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E-Book, Deutsch, 172 Seiten

Heil Neuzeit

Das 19. Jahrhundert
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-17-023321-8
Verlag: Kohlhammer
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Das 19. Jahrhundert

E-Book, Deutsch, 172 Seiten

ISBN: 978-3-17-023321-8
Verlag: Kohlhammer
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Das 'lange' 19. Jahrhundert steht im Mittelpunkt dieses Bandes. Die Französische Revolution, die Industrialisierung, die Zeit der Restauration, der Revolution von 1848, der deutschen Reichsgründung und der Erste Weltkrieg werden in diesem Band behandelt und auf der Grundlage des Kompetenzkonzepts didaktisch aufbereitet. Vorschläge zur Selbstevaluation und andere didaktische Methoden zeigen praxisorientiert, wie moderner Geschichtsunterricht die Neuzeit optimal vermitteln kann. Auch dieser Band legt wieder besonderes Gewicht auf das Problem der didaktischen Reduktion. Besondere, die Epoche kennzeichnende Inhalte werden ausgewählt und miteinander verknüpft und entsprechend aufbereitet. Das Buch bettet den Lehrstoff didaktisch in das Kompetenzentwicklungsmodell ein und zeigt so anschaulich, wie moderner, kompetenzorientierter Geschichtsunterricht aussehen kann.

Dr. Werner Heil ist Fachleiter für Geschichte am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Stuttgart und unterrichtet Geschichte am Goethe-Gymnasium in Ludwigsburg.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1;Deckblatt;1
2;Titelseite;4
3;Impressum;5
4;Inhaltsverzeichnis;6
5;Vorwort und Einführung ;8
6;1 Die Französische Revolution ;13
6.1;1.1 Planung der Unterrichtseinheit;13
6.2;1.2 Voraussetzungen der Revolution;14
6.2.1;1.2.1 Die Staatstheorien von Montesquieu und Rousseau;15
6.2.2;1.2.2 Langandauernde Krise der Gesellschaft;21
6.3;1.3 Die Geburt eines neuen Staates und einer neuen Gesellschaft;23
6.3.1;1.3.1 National- und Verfassungsstaat;23
6.3.2;1.3.2 Die Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft;25
6.4;1.4 Die Radikalisierung der Revolution;29
6.5;1.5 Das Direktorium und der Aufstieg Napoleons;33
6.6;1.6 Das Ergebnis der Revolution;36
7;2 Die Industrielle Revolution ;41
7.1;2.1 Planung der Unterrichtseinheit;41
7.2;2.2 Grundlagen der Industrialisierung;42
7.3;2.3 Die Industrialisierung in England: Textilindustrie und Infrastruktur;45
7.4;2.4 Die Industrialisierung in Deutschland: Eisenbahn und Schwerindustrie;49
7.5;2.5 Lebens- und Arbeitsbedingungen während der Industrialisierung: Die Soziale Frage;52
7.5.1;2.5.1 Neue Arbeitsbedingungen formen eine neue Gesellschaft;52
7.5.2;2.5.2 Lebens- und Arbeitsbedingungen des Industrieproletariats;56
7.5.3;2.5.3 Adam Smith: Die theoretische Grundlegung des Wirtschaftsliberalismus;62
7.6;2.6 Lösungsmöglichkeiten der Sozialen Frage;70
7.6.1;2.6.1 Private und kirchliche Hilfen für die Arbeiter;70
7.6.2;2.6.2 Gesellschaftliche und politische Ansätze zur Lösung der Sozialen Frage;74
7.6.3;2.6.3 Marx radikaler Ansatz zur Änderung der Gesellschaft;80
7.7;2.7 Bedeutung der Industriellen Revolution;83
8;3 Restaurative und liberale Politik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts;85
8.1;3.1 Planung der Unterrichtseinheit;85
8.2;3.2 Neuordnung Deutschlands und Europas durch Napoleon und den Wiener Kongress;85
8.3;3.3 Die Zeit des Vormärz: Der Kampf zwischen Befreiung und Restauration;92
8.4;3.4 Die erste demokratische Revolution in Deutschland von 1848/49;96
8.4.1;3.4.1 Der Weg in die Paulskirche;96
8.4.2;3.4.2 Zusammensetzung und Arbeitsweise der Nationalversammlung;100
8.4.3;3.4.3 Aufgaben der Nationalversammlung;101
8.4.4;3.4.4 Gründe und Folgen des Scheiterns der Revolution;109
9;4 Das Deutsche Kaiserreich ;112
9.1;4.1 Planung der Unterrichtseinheit;112
9.2;4.2 Der preußisch-österreichische Dualismus;112
9.3;4.3 Die Persönlichkeit Ottos von Bismarck (1815–1898);113
9.4;4.4 Bismarcks Ernennung zum Ministerpräsidenten;116
9.5;4.5 Wandel von Politik und Politikverständnis;117
9.6;4.6 Die Einigungskriege;122
9.7;4.7 Die Natur des Deutschen Reiches;128
9.8;4.8 Die Innenpolitik des Kaiserreichs: Staat und Untertan;133
9.9;4.9 Die Außenpolitik des Kaiserreichs;139
9.9.1;4.9.1 Außenpolitik unter Bismarck;139
9.9.2;4.9.2 Außenpolitik unter Wilhelm II.;143
9.10;4.10 Der Imperialismus;147
9.11;4.11 Der Weg in den Krieg am Beispiel des Balkans;151
10;5 Der Erste Weltkrieg ;156
10.1;5.1 Planung der Unterrichtseinheit;156
10.2;5.2 Begeisterung und illusionäre Erwartungen;156
10.3;5.3 Von der Seeblockade bis zum Kriegsende;158
10.4;5.4 Der Versailler Vertrag;162
11;6 Gesamtzusammenfassung: Wissensbasis der Orientierungs- und Handlungskompetenz;165
12;Anhang;166


1 Die Französische Revolution


1.1 Planung der Unterrichtseinheit


Planung der Unterrichtseinheit

Zur Planung der Unterrichtseinheit gehen wir wie in den vorausgehenden Bänden wieder von den Domänen aus und fragen, welche Kategorien für die Französische Revolution von Bedeutung sind:

Herrschaft

Recht

Gesellschaft

Religion

Wissenschaft

  • Demokratie
  • Verfassungsstaat
  • Volkssouveränität
  • Revolution
  • Ständerechte
  • Menschen- und Bürgerrechte
  • Freiheit
  • Gleichheit
  • Ständegesellschaft
  • Bürgerliche Gesellschaft
  • Religionsfreiheit
  • Abschaffung der Religion
  • Naturwissenschaft
  • Empirismus

Wirklichkeit

Selbstverständnis

Wirtschaft

Krieg

  • Sinneswirklichkeit
  • Gedankliche Erfassung der Sinneswelt
  • Individualismus
  • Freiheit und Selbstbestimmung
  • Gleichheit
  • Marktwirtschaft
  • Kapitalismus
  • Brüderlichkeit
  • Politischer Krieg
  • Volksbewaffnung

Wir sehen, dass die Kategorien in den Domänen, die mit der Wirklichkeitserfahrung zu tun und die wir daher als „Wirklichkeitskategorien“ bezeichnet haben, seit Anbruch der Neuzeit konstant geblieben sind. Andere wie diejenigen der Domänen des Rechts, der Herrschaft, der Gesellschaft usw. sind in der Frühen Neuzeit zum ersten Mal sichtbar geworden, wurden aber zurückgedrängt; nun brechen sie mit neuer Gewalt hervor und suchen ihre politische und soziale Verwirklichung. Mit der Französischen Revolution werden sie zu Leitideen eines Zeitalters: Die Ideen der Demokratie, der Menschen- und Bürgerrechte, der Freiheit und der Gleichheit, die zu einer bürgerlichen Gesellschaft führen werden, sowie die Ideen des Verfassungs- und des Nationalstaats. Sie beschäftigen zunächst europa-, dann aber auch weltweit die politischen Köpfe der Zeit, die für sie eine angemessene Staats- und Gesellschaftsform zu schaffen suchen. Hinzu kamen die Ideen der Marktwirtschaft und des Kapitalismus als neue Wirtschaftsformen. Ihnen haben wir den in der Revolution nur diffus bleibenden Begriff der „Brüderlichkeit“ zugeordnet.

Strukturskizze

Strukturskizze „Die Französische Revolution“

Leitthema: Die Französische Revolution – ein unvollendetes Fundament der Neuzeit?

Voraussetzungen der Revolution

Grundlegende Umgestaltungen

Die Krise der Revolution

Ergebnisse und Aufgaben

  • Geistige Voraussetzungen:
  • Aufklärung
  • Staatstheorien
  • Politische und gesellschaftliche Missstände
  • National- und Verfassungsstaat
  • Bürgerliche Gesellschaft
  • Volksbewaffnung
  • Menschenrechte
  • Robespierre und der Terreur
  • „Revolutionärer Wahnsinn“
  • Das Direktorium und der „Retter“ Napoleon
  • Fragwürdige Errungenschaften
  • Die Problematik der Umsetzung von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“

Notwendige Veränderungen

Unzulängliche Umsetzung

Defizite und Aufgaben

Die Grundsteine der modernen Welt

bedürfen einer weiteren Verarbeitung und Durchdringung

1.2 Voraussetzungen der Revolution


Erbe des Absolutismus

Der Absolutismus hatte, wie wir in Band 3 dargestellt haben, gedanklich, politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich ein problematisches Erbe hinterlassen. Die Staatstheorie entwickelte ein strenges Gottesgnadentum, in dem der Herrscher zu einer sakrosankten Person geworden war. Ideen von Mitbestimmung und Gleichheit der Bürger, wie sie zaghaft in der italienischen Renaissance und der deutschen Reformation aufgetreten waren, traten in den Hintergrund oder verschwanden. Finanziell war der Staat ruiniert. Die Hälfte der Staatseinnahmen floss in die Schuldentilgung, ein weiteres Viertel verschlangen die Militärausgaben, 6 % gingen an den Hof, 5 % waren zur Rentenzahlung für den Ersten und Zweiten Stand nötig; so blieben für die eigentliche Regierungsarbeit gerade 14 % des Staatshaushaltes übrig. Der französische Staat hatte eine hegemoniale Stellung in Europa erlangt, deren Verteidigung Geld kostete.

Aufklärung

Mit der Aufklärung geriet der Absolutismus gedanklich in die Defensive. Die Aufklärer verlangten Gedanken- und Religionsfreiheit und griffen damit den absoluten Staat in seiner Substanz an. „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“, schrieb Immanuel Kant 1784; er verlangte, dass die Menschen selbst- und eigenständig denken sollten. „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen, ist der Wahlspruch der Aufklärung.“1 Damit war jeder Autorität und jedem obrigkeitlichen Denken der Kampf angesagt; der Mensch war auf sich verwiesen und sollte den Maßstab zur Beurteilung der Dinge allein seiner Vernunft entnehmen. So hatte es bereits umfassend und tiefgründig Pico della Mirandola zu Beginn der Frühen Neuzeit formuliert. Kant forderte nichts revolutionär Neues, sondern erinnerte an ein Grundprinzip der europäischen Neuzeit.

1.2.1 Die Staatstheorien von Montesquieu und Rousseau


Nachdem eine Neugestaltung des Staatswesens, das den Forderungen nach Freiheit und Gleichheit gerecht geworden wäre, in der Zeit von der Reformation bis zum Absolutismus nicht gelungen war, machten englische Staatstheoretiker wie John Locke die ersten Schritte zur Begründung einer demokratischen Herrschaft. Ihnen folgten französische Denker nach, von denen Charles de Montesquieu und Jean Jacques Rousseau die bedeutendsten waren.

Montesquieu

„Es gibt in jedem Staat drei Arten von Vollmacht: die legislative Befugnis, die exekutive Befugnis in Sachen, die vom Völkerrecht abhängen, und die exekutive Befugnis in Sachen, die vom Zivilrecht abhängen. Auf Grund der ersteren schafft der Herrscher oder Magistrat Gesetze auf Zeit oder für die Dauer, ändert geltende Gesetze oder schafft sie ab. Auf Grund der zweiten stiftet er Frieden oder Krieg, sendet oder empfängt Botschaften, stellt die Sicherheit her, sorgt gegen Einfälle vor. Auf Grund der dritten bestraft er Verbrechen oder sitzt zu Gericht über die Streitfälle der Einzelpersonen. Diese letztere soll richterliche Befugnis heißen, und die andere schlechtweg exekutive Befugnis des Staates. [...] Sobald in ein und derselben Person oder derselben Beamtenschaft die legislative Befugnis mit der exekutiven verbunden ist, gibt es keine Freiheit. Es wäre nämlich zu befürchten, dass derselbe Monarch oder derselbe Senat tyrannische Gesetze erließe und dann tyrannisch durchführte. Freiheit gibt es auch nicht, wenn die richterliche Befugnis nicht von der legislativen und von der exekutiven...


Dr. Werner Heil ist Fachleiter für Geschichte am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Stuttgart und unterrichtet Geschichte am Goethe-Gymnasium in Ludwigsburg.



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