E-Book, Deutsch, 352 Seiten
Heimrich Stralsund-Der Anschlag
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-8764-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 352 Seiten
ISBN: 978-3-7557-8764-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Terrorist Surkho kennt nur einen Gedanken: Rache! Er sucht Vergeltung für den Tod seines Bruders. Aber er will nicht nur die Verantwortlichen töten, nein, er hat vor, eine ganze Stadt bezahlen zu lassen. Wird die Kriminalpolizistin Johanna und ihre Verbündeten es schaffen, den Mann aufzuhalten? Es bleibt ihr nicht viel Zeit, denn der Attentäter hat sich die Wallensteintage - das größte Volksfest in der Hansestadt Stralsund ausgesucht, um seinen erbarmungslosen Plan umzusetzen - und das startet schon am kommenden Wochenende ...
Der Autor Raoul W. Heimrich ist als Regisseur durch seine fesselnden Krimis und rasanten Actionfilme bekannt. Er hat über 200 Fernsehfilme und Serienepisoden wie Der Alte, Alarm für Cobra 11, Küstenwache und Ein Fall für Zwei realisiert. Sein zweiter Roman, geprägt durch schnelle Schauplatzwechsel, tragische Schicksale und turbulente Action, spielt nach dem ersten YERSINIA wieder in seiner Wahlheimat Stralsund.
Autoren/Hrsg.
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Tag zwei Christian Hard und sein Azubi hatten sich in Schale geworfen. Für beide war es das erste Mal, dass sie bei einer Pressekonferenz teilnehmen würden, und dann gleich vor den Kameras – anders durfte es gar nicht sein, denn sie hatten die Mumie gefunden! Der Bauleiter holte den Schlüssel heraus, um den Eingang aufschließen, Nico zog einfach die Tür auf. «Was wird das denn hier?», brummte Christian. Der Lehrling zuckte mit den Schultern. «Da wird schon jemand da sein.» Der Bauleiter wackelte leicht mit dem Kopf und nuschelte: «Na, die hats ja echt nötig!» «Was?» «Das heißt immer noch: wie bitte. Und es geht dich nichts an!», knurrte der Bauleiter den Lehrling an; dieser murmelte etwas ebenso Unverständliches vor sich hin, dann hielt er dem Chef die Tür auf. Im Foyer musterte Christian den Raum; von der Direktorin war keine Spur zu sehen. «Los, mein Junge, mach schon mal das Licht an, die Reporter sollen was sehen, wenn sie hier ankommen!» Nico lief zum Hauptschalter und drehte diesen hoch – dann erstarrte der junge Mann, seinen in den Ausstellungsraum gerichtet. «Wasn los mit dir? Ist dein Akku alle?» Nico reagierte nicht auf diesen Spruch. Christian trat neben ihn und klopfte ihm auf die Schulter; erneut keine Reaktion – stirnrunzelnd folgte er dem Blick des Azubis; da fiel ihm die Kinnlade runter. «Ach du Scheiße!» Kevin streckte sich auf der Couch aus, er brauchte einen Augenblick, bis er realisiert hatte, wo er lag. «Na, auch schon wach?» Johanna stand vollständig angezogen und mit einer Tasse Kaffee bewaffnet in der Tür. «Wir haben gar nicht darüber gesprochen, wann du in der Schule sein musst –.» Er rieb sich die Augen. «Wie spät ist es denn?» Sie checkte ihr Handy. «Gleich dreiviertel acht.» «Verdammt!» Kevin sprang mit einem Satz vom Sofa und schlüpfte hastig in seine Jeans. «Um acht – um acht muss ich da sein.» Sie grinste. «Da hab ich noch mal Glück. Frühstück wäre eh nicht da. Ich versprech dir aber, dass ich heute einkaufen gehe!» Der Junge wollte widersprechen. «Ich dachte – ich –» Johanne schüttelte den Kopf. «Nee, passt schon, ich mach das. Hier.» Sie warf ihm einen Schlüssel zu. «Du bist sicher eher da als ich.» Kevin fing ihn geschickt auf; seit er Ninjutsu trainierte, hatten sich seine Reflexe bedeutend verbessert. Er war jetzt fertig angezogen, griff seine Schultasche und rannte an Johanna vorbei. «Bis später!» Und schon war er aus der Tür; sie schaute ihm lächelnd hinterher und nahm den letzten Schluck aus ihrer Tasse. «Dann will ich auch mal.» Ihr Handy vibrierte. «Ja!» Augenblicklich verlor sie ihren entspannten Gesichtsausdruck. «Okay, ich bin sofort dort.» Sie verschwand kurz aus dem Wohnzimmer und kam einen Moment später mit dem angelegten Schulterholster und ihrer Dienstwaffe in der Hand zurück; sie checkte geflissentlich das Magazin der Heckler und Koch und ließ dann die Waffe in das Holster gleiten; im Flur überlegte sie, ob sie ihre kugelsichere Weste anziehen sollte, schüttelte aber den Kopf, warf sich lediglich ihre Jacke über und eilte hinaus. Nachdem das metallische Klacken des Türschlosses verstummt war, störte nur das Summen des Kühlschranks die Ruhe. Vor dem Stralsund Museum herrschte Chaos; uniformierte Polizisten versuchten, die aufgebrachten Journalisten zu beruhigen, die unbedingt wissen wollten, was geschehen war. Johannas Dienstwagen hielt vor einem der Streifenwagen, die mit Blaulicht die Straße absperrten; sie brauchte sich nicht auszuweisen – den Kollegen war sie gut bekannt. Am Eingang fragte sie den Polizeimeister, der die Tür bewachte, «Wo muss ich hin?» «Gleich unten in die Ausstellung, die KTU ist schon da». «Danke», sie nickte ihm zu und er ließ sie ein. Im Foyer wuselten ebenfalls Uniformierte hin und her; der Bauleiter und Nico lehnten am Tresen. Sie waren immer noch so blass wie ein frisches Blatt Druckerpapier. Der Polizist, der vor den beiden stand, deutete auf Johanna. «So, die Kripo ist da, die wird ihnen gleich ein paar Fragen stellen, dann haben sie es überstanden.» Christians Versuch zu lächeln missglückte gänzlich und er zog nur eine schiefe Grimasse. Doch ›die Kripo‹ lief am Bauleiter und seinem Lehrling vorbei, ohne sie zu beachten; der Uniformierte vor ihnen hob beschwichtigend die Hand. «Die kommt gleich, ganz sicher.» Im Ausstellungsraum sah Johanna die Kollegen von der Spurensicherung bei der Arbeit; sie blieb in der Tür stehen. «Was gibts?» Eine kleine, zierliche Frau erhob sich vom Boden und gab den Blick auf die dort liegende Leiche frei. Diese lag ausgestreckt auf den Steinfliesen, so, als ahmte sie den vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci nach. «Morgen, Johanna, laut der Aussage des Bauleiters, haben wir dort die Direktorin des Museums.» «Wann kann ich rein, Irene?», fragte sie. «Na, ne Stunde wirst du schon aushalten müssen, bis wir das hier freigeben.» Johanna nickte ihr zu, sie hatte nichts anderes erwartet. «Okay, sagt mir Bescheid!» «Klar!» Damit ließ Irene sie stehen und begab sich wieder an den Tatort. Zurück im Foyer marschierte sie auf die beiden einzigen Zivilisten im Raum zu. «Tag, von Windheim, ich leite die Ermittlungen. Sie sind der Bauleiter und haben die Polizei gerufen, vermutete ich mal?» Christian bejahte dies: «So ist es, und das ist mein Azubi.» Sie nickte wissend. «Dann schießen sie mal los, am besten von Anfang an.» Während die beiden ihr berichteten, wie sie die Leiche der Direktorin gefunden hatten, schaute sich Johanna im Foyer um – erst als der Bauleiter auf die Entdeckung im Keller zu sprechen kam, drehte sie sich wieder zu ihnen. «Mumie?» Christian wiederholte den letzten Satz noch einmal: «Ja, heute sollte sie der Öffentlichkeit präsentiert werden.» Jetzt verstand sie, woher der Auflauf von Reportern vor dem Museum gekommen war. «Zeigen Sie mir die Mumie!» Eilfertig zeigten sie ihr den Weg nach unten. Ein leises Pfeifen entwich ihr, als sie den historischen Leichnam zu Gesicht kam. «Wow, das ist ja schon mal was, zumindest ist sie noch da, darauf hatte es also keiner abgesehen», bemerkte sie trocken. «Was soll man denn auch damit», fragte Nico verständnislos. Sein Chef warf ihm einen finsteren Blick zu, sodass der Azubi sofort wieder still wurde. Jetzt war es Johanna, die den Mann fixierte. «Der Junge hat vollkommen recht. Was soll man damit?» Sie kniff die Augen zusammen. «Hat ihr Auszubildender vielleicht sonst noch was sagen wollen, was sie ihm verboten haben?» Ihre Stimme hatte an Schärfe zugelegt und Christian griff sich an den Kragen, der ihm plötzlich zu klein geworden war. «Ich – nein – natürlich nicht. Stimmt doch, oder?» Er gab Nico einen leichten Schubs. «Nein – nein. Mehr haben wir wirklich nicht gesehen», holte der junge Mann seinen Chef aus der Klemme. «Gut, dann können wir wieder hochgehen!» Oben angekommen sah sie, wie der Bürgermeister das Museum betrat; er war in Schale geworfen, was ihn im Moment fehl am Platz wirken ließ. «Frau von Windheim», David Voge hatte sie ebenfalls entdeckt und eilte auf sie zu. «Können sie bereits etwas sagen? Ich würde der Presse gerne eine Auskunft geben, bevor wilde Spekulationen veröffentlicht werden.» «Guten Morgen, Herr Bürgermeister.» Jetzt fiel ihm auf, dass er sie nicht begrüßt hatte. «Ja, guten Morgen. Tut mir leid, aber das hier ist mein erster Tatort –.» Johanna wandte sich an Christian und Nico: «Fürs Erste brauche ich Sie nicht mehr. Bitte geben sie dem Kollegen da –», sie deutete auf den Uniformierten, der vorher mit den beiden gesprochen hatte, «geben Sie ihm Ihre Kontaktdaten. Wir werden uns melden, Ihre Aussagen müssen ins Protokoll, das machen dann später meine Kollegen im Revier.» Glücklich, endlich gehen zu dürfen, beeilten sich Christian und Nico, dem Polizisten ihre Ausweise zu zeigen. Johanna widmete sich wieder dem OB von Stralsund. «Wie es aussieht, hat man die Direktorin des Museums ermordet.» Dem Bürgermeister wich alle Farbe aus dem Gesicht. «Was –? Martina?» Er schwankte und hielt sich am Tresen fest. «Sollte die Bekanntmachung des Fundes nicht erst um zehn stattfinden? Wieso sind Sie jetzt schon da?», fragte sie, dabei um eine freundliche Stimme bemüht. David Voge kämpfte um seine Fassung. «Wir, das heißt, Martina und ich, hatten uns verabredet und wollten gemeinsam hierherkommen. Aber als ich heute Morgen bei ihr anrief, ging keiner ran, nicht einmal ihre Sekretärin. Und dann...




