Heijermans / Schulze | Bluff | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 297 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

Heijermans / Schulze Bluff

Roman
Überarbeitete Fassung
ISBN: 978-3-96281-401-4
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 297 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-401-4
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Teufel führt sie zusammen: einen Schriftsteller, einen Bankier und einen Hoteldieb. Ein großer Aktienbetrug wird geplant, und ein Mord im Zug findet statt. Und wie alles zusammenhängt, muss Kriminalkommissar Nathan Duporc aufklären. Eine charmante und unterhaltsame Gaunerei im Stile alter Krimiklassiker. Null Papier Verlag

Herman Heijermans (3.12.1864-22.11.1924), war ein niederländischer Schriftsteller. Heijermans wurde in Rotterdam geboren, in einer liberalen jüdischen Familie. In Zeitungen veröffentlichte er mehrere Serien zum jüdischen Familienleben unter dem Pseudonym Samuel Falkland. Diese Serien wurden später auch in Sammelbändern veröffentlicht. Er verfasste ebenso erfolgreiche sozialkritische Theaterstücke und Romane.
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Zweites Kapitel – Worin Näheres über den Multimillionär Artur Rondeel erzählt wird.


Das luxuriöse Reiseauto des Herrn Artur Rondeel, Hauptinhabers der Internationalen Bank, hielt vor den vergitterten Fenstern des Bankgebäudes auf der Kaisersgracht. Wäre es Frühjahr oder Sommer und wäre die ganze Lage weniger beängstigend gewesen, so würde Herr Rondeel vermutlich die ganze Fahrt in seinem Luxuswagen zurückgelegt haben, statt den Pariser D-Zug zu benutzen. Nun aber war die Angelegenheit nicht nur sehr dringend, sondern sie musste auch so diskret wie möglich behandelt werden – an der Börse war ohnedies schon etwas durchgesickert – wohl nicht das Richtige, aber doch immerhin etwas, und das hatte natürlich zur Folge, dass die Aktien der Internationalen Bank, die in den letzten Jahren ohnehin schon unter Pari gefallen waren (trotz einer Dividende von acht Prozent und einer Reserve von dreissig Prozent des Aktienkapitals!), noch weiter heruntergingen. Innerhalb weniger Tage musste alles mit den Vertretern der Regierung ins Reine gebracht werden. Obendrein musste Herr Artur Rondeel bis spätestens Donnerstag zurück sein, um der Trauung seiner einzigen Tochter Klothilde beizuwohnen. Die Hochzeitsfeier sollte das glänzendste Fest werden, das noch je in Privatkreisen gefeiert worden war. Das Programm umfasste drei Tage: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Dienstags die Fahrt auf einem der Passagierschiffe der Seefahrtsgesellschaft, in deren Aufsichtsrat Herr Rondeel als Vorsitzender saß. Mittwochs Diner mit Ball und großem Orchester in der fürstlichen Villa draussen in Aerdenhout. Donnerstags Lunch im Pavillon des Vondelparks, Empfang in der Stadtwohnung und Sondervorstellung im Stadttheater.

Es sollten Tage und Nächte voller Überraschungen werden, und Herr Rondeel, der seit zehn Jahren Witwer war, hätte auch nicht um der größten Transaktion willen dieses Fest versäumen mögen.

Im Privatkontor der Direktion gab es ein nervöses Hasten, um alles zur Reise fertigzumachen.

Es war schon öfter fieberhaft zugegangen. Einmal, während einer jener Börsenperioden mit nur mühsam unterdrückten Panikstimmungen, hatte Herr Rondeel seine Angst vor dem Schwindeligwerden tapfer unterdrückt und war an einem Tage nach London hin und zurück geflogen; und an jenem Tage hatte es in dem luxuriös eingerichteten Privatkontor mit den wundervollen Mahagonimöbeln und den kristallenen Wandleuchtern und Lüsterkronen wortwörtlich Sturm gegeben. Die Prokuristen, die zwar nicht alle Finessen des Generalstabes und der Transaktionen großen Stils kannten, schätzten immerhin den Gewinn dieses Tages auf ein paar Millionen holländischer Gulden. Herr Artur Rondeel hatte privatim konsequent in Kronen, Mark, ja sogar in Francs à la baisse spekuliert. Keiner der Angestellten – und ihre Zahl war Legion – erinnerte sich, jemals eine aufgeräumtere, betriebsamere, frohere Stimmung in den Privatkontors erlebt zu haben, wie während der Abwesenheit des Herrn Rondeel, für den sein baumlanger Kompagnon Jones, ein geborener Engländer, die Geschäfte führte.

Sämtliche Telefonleitungen – elf Haupt- und sieben Nebenanschlüsse – waren schon vor Beginn der Börsenzeit und bis spät in den Abend hinein ununterbrochen besetzt, und drahtlose Telegramme hatte es nur so geregnet.

Aber auch diesmal hatte es Stunden gegeben, die an jenen historischen Tag erinnerten.

Der alte Jones, der sonst stets guter Laune war, brummte, schimpfte und schnauzte die Angestellten an, die ihn um Unterschriften baten. Der junge Henry Jones, der Donnerstag mit Klothilde getraut werden sollte, war ganz bleich. Der Subdirektor Cochefort, sonst das verkörperte Phlegma, dem kein Mensch an vornehmer Zurückhaltung gleichkam, nahm zwei – drei Stufen auf einmal und sprang die schwarzmarmornen Wendeltreppen zum oberen Flur empor, als ginge ihm heute alles zu langsam und als sässe ihm jemand auf den Fersen. Kikker hingegen, der tolle Jan Kikker, der denkbar heiterste aller Direktionssekretäre, der allzeit scherzende Turner, der nur einmal ein paar Tage aus seinem gewohnten Ton gefallen war, als Klothilde, der er heftig den Hof gemacht hatte, die Braut des jungen Jones geworden war – Kikker also war heute so ruhig und gemessen, als läge ihm die Reise nach Paris, die er als Vertrauensmann mit dem Bankier unternehmen sollte – eine Reise, um die das ganze übrige Personal ihn beneidete – sehr schwer im Magen.

Um ein Viertel nach fünf Uhr lehnte sich Herr Artur Rondeel, völlig erschöpft von den unzähligen Besprechungen und Konferenzen, einen Augenblick in seinen Klubsessel zurück, steckte sich die soundsovielte Zigarette zwischen die Lippen, und kein Sterblicher, weder sein Sozius, noch sein zukünftiger Schwiegersohn, noch sein Sekretär, hätte es gewagt, ihn während dieser wenigen Minuten der Ruhe zu stören, nachdem er ganz schlicht gesagt hatte: »Lasst mich jetzt einen Augenblick allein, bevor ich in den Wagen steige. Ich bin für keinen Menschen zu sprechen.«

Des Unermüdlichen Kopf mit den noch jugendlichen Gesichtszügen unter dem braunen Haar, dem wohlgepflegten Schnurrbart und dem kleinen Spitzbart à la Napoleon III. lehnte sich einen kurzen Augenblick müde hintenüber und gewahrte dabei das dreiste Lächeln des großen Seelenverderbers.

Dann schloss er die Augen, war einen Augenblick der Welt und dem Fieber des Tages entrückt.

Da läutete das Haustelefon trotz des strengen Verbotes und wollte nicht verstummen.

»Wer ist denn da?« fragte der Bankier zornig, »ich habe doch gesagt …«

»Ich!« rief eine Stimme.

»Wer ist ich?« fragte der in seiner Ruhe Gestörte, und seine Stimme klang sehr wenig freundlich.

»Joopie«, erwiderte der Störenfried lachend, weil er dessen sicher war, dass er sich sogar in diesem vornehmen Kaisersgrachthause etwas erlauben dürfte. War er jemals unentbehrlich gewesen, so war er es diesen Abend, da er im Begriff stand, mit seinem alten Jugendfreund Artur eine Spritztour nach der Lichtstadt Paris zu unternehmen.

»Wo sind Sie?« fragte der Bankier, dreiviertel wach geworden.

Josephus Bok, der...



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