Heine | Der Flug des Feuervogels | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 481 Seiten

Heine Der Flug des Feuervogels

Historischer Roman - »Die Säulen der Welt«-Saga 2 | Eine Jüdin in Rothenburg - ein Leben in Gefahr
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98690-966-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Historischer Roman - »Die Säulen der Welt«-Saga 2 | Eine Jüdin in Rothenburg - ein Leben in Gefahr

E-Book, Deutsch, 481 Seiten

ISBN: 978-3-98690-966-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



'Ein praller Schmöker für alle, die alles wollen' urteilte der SWR über 'Der Flug des Feuervogels' von E.W. Heine - jetzt als eBook bei dotbooks. Rothenburg ob der Tauber, Ende des 14. Jahrhunderts. Der Schrecken kehrt zurück in jene Stadt, die gerade meinte, aufatmen zu können: Bürgermeister Heinrich Toppler hat sich mit dem reichen Juden Josua Süßkind verbündet, um die erdrückende Steuerschuld von der Stadt zu heben. Doch nun gehen immer wieder Häuser in Flammen auf. Sind es tragisches Unfälle - oder ist es die Rache des Adels, der die Bürgerlichen in ihre Schranken weisen will? In dieser Zeit voller Machtgier, Hass und Aberglauben, in der die Schweine in den Straßen freier sind als mancher Mensch, verliebt sich Topplers Sohn in die Tochter Süßkinds. Doch ihre unschuldigen Gefühle drohen für Attila und Judith zur tödlichen Gefahr zu werden ... Ein ebenso deftiges wie überbordendes Zeitgemälde, sprachgewaltig erzählt von E.W. Heine, Autor des Bestsellers 'Das Halsband der Taube' 'Spannend, saftig, hitverdächtig.' Welt am Sonntag Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Der Flug des Feuervogels' von E.W. Heine. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

E.W. Heine (1935-2023) wurde in Berlin geboren und studierte Architektur und Stadtplanung. Er verbrachte viele Jahre in Südafrika, wo er ein Architekturbüro unterhielt und verschiedene internationale Projekte realisierte. Parallel dazu widmete sich E.W. Heine seiner anderen Leidenschaft, dem Schreiben: Aus seiner Feder stammen neben dem Bestseller »Das Halsband der Taube« unter anderem Drehbücher, Sachbücher, historische Romane und die makabren Kille-Kille-Geschichten, die Kultstatus erreichten. Zu E.W. Heines bekanntesten Werken gehört die Trilogie, in der er sich mit den großen Weltreligionen Islam, Judentum und Christentum auseinandersetzt: »Das Halsband der Taube«, »Der Flug des Feuervogels« und »Die Raben von Carcassonne«. Außerdem veröffentlichte er bei dotbooks den Roman »Das Geheimnis der Hexe«, auch bekannt unter dem Titel »Papavera - Der Ring des Kreuzritters«.
Heine Der Flug des Feuervogels jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Nacht über dem Taubertal. Der Himmel mondlos und schwer von Wolken. Nebelschwaden wallen über sumpfige Wiesen, streifen lautlos um Korbweiden, um Ulmen und Pappeln. In den Gräben schmatzt und gurgelt die Nässe. Bisweilen stöhnen die Äste eines alten Baumes unter der Last der Jahre. Drohendes Dunkel, Einsamkeit. Und mitten darin wie eine Insel im Ozean: die Stadt hinter der hohen Mauer, bewacht vom Türmer und Nachtwächter, behütet von Gott und den Heiligen.

Im Kloster der Franziskaner hatten die Mönche ihre mitternächtlichen Laudes beendet: Media in vita in morte sumus, mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben.

Der letzte Kerzenschimmer hinter den Fensterkreuzen war längst erloschen. Nun leuchteten nur noch die ewigen Lichter über den Altären, brennende Botschaft des Auferstandenen an seine Jünger: Pax vobiscum.

Ein Hornsignal!

Ein Hornsignal hoch oben vom Turm zerriss die Stille, gellte wie ein Aufschrei über die Dächer und Zinnen, über Kamine und Mauerkronen, schwoll an wie in höchster Todesangst, erstarb, erhob sich aufs Neue.

Ein zweites Signal vom Osttor!

Zappelig wie Fische an der Angelleine begannen die Glocken im Frauenkloster zu bimmeln. Und dann erwachten wie der Sturmwind die großen Glocken von Sankt Jakob:

Feuer, Feuer, Feuer.

Schreckensbleich, nur mit dem Nötigsten bekleidet, stürzten die Menschen auf die Straßen.

Flüche, Kinderweinen, Hundegebell, Befehle, Rufe: Feuer! Feuer in der Stadt, das war wie die Pest, wie der Teufel im Leib, Höllenfeuer!

Vor dem Feind bot die Stadtmauer Schutz. Die Kornspeicher bewahrten vor Hungersnot. Den Flammen aber waren sie ausgeliefert wie die Wolken dem Sturm.

Heiliger Florian, hilf, hilf uns in der Not! Sankt Jakob steh uns bei! Gütige Mutter Gottes, voll der Gnade, rette unsere Stadt!

Die Menge drängte dem Rödertor zu, wo der Himmel blutrot aufleuchtete, als ginge mitten in der Nacht die Sonne auf. Das Prasseln der Flammen in dem trockenen Gebälk wurde lauter, als sich die Menschen dem Unglücksort näherten. Funken wirbelten durch die Luft, glühende Schneeflocken, toll gewordenes Gestirn vor nachtschwarzem Himmel.

»Das Haus zum Bären brennt!«

In langen Ketten flogen die ledernen Eimer herbei. Schwarzer Rauch mischte sich zischend mit weißem Dampf. Da war keiner, der abseits stand. Schwitzend schaufelten die Knechte nassen Sand in die Glut. Sogar Dreschflegel waren im Einsatz. Hier brannte nicht ein Haus; hier brannte die Stadt. Ein Gebäude aus einem Guß war die Stadt. Giebel an Giebel, Waben in einem Bienenstock. Wehe, wenn der brannte!

Weiber und Männer, Greise und Knaben, alle löschten, so gut es ging. Selbst der alte Priester, der herbeigeeilt war, um seinen Segen zu spenden, hatte sich in die Eimerkette eingereiht, wohl wissend, dass Löschwasser jetzt wichtiger war als Weihwasser.

»Seht nur! Seht!«, rief eine Frau und zeigte in die schwelende Asche. Und nun sahen es alle, den fast völlig verbrannten Körper eines Menschen. Wie gekrümmte Vogelkrallen ragten die Rippen aus dem verkohlten Fleisch des Brustkorbs. Kopf und Gliedmaßen fehlten. Der herbeigeholte Priester erteilte dem Toten den letzten Segen: per aspera ad immortalitatem, aus dem Elend in die Unsterblichkeit, als ein Junge meinte: »Der hat ja einen Schwanz.« Und richtig, an dem verkohlten Korpus befand sich, für alle sichtbar, ein Schwanz.

Erschreckt schlugen die Herbeigelaufenen ein Kreuz.

»Ein Teufel! Heilige Mutter Gottes, ein Teufel!«

Eine verbrannte Ausgeburt der Hölle. Was hatte das zu bedeuten? Hatte die Hölle ihre Pforten geöffnet, um die Stadt zu verschlingen, so wie Sodom und Gomorrha von den Flammen verschlungen worden waren?

Uriel in urbe. Cave malum! Weihwasser wurde verspritzt. Miserere mei, Herr, erbarme dich.

Unfähig davonzulaufen, gelähmt wie Mäuse beim Anblick der Schlange, fielen die Umstehenden auf die Knie.

Uriel in urbe, der Teufel in der Stadt!

Doch dann verflog der böse Zauber. Der einbeinige Fleischhauer Hiob vom Rödertor hinkte zu dem Kadaver, betrachtete ihn mit zusammengekniffenen Augen, riss sich ein Stück aus dem dampfenden Fleisch, beroch es und – alle sahen es mit Entsetzen – schob sich den Satansbraten in den Mund. Dabei schmatzte er mit geschlossenen Augen, so wie es die Kellermeister beim Probieren des jungen Fassweines machen.

»Das ist eine Sau«, sagte er, »eine ganz gewöhnliche Sau.«

Er bückte sich und zeigte den Umstehenden den versengten Saufuß, der bei dem Kadaver lag. Kopfschüttelnd steckte der Priester seine sakralen Gerätschaften fort.

»Es ist unglaublich«, sagte eine Alte, die neben ihm stand. »Er hat einer Sau den Weg in die Unsterblichkeit gewiesen.«

Das Haus zum Bären war verloren; jetzt mussten alle Kräfte aufgebracht werden, um die Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Mit feuchten Tüchern erstickten sie die schwelende Glut auf den Nachbardächern. Am Ende kam ihnen der Himmel zur Hilfe. Es regnete aus vollen Kannen, so als hätte der heilige Florian ihr Gebet erhört.

***

Milchig blass wie der Wintermond ging die Sonne am nächsten Tag über der Stadt auf. Ein klebriger Geruch von Rauch und nasser Asche zog durch die menschenleeren Gassen. Bis weit in den Tag hinein lag die Stadt in tiefer, traumloser Erschöpfung. Krieger nach der Schlacht schlafen so.

Nur am Hauptmarkt im Haus Zum goldenen Greifen brannte hinter bleiverglasten Fenstern Licht. Bürgermeister Heinrich Toppler hatte noch in der Nacht den Inneren Rat zusammengerufen. Übernächtigt, mit angesengtem Haupt- und Barthaar, in rußfleckigen Gewändern drängten die Männer sich in der niedrigen Stube.

»Im Namen aller Heiligen, das war der dritte Brand, der dritte innerhalb eines Jahres.«

Der Satz stand im Raum wie eine ungeheure Anklage. Alle dachten sie das gleiche: So viel Unachtsamkeit gibt es nicht. Das war kein Unfall. Was hat das zu bedeuten? Wer steckt dahinter? Gottes Strafgericht oder gar der Teufel, wie es die Pfaffen von den Kanzeln der Kirchen predigten! Nein. Aber dann war es Menschenwerk? Einer von ihnen – war das denkbar? Nein und abermals nein. Und dennoch konnte es nur einer von ihnen gewesen sein. Stadtfeinde kamen nicht in Frage, denn die Stadttore waren des Nachts fest verschlossen.

»Gibt es nicht so etwas wie Selbstentzündung?«, fragte der alte Sylvester. »Feuchtes Heu kann sich so erhitzen, dass es entflammt. Eine meiner Scheunen hat vor ein paar Jahren ...«

»Das Haus zum Bären war keine Scheune«, unterbrach ihn der Bürgermeister. »Dort gab es weder Heu noch Stroh. Es diente den Franziskanern als Gästehaus und als Lager für Leder, Hanf und Pergament.«

»Waren letzte Nacht Gäste in dem Haus?«

»Nein. Dort brannte weder ein offenes Licht noch Feuer. Und Gewitter, wie ihr alle wisst, gab es auch nicht. Blitz und Selbstentzündung scheiden aus. Wer auch immer das Feuer legte, er befindet sich unter uns, innerhalb der Stadtmauern.«

»Was werdet Ihr dagegen unternehmen?«, fragte Gernot, der Gerber, den Bürgermeister.

»Ich werde die Franziskaner mit der Lösung des Falles beauftragen.«

»Die Franziskaner? Seit wann lösen Mönche unsere Probleme?«

»Das Haus zum Bären gehört ihnen. Sie haben folglich ein starkes Interesse daran herauszufinden, wer ihnen den roten Hahn aufs Dach gesetzt hat. Außerdem nennen sie sich voller Stolz canes papae, Spürhunde des Papstes. Wir werden ja sehen, ob auf diese Hunde Verlass ist.«

***

Am darauf folgenden Sonntag – es war der Namenstag des heiligen Kastulus – hielt der Prior der Franziskanermönche, Bernardinus von Babenhausen, die Predigt in Sankt Jakob. Die Kirche vermochte die Menschen nicht alle zu fassen. Wie die Bienen beim Hochzeitsflug drängten sie sich in dichten Trauben vor den Toren des Gotteshauses.

Als Pater Bernardinus die Kanzel betrat, war es so still in dem hohen Kirchenschiff, dass man das Fallen einer Feder vernommen hätte. Sein blasses, hageres Gesicht wirkte noch ernster, als es von Natur aus schon war. Die tief eingegrabenen Falten waren wie in Hartholz geschnitzt. Dünnes weißes Greisenhaar klebte wie Spinnengewebe an Stirn und Schläfen. Alles an ihm war ehrwürdig alt. Umso beeindruckender waren das lebendige Feuer, das in seinen Augen brannte, und die Stimme, die nichts von ihrer jugendlichen Kraft eingebüßt hatte:

»Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. So steht es geschrieben im neunzehnten Kapitel der Genesis: Als die Sonne über dem Land aufgegangen war und sich Lot im Auftrag der Engel nach Zoar begeben hatte, ließ der Herr auf Sodom und Gomorrha Schwefel und Feuer regnen. Von Grund auf vernichtete er ihre Häuser und mit ihnen alle Bewohner der Stadt und alles Vieh und alles, was auf den Feldern wuchs. Und am Morgen begab sich Lot an den Ort, an dem der Herr das Strafgericht vollzogen hatte. Er blickte auf die schwelenden Ruinen und auf das ganze Elend im weiten Umkreis. Schwarzer Rauch wie aus einem Schmelzofen stieg zum Himmel empor und verfinsterte die Sonne.«

Pater Bernardinus hob das blasse Gesicht und starrte zur Kirchendecke empor, als sähe er das rauchende Inferno der sündigen Städte mit eigenen Augen. Dabei senkte er die Stimme, als spräche er zu sich selbst: »Der Geruch von Asche, von verkohltem Holz, nach versengtem Haar und verbranntem Fleisch, nach Schweiß und Angst.«

Er beugte sich über den Rand der Kanzel und sog für alle hörbar die Atemluft durch seine hagere Greisennase ein.

»Riecht ihr es nicht?«

Und alle rochen es mit Schaudern.

»Ubi est gloria nunc Babyloniae? Wo ist nun der Glanz Babylons? Ist nicht die Stadt die Wurzel allen Übels? Ihr Erfinder war Kain, der...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.