E-Book, Deutsch, Band 012024, 144 Seiten
Reihe: Julia
Hayes Mein Herz so weit
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-2446-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 012024, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-2446-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine exklusive Safari in Afrika? Reisebloggerin Maddie nutzt die überraschende Einladung, um Abstand von London und ihren schmerzlichen Erinnerungen zu bekommen. Zu spät begreift sie, wer der Besitzer der luxuriösen Masoka Lodge ist: Kaden Barr, der einzige Mann, den sie je geliebt hat - und den sie gezwungen war zu verlassen. Allein mit ihm unter dem weiten Himmel Afrikas, wird sie bald schwach und verbringt gegen jede Vernunft eine Liebesnacht in seinen Armen. Doch bevor sie nicht mit der Vergangenheit abschließt, wird ihr Herz niemals frei sein ...
Ella Hayes lebt zusammen mit ihrem Ehemann und ihren beiden erwachsenen Söhnen in einer ländlich geprägten Region von Schottland. Ihre frühere Arbeit als Kamerafrau fürs Fernsehen und als professionelle Hochzeitsfotografin habe ihr eine Fülle an Material für ihre schriftstellerische Tätigkeit beschert, vor allem im Hinblick auf ihre Liebesromane, so die Autorin. Im Jahr 2018 legte sie ihren Master im Studiengang Kreatives Schreiben an der schottischen Dundee Universität ab - eine anstrengende, aber durchaus lohnende Erfahrung, wie sie meint. In ihrer Freizeit geht Ella gern joggen, hält sich mit Pilates fit oder macht es sich mit einem guten Buch auf dem Sofa gemütlich.
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1. KAPITEL
„Lina …? Hey! Miss James!“
Mit einem Ruck wachte sie auf. Ihr Herz klopfte wild, als sie versuchte, die fremde Stimme zuzuordnen. Sie öffnete die Augen und schaute sich in der Flugzeugkabine um. Durch die ovalen Fenster sah sie blauen Himmel und weiße Wolken.
Natürlich! Sie saß in einem winzigen ohrenbetäubend lauten Flugzeug, auf dem Weg zur Masoka Safari Lodge, und die Stimme kam aus dem Headset, das im Schlaf von ihren Ohren gerutscht war. Sie rückte die Kopfhörer zurecht.
Der Pilot Steve warf ihr über die Schulter einen Blick zu. „Tut mir leid, dass ich Sie wecken muss, aber wir setzen bald zur Landung an. Es könnte etwas wackelig werden. Vor uns liegt ein Bergkamm, und die Luftströmungen auf der anderen Seite sind manchmal lebhaft.“
„Sie meinen rau.“
Er grinste. „Ich nenne es lieber lebhaft.“
Sie lächelte. „Danke für die Vorwarnung.“
„Immer gerne.“ Er wandte sich wieder nach vorn und legte einen Schalter um. „Schlafen Sie nur nicht wieder ein, in Ordnung? Bei der Landung müssen Sie wach sein.“
Falls es einen Notfall gibt. Auch wenn er die Worte nicht aussprach, wusste sie, was gemeint war. Immerhin war sie eine erfahrene Reisende, hatte Hunderte Male in Flugzeugen geschlafen, in Zügen, in Bussen. Nur nachts, in einem richtigen Bett, fiel ihr das Schlafen schwer. Sie aktivierte das Mikrofon. „Verstanden!“
Sie streckte sich und unterdrückte ein Gähnen, dann sah sie aus dem Fenster auf das Buschland unter ihnen. Weit. Grün. Unberührt. Bei dem Anblick wurde ihr Herz ganz weit. Es war perfekt! Der perfekte Ort zum perfekten Zeitpunkt!
Normalerweise hatte sie nicht oft Glück … ganz und gar nicht. Aber an dem Morgen vor vier Monaten, als Fran Palmers E-Mail in ihrem Postfach aufgetaucht war, hatte sie geglaubt, vom Glück geküsst zu sein.
Liebe Lina,
ich weiß wie gefragt Sie sind, bestimmt haben Sie bereits Termine, aber wir würden Sie sehr gerne auf unsere Masoka Safari Lodge einladen.
Die Eröffnung findet Anfang Februar statt, und ein Artikel auf Ihrem Blog würde uns sehr helfen, schnell etwas bekannter zu werden.
Wenn Sie die Zeit finden, uns für eine Woche zu besuchen, bieten wir Ihnen eine Menge Unternehmungen für Ihren Artikel: Safari-Touren, eine Heißluftballonfahrt, eine Nacht unter den Sternen in unserem Luxus-Busch-Camp und im Anschluss eine Flussfahrt im Morgengrauen.
In der Masoka Lodge erleben Sie nicht nur hautnah die Big Five – Löwen, Elefanten, Nashörner, Büffel und Leoparden! Hier erwarten Sie auch köstliche Gerichte, luxuriöse Zimmer und ein entspannender Spa-Bereich mit Infinitypool. Kurz gesagt, wie bieten die ultimative Luxus-Safari-Erfahrung. Wir würden uns sehr freuen, Sie in unserer Welt begrüßen zu dürfen …
Es stimmte, Lina hatte bereits andere Pläne gehabt. Trotzdem hatte sie keine Sekunde gezögert, ihre Termine umzulegen. Nicht, weil sie unbedingt die Big Five sehen oder im Morgengrauen über einen afrikanischen Fluss schippern wollte, sondern weil die Masoka Safari Lodge sechstausend Kilometer von London entfernt war. In dieser Woche wurde ihr verdammter Vater aus dem Gefängnis entlassen. Ganz weit weg zu sein klang wie die beste Idee der Welt.
Jetzt war sie hier, und das Flugzeug senkte sich tiefer und tiefer über den afrikanischen Busch. Mit jedem Kilometer fühlte sie sich freier und leichter. Fasziniert sah sie zu, wie der Schatten des Flugzeugs erst über das Gras und dann über silbrig funkelndes Wasser tanzte. In der Ferne erhoben sich goldene Hügel mit riesigen Felsbrocken, durch die sich verschlungene Linien wanden. Tierpfade?
Sie biss auf ihre Unterlippe. Kaden hätte es gewusst. Er hatte sich leidenschaftlich für Tiere und die Wildnis interessiert … Nicht!
Aber es war zu spät. Eine Erinnerung stieg in ihr auf. Kaden, tief gebräunt und noch nass von einem Bad im See. „Schau mal, Maddie!“ Seine Mundwinkel zuckten vor Belustigung, als er seine Hände öffnete … nur eine Kaulquappe, aber das Tier wand sich in seinen Händen, und sie stolperte rückwärts. Sie konnte noch immer sein Lachen hören. Seine Augen hatten geglänzt wie flüssiges Kupfer …
Warum konnte sie nicht endlich loslassen? Die Erinnerungen brachten jedes Mal Fragen mit sich. War er glücklich? Verheiratet?
Gedankenverloren berührte sie ihre Bauchtasche. Darin lag ihr Handy. Wie leicht wäre es, im Internet Informationen über ihn zu finden. Immerhin war er der Erbe des Barr Imperiums. Vielleicht war er inzwischen schon Geschäftsführer. Obwohl, nein. Mit siebzehn war er fest entschlossen gewesen, Tierarzt zu werden. Er hatte sich gerade bei den Universitäten beworben, als … Stopp!
Tierarzt … Geschäftsführer … Jedi Ritter. Ganz egal. Auf keinen Fall würde sie nach ihm suchen. Das hatte sie sich vor langer Zeit geschworen. Denn es brachte nichts als Schmerz. Außerdem konnte sie die Zeit nicht zurückdrehen.
Seit ihre Mutter sie damals in den Zug gesetzt hatte, gehörte die Beziehung zwischen Kaden und ihr der Vergangenheit an. Kein „Auf Wiedersehen“. Absolutes Kontaktverbot. Wie musste er sie dafür gehasst haben … Ihr Herz zog sich zusammen.
Aber sie hatte keine Wahl gehabt. Sie musste es tun. Für Mum. Mum hatte sich schreckliche Sorgen wegen der Presse gemacht, hatte Angst gehabt, dass ihre Telefone abgehört wurden. Ihre Mutter wollte sie nur beschützen. Aber das hatte es auch nicht leichter gemacht, hatte Maddie nicht davon abgehalten, monatelang jede Nacht in ihr Kopfkissen zu schluchzen.
Nachdem ihr Vater zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war, wurde ihr klar, dass sie Kaden nie wieder anrufen konnte. Aus seinem Mund zu hören, dass er nicht mit ihr gesehen werden wollte, hätte sie zerstört. Und genau das hätte er gesagt.
Was sonst? Die Barrs waren gute Menschen mit einem hervorragenden Ruf in der Geschäftswelt. Ihr Vater Peter Saint James dagegen war Schatzmeister gewesen, eine Säule der Gesellschaft, aber dann war er wegen Korruption und Falschaussage ins Gefängnis gewandert.
Immer noch zog sich bei dem Gedanken ihr Magen zusammen. Wegen ihm musste sie damals untertauchen, musste ihren Namen und ihr Aussehen ändern. Musste ein ganz neues Leben beginnen. Tränen stiegen in ihre Augen. Und schon wieder lief sie seinetwegen davon.
Diesmal wegen seines verdammten Buchs. Die Autobiografie, die er im Gefängnis geschrieben hatte, war schon vor der Veröffentlichung ein Bestseller. Wofür machte er das? Geld? Öffentliche Aufmerksamkeit? Hatte er von beidem nicht längst genug? Verschwendete er jemals einen Gedanken an Mum und sie?
Verdammt, würde sie das alles nur kaltlassen! Aber sie schämte sich jede einzelne Sekunde ihres Lebens dafür.
Sie schloss die Augen und lehnte die Stirn an das kühle Fenster. Genug damit. Selbstmitleid half niemandem. Stattdessen musste sie sich auf das Gute konzentrieren. Ja, ihr Vater war ein elender Kerl, aber ihre Mutter war ein Fels in der Brandung. Und Maddies Blog war ein voller Erfolg, einer der bekanntesten Luxus-Reiseblogs im Internet.
Was Kaden anging … Natürlich dachte sie noch an ihn, er besaß immer noch einen Platz in ihrem Herzen. Aber bestimmt ging das jedem Menschen mit der ersten Liebe ähnlich. Mit dem ersten Liebhaber. Damals hatte es sich angefühlt wie für immer. Sie schluckte. Aber sie waren kaum mehr als Kinder gewesen. Was hatten sie von der Welt gewusst?
Plötzlich neigte sich das Flugzeug zur Seite, dann ruckte es. Die alte Maschine knarzte. Und sie presste sich in ihren Sitz und wappnete sich für die nächste Turbulenz. Sie hatte keine Angst. Wenn überhaupt, war sie froh. Das Flugzeug hatte sie zurück in die Gegenwart geholt.
Sie öffnete die Augen und sah zu, wie die leuchtend grünen Büsche und die rotbraune Erde unter ihnen vorbeirasten. Die Vergangenheit lag hinter ihr. Kaden und Maddie waren Geschichte.
Im Hier und Jetzt war sie Lina James, eine preisgekrönte Reiseschriftstellerin. Und sie stand kurz davor, sich kopfüber in ihr erstes Safariabenteuer zu stürzen. Alles in allem, sah ihr Leben gar nicht so schlecht aus.
Kaden lenkte den Land Cruiser so schnell durch die Kurve, dass der Wagen ins Schlingern geriet. Zu schnell! Was hatte seine Großmutter immer gesagt? Besser fünf Minuten zu spät in dieser Welt als fünf Minuten zu früh in der nächsten …
Er drehte kraftvoll das Lenkrad und trat auf das Gaspedal. Großmutter Barrs Weisheiten waren gut und schön, aber zu spät zu kommen war keine Option. Ganz besonders nicht, wenn die bedeutendste Reisebloggerin des Internets auf einen wartete. Jedenfalls laut Fran. Fran!
Sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Sie würde nicht zu spät kommen, Fran hätte alles unter Kontrolle. Aber auf keinen Fall durfte er ausgerechnet jetzt an sie denken. Sie war weg, und er … Oh Gott. Er steckte in Schwierigkeiten.
Das Flugzeug stand schon auf der Landebahn, die Tür weit geöffnet. Er fuhr langsamer. Dann erkannte er Steve, der gerade einer Frau aus dem Flugzeug half. Lina James! Wahrscheinlich gab sie Masoka direkt einen Minuspunkt, weil kein Willkommenskomitee auf sie wartete. Verdammt!
Hätte er bloß Jerry heute Morgen losgeschickt, um nach den Wildhundwelpen zu sehen, statt selbst zu fahren. Dann wäre er rechtzeitig hier gewesen. Aber wenn es um Tiere ging, konnte er keine Verantwortung abgeben. Das war keine Gefühlsduselei. Tierärzte konnten sich keine Gefühlsduselei leisten.
Die...




