E-Book, Deutsch, 203 Seiten
Hartmann Karma - Wissen, Wirken und Werden
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8190-3098-7
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Enthaltend praktische Anweisungen in Bezug auf die okkulte Wissenschaft für diejenigen, welche nicht bloß wissen, sondern auch werden wollen
E-Book, Deutsch, 203 Seiten
ISBN: 978-3-8190-3098-7
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Franz Hartmann (* 22. November 1838 in Donauwörth, Bayern; ? 7. August 1912 in Kempten (Allgäu)) war ein deutscher Theosoph, Freimaurer, Rosenkreuzer und Autor von esoterischen Werken.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Einleitung
Das eben ist der Fluch der bösen Tat,
Dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.
Schiller, (Wallenstein)
Das Wort Karma (Sanskrit) bedeutet Handlung oder Tätigkeit, und wenn vom Gesetze des Karma die Rede ist, so ist damit nichts anderes gemeint als das allgemeine Naturgesetz, dem zufolge jede Tätigkeit eine Ursache ist, welche bestimmte Folgen hat, und aus diesen Folgen entstehen neue Ursachen zu entsprechenden Tätigkeiten oder Handlungen; und so fort ins Unendliche, bis wieder die völlige Ruhe eintritt, in welcher alle Tätigkeit aufhört. Jedes individuelle Ding, sei es ein Atom, ein Mensch, ein Volk, eine Welt oder ein Sonnensystem, hat deshalb sein Karma, oder, mit anderen Worten, seine aus natürlichen Ursachen und Folgen zusammengesetzte Lebensgeschichte, deren Ereignisse nicht aus einer Reihe von Zufälligkeiten bestehen, sondern wobei das eine dem andern entspringt; und da nichts in der Welt vereinzelt dasteht, sondern jedes Einzelne mit dem Ganzen zusammenhängt, so ist auch das Karma des Einzelnen mit dem Karma des Ganzen verbunden, und das Karma des Ganzen hängt von den Handlungen der einzelnen Glieder ab; beide bedingen sich gegenseitig. Jeder Organismus, sei es ein menschlicher, gesellschaftlicher, kirchlicher, staatlicher, oder die ganze Menschheit zusammengenommen, kann als ein Ich betrachtet werden, welches als solches will, denkt und handelt und dadurch Ursachen schafft, welche sein Wollen, Denken und Handeln für die nächste Zukunft und damit auch sein Schicksal bestimmen; nur das Selbstlose handelt nicht und hat daher auch kein eigenes Karma; da es keine eigene Individualität hat, so kann es auch nichts tun, das dieser nicht vorhandenen Individualität Eigenschaften verleihen oder ihm Glück oder Unglück bringen würde. Das Selbstlose aber ist Gott, d. h. der durch die wahre Erkenntnis vom Selbstwahne erlöste und freie Wille, in welchem kein Begriff der Getrenntheit von der Einheit des Ganzen mehr existiert. Ein Organismus schafft sich sein Karma, solange er in Tätigkeit ist; und desgleichen das Selbst, welches durch diesen Organismus wirkt. Wenn aber durch diesen Organismus nicht der eigene Wille, sondern die über alle Selbstheit erhabene Weisheit wirkt, so ist keine Eigenheit vorhanden, die sich Gutes oder Böses zuziehen könnte; sondern das Gute selbst, welches an keinen Selbstwahn gebunden ist, wirkt in ihm, und da kann von keiner Rückwirkung auf dieses nicht existierende Selbst die Rede sein.
Das innerste Wesen des Menschen ist der Wille; derselbe kann gut oder schlecht oder nur unbewusst sein, und demgemäß werden seine Handlungen entweder der Erkenntnis, der Leidenschaft oder der Unwissenheit entspringen und diese für dieselben verantwortlich sein; er selbst ist nur den Folgen seiner Handlungen unterworfen, insofern diese Eigenschaften seine eigenen sind, oder, mit anderen Worten, solange er sich mit einer derselben identifiziert. Geht seine Handlungsweise aus seiner Unwissenheit hervor, so ist er dafür nicht verantwortlich, wenn auch sein Körper, das Werkzeug, wodurch er handelte, die Folgen seiner Handlungen büßen muss; denn die Unwissenheit ist ein negativer Begriff, ein Nichts, und hat keine Verantwortung. Geht seine Handlungsweise aus der Leidenschaft hervor, so hat er die Folgen davon zu tragen, insofern als diese Leidenschaft seine eigene ist und er sich mit derselben identifiziert. Geht dieselbe aus seiner eigenen Erkenntnis des Guten hervor, so werden ihm die Folgen seiner guten Handlungen zugutekommen. Handelt er aber in der Kraft der Erkenntnis in völligem Selbstvergessen und Selbstlosigkeit, so ist es die Kraft des göttlichen Geistes, welche sein Bewusstsein erfüllt und durch ihn handelt und wirkt, und nicht seine eigene Persönlichkeit, und seine Persönlichkeit hat dann an diesen Handlungen keinen Teil; wenn es auch dabei nicht ausgeschlossen ist, dass für die Persönlichkeit, durch welche aus reinem Pflichtgefühl selbstlose Taten geschehen, dadurch freudige oder schmerzliche Folgen entstehen. Der Mensch kann aus seinem dem Eigendünkel entspringenden Eigenwillen, welcher eine Täuschung und deshalb eine Verkehrtheit ist, nichts zur Ehre Gottes tun; lässt er aber seinen Selbstwahn fallen und das in ihm erwachte Gottesbewusstsein ihn führen und durch ihn handeln, so verherrlicht Gott sich selber in ihm ohne sein Zutun. Es ist nicht richtig zu sagen, dass ein solcher Mensch seine Pflicht erfüllt, denn er selber tut nichts dabei aus sich selbst, er ist nur das Werkzeug, durch welches das, was geschehen soll und muss, sich erfüllt. Deshalb heißt es in der Bhagavad Gita: „Tue, was getan werden soll, aber selbstlos und ohne persönliche Rücksicht. Wer völlig selbstlos handelt, der gelangt zum All-Einigen1.
Ein Beispiel mag Obiges erläutern: Nehmen wir einen Soldaten auf dem Schlachtfelde, so kann derselbe aus dreierlei Ursachen handeln; nämlich aus Unwissenheit, wobei er bloß ein blindes Werkzeug des Zwanges ist, aus Leidenschaftlichkeit oder aus Vaterlandsliebe. Kämpft er aber aus reinem selbstlosen Pflichtgefühl, so entspringt sein Tun nicht seinem eigenen Willen, sondern er handelt nach dem Gesetze der Pflicht.
Der Erstere ist ein Dummkopf, welcher bloß dem Gesetze der Notwendigkeit folgt; er schießt blindlings darauf los und hat dabei weder einen Nachteil noch ein moralisches Verdienst zu beanspruchen; er handelt nicht aus eigenem Antriebe, sondern als blindes Werkzeug des Willens seiner Vorgesetzten, und auf diese fällt die Verantwortlichkeit je nach dem Grade ihrer Erkenntnis und ihrer Beweggründe. Der Zweite ist ein Werkzeug der Leidenschaft, die entweder aus eigenem nationalen Hass entsprungen ist oder sich infolge der ihn umgebenden Stimmung seiner bemächtigt hat. Er sucht nicht bloß seine Pflicht zu tun, sondern auch seinen eigenen Ehrgeiz oder seine eigene Mordlust zu befriedigen, und je mehr er sich seiner Leidenschaft hingibt und sich mit ihr identifiziert, um so mehr handelt er aus seinem Eigenwillen und macht die Leidenschaft zu seinem Ich. Wie der zweite aus eigenem Willen Böses zu tun sucht, so sucht der dritte aus eigenem Willen Gutes zu tun. Ihn treibt die Vaterlandsliebe an, und indem er sich mit derselben identifiziert, eignet er sie sich an und macht sie zu seinem Ich. Dabei handelt er denn aus eigenem Willen und schafft sich sein eigenes Karma, sei es gut oder schlecht. Der Soldat aber, welcher ohne an sich selbst zu denken und ohne selbstsüchtige Begierde nur darnach trachtet, seine Pflicht zu erfüllen, handelt selbstlos; die moralischen und geistigen Folgen seiner Handlungen betreffen ihn nicht persönlich; dies aber schützt ihn weder davor, an dem aus dem Kriege entspringenden Karma seiner Nation teilnehmen zu müssen, noch auch vor persönlichen Leiden durch Verwundung, Gefangenschaft usw. Der Selbstlose kann ebenso gut verwundet, gefangen oder getötet werden als der Dumme oder der Leidenschaftliche; denn die Person eines jeden ist ein äußerliches Ding und hängt mit äußerlichen Umständen zusammen. Dagegen wird die Rückwirkung auf den inneren Menschen, in Bezug auf dessen Moral und Denkweise, eine verschiedene sein, je nach dem Beweggrunde der Handlung; d. h. je nach der Quelle, der sein Wollen, Denken und Tun entsprang. Das Wollen, Denken und Tun eines Menschen ist aber gerade dasjenige, was ihn von anderen Menschen unterscheidet. Darin besteht seine Individualität und daraus folgt sein individuelles Handeln, folglich sein eigenes Karma. Damit ist aber auch gesagt, dass jeder Mensch selber sein eigenes Karma ist. Er ist die Summe der Eigenschaften, die er sich durch sein Wollen, Denken und Tun erworben hat, und aus dieser Summe werden Ursachen geboren, welche sein Wollen, Denken und Tun bestimmen; sie besteht aus seinen Talenten und Fähigkeiten, welche, wenn sich die Gelegenheit bietet, zum äußerlichen Ausdruck kommen, bei einem anderen aber, welcher dieselben nicht besitzt, sich nicht geltend machen können; denn der Mensch kann nichts tun, das über seine Kräfte geht; seine Handlungen sind ein Ausdruck seiner geistigen Kraft; er kann dasjenige nicht äußern, was er nicht in sich hat, er handelt so, wie er ist.
Ehe wir zu einer Betrachtung der okkulten Kräfte, welche an den Wirkungen des Karma beteiligt sind, schreiten, wird es geeignet sein, uns darüber klar zu werden, dass diese Wirkungen in nichts Fremdartigem ihre Ursache haben, sondern dass ihr Ursprung im Menschen selber zu finden ist:
Die bewegende Kraft im Menschen, in welcher sein Wollen, Denken und Können zusammengefasst ist, und welche sein Tun und Lassen bestimmt, wird sein Charakter genannt. Emerson sagt in Bezug darauf: „Es gibt Leute, in deren Gegenwart man stets das Gefühl hat, wenn man sie sprechen hört, es müsse in ihnen etwas Feineres, Höheres sein als alles, was sie aussprechen. Es gibt Menschen von großer Bedeutung und wenig Taten. Wir können kaum den kleinsten Teil vom Gewichte Washingtons in der Geschichte seiner Leistungen finden, und die Autorität, die der Name Schillers besitzt, ist größer als seine Schriften. Der größte Teil der Kraft in solchen Personen ist latent. Dies ist es, was man ihren Charakter nennt, eine aufgespeicherte Kraft, die unmittelbar und durch ihre bloße Gegenwart wirkt. Das reinste literarische Talent z. B. erscheint manchmal größer, manchmal geringer; aber der Charakter besitzt eine sternenhafte, unveränderliche Größe; er erficht seine Siege durch die bloße Demonstration seiner Überlegenheit, nicht durch das Kreuzen der Bajonette; er gewinnt, weil durch seine Ankunft die ganze Sachlage überhaupt eine andere wird. So brauchen Volksvertreter, die ihren Standpunkt zu behaupten wissen, nicht erst ihre Wähler...




