E-Book, Deutsch, Band 416, 256 Seiten
Reihe: Historical
Heath Loderndes Verlangen nach dem verrufenen Earl
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-2678-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 416, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-7515-2678-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die hübsche Lady Harriet Fitzroy führt ein Leben als oft übersehenes Mauerblümchen. Ihr einziger Trost ist die tiefe Freundschaft zu Jasper, dem attraktiven Earl of Beaufort, der sie treu unterstützt. Dabei ist er selbst in einer schwierigen Lage: Er muss ein kleines Mädchen aufziehen, die Tochter einer Kurtisane! In Adelskreisen kochen die Gerüchte um Jaspers skandalumwitterte Vergangenheit über, und auch Harriet gerät in Verruf. Denn gegen alle guten Sitten entsteht in vertrauten Stunden ein unbezwingbares, loderndes Verlangen zwischen Harriet und dem Earl, das gänzlich unerfüllbar scheint ...
Schon als kleines Mädchen hat Virginia Heath sich fantastische Geschichten ausgedacht, wenn sie nicht einschlafen konnte. Schließlich hat sie beschlossen, dass Schlaf nicht so wichtig ist, und angefangen, die Geschichten aufzuschreiben. Mittlerweile hat sie über zwanzig Bücher veröffentlicht und wurde bereits zwei Mal für den Romantic Novel of the Year Award nominiert.
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1. KAPITEL
Berkeley Square,
Mai 1813
„Es ist so befriedigend, etwas für andere zu tun, findet ihr nicht?“
Lady Harriet Fitzroys Mutter, die Duchess of Avondale, hielt ihre Strickarbeit in die Höhe, als handele sich um einen Gegenstand von bewunderungswürdiger Schönheit und nicht um ein löchriges, unförmiges Desaster. „Was für eine fabelhafte Idee! Ich bin wirklich froh, dass Dr. Cribbs den Vorschlag gemacht hat. Es ist der perfekte Zeitvertreib, um unsere Gedanken vom Ball der Königin morgen Abend abzulenken.“
Einem Ball, vor dem Harriet sich insgeheim fürchtete, weil sie nicht mehr tanzen konnte, doch das behielt sie für sich. Während sich die anderen Debütantinnen von jungen Gentlemen über das Parkett wirbeln ließen, würde sie am Rande sitzen und so tun, als mache es ihr absolut nichts aus. Und alles nur wegen eines verwegenen Galopps über die Felder, über die sie schon ihr ganzes Leben lang geritten war.
„Drei Mädchen auf einmal in die Gesellschaft einzuführen ist wahrhaft nervenaufreibend.“ Ihre Mutter versuchte, sich den Anschein von Erschöpfung zu geben, doch bereits einen Moment später strahlte sie vor Vergnügen über die verlockende Aussicht. Es gab nichts, was sie mehr genoss als die turbulente Londoner Saison, die Harriets wegen zweimal hatte ausfallen müssen. Doch dieses Jahr würde der komplette Fitzroy-Clan sie begleiten und ihren Anspruch auf den Rang der Nestorin der glanzvollen Elite untermauern. Niemand wusste sich so einmalig in Szene zu setzen wie die Duchess of Avondale, und niemand veranstaltete so unvergessliche Bälle wie sie. Harriets Mutter funkelte, wo immer sie auftrat, und gab ihren Gästen das Gefühl, dass sie das Glück hatten, an einem einzigartigen Amüsement teilzunehmen. „Und nun, da die Vorbereitungen getroffen sind, ist ein Nachmittag mit ein paar Freundinnen genau das, was mir die nötige Erholung für morgen gewährt.“
Ein paar Freundinnen! Zwischen dem, was ihre Mutter und Harriet unter ein paar verstanden, lagen Welten. „Nur du kannst Sockenstricken in ein gesellschaftliches Ereignis verwandeln, Mama.“
Nichts brachte die Damen des ton so wirkungsvoll zusammen wie ein guter Zweck, und wenn es darum ging, dem Ruf zu den Waffen zu folgen, marschierte ihre Mutter begeistert voran. Überall im Salon standen Körbe mit Wolle, die die teuren Kurzwarenläden in der Bond Street gerade erst geliefert hatten, und auf dem Büfett warteten fast doppelt so viele Gedecke wie sonst auf die Gäste, während das bedauernswerte Küchenpersonal in dem Bemühen, den Nachmittagstee für, wie es aussah, eine komplette Armee vorzubereiten, herumrannte wie eine Schar kopfloser Hühner. Harriet kam zu dem Schluss, dass zwanzig Gäste eine eher konservative Schätzung waren, und sah ihre Mutter fragend an. „Wäre es nicht einfacher gewesen, das Geld, das du für diese Zusammenkunft ausgegeben hast, an das Hospital zu spenden?“
Zusammen mit ein paar altruistischen Kollegen hatte Dr. Cribbs, der berühmte Arzt aus der Harley Street, der bei Harriets Heilung Wunder bewirkt hatte, vor ein paar Jahren ein Armenspital in Covent Garden gegründet. Das Krankenhaus bot den zahllosen bedürftigen Kindern der Hauptstadt medizinische Versorgung. Der Zuspruch war groß, und Harriet engagierte sich, seit Dr. Cribbs sie nach ihrer Rückkehr in die Stadt vor einem Monat gebeten hatte, bestimmte Patienten auf ihrem Heilungsweg zu ermutigen, wie er es bei ihr getan hatte. Da sie für immer in der Schuld des gütigen Arztes stand, hatte sie seiner Bitte entsprochen, und inzwischen war das Spital praktisch ihr zweites Zuhause. Zum Teil, weil die Wohltätigkeitsarbeit ihrem Leben wieder Sinn gab, aber auch, weil sie aus erster Hand wusste, wie verheerend sich ein schwerer Unfall auf Körper und Geist eines Betroffenen auswirken konnte.
„Sicher wäre es einfacher gewesen, das Geld zu spenden – aber wo bliebe dabei der Spaß?“ Und das musste Harriet ihren Eltern lassen, sie hatten bereits eine riesige Summe für die Klinik gespendet, freilich ohne irgendein Aufhebens darum zu machen. Ihr Vater pflegte seine Philanthropie nicht auszustellen und sie außerhalb der eigenen vier Wände nicht einmal zu erwähnen.
„Außerdem schlagen wir auf die Art zwei Fliegen mit einer Klappe, Liebes.“ Ihre Mutter nahm Harriet ihre Frage nicht übel. „Denn so haben wir die beste Gelegenheit, uns unauffällig auf den neuesten Stand zu bringen, was den aktuellen Klatsch und Tratsch angeht, und gleichzeitig etwas für die Bedürftigen zu tun.“ Wieder betrachtete sie ihre Strickarbeit und schien von ihrer eigenen Gerissenheit wie auch ihrer Nächstenliebe über die Maßen angetan. „Schließlich geht es nicht an, dass ich morgen ahnungslos im Palast auftauche, wenn alle Welt von mir erwartet, dass ich immer über alles informiert bin.“
Harriet verdrehte die Augen gen Himmel, dann warf sie ihrer Zwillingsschwester Annie und ihrer Schwägerin Dorothea einen Blick zu. Die beiden kämpften mit Nadeln und Garn, und es kostete sie sichtlich Mühe, die Kunst des Sockenstrickens zu meistern. Dagegen bewegten sich die Finger von Harriets Cousine Kitty mit bewundernswerter Schnelligkeit. Kitty war die Expertin, die ihnen allen in den vergangenen vier Tagen das Stricken beigebracht hatte, damit sie für die spontan einberufene Teegesellschaft der Duchess gewappnet waren.
„Gott bewahre, dass du deinen Titel als Orakel allen Skandals verlierst.“ Harriet streckte das versehrte Bein aus und bewegte den Fuß. Es schwächte die Muskulatur, wenn sie das Bein zu lange schonte, und bestätigte nur Dr. Cribbs’ Lieblingsmantra, demzufolge man schwache Gliedmaßen fordern musste, damit sie nicht verkümmerten. Darum hatte sie das rechte Bein im vergangenen Jahr so hart trainiert, dass es nun wieder halb so belastbar war wie vor dem Unfall – wobei sie akzeptieren musste, dass sich das verflixte unansehnliche Hinken mit keinem noch so umfangreichen Übungsprogramm beseitigen ließ. Aber so war es nun einmal, und sie würde nicht länger darüber nachdenken. Humpeln war besser als gar nicht gehen zu können oder schlimmer noch, nicht mehr am Leben zu sein, wie es bei ihr fast der Fall gewesen wäre. Allein deshalb hatte sie allen Grund zur Dankbarkeit.
Ihre Mutter schien die Bemerkung als Kompliment aufzufassen und grinste unbußfertig. „Eine Frau ist nichts ohne ihren Ruf.“
„Euer Gnaden.“ Der Butler steckte den Kopf durch den Türspalt. „Die Countess of Boreham ist vorgefahren.“
Annie verzog das Gesicht und schoss ihrer Mutter einen finsteren Blick zu. „Du hast Lady Boreham eingeladen? Das kann nicht dein Ernst sein!“ Aus Solidarität machte auch Harriet eine finstere Miene. „Zumal nachdem ihr grässlicher Sohn meiner Schwester gestern einen Blumenstrauß geschickt hat! Als würde Harriet auch nur in Erwägung ziehen, diesen abstoßenden Menschen als Verehrer zu akzeptieren.“ Die Zwillinge erschauderten übertrieben.
„So gut ich euch verstehe, aber ich musste seine Mutter einladen, meine Lieben. Sie hält sich für eine meiner ältesten Freundinnen.“ Die Duchess zuckte entschuldigend mit den Schultern.
„Mama, sie ist so dumm wie ein Brot und versucht ständig, eine von uns dazu zu überreden, ihren schrecklichen Sohn zu heiraten!“ Annie war aufgebracht, und Harriet konnte es ihr nicht verübeln. Die Borehams waren schlimmer als die Todesstrafe, aber wenigstens hatte Lord Boreham begriffen, dass er nicht in Annies Liga spielte. Bei ihr jedoch glaubte der eingebildete Laffe, dass sie sich, weil kein anderer Gentleman sie wegen ihres lahmen Beins wollte, mit ihm zufriedengeben würde. Die Vermessenheit des Mannes brachte Harriet zur Weißglut, obwohl sie in ihrem tiefsten Inneren befürchtete, dass er vielleicht recht hatte.
„Ich weiß, Annie, aber zu ihrer Verteidigung muss ich sagen, dass sie Expertin im Handarbeiten ist. Deshalb konnte ich sie nicht ausschließen. Ihre Stickbilder sind erlesen, und ich wage zu behaupten, dass das Gleiche für ihre Socken gilt.“ Es war sinnlos, mit der Duchess über ihre verschrobene Logik zu streiten, denn sie folgte ihren eigenen Gesetzen. „Außerdem konnte ich uns die Anwesenheit ihres Sohns ersparen, indem ich schon in der Einladung schrieb, dass es eine Zusammenkunft ganz ohne Gentlemen wird.“ Die Duchess wedelte mit der Hand und schenkte ihnen ein selbstzufriedenes Lächeln, demzufolge sie ihr alle dankbar sein durften für diese Gnade. „Gern geschehen, Mädchen.“
„Was stimmt denn nicht mit ihrem Sohn?“ Kitty war auf dem Lande aufgewachsen und neu in der Stadt. Sie kannte praktisch noch niemanden in der Gesellschaft.
„Was stimmt mit ihm wäre die passendere Frage.“ Dorothea senkte die Stimme für den Fall, dass sie außerhalb des Salons zu hören war. „Hinter seinem Rücken wird er Lord Boredom, also Lord Langweilig, genannt.“
„Deshalb lass dich auf einer Gesellschaft bloß nicht von ihm ansprechen“, setzte Annie mit einem für alle hörbaren Flüstern hinzu. „Sonst stirbst du vor Langeweile, ehe es dir gelingt, ihm zu entrinnen. Will sagen, wenn du nicht vorher in seiner Spucke ertrinkst.“ Harriets Zwillingsschwester tat so, als weiche sie den Spucketröpfchen des wenig inspirierenden Gentleman aus. „Er macht jetzt schon seit so vielen Jahren Jagd auf eine Braut, dass man es nicht mehr komisch finden kann. Aber er ist so von sich eingenommen, dass ihm gar nicht auffällt, weshalb er keine Frau findet. Wenn er dich ins Auge fasst, wird er dir...




