas zu sanft. Vielleicht doch nicht so ganz hetero ... Im Showgeschäft war ja alles möglich.

Auch Tanyas nächster Besuch polterte einfach ins Zimmer, dieses Mal allerdings mit der Masche, erst kurz und hart zu klopfen und dann ohne Aufforderung hereinzukommen.

So machten das Menschen mit Macht, dachte sie. Menschen, wie PR-Chef Peter de Bruyn, der sich wie üblich ohne jede Begrüßung in eines der Sofas fallen ließ und sie lange und wortlos aus seinen engen kleinen Augen anstarrte, als ob er sie für eine Auktion einschätzen müsste.

»Auch dir einen guten Morgen, Peter! 13 Uhr ist bei dir doch noch Morgen, nicht wahr?« Sie hob leicht royal eine Augenbraue. »Was kann ich für dich tun?«

Peter de Bruyn fuhr sich mit der Zunge über die schmalen Lippen, holte einmal Luft und dann schoss es hektisch aus ihm heraus, als ob er Koks genommen hätte, was vermutlich auch der Fall war. »Die PR-Möglichkeiten der Staffel, Tanya. Was können wir wem anbieten und wann. Was gibt es in deinem Bereich, was die Leser der größten deutschen Tageszeitung interessieren könnte und warum? Was kannst du zum Erfolg der Show in dieser Staffel beitragen außer deinen alten Playboy-Fotos und deinem hübschen Dekolleté im Bild? Gibt es Neuigkeiten, alte Sünden, neue Affären, Ex-Boyfriends, die uns interessieren, neue Boyfriends, die wir dir besorgen können, Süchte, Ängste, Krankheiten? Eine siebte Staffel ist immer schwer, ich brauch da deine volle Kooperation!« Als Tanya das erste Mal den PR-Mann so erlebt hatte, war sie überzeugt davon, er wolle sie verarschen. Sie dachte, er würde ihr eine Persiflage vorspielen aus irgendeinem B-Movie, in dem der böse Presseagent das verschüchterte Starlet zu Indiskretionen drängt, derentwegen sie dann schließlich draufgeht und er tief gebrochen aus der Branche aussteigt.

Aber nach ihrer ersten ganzen Stunde war ihr klar geworden, dass der aalglatte Mittdreißiger de Bruyn das alles, inklusive seiner englischen Maßschuhe und seiner navyblauen Hemden, wirklich ernst meinte. Das ganze Konzept Peter de Bruyn war sogar äußerst bitterer Ernst. Und als er dann ihre alten Gymnasiums-Zeugnisse mit den schlechten Mathenoten ausgegraben hatte und an die Presse unter der Überschrift »Sind Blondinen sogar zu doof für eine Casting-Jury?« weitergegeben hatte, mit der Absicht eine »kontroverse Debatte« anzuzetteln, hatte sie begriffen, welche Rolle der Mann nun in ihrem Leben spielen würde. Sie hatte daraufhin aufs Gründlichste ihre Vergangenheit durchforscht, bevor er es – immer im Dienst der Show natürlich – selber tun würde.

Leider gab es aus ihrer alten Profimodel-Zeit noch einige hässliche Agentur-Bilder, die sie nicht ganz verstecken konnte – aus den Jahren, als ihr Portfolio noch aus Privat-Schnappschüssen vom Strand auf Ibiza bestanden hatte sowie den sehr schönen Fotos mit 80er-Jahre-Katzenpullovern und den entsprechenden Laura-Branigan-Haaren vor dem Weihnachtsbaum im elterlichen Reihenhaus.

Aber ganz Schlimmes war Gott sei Dank nicht dabei. Keine Schönheits-OPs, keine Drogen, keine Magersucht, keine Pornos. Auch die Änderung ihres bürgerlichen Namens von Tanja Becker zu Tanya Beck war in der Modelwelt normal. Wobei sie sich damals vielleicht beim Nachnamen etwas mehr hätte anstrengen können, um all diesen Bier-Gags zu entgehen.

Blieb nur die Sache mit ihrem Alter – aber das war heutzutage nun wirklich keine Schlagzeile mehr wert. »TV-Moderatorin schummelt bei ihrem Alter« würde genauso wenig Zeitungen verkaufen wie »Pole schmelzen weiter«. Es war trotzdem amüsant zu beobachten, wie oft diese »holländische PR-Cruise-Missile« (O-Ton Produzent) versucht hatte, einen Blick auf ihren Personalausweis zu werfen, indem er zum Beispiel plötzlich im Flughafen am Schalter neben ihr auftauchte und sogar einmal von ihr erwischt worden war, als er ihre Handtasche durchsuchen wollte – nach einem Tempotaschentuch, wie Peter damals behauptet hatte. Warum ausgerechnet ihm in so einer Situation keine bessere Lüge eingefallen war, fragte sich Tanya noch heute. Wahrscheinlich war sein Koks gerade ausgegangen und sein Gehirn deshalb auf Stand-by gestellt.

Apropos Stand-by – sie musste sich wieder konzentrieren. »Leider gibt es nichts Neues«, flötete sie scheinheilig und betrachtete dabei seinen zu engen schwarzen Designeranzug, der sich an der Hüfte schon etwas beulte. »Du weißt, ich bin die Nonne der Show! Frag doch mal deinen lieben Freund Marco.«

Sie musste lächeln. Beim Namen des Jury-Obermotz zuckte sogar Peter zusammen wie der Teufel beim Weihwasser. Der Juryboss und eigentliche Chef der Show, Ex-Musikproduzent mit Sternzeichen Bulldogge und Aszendent Stalin, bestehend aus 85 Kilo reinem Testosteron, war der einzige Mensch, vor dem Peter Angst hatte. Wie übrigens jeder in der Show außer Tanya: Kandidaten, Mitarbeiter, Stargäste. Tanya nannte Marco Deutz heimlich »Hitlers unsympathischeren kleinen Bruder«. Nur das Publikum liebte ihn bedingungslos – besonders für seine »Sprüche«, wenn er wieder mal ein hilfloses minderjähriges Kandidatenhühnchen grillte und in aller Öffentlichkeit zerlegte wie einen Truthahn an Thanksgiving ...

»Mies, mieser, Marco!«, war sein berühmtester Spruch, den es inzwischen auch auf T-Shirts und Kaffeetassen gab. Für den guten Morgen an einem bestimmt sehr fröhlichen Frühstückstisch, dachte Tanya und schlug aus dramaturgischen Gründen elegant die Beine übereinander.

»Ich hab Marco schon gefragt, der hat auch nichts«, schnaufte Peter fast kleinlaut. »Seine Neue ist eine thailändische Schönheitskönigin ... aber das ist jetzt ja nicht so wahnsinnig überraschend ...«

So konnte man es auch formulieren, dachte Tanya, während sie sich ein stilles Wasser nachgoss. Marcos Frauenverbrauch und seine Vorliebe für stumme wunderschöne Asiatinnen waren in der deutschen Medienlandschaft schon Folklore. Seine Dreimillionen-Euro-Jacht, die jedes Jahr nach der Staffel vor Bangkok auslief, hieß im Medien-Volksmund der »Lotus-Pflücker«. Und so gab es auch dieses Jahr wieder eine neue bildschöne, schüchterne junge Frau, die mit Louis-Vuitton-Taschen behängt in zu kurzen Kleidchen durch die Studiogänge irrte und die Schrift der Hinweisschilder nicht lesen konnte. Tanya hatte sie schon am Morgen gesehen, sie hatte das Herrenklo mit dem Produktionsbüro verwechselt.

»Vielleicht ist sie ja dieses Mal ein Mann – das kommt öfter in Thailand vor ...«, frotzelte sie. Langsam machte ihr Peters Besuch Spaß. Denn größer als dessen Angst vor Marco war höchstens noch sein oft erwähnter Ekel vor allen sexuellen Zwischenstufen. Er war bekannt dafür, den schwulen Kandidaten verzweifelt Affären mit weiblichen Kandidatinnen zu verordnen, um so sein Gewissen und seine eigenen Ängste zu beruhigen.

»Ich glaube nicht, dass sie ein Mann ist«, sagte Peter...



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