Henderson | Der Beschützer | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Englisch, 352 Seiten

Henderson Der Beschützer


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-86827-879-8
Verlag: Francke-Buch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Englisch, 352 Seiten

ISBN: 978-3-86827-879-8
Verlag: Francke-Buch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein hoher Richter wird umgebracht. Shari Hanford hat den Killer gesehen - und er hat sie gesehen: Nur einer von beiden kann überleben. Marcus O´Malley wird ihr Personenschützer. Er hat damit gerechnet, dass sie ihm ans Herz wächst. Dass sie es restlos erobert, hat er nicht geahnt.

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2

Shari war sicher zum Tisch Nummer sechs zurückgekehrt. Marcus sah sie dort sitzen, als seine Blicke über den Raum schweiften. Er stand hinter Richter Roosevelt – als aufmerksamer Zuhörer, eingestellt auf jede Bewegung unter den Teilnehmern, mit einer entspannten Haltung, aber dennoch bereit zum Handeln. Ein älteres Ehepaar, auf den zweiten Blick erkennbar als Sharis Eltern, saß zu ihrer Linken, Joshua zu ihrer Rechten. Ein netter Junge, ihr Bruder; er war noch jung, aber er spielte schon die Rolle des Beschützers. Nur wenige Männer hätten ihn auf diese Art stillschweigend herausgefordert.

Weil er selbst ein älterer Bruder war, hatte er diese Herausforderung eher amüsiert als irritiert angenommen. Shari war einfach zu offen gegenüber Fremden; sie brauchte einen Joshua in ihrem Leben, der sie beschützte.

Er würde es genießen, mit ihr zusammen einen Kaffee zu trinken. Ihm gefiel ihr Humor und ihre Selbstironie, mit der sie zugab, dass sie einen schlechten Orientierungssinn hatte, und er mochte das Selbstvertrauen in ihrem Blick, als sie ihn angesehen hatte. Sie trat so auf, als ob sie sich in ihrer Haut wohl fühlte. Er lächelte bei dem Gedanken an ihre Erwiderung über das einseitige Preisgeben von Geheimnissen. Jemand, der über sich selbst lachen konnte, war selten und wirkte deshalb sehr anziehend.

Sie war hübsch – keine klassische Schönheit, aber hübsch. Als sie versehentlich in den Belmont-Raum marschiert war, hatte er sich routinemäßig ihre Erscheinung eingeprägt. Sie war brünett, hatte blaue Augen, war etwa einen Meter sechzig groß und schlank, ungefähr Mitte Dreißig. An der linken Seite ihrer Oberlippe hatte sie eine kleine, weiße Narbe. Ihre Zähne waren so gerade, dass sie als Kind wohl eine Zahnspange getragen hatte. Sie erinnerte ihn an seine Schwester Jennifer. Genau wie sie sprühte sie förmlich vor Energie und Lebensfreude.

Es war ein winziges Signal, als Shari das Handgelenk ihres Bruders umfasst hatte, aber es sprach Bände. In ihrer Welt stand ihr die eigene Familie nahe, war etwas Besonderes, und sie vertraute ihr. Ihr war dieses Geschenk durch die Geburt gegeben worden, und er hatte es bei den O’Malleys gefunden. Sie hatten zumindest eines gemeinsam, nämlich ihre Liebe zu ihrer Familie.

Er wünschte, er wäre ihr unter anderen Umständen begegnet. Es war einfach ein ungünstiger Zeitpunkt. Sie wohnten beide nicht in Chicago, und er würde sie nach diesem Wochenende wohl nicht mehr wiedersehen, wenn er sie nach dieser ersten Verabredung zum Kaffee beim nächsten Mal zum Essen einladen wollte. Es sei denn ... auf der Rückseite von Sharis Foto stand ihr Name und eine Adresse in Virginia.

Beruflich war er ständig unterwegs. Sein Stützpunkt lag außerhalb von Washington, aber seine Wohnung war in Arlington im Bundesstaat Virginia, am anderen Ufer des Potomac-Flusses, im Norden des Heldenfriedhofs in Arlington. Wenn er in der Stadt war, nutzte er häufig die Wanderwege auf der Roosevelt-Insel für seine morgendlichen Laufrunden. Wenn Shari an ihm interessiert war und in der Nähe seines Wohnsitzes in Virginia wohnte, müsste er sie nicht nur einmal treffen und sich dann von ihr verabschieden ...

„Bewegung rechts, gelbe Zone, Objekt unbekannt.“

Marcus konzentrierte sich auf die Bedrohung, ohne sich für andere erkennbar zu bewegen. Wenn ein Unbekannter die rote Zone, die zehn Tische vom Rednerpult entfernt war, durchbrach, würde er gewaltsam aufgehalten werden. Nicht alle Kellner waren wirklich das, was sie zu sein schienen.

* * *

Nichts war passiert; der Abend war sehr gut verlaufen. Marcus streckte sich, um seine verkrampfte rechte Schulter zu entlasten. Er rieb sich am Unterarm. Seit dem Baseballspiel der Familie O’Malley am vierten Juli spürte er seine Muskeln, weil er einen Wurf mit einer Rückhand angenommen hatte, um Dave am ersten Punkt herauszuwerfen. Er musste noch immer lächeln beim Gedanken an Kates ohnmächtige Wut, als Dave das Spielfeld verlassen musste. Allein dafür hatte sich die leichte Muskelverzerrung im Arm gelohnt.

Mit einem lauten Poltern fielen ein paar Stühle um. Marcus drehte sich um und sah, wie zwei Arbeiter sie wieder aufstellten. Die Mitarbeiter des Hotels begannen mit dem Abbau der Dekoration im Ballsaal. Sie stellten die Tische um. In sieben Stunden musste der Raum für ein Frühstück mit sechshundert Gästen bereitstehen.

„Marcus, wir haben ein Problem.“ Sein Partner Quinn durchquerte mit schnellen Schritten den Raum und machte neben ihm Halt.

„Der Abend ist so gut gelaufen. Ist es Richter Roosevelt?“

„Zum Glück nicht. Er ist wieder in seiner Suite in dem gesicherten Stockwerk. Washington hat gerade angerufen. Der Präsident hat Richter Whitmore auf seine Auswahlliste gesetzt.“ Marcus hob eine Augenbraune. „Der Präsident hat sich das mitten in der Nacht überlegt?“ Er schüttelte den Kopf, um diese Frage selbst zu beantworten. Diese Entscheidung war wohl schon vor einiger Zeit gefallen, aber sie wurden jetzt erst benachrichtigt. Seine Frustration zeigte sich in seinem finsteren Blick. „Wann begreifen die endlich, dass sie uns zuerst informieren müssen, und zwar bevor sie dem Präsidenten Namen vorlegen?“

„Genau. Aber sei froh, dass sich das nicht schon während seiner Rede herumgesprochen hat.“ „Ist im gesicherten Stockwerk noch ein Zimmer frei?“

„Die Ost-Suite.“

Marcus warf einen Blick auf seine Uhr. Kate sollte bald hier sein. „Wir suchen jetzt erst einmal den Richter und bringen ihn in den neunzehnten Stock. Hast du schon seine Akte?“

„Sie wird uns gerade gefaxt. Offenbar ist sie ziemlich überschaubar.“

„Das wird sich ändern, sobald sein Name bekannt wird.“

Sie verließen den Ballsaal, durchquerten die Hotelhalle und gingen an Gästen vorbei zum Privatflur.

„Gibt es einen stellvertretenden Marshal, der den Personenschutz für den Richter übernehmen kann?“

„Vielleicht ist Chuck Nance der richtige Mann“, erwiderte Quinn. „Er überwacht die Fernsehinterviews im Raum Ontario, aber das dauert noch eine knappe Stunde. Dann steht er zur Verfügung.“

„Er ist gut. Alles klar, teil ihn ein. Wie läuft es sonst?“

„Außer einem kleinen Auffahrunfall, einem Paparazzi, der ein Foto machen wollte, als Richter Frenston die Frau von Richter Burkhaven geküsst hat, und der Tatsache, dass dem Hotel der Kaviar ausgeht, ist alles wunderbar. Diesen Job solltest du haben.“

„Burkhavens Frau?“

„Keine Angst. Ich war sehr taktvoll, als ich ihnen vorschlug, dass sie vielleicht ein bisschen diskreter sein sollten.“

„Da hätte ich gerne Mäuschen gespielt.“

„Wenn das so weitergeht, bitte ich um meine Versetzung. Ich habe beim Sicherheitsdienst angefangen, um böse Jungs zu jagen, und nicht, um als Diplomat zu arbeiten.“

„Aber du kannst das wirklich gut“, protestierte Marcus. Den bösen Blick, den ihm Quinn zuwarf, quittierte er mit einem Schmunzeln.

Marcus sah, wie Dave gerade in einen Aufzug verschwand. „Dave, warte auf uns.“

Dave hielt die Tür fest, damit sie mitfahren konnten. „Was gibt es?“

„Wir müssen einen Richter in das abgesicherte Stockwerk bringen. Kannst du uns dabei helfen?“

„Klar. Wer ist es?“

„Whitmore auf Zimmer 961“, antwortete Quinn. Dave drückte die Taste für den neunten Stock.

* * *

„Shari, du gehst schon wieder auf und ab.“ Joshua hatte sich auf dem Sofa ausgestreckt. Er winkte sie aus dem Weg, weil er mit der Fernbedienung die Fernsehprogramme nach den Spätnachrichten durchsuchte.

„Warum klingelt das Telefon denn nicht?“

„Mach dir darüber keine Gedanken. Der Anruf kommt ganz bestimmt. Carl ist sowieso noch nicht zurück. Er war im Gespräch mit dem Organisator der Konferenz, als wir nach oben gegangen sind.“

Shari wusste, dass er Recht hatte, aber trotzdem .... Sie ging zu dem Schreibtisch, an dem sie für diese drei Tage vorübergehend ihr Büro eingerichtet hatte, weil sie Abwechslung brauchte. Geduld war ein Wesenszug, an dem sie irgendwann einmal arbeiten musste.

„Wann wird das Essen kommen?“

Sie hatten sich für italienische Gerichte entschieden, weil Carl das am liebsten mochte.

„In fünfzehn oder zwanzig Minuten.“

Sie suchte auf ihrem Schreibtisch nach einem Kugelschreiber und einem Schreibblock, um sich die Zeit mit Arbeit zu vertreiben. Sie arbeitete gerade an einer Rede über eine bedeutende Reform des Schulsystems. Genau an dem Tag, an dem die Rede gehalten werden sollte, würde ein detailliertes Positionspapier über dieses Thema veröffentlicht werden. Die beiden Entwürfe auf verständliche Weise zusammenzufügen war eine echte Herausforderung.

Die Suite, die Shari mit ihren Eltern teilte, glich vielen anderen Hotelzimmern, in denen sie in den letzten Jahren übernachtet hatte. Wie üblich hatte sie ihre Sachen überall verteilt. Sie setzte sich nicht an den Schreibtisch, weil sie dort nicht genügend Platz hatte, sondern ließ sich in einem der gut gepolsterten Ohrensessel nieder. Ihr mit Eistee gefülltes Glas stellte sie auf den Seitentisch. Sie konnte sich überall auf ihre Arbeit konzentrieren, aber heute Abend fiel es ihr schwer. Als sie merkte, dass sie den Namen „Marcus“ an den Rand ihrer Notizen gekritzelt hatte, zwang sie sich, die Seite umzuschlagen. Marcus konnte bis...



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