Heine | Das Geheimnis der Hexe | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 375 Seiten

Heine Das Geheimnis der Hexe

Historischer Roman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96655-536-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Historischer Roman

E-Book, Deutsch, 375 Seiten

ISBN: 978-3-96655-536-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



In ihrer Brust schlägt das Herz einer Löwin ... Der historische Roman »Das Geheimnis der Hexe« von Bestsellerautor E.W. Heine als eBook bei dotbooks. Sie reitet wie der Teufel, ist mutig wie ein Ritter - und nicht bereit, sich wie ein sittsames Weibsbild zu benehmen ... Das Altmühltal im 13. Jahrhundert. Nach dem Tod ihrer Mutter wird Papavera unerwartet früh zur Erbin der Burg Falkenstein. Mit ihrem scharfen Verstand und großen Herzen erobert sie schnell die Herzen ihrer Vasallen - doch sie hat auch Feinde, die sie als Hexe verleumden. Im letzten Moment kann Papavera fliehen. Ihre einzige Hoffnung: Ins Heilige Land zu gelangen, um dort nach ihrem verschollenen Vater zu suchen. Auf der gefahrvollen Reise findet Papavera ungewöhnliche Freunde ... und muss doch immer auf der Hut sein vor einem Inquisitor, der sie um jeden Preis auf dem Scheiterhaufen brennen sehen will! Ein farbenprächtiger historischer Roman - meisterhaft erzählt von E.W. Heine, dem Autor des Bestsellers »Das Halsband der Taube«: »Der mitreißendste deutsche Historienerzähler unserer Tage!« Focus Jetzt als eBook kaufen und genießen: der historische Roman »Das Geheimnis der Hexe« von E.W. Heine. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

E.W. Heine (1935-2023) wurde in Berlin geboren und studierte Architektur und Stadtplanung. Er verbrachte viele Jahre in Südafrika, wo er ein Architekturbüro unterhielt und verschiedene internationale Projekte realisierte. Parallel dazu widmete sich E.W. Heine seiner anderen Leidenschaft, dem Schreiben: Aus seiner Feder stammen neben dem Bestseller »Das Halsband der Taube« unter anderem Drehbücher, Sachbücher, historische Romane und die makabren Kille-Kille-Geschichten, die Kultstatus erreichten. Zu E.W. Heines bekanntesten Werken gehört die Trilogie, in der er sich mit den großen Weltreligionen Islam, Judentum und Christentum auseinandersetzt: »Das Halsband der Taube«, »Der Flug des Feuervogels« und »Die Raben von Carcassonne«. Außerdem veröffentlichte er bei dotbooks den Roman »Das Geheimnis der Hexe«, auch bekannt unter dem Titel »Papavera - Der Ring des Kreuzritters«.
Heine Das Geheimnis der Hexe jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Der Knabe im Kupferkessel


Wenn die Kaufleute mit ihren schwer beladenen Planwagen, von Italien herkommend, durch das Altmühltal gen Norden zogen, so bekreuzigten sie sich beim Anblick der Burg Falkenstein und sprachen: »Gib Gott, dass sich der Ohrenabschneider auf Reisen befindet oder dass ihn wenigstens das Gliederreißen wieder so plagt, dass er vor Reißen nicht auf sein Ross kommt.«

Ritter Randolph von Falkenstein, den alle Welt nur unter dem Spottnamen »Der Ohrenabschneider« kannte, hatte die üble Angewohnheit, allen Räubern, die sich auf sein Gebiet wagten, und allen Händlern, die den geforderten Wegzoll nicht zahlen wollten, die Ohren abzuschneiden. Ihm selber fehlte das linke Ohr. Das hatten ihm die Mamelucken abgehackt.

Wenn aus dem Schornstein der Burg Rauch quoll – ein untrüglicher Beweis dafür, dass der Hausherr daheim war –, so beteten die, die seine Bekanntschaft schon einmal gemacht hatten: »Heiliger Sankt Engelmar, beschütze uns vor der Willkür dieses einohrigen Teufels.«

Dass sie den Alten einen Teufel nannten, war nicht recht, denn bei aller Strenge seiner Herrschaft entzündete er dennoch nach jeder Bestrafung eine Kerze auf dem Altar seiner Burgkapelle, die dem heiligen Petrus geweiht war – wahrscheinlich, so meinten die Bauern im Tal, weil auch der einem römischen Kriegsknecht ein Ohr abgehackt hatte.

Beim Laufen stützte sich der Ohrenabschneider auf seinen Säbel, denn er hatte auch nur ein Bein. Das andere war während einer Floßfahrt auf der Donau vom Blitz getroffen worden. Dennoch ritt er wie ein Hunne, und so soff er auch, mit Vorliebe Bockbier. Mehr noch liebte er gutes Essen. Salat und Gemüse stimmten ihn traurig. Nach Knödeln und Kuchen musste er sich kratzen. Deshalb aß er nur Fleisch.

»Karnickel und Esel fressen Grünzeug«, pflegte er zu sagen. »Raubtiere brauchen bessere Kost.«

Er hatte mehr Feinde als Freunde. Aber er hatte ein Weib mit dem schönen Namen Isabella. Trotz des wohl klingenden Namens war sie weiß Gott keine Schönheit. Isabella von Falkenstein hatte mit den Falken nur die ausdrucksstarke Nase gemein. Mit kurzsichtigen Augen blinzelte sie in die düstere Welt der fast fensterlosen Festung. Da nur selten ein Sonnenstrahl in die dickwandige Burg fiel, war ihre Haut weiß wie Fischbauch, und so roch sie auch. Ihre Zähne, sofern noch vorhanden, waren schartig oder schwarz, ihre Sommersprossen und Leberflecken so zahlreich wie die Sterne über dem Altmühltal zur Johannisnacht. Aber sie war fleischig prall an den richtigen Stellen ihres Leibes und in Liebesdingen talentierter als alle anderen Weiber, die der Ohrenabschneider je im Bett gehabt hatte. Und das waren nicht wenige.

Isabella Maultasch, wie sie mit Mädchennamen hieß, war seine dritte Ehefrau. Die beiden anderen lagen in der Gruft unter der Burgkapelle, gemeinsam mit ihren Neugeborenen. Der Tod hatte sie im Kindbett dahingerafft.

»Einer wie ich zeugt nur Söhne«, pflegte der Ohrenabschneider zu sagen, womit er wohl Recht hatte, denn auch das Kind, das ihm Isabella geboren hatte, war ein Junge, ein prächtiger Säugling im wahrsten Sinne des Wortes.

»Der trinkt für zwei«, sagte Isabella. »Ein Glück, dass unsere Amme Milch für drei in ihren Brüsten hat.«

»Prächtige Brüste«, fand der Ohrenabschneider, wenn er beim Stillen seines Sohnes zuschaute.

»Der wird einmal ein richtiger Schnapphahn. Schon bei seiner Geburt war er so schwer wie ein Zwölfpfünder-Dinkelbrot.«

Die Amme nickte mit dem Kopf, obwohl sie nicht begriff, wovon die Rede war. Als Araberin aus dem Land der Mamelucken verstand sie nicht die Sprache ihres Herrn, an den sie von einem maltesischen Sklavenhändler verkauft worden war. »Betrachtet ihr edles Profil«, hatte der sie angepriesen. »Sie ist von urphönizischem Adel. Obwohl sie keine Christin ist, ist sie ganz gewiss eine gute Amme.«

»Recht habt Ihr«, hatte der Ohrenabschneider erwidert. »Auch ungetaufte Kühe geben fette Milch. Was schert mich ihr Glaube.« Und zu seinem Weib, das bei jeder Gelegenheit den Herrn Jesus und alle Heiligen anrief, sagte er: »Ich bin ja Gott so dankbar, dass er mir die Gabe verliehen hat, nicht allzu sehr an ihn zu glauben.«

»Versündige dich nicht«, sagte sie dann, »sonst holt dich der Teufel.« Und er erwiderte lachend: »Einer wie ich endet nicht im Feuer.«

In diesem Punkt jedoch irrte der Alte. Und das kam so:

Der August ist im Altmühltal nicht nur der Monat mit den meisten Mücken und den mildesten Mondnächten, er ist auch der Monat mit den wildesten Gewittern. Während solch eines Unwetters fuhr der Blitz in den Festungsturm der Burg Falkenstein, sodass die Dachschindeln hundert Fuß hoch in den Himmel geschleudert wurden. Das Getöse war so groß, dass die Eulen und Uhus, die im Gebälk Zuflucht gesucht hatten, mit versengtem Gefieder davonstoben, als sei der Teufel hinter ihnen her.

Auch der Ohrenabschneider fuhr verschreckt aus dem Schlaf, und da er ja bereits sein rechtes Bein durch einen Blitzschlag verloren hatte, tastete er sogleich nach seinem linken. Als er feststellte, dass es noch da war, schickte er erst ein Dankgebet und dann einen schaurigen Fluch zum Himmel. Er schlug ein Kreuz und schrie: »Oh heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andere an!«

Doch dazu war es bereits zu spät.

Er fasste sein schlafendes Weib bei den Schultern, schüttelte es und schrie: »Feuer, Feuer! Wach auf, wenn dir dein Leben lieb ist!« Doch die drehte sich auf die andere Seite.

Und als er sie weiter wachrütteln wollte, rief sie schlaftrunken: »Scher dich zur Hölle!«

»Weib, wir sind schon mittendrin!«

Da sprang sie aus dem Bett, roch den Rauch, stürzte zur Tür, wollte hinaus zur Treppe, aber da war keine Treppe mehr. Das ganze Stiegenhaus stand in Flammen. Die hölzernen Stufen brannten wie Kaminholz. Die Turmfenster aber waren mit daumendicken Eisenstangen fest vergittert.

»Herr, hilf!«

Aber er half nicht.

Die Amme, die eine Etage darüber schlief, erwachte von dem beißenden Rauch, der die Kammer durchwölkte wie Nebel. Sie hob den schlafenden Knaben aus dem Korb, presste ihn an ihre Brust: fort, nur fort! Der Rauch nahm ihr Atem und Sicht. Wo war die Tür? Als sie sie aufstieß, schlugen ihr die Flammen entgegen. Sie taumelte zum Fenster, das Gott sei Dank nicht vergittert war, aber viel zu hoch, um den Ausstieg zu wagen. Wer von hier oben herabsprang, war auf der Stelle tot. 80 Ellen hoch war der Turm. Und unten an seinem Fuß fiel der Abhang mit steilem Gefälle immer weiter talabwärts.

Schon begannen die Deckenbalken zu brennen. Ihr blieb keine Zeit zum Überlegen. Sie ergriff einen großen Kupferkessel, schüttete das Badewasser aus, das darin aufbewahrt wurde, und stopfte stattdessen den Knaben mit allem Bettzeug, das sie greifen konnte, hinein. Eingewickelt in weiches Lammfell und Leinentuch steckte er in dem großen Kessel wie ein Küken in seinem Ei. Hustend und keuchend riss sie die Laken in Streifen, knotete sie aneinander und befestigte den Henkel des Kessels daran.

Als sie ihn aus dem Fenster hob, brannten bereits die Dielen, auf denen sie stand. Die Flammen umzüngelten ihre Füße, versengten den Saum ihres Rockes. Obwohl sie sich weit aus dem Fenster lehnte, war der Strick aus Leinentuch nicht lang genug. Es fehlten noch gut zehn Ellen bis zum Boden. Das Feuer erfasste ihr Haar. Da ließ sie los. Laut scheppernd polterte der kupferne Kessel zu Tal. Es war das Letzte, was sie vernahm, bevor die Höllenglut sie verschlang.

Der Säugling wurde noch in derselben Nacht gefunden. Die herbeigeeilten Bauern befreiten das Kind aus seiner Verpackung und stellten mit Erstaunen fest, dass es völlig unversehrt war. Mein Gott, was für einen Schutzengel musste dieser Knabe gehabt haben! Der einzige Überlebende von Falkenstein wurde zur nahe gelegenen Burg Prunn gebracht, wo ihn die Freifrau von der Recke, die zu Eusebius ihren eigenen Säugling verloren hatte, an Kindes statt aufnahm, was ihrem Gatten gar nicht recht war, denn – so argumentierte er »Wer ist so dumm und holt sich Ungeziefer ins Haus? Aus der Brut dieses verdammten Ohrenabschneiders wird niemals ein rechter Christenmensch werden, geschweige denn ein Rittersmann. Er wird uns nur Kummer bereiten. Weib, lass die Finger von diesem Findling.« Doch sie ließ sich das Kind nicht ausreden. Und er sollte nicht Recht behalten. Der Säugling wuchs zu einem prächtigen Knaben heran, der seine gleichaltrigen Spielgefährten an Haupteslänge überragte. Schon im Alter von elf Jahren war er ein treffsicherer Bogenschütze. Er ritt wie der Teufel und warf den Jagdspeer 200 Fuß weit. Mithilfe seines Beichtvaters hatte er das Lesen erlernt, eine Kunst, die nicht einmal der Freiherr von der Recke beherrschte.

Eine Aura scheuer Bewunderung umgab den Knaben. Papavero – so nannten ihn alle, die ihn kannten. Den wohl klingenden Namen hatte ihm die Freifrau gegeben. Sie stammte aus der Toskana und dort heißt Papavero roter Mohn. Denn sein Haar war so rot wie der Klatschmohn, oder richtiger wie der Kupferkessel, der ihn vor dem Feuer bewahrt hatte.

Papavero heißt aber auch wahrer Papa oder richtiger Vater. Das sollte er schon bald werden. Und damit beginnt unsere eigentliche Geschichte.

***

Die Jahre vergingen. Viel Wasser war die Altmühl hinuntergeflossen.

Die Türme von Burg Falkenstein ragten wieder in den Himmel, höher und stolzer als zuvor. Der Knabe aus dem Kessel war längst zum Mann geworden. Er hatte geheiratet und Kinder gezeugt, zwei Buben, die kurz nach der Geburt starben, und eine Tochter, die am Tag der heiligen Veronika das Licht der Welt erblickt hatte und...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.