Henderson | Die Vermittlerin | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 368 Seiten

Henderson Die Vermittlerin


1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-86827-880-4
Verlag: Francke-Buch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 368 Seiten

ISBN: 978-3-86827-880-4
Verlag: Francke-Buch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dave Richman kann es sich nicht leisten, Fehler zu machen. Als FBI-Agent ist es seine AUfgabe, Menschenleben zu retten. Wie aber beschützt man eine Frau, die es zu ihrem Beruf gemacht hat, ihren Schutzengel herauszufordern? Kate O'Malley hat den Ruf, mit ihrem legendären Verhandlungsgeschick noch jedes Geiseldrama entschärft zu haben. Im Auge des Sturms ist ihr Platz - dort, wo sie sich nur noch auf sich selbst verlassen kann. Ein Unbekannter legt es drauf an, dass Kate einen Fehler macht. Er hat sie in seinem Fadenkreuz und sendet ihr schwarze Rosen. Hat er auch das Flugzeug in die Luft gejagt, um ihr die Schuld in die Schuhe zu schieben? Als Kates Welt gefährlich ins Schlingen gerät und dunkle Schatten aus ihrer Vergangenheit ihr Leben bedrohen, ist Dave an ihrer Seite. Er sieht in ihr mehr als ein Schutzobjekt, er findet sie im wahrsten Sinn des Wortes 'liebenswert'. Was aber soll sie anfangen mit dem Gott, auf den ers o unbeirrbar baut?

Seit 1996 hat sich Dee Henderson mit nur zwei Romanserien in die Spitze der christlichen Schriftsteller in den USA geschrieben. Dem Erfolg entsprechend hat die Tochter eines Pfarrers ihren Beruf als Finanzbeamtin an den Nagel gehängt und lebt als Schriftstellerin bei Chicago.
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1

Kate O’Malley war schon seit dem frühen Morgen im „Kerker“. Die Mitarbeiter des Krisenteams, das aus einer Eliteeinheit und Rettungskräften für Geiselnahmen bestand, waren bei der letzten Umstrukturierung in den Keller der Bezirksbehörde verbannt worden. Die Metallschreibtische standen eng zusammengepfercht, die Betonwände brauchten dringend neue Farbe, die Karteikästen mit den abgeschlossenen Fällen verbreiteten einen muffigen Geruch. An der Decke gluckerten die Wasserleitungen, die aus dem großen Zentralboiler kamen. Das Team war stolz auf sein armseliges Quartier, auch wenn Zimmerpflanzen es dort nur wenige Tage aushielten, denn hier wurde alles ein bisschen lockerer gehandhabt. Den einzigen Hinweis auf eine bürokratische Ordnung lieferte eine Stechuhr an der Stahltür, damit die Mitarbeiter, die nicht fest angestellt waren, ihre Überstunden abrechnen konnten.

Obwohl die Sohlen ihrer Tennisschuhe nicht gerade sauber waren, hatte Kate die Füße auf die Ecke ihres Schreibtischs gelegt. Mit aneinander gelegten Fingerspitzen und halb geschlossenen Augen verfolgte sie konzentriert den Klang ihrer eigenen Stimme aus den Kopfhörern. Dabei achtete sie sorgfältig darauf, ihren inneren Aufruhr nicht in ihren Gesichtszügen zu zeigen. Sie ging noch einmal die letzte ihrer Verhandlungskassetten durch. Der Fall 2214 von letzter Woche ließ ihr keine Ruhe. Sie war zu einer Szene häuslicher Gewalt gerufen worden. Es waren Schüsse gefallen. Sechs Stunden dauerte es, bis der Fall durch Verhandlungen ein friedliches Ende fand – sechs angsterfüllte Stunden für die Mutter und die drei Kinder, die im Haus festgehalten wurden. Wäre es möglich gewesen, diese Zeit zu verkürzen? Als Kate den Drohungen des betrunkenen Ehemannes und ihrer eigenen, ruhigen Stimme zuhörte, atmete sie automatisch tief durch, um ihren aufwallenden Zorn zu unterdrücken. Sie hasste solche Fälle, weil sie längst vergessen geglaubte Erinnerungen weckten.

Die Kassette drehte sich automatisch auf die andere Seite. Sie nahm einen Schluck heißen Kaffee und verzog das Gesicht. Bestimmt hatte Graham dieses Gebräu gemacht. Sie hatte nichts gegen starken Kaffee, aber das war doch zu viel. Mit einem Ruck öffnete Kate die mittlere Schreibtischschublade. Zwischen Schokoriegeln und zwei großen Silbermedaillen, die sie für ihre Tapferkeit erhalten hatte, suchte sie nach Zuckertütchen. Mit ihren sechsunddreißig Jahren war Kate bei der Polizei bereits so etwas wie eine lebende Legende. Das fand sie zwar seltsam, aber sie konnte es nachvollziehen. Als Vermittlerin bei Geiselnahmen und Entführungen war sie bekannt wegen ihrer inneren Stärke und ihrer Bereitschaft, sich jeder Situation zu stellen. Häusliche Gewalt, verpfuschte Raubüberfälle, Geiselnahmen, sogar Flugzeugentführungen – sie hatte schon alles hinter sich.

Kate hatte die seltene Begabung, die Leute das sehen zu lassen, was sie sehen wollten. Sie konnte mitten in einer Krisensituation verharren – stunden- oder auch tagelang – und um ein friedliches Ende feilschen. Dabei wirkte sie entspannt, distanziert und häufig auch gelangweilt. Das funktionierte gut. Ihre scheinbare Langeweile in einer Krise hielt die Menschen am Leben. Mit den Gefühlen musste sie später fertig werden, wenn alles vorbei war – weit weg von der Arbeit. Häufig spielte sie Basketball, denn dabei konnte sie sich voll konzentrieren und ihre innere Anspannung abbauen.

Sie hatte die Kassetten jetzt zum vierten Mal durchgehört. Ihre Notizen über den Fall schienen vollständig zu sein. Es gab nichts, was sie hätte anders machen können. Sie stoppte den Rücklauf des Kassettenrekorders und war erleichtert, dass sie mit ihrer Überprüfung fertig war. Sie nahm den Kopfhörer ab und fuhr sich mit der Hand durch ihr zerzaustes Haar.

„O’Malley.“

Sie drehte sich um und sah, wie Graham den Telefonhörer hochhielt.

„Ihr Bruder auf Leitung drei.“

„Welcher ist es denn?“

„Der Sanitäter.“

Sie drückte die blinkende Taste. „Hallo, Stephen.“

„Darf ich raten? Du filterst deine Anrufe.“

Das stimmte, aber anstelle einer Begrüßung klang diese Bemerkung witzig. „Ich halte mich ein paar Tage lang von den Medien fern. Hast du heute frei?“

„Ich mache gerade Feierabend. Hast du schon gefrühstückt?“ Seine Stimme klang angespannt.

„Ich habe nichts gegen einen guten Kaffee und ein paar Pfannkuchen.“

„Ich komme rüber zu Quinns Café. Das ist ja bei euch gleich über die Straße.“

„Alles klar.“

Kate warf einen Blick auf ihren Piepser und bestätigte mit einem Tastendruck, dass sie auf Abruf war. Sie steckte ihr Handy in die Tasche ihrer Bluse und stand auf. „Ich gehe frühstücken. Soll ich euch etwas mitbringen?“ Quinns Café war für sie alle ein beliebter Treffpunkt. Aus dem ganzen Büro kamen Bestellungen. Schließlich standen drei Erdbeer-, vier Kirsch- und zwei Apfelkuchenstückchen auf ihrer Liste. „Piepst mich an, wenn etwas ist.“

Die Treppen, die aus dem „Kerker“ herausführten, waren aus Beton und auf beiden Seiten mit Geländern versehen, damit man rasch hinauf- oder hinunterrennen konnte. An beiden Enden des Gangs befanden sich Sicherheitstüren. Die Treppe führte zum Sicherheitsbereich des Parkhauses. Dort standen die mit modernster Technik ausgestatteten Kommunikationswagen des Teams. Sie glänzten wie neu, weil sie erst gestern poliert worden waren.

Kate setzte ihre Sonnenbrille auf. Der Juni hatte mit Gluthitze und wenig Regen begonnen. Das grelle Sonnenlicht dörrte sogar den Straßenbelag im Stadtzentrum von Chicago aus, und so war der Boden mit feinem Staub bedeckt. In diesem engen Straßenkorridor war der Verkehr sehr dicht. Sie überquerte die Straße bei Rot.

Quinns Café war eine Mischung aus Neuem und Altem. Es gab Plätze für etwa siebzig Besucher. Kate winkte dem Inhaber zu, nahm sich zwei Speisekarten vom Stapel und ging zu ihrem Stammplatz im hinteren Teil des Restaurants. Sie setzte sich mit dem Rücken zur Wand. Es fand immer ein amüsanter Streit um die Plätze statt, wenn zwei oder mehr Polizisten Quinns Café aufsuchten, denn keiner von ihnen drehte gern einem offenen Raum den Rücken zu.

Sie dankte der Bedienung für eine Tasse Kaffee, während sie die Speisekarte durchsah, obwohl sie diese schon auswendig kannte. Heidelbeerpfannkuchen sollten es sein. Sie war ein Gewohnheitstier. Nachdem sie ihre Wahl getroffen hatte, lehnte sie sich entspannt in ihrem Stuhl zurück, um den Kaffee zu genießen und den Gesprächen an den anderen Tischen zuzuhören. Die Frauen am Fenster redeten über eine Baby-Party. Die Geschäftsmänner zu ihrer Linken unterhielten sich über einen Angelausflug. Zwei Teenager überlegten sich, wo sie ihren Einkaufsbummel beginnen sollten. Kate rührte drei Päckchen Zucker in ihren Kaffee. Der ganz normale Alltag – nach zehn Jahren als Polizei-Vermittlerin blieb in ihrem eigenen Leben nicht mehr viel Normalität übrig. Die Banalitäten, die für die meisten Leute so wichtig waren, interessierten sie schon lange nicht mehr. Normale Menschen machten sich Gedanken über Kleidung, Ferien, Feiertage. Kate machte sich Gedanken darüber, wie sie am Leben bleiben konnte. Wenn dieser Gegensatz nicht so krass gewesen wäre, hätte er amüsant sein können.

Stephen kam herein, als sie bei ihrer zweiten Tasse Kaffee war. Kate musste lächeln, als sie sah, wie viel Aufmerksamkeit er erregte, als er sich zu ihr setzte. Sie konnte die Blicke der Frauen gut verstehen. Seine Sportjacke und seine Jeans betonten seinen athletischen Körperbau. Er hätte sich auf den Titelseiten eines Modemagazins für Männer sehen lassen können. Das war nicht schlecht für jemanden, der seine Tage mit Opfern von Autounfällen, Bränden, Schießereien und Drogenmissbrauch verbrachte. Er würde nicht für immer in dieser Stadt bleiben, denn er erwähnte gelegentlich, dass er gerne in den Nordwesten ziehen wollte – in eine kleine Stadt mit einem See, einem guten Fischbestand und einem Job, bei dem er endlich mehr Patienten mit Herzinfarkten als Opfer von Schießereien behandeln könnte, aber noch blieb er hier. Kate wusste, es war hauptsächlich ihretwegen. Stephen hatte es sich zur Aufgabe gemacht, als ihr Leibwächter zu fungieren. Er wurde nie darum gebeten, sondern hatte einfach diese Rolle übernommen. Sie mochte ihn deswegen noch lieber, obwohl sie ihn manchmal wegen seiner übertriebenen Fürsorglichkeit verspottete.

Er setzte sich ihr gegenüber. „Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, Kate.“

„Du musst nur das Wort ‚Essen‘ in den Mund nehmen, und schon hast du meine volle Aufmerksamkeit.“ Sie schob die zweite Tasse Kaffee, die die Kellnerin nachgefüllt hatte, zu ihm hin, ohne etwas über die Anspannung zu sagen, die sie trotz seines Lächelns in seinen Augen gesehen hatte. Dieser leicht gehetzte Blick war gestern noch nicht da gewesen, als er sich mit ihr zu einem Basketballspiel getroffen hatte. Hoffentlich war dieser Ausdruck in seinen Augen nur die Nachwirkung einer ermüdenden Schicht. Wenn er das Bedürfnis hatte, würde er ihr schon alles erzählen. In der O’Malley-Familie gab es nur wenige Geheimnisse.

Im Trevor House, dem Waisenhaus, in dem es so etwas wie ein Familienleben nicht gab, hatten sieben Jugendliche beschlossen, ihre eigene Familie zu gründen. Sie hatten den Nachnamen O’Malley gewählt. Stephen gehörte zu den drei Sonderfällen in ihrer Familie, denn er war ein echtes Waisenkind, nicht wie die anderen ein verlassenes oder missbrauchtes Kind. Es verband sie keine Blutsverwandtschaft,...


Seit 1996 hat sich Dee Henderson mit nur zwei Romanserien in die Spitze der christlichen Schriftsteller in den USA geschrieben. Dem Erfolg entsprechend hat die Tochter eines Pfarrers ihren Beruf als Finanzbeamtin an den Nagel gehängt und lebt als Schriftstellerin bei Chicago.



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