Hedlund | Ein Bräutigam aus gutem Haus | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Hedlund Ein Bräutigam aus gutem Haus


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-86827-889-7
Verlag: Francke-Buch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-86827-889-7
Verlag: Francke-Buch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Michigan 1881, in einer Gemeinde von deutschen Auswanderern: Annalisas Mann kommt auf mysteriöse Weise ums Leben. Da die junge Mutter die Farm allein nicht halten kann, lässt ihr Vater in der alten Heimat nach einem neuen Ehemann für sie suchen. Eines Tages erscheint der galante Carl Richards auf ihrer Farm. Er hat zwei linke Hände, zieht Annalisa aber mit seiner charmanten und fürsorglichen Art in den Bann. Durch ihn begegnet Annalisa etwas von der Liebe Gottes, auf die sie schon nicht mehr zu hoffen wagte. In dieser Situation kommt die Ankunft von Annalisas Zukünftigem äußerst ungelegen. Und leider ist Carl nicht der, für den alle ihn halten ... (675 Z.)

Jody Hedlund lebt mit ihrem Mann, den sie als ihren größten Fan bezeichnet, in Michigan. Ihre 5 Kinder werden zu Hause unterrichtet. Die Zeit, die ihr neben dieser Tätigkeit noch bleibt, widmet sie dem Schreiben.
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Kapitel 1

Herbst 1880
Forestville, Michigan

Hans hatte das ganze Eiergeld gestohlen. Schon wieder.

Annalisa Werners raue Finger hielten den ausgefransten Saum der Schürze, die sie als Korb benutzte, zitternd fest. Unter dem Gewicht der Walnüsse spannte sich das dünne Leinen und protestierte mit einem leichten Ächzen.

Dieses Mal war ihr Mann zu weit gegangen.

„Ich halte seine Verantwortungslosigkeit keinen Tag länger aus.“ In der Stille des dichten Wäldchens hallten die Worte in ihrer deutschen Muttersprache hart wider. Trotzdem waren sie verglichen mit dem lauten Aufschrei ihres besorgten Herzens nur ein Flüstern.

Gretchen legte den Kopf schief, während ein sanfter Wind mit ihren seidenweichen, blonden Haaren spielte. „Mama?“ Die Zweijährige schaute mit ihren vertrauensvollen Kinderaugen zu ihr hinauf.

„Ach, Schatz.“ Annalisa zwang ein Lächeln auf ihre müden Lippen. „Hast du noch eine Nuss für Mama gefunden?“

Das kleine Mädchen hielt ihr eine hellgrüne Kugel hin.

„Du bist Mama eine große Hilfe.“ Annalisa nahm die Nuss und legte sie zu dem Haufen in ihrer Schürze. „Findest du noch eine?“

Sie würden jede Nuss brauchen, die sie sammeln konnten, wenn sie den herannahenden harten Winter in Michigan überleben wollten. Jetzt, da Hans den Tonkrug gefunden hatte, der von ihr in der dunkelsten Ecke ihrer kleinen Holzhütte unter dem Bett versteckt worden war, bräuchten sie die Nüsse erst recht.

Sie schüttelte so ärgerlich den Kopf, dass der lange Zopf auf ihrem Rücken heftig schaukelte. Schon wieder hatte ihr Mann ihr ganzes Geld verspielt. „Wer ist jetzt der Dumme? Wer?“

Sie war die Dumme. Sie hätte es besser wissen müssen.

Sie hatte gedacht, sie hätte endlich ein gutes Versteck gefunden, in dem sie ihre kümmerlichen Ersparnisse davor retten könnte, dass ihr Mann sie sinnlos vergeudete. Außerdem hatte sie gehofft, er hätte seine Lektion gelernt, nachdem er den größten Teil ihrer Einnahmen von der letzten Ernte verspielt und vertrunken hatte.

Aber als sie vor einer Weile aus der Stadt zurückgekommen war, um das Geld, das sie durch den Verkauf von Eiern und Butter verdient hatte, hineinzulegen, hatte sie entdeckt: Alles, was sie im Laufe des Sommers gespart hatte, war fort!

Er hatte keinen Cent übrig gelassen.

Genauso wie das letzte Mal.

Ja, sie war die Dumme.

Das trockene Herbstlaub knirschte unter den Schwielen ihrer nackten Füße, während sie Gretchens unbeschwerten Kinderschritten folgte. Wie sollte sie ihrer lieben, kleinen Tochter eine bessere Zukunft ermöglichen, wenn sie nicht verhindern konnte, dass Hans ihre Ersparnisse verspielte?

Ein stummer Verzweiflungsschrei wollte sich aus Annalisas Brust heraus Bahn brechen.

Wenn sie doch nur keinen Mann bräuchte!

„Nuss, Mama.“ Gretchen hob die nächste Nuss auf. Das bräunlich grüne Fruchtfleisch war weggefressen und nur eine verfaulte, leere Hülle war übrig geblieben.

„Diese Nuss ist nicht gut.“ Annalisa schüttelte den Kopf. „Irgendein wildes Tier hat die Nuss schon gefressen.“

Die Oktobersonne schien durch die absterbenden Blätter, die über ihnen im Wind tanzten, und ihre Strahlen berührten Gretchens Haare. Sie schimmerten im gleichen weichen Gold wie die Butter, die Annalisa heute Morgen gemacht hatte.

„Deine Haare haben die gleiche Farbe wie Rapunzels Haare.“ Dieses Mal schenkte sie ihrer Tochter ein echtes Lächeln, das ihre tiefe Mutterliebe zeigte.

Gretchen ließ die Nuss wieder fallen und schaute sie mit einem strahlenden Gesicht an. „Märchen?“

Annalisa strich ihrer Tochter die losen Haarsträhnen aus der Stirn und sah in Gretchen ein Spiegelbild von sich selbst. Von den Sommersprossen auf ihrer Nase über die großen, blauvioletten Augen bis hin zu ihren goldenen Haaren.

Ihre Tochter war ihr in so vielem ähnlich, sogar in ihrer Sehnsucht nach Märchen von schönen Prinzessinnen, mutigen Prinzen und wahrer Liebe. Der Unterschied war, dass Gretchen im Gegensatz zu Annalisa noch nicht gelernt hatte, dass Märchen nur Träume waren. Der Satz „Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“ wurde nur in Märchen wahr.

„Nein, Schatz. Kein Märchen. Jetzt nicht.“ Annalisa richtete sich auf und hatte mit einer plötzlichen Übelkeit zu kämpfen. „Heute Abend. Vor dem Einschlafen. Dann erzähle ich dir die Geschichte von der Prinzessin, die Gänse hütet.“

Gretchen klatschte in die Hände und lächelte. „Ich mag ‚Die Gänsemagd‘.“

„Du magst alle Geschichten gern.“ Annalisa stupste das Mädchen liebevoll an der Nase. Dann richtete sie sich auf und atmete tief ein. Der Rauchgeruch von verbrannten Sträuchern lag in der Luft.

Der Rauch beunruhigte sie nicht. Im Gegenteil, die schwarzen Wolken, die südlich des Maisfeldes aufstiegen, weckten nur neuen Ärger in ihr.

Wenigstens wusste sie jetzt, wo sie Hans finden würde. Falls sie ihn überhaupt finden wollte.

Ähnlich wie die anderen Einwanderer auf den umliegenden Farmen verbrachte Hans einen Teil seiner Zeit damit, mehr Land zu roden, damit sie im Frühling eine größere Fläche hätten, die sie anbauen könnten. Aber er hatte von den sechzehn Hektar, die er vor vier Jahren auf Kredit gekauft hatte, längst nicht so viel gerodet wie ihre Nachbarn.

Wenn er nur nicht bei jeder Gelegenheit in den Spielsalon laufen würde! Wenn er nur begreifen würde, dass ihr und Gretchen wegen seiner Verschwendungssucht wieder ein karger Hungerwinter bevorstand!

Vielleicht sollte sie hinübergehen, wo er arbeitete, und ihn wegen des Geldes zur Rede stellen. Sie hatte ihre Träume von einem Leben wie im Märchen vor langer Zeit aufgegeben, aber das durfte nicht bedeuten, dass Gretchen leiden musste.

Annalisas Finger verkrampften sich wieder um den ausgefransten Saum ihrer Schürze.

Wagte sie es, ihm ihre Sorgen zu sagen? Wie sollten sie ihren Hof behalten können, wenn sie immer nur schwieg? Wie sollten sie überleben?

„Komm mit, Gretchen.“ Mit einer Hand umklammerte sie die Schürze mit den Walnüssen, die andere Hand hielt sie Gretchen hin und bemühte sich, ihr Zittern zu unterdrücken. „Gib Mama die Hand. Wir machen einen kleinen Spaziergang.“

Gretchens kleine Finger legten sich in ihre Hand. „Gehen wir zum Fluss?“

„Vielleicht später.“ Sosehr der Fluss, der durch ihr Land floss und ihnen die ganzen Probleme mit E. B. Ward und Hans’ Spielsucht bescherte, sie auch störte – die Freude, die Gretchen am Wasser hatte, war nicht zu übersehen. Aber auch für sie war das Flussufer immer ein Platz zum Ausruhen, ein Ort, an dem sie ihre schmerzenden Füße abkühlen konnte, und ein Ort, an dem sie ihren Sorgen entfloh, wenn auch nur für kurze Zeit.

„Nein, zuvor müssen wir mit deinem Papa sprechen.“ Annalisa ging los, verlangsamte aber ihre Schritte, um sie dem Tempo ihrer kleinen Tochter anzupassen. Gretchen war barfuß wie sie, und obwohl die Haut an ihren Füßen nach dem Sommer ohne Schuhe dick und abgehärtet war, wählte Annalisa ihren Weg über die spitzen Zweige und durch das raschelnde Herbstlaub mit Vorsicht.

„Wir müssen dir bald Schuhe besorgen“, sagte sie, obwohl sie nicht wusste, wie sie sich jetzt ein neues Paar leisten sollten. Hans hatte sie nie mit so grundlegenden Dingen wie Schuhen versorgt. Ihm war es wichtiger, dass das Pferd neu beschlagen wurde, als seiner Tochter Schuhe zu kaufen. Er hatte einmal gesagt, dass ein Pferd für den Hof wichtiger sei als ein Mädchen.

Am Rand der Lichtung blieb Annalisa stehen und atmete tief die rauchige Luft ein. Sie atmete aus, wurde aber erneut von einer starken Übelkeit und einem heftigen Schwindelgefühl überrollt.

„Ach.“ Sie schluckte schwer und kämpfte gegen das unangenehme Gefühl an. Sie konzentrierte sich auf das Feld, das vor ihr lag.

Sie hatten einen Hektar Mais angebaut, da Mais zwischen den Baumstümpfen wachsen konnte, die nach der Abholzung des Waldes das Gelände übersäten. Natürlich hatten sie einen Teil der Ernte an Rehe, Waschbären und wilde Truthähne verloren, aber sie hatten trotzdem eine beträchtliche Menge in den Hafen von Forestville bringen können, von wo aus der Mais nach Detroit verschifft wurde.

Auf der gerodeten Fläche, die näher bei der Hütte und beim Stall lag, hatten sie auch Weizen und Hafer angebaut. Die Ernte war gut gewesen und hatte ihnen das Geld eingebracht, das sie so dringend benötigten.

Doch dann war Hans so dumm gewesen, das ganze Geld zu verspielen.

Ihr Brustkorb zog sich vor Schmerz zusammen. Sie musste sich auf die Möglichkeit einstellen, dass sie in einem Jahr vielleicht obdachlos wären. Wie sollten sie das Darlehen abzahlen, das im nächsten Herbst fällig war, wenn Hans weiterhin ihr sauer verdientes Geld sinnlos verschleuderte?

Wenn sie ihn vielleicht anflehte, damit aufzuhören …

„Komm, wir suchen deinen Papa.“ Annalisa zwang sich weiterzugehen, obwohl sie vor Sorge am ganzen Körper zitterte. Sie wusste nicht, wie sie ihn daran hindern sollte, ihnen noch mehr Schaden zuzufügen, als er es ohnehin schon getan hatte.

Konnte sie ihren Mann wirklich zur Rede stellen?

Falls sie das wagte, würde er wieder wütend werden. In den drei Jahren ihrer Ehe hatte er noch...


Jody Hedlund lebt mit ihrem Mann, den sie als ihren größten Fan bezeichnet, in Michigan. Ihre 5 Kinder werden zu Hause unterrichtet. Die Zeit, die ihr neben
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