Henderson | Auf verbotenen Wegen | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

Henderson Auf verbotenen Wegen


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6498-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-7337-6498-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Lillith schwebt in Lebensgefahr, seit sie einen Mord beobachtete. Nur in den Armen von Deegan Galloway - ein Mann, der in der Unterwelt so zu Hause ist wie auf den Bällen der feinen Gesellschaft - scheint sie sicher. Doch wie lange noch? Können sie gemeinsam dem Täter das Handwerk legen, ehe Lillith sein nächstes Opfer wird?



Keiner, der Beth heute trifft, würde glauben, sie sei schüchtern.' Aber ich bin's', behauptet sie. 'Steck mich in einen Raum mit Wildfremden, und ich werde in der nächsten Wand verschwinden.' Kaum zu glauben bei einer Frau, die ständig vor Publikum darüber spricht, wie man am besten Liebesromane schreibt. Sie hat in 10 Jahren 22 spannende Romanzen, historische Romane, Jugendromane und romantische Komödien verfasst und bei sechs Verlagen unter vier verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht. Und es hätten noch viel mehr sein können, wäre sie nicht durch das Scheitern ihrer zweiten Ehe so niedergeschlagen gewesen, dass sie ihre Vorstellungskraft und die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen verlor. Aber nach zwei Jahren gab es für Beth, die schon gar nicht mehr an die Liebe glaubte, wieder ein Licht am Horizont. Sie lernte einen Freund ihres Cousins kennen, mit dem sie einen regen Briefwechsel zwischen ihrem Zuhause in Ohio und seinem in New York pflegt. 'Er ist so altmodisch wie ich', behauptet sie, 'keiner von uns benutzt E-Mail.' Doch die Briefe, die sie sich fast täglich schreiben, geben ihr Kraft und Zuversicht.
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2. KAPITEL

Lilly sah noch immer das Gesicht von Belle Taubers Mörder vor sich. Er hatte hochgeblickt und sie dabei entdeckt, wie sie sein Verbrechen im Schatten des Hauses beobachtet hatte. Und dann …

Alles, was sie seit diesem entsetzlichen Moment getan hatte, war in einen dichten Nebel gehüllt. Sie wusste nicht einmal, wohin ihre panische Flucht sie geführt hatte. Doch der starke Arm, der sie nun umfasste, hatte etwas Beruhigendes – ganz so, wie auch die gelassene Stimme ihres unbekannten Retters.

Sie fragte sich gerade, ob es tatsächlich klug gewesen war, sich ihm einfach zu überantworten, als er sie vorsichtig hochhob und ihr dabei rasch die Hand auf den Mund legte, als sie verängstigt aufschreien wollte.

„Still“, befahl er ihr.

Sein singender Tonfall hörte sich an, als sei er belustigt, weshalb Lilly ihn verwirrt ansah.

„So ist es gut“, sagte er und setzte sie und ihre schwere Kamera hinter einem Stapel leerer Holzkisten auf dem Boden ab.

Aus Angst schwieg Lilly. Sie wusste, dass Belles Mörder sie gesehen hatte. Wenn er die Leiche der Prostituierten nicht erst hätte beiseiteschaffen müssen, wäre es für ihn bestimmt nicht schwierig gewesen, sie einzuholen. Er war sogar so schnell, dass Lilly seine Schritte vernommen hatte, noch ehe sie ganz aus der Gasse heraus gewesen war.

Nur wenige Augenblicke waren seitdem vergangen. Jetzt befand sie sich in einer anderen Gasse und verspürte eine solche Furcht wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Nur der Mann mit der melodischen Stimme stand zwischen ihr und dem Tod.

Er lehnte sich gelassen an die schmutzige Ziegelwand ihr schräg gegenüber und achtete nicht mehr auf sie. Stattdessen zog er einen Beutel Tabak und Zigarettenpapier aus der Innentasche seiner Jacke und begann sich eine Zigarette zu drehen.

Im nächsten Moment stürzte bereits Belles Mörder um die Ecke. Er starrte die Gasse entlang. Wenn er auch nur ein Stückchen von Lillys Rock oder das Ende ihres Stativs sah, wäre es um sie geschehen. Sie hatte keine Zeit mehr gehabt, sicherzugehen, dass sie völlig verborgen war. Voll Entsetzen beobachtete sie ihren Verfolger durch die Ritzen zwischen den aufgestapelten Kisten. Sie hatte ihn sogleich wiedererkannt. Der Schock hatte ihr jedes Detail seiner Gesichtszüge ins Gedächtnis gebrannt, und sie würde ihn bestimmt nie mehr vergessen. Seine Miene wirkte bedrohlich.

Ihr Retter schenkte dem Mann jedoch kaum einen Blick. Er schien ganz auf seine Zigarette konzentriert zu sein.

„He!“, rief der Mörder ihm zu. „Haben Sie eine Frau gesehen, die hier entlanggerannt ist?“

„Eine Frau?“, erkundigte sich Lillys Wohltäter, wobei seine Stimme plötzlich einen deutlichen irischen Akzent aufwies. „Ist sie hübsch?“

Der Mörder warf ihm einen finsteren Blick zu. „Verdammt“, fluchte er und suchte mit den Augen die Straße und dann von Neuem die Gasse ab.

Lilly widerstand der Versuchung, sich noch tiefer in den Schatten der Mauern zurückzuziehen. Sie befürchtete, dass eine Bewegung seine Aufmerksamkeit auf sie lenken könnte. Seine Augen funkelten vor Wut. Fast hätte man glauben können, dass er ein Gehilfe des Teufels wäre, der gekommen war, um ihre Seele zu holen.

„Sie hat ein dunkles Kleid an“, sagte er. „Und sie trägt vermutlich irgendetwas Schweres mit sich. Wenn sie nicht gerannt ist, hat sie zumindest heftig geatmet.“

„Ah“, seufzte der Ire zufrieden. „So mag ich die Frauen – heftig atmend.“ Er blickte wieder auf seine Zigarette. „Aber rennend? Vielleicht haben Sie das Mädchen nicht gut behandelt, wenn sie Ihnen weggelaufen ist.“

„Haben Sie die Frau jetzt gesehen oder nicht?“, fuhr der schlaksige Mann ihn ungeduldig an.

Lillys Retter schien die Ungeduld des anderen nicht weiter zu berühren. „Nein, leider nicht“, erwiderte er gelassen.

Der Mörder stieß wieder einen Fluch aus. Lilly fing zu zittern an. Als der Mann einen Moment später jedoch davonging, seufzte sie erleichtert auf.

„Vorsicht“, warnte sie der Ire, als sie sich bewegte. Er entfachte ein Streichholz an der Hausmauer und senkte dann den Kopf, um sich die Zigarette anzuzünden. „Er ist noch immer dabei, Sie zu suchen“, sagte er mit leiser Stimme, wobei nun der auffallende Akzent fehlte. „Ich werde es Ihnen sagen, wenn die Luft rein ist. Im Augenblick können Sie es sich jedenfalls bequem machen.“

„Danke“, flüsterte Lilly.

„De nada“, erwiderte er.

Die weich klingenden spanischen Worte hatten etwas Beruhigendes. Sie entspannte sich ein wenig und betrachtete den Mann, der nun perfekte Rauchringe in die Luft blies. Seine ganze Haltung vermittelte den Eindruck, als ob er sich niemals Sorgen machte. Lilly beneidete ihn fast darum.

Wie es sich für einen hilfreichen Ritter gehörte, sah er sehr gut aus. Sein markantes Gesicht strahlte trotz der scharfen Linien eine angenehme Sanftheit aus. Er wirkte wie jemand, der oft und gern lächelt. Sein Haar war hellbraun und gut geschnitten. Er musste also erst vor Kurzem in diesem Teil der Stadt aufgetaucht sein. Während der Wochen, die Lilly mit Besuchen in Barbary Coast verbracht hatte, war ihr immer wieder aufgefallen, wie liederlich die Männer aussahen, die sich hier herumtrieben. Obgleich sie vermutete, dass es auch Angehörige der Oberschicht hierher zog, sah man während der Nachmittagsstunden so jemanden eigentlich nie – von Reverend Isham einmal abgesehen, der auf den Straßen des Viertels seine Predigten hielt.

Dieser Mann hier war anders. Seine Kleidung war nicht nur gut geflickt, sondern wirkte auch zu sauber, um bereits lange in seinem Besitz sein zu können. Wahrscheinlich hatte er sie in einem der vielen Läden gekauft, die gebrauchte Kleidung anboten.

Seine abgelaufenen Stiefel und der zerknautschte Filzhut erweckten allerdings den Anschein, als ob sie bereits eine ganze Zeit lang von ihm getragen worden wären. Die breite Krempe des Huts verbarg den oberen Teil seines Gesichts, und man konnte nur einen Schnurrbart und breite Koteletten erkennen.

Obwohl Lilly seine Augen nicht recht zu sehen vermochte, vermutete sie, dass sie dunkel waren und eine gewisse Gerissenheit widerspiegelten. Sie beobachtete, wie er den Bewegungen von Belles Mörder genau folgte, während dieser die Straße auf und ab lief und dabei immer wieder am Eingang zur Gasse vorbeikam. Der ruhige Blick ihres Retters hatte etwas so Tröstliches an sich, dass sie für einen Moment tatsächlich aufatmete.

„Da haben Sie sich aber einen aufbrausenden Liebhaber angelacht“, sagte der Ire.

„Einen Liebhaber!“, empörte sich Lilly.

„Still! Der Kerl hört Sie sonst.“

„Er ist nicht mein Liebhaber“, flüsterte sie hitzig. „Er ist ein Mörder.“

Der Mann zog an der Zigarette. „Das glaube ich gern.“ Es klang allerdings nicht besonders überzeugt.

„Ich habe gesehen, wie er eine Frau umgebracht hat“, erklärte sie.

„Wirklich? Dann sind Sie besser still, oder es wird Ihnen nicht anders ergehen, meine Gute. Er kommt nämlich gerade zurück.“

Lilly erstarrte. Die Geräusche der Straße hallten in ihren Ohren wider. Sie zitterte. Ohne das Sonnenlicht war die Januarluft kalt und unangenehm. Es schien eine halbe Ewigkeit zu dauern, wie sie da so auf ihren Taschen lag und die Kamera fest umklammert hielt. Eine Ecke des Apparats drückte ihr in die Rippen. Sie schloss die Augen und betete im Stillen.

Deegan zog ein letztes Mal an der Zigarette und warf dann die noch brennende Kippe auf die Straße. Der finstere Bursche, der das Mädchen in seine Arme getrieben hatte, sah anscheinend ein, dass es zwecklos war, weiterzusuchen. Er betrat einen Saloon auf der anderen Straßenseite. Dort wollte er vermutlich sein Pech mit einer Flasche Rum und in den Armen einer anderen Frau vergessen. Auch wenn der Mann einen so verschlagenen Gesichtsausdruck hatte, dass man ihm etwas so Böses wie einen Mord zutraute, bezweifelte Deegan, dass er wirklich ein Mörder war. Er musste dem Mädchen allerdings einen großen Schrecken eingejagt haben.

Die junge Frau ließ keinen Laut von sich hören. Schon seit zehn Minuten kauerte sie mucksmäuschenstill in der Ecke. Ihr Herz klopfte wahrscheinlich mindestens genauso heftig wie das seine. Doch während sie vor Angst verging, war er vor Aufregung ganz erhitzt. Genau dieses Gefühl drohender Gefahr hatte er schließlich in Barbary Coast gesucht. Obgleich die Euphorie allmählich nachließ, fiel es ihm schwer, ein zufriedenes Lächeln zu unterdrücken.

Beinahe wie der heilige Georg hatte er eine Frau vor einem bösen Ungeheuer gerettet, wobei er jedoch nichts anderes als seinen Verstand eingesetzt hatte. Es machte ihm gar nicht so viel aus, dass dieses Abenteuer sehr kurz und harmlos gewesen war. Wenn der Mann seine entlaufene Freundin später noch einmal zu finden versuchte, würde er das zweifelsohne auch schaffen. Für den Moment jedoch war sie frei, und ihm wurde auf einmal klar, dass er bisher noch kaum einen Blick auf sie geworfen hatte.

Er ging leise zu ihr. Sie schien sich tatsächlich noch kaum bewegt zu haben, was ihn erstaunte. Schließlich hatte sie viel Temperament gezeigt, als sie ihn vorher zurechtgewiesen hatte. Sie war beleidigt gewesen, nachdem er ihren Verfolger als ihren Liebhaber bezeichnet hatte. Nun kam ihm die Idee, dass der Kerl ein Verwandter von ihr sein könnte, der sie zähmen sollte. Es wäre wirklich schade, wenn ihm das gelänge, dachte Deegan lächelnd.

Doch im Grunde...



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