E-Book, Deutsch, 308 Seiten
Hartley Ramaphosa
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-947925-05-6
Verlag: Tessa Publishing (Pty) ltd.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Weg zur Macht in Südafrika
E-Book, Deutsch, 308 Seiten
ISBN: 978-3-947925-05-6
Verlag: Tessa Publishing (Pty) ltd.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ray Hartley ist Redakteur der Rand Daily Mail. Er war ein Anti-Apartheid Aktivist und arbeitete mit an den Verfassungsverhandlungen, welche die Apartheid in Südafrika beendete. Er begleitete das neue Südafrika als politischer Berichterstatter, reiste ausgiebig mit Nelson Mandela und Thabo Mbeki, und als Redakteur der Sunday Times, Südafrikas größter Zeitung, während der Jacob Zuma Ära.
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Plötzlich grinste Ramaphosa. Aber genauso schnell verschwand das Lächeln wieder und er berührte verschwörerisch meinen Ärmel: "Weißt du, ich bin ein Rätsel“. –
Cyril Ramaphosa hob seine rechte Hand und legte am 15. Februar 2018 den Amtseid als Präsident Südafrikas ab, zwei Monate nachdem er das Amt des Präsidenten des regierenden ANC mit knapper Mehrheit übernommen hatte.
Die meisten Südafrikaner sahen in der Person Ramaphosa eine Chance, die Talfahrt der Nation unter Jacob Zuma umzukehren. Er versprach die Wiederherstellung einer sauberen Regierungsführung, die Rückkehr zu Recht und Ordnung und auch ein schnelleres Wirtschaftswachstum, um endlich auch die Jugendarbeitslosigkeit des Landes zu bekämpfen.
Ramaphosa hatte die Macht übernommen, er blieb jedoch ein Rätsel. Sein erstes Kabinett zeigten sowohl eine tief greifende Veränderung als auch ein weiter so. Er entfernte zwar einen Teil von Zumas Lakaien und übernahm die Kontrolle über das Finanzministerium, behielt jedoch unerklärlicherweise andere Zuma-Loyalisten auf ihren Posten, sogar einige, die allgemein als inkompetent angesehen wurden. Er behielt den schwachen und unfähigen Chef der Staatsanwaltschaft, der Zuma bis zum Schluss beschützt hatte; andererseits ging er entschieden gegen den mit Zuma verbundenen Finanzminister vor.
Die Fragen waren vielfältig. Wofür stand Ramaphosa? Was motivierte ihn? Wie würde er regieren? Was waren seine wahren Prioritäten?
Es ist nicht mein Ziel, einen umfassenden Überblick über Ramaphosas Leben zu geben. Das hat bereits Anthony Butler in seiner bewundernswerten Biographie über Cyril Ramaphosa getan. Ich erhebe auch keinen Anspruch darauf, die tiefen psychologischen Motive zu beleuchten, die Ramaphosas öffentliche Persönlichkeit oder die anderer im politischen Rampenlicht prägen, so faszinierend eine solche Arbeit auch sein mag.
Stattdessen möchte ich an meinem Strickzeug festhalten - dem Schnitt und der Stoßrichtung in der Politik, dem großen Spiel, das die Geschicke und Schicksale der Nationen prägt. Das ist es, was mich interessiert, und das ist das Handwerkszeug, das ich in meinem Berufsleben als Journalist verfeinert habe, als ich die Entwicklung des großen südafrikanischen politischen Spektakels beobachtete. Vom Ende der Apartheid, dem Beginn der neuen demokratischen Ordnung bis zum Auftauchen neuer Probleme, von denen viele nicht erwartet wurden, war die politische Geschichte Südafrikas fesselnd. So viel steht dabei auf dem Spiel.
Es war einmal eine einfachere Geschichte, in der die Dämonen der Apartheid mit den Engeln des Anti-Apartheid-Kampfes bis zum Tod kämpften. Aber es hat sich zu etwas viel Komplexerem und Schwierigerem entwickelt, obwohl das alte Muster, seine Spieler entweder als Dämonen oder Engel anzusehen, fortbesteht.
Im amüsanten Vorwort zu seiner Biographie erzählt Butler von dem Katz-und-Maus-Spiel, das er spielte, um Ramaphosa bei einem Treffen in seinem Büro in Sandton zur Mitarbeit zu bewegen: Plötzlich grinste Ramaphosa. Aber genauso schnell verschwand das Lächeln und er berührte meinen Ärmel verschwörerisch: 'Ich bin ein Rätsel, wissen Sie'1 Ich begegnete Ramaphosa zum ersten Mal, als ich als Protokollführer der Arbeitsgruppe Zwei im Konvent für ein demokratisches Südafrika (Codesa) Verhandlungen über die Form eines Post-Apartheid-Südafrikas tätig war. Ramaphosa war in diesem Ausschuss, und es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die schiere Kraft seiner Persönlichkeit und sein taktischer Verstand diese Verhandlungen zu ihrem erfolgreichen Abschluss trieben.
Wenn es eine Sache gibt, die das politische Leben von Ramaphosa bestimmt hat, dann ist es die Bezeichnung 'Unterhändler'. Erfolg in Verhandlungen erfordert Charme und Charisma, aber auch ein rücksichtsloses Auge für die Schwächen des Gegners und die Fähigkeit, einen Deal in dem Moment abzuschließen, in dem Sie Ihr Gegenüber dorthin gebracht haben, in dem dieser den Kompromiss akzeptiert, den Sie zu Ihren Bedingungen anbieten.
Ramaphosa sollte der Verhandlungsführer des afrikanischen Nationalkongresses (ANC), der größten und einflussreichsten Befreiungsbewegung des Landes, bei Gesprächen über das Ende der Apartheid und das Schreiben einer neuen Verfassung werden. Er sollte sein Verhandlungsgeschick unter Beweis stellen, indem er den Hauptgegner des ANC, die National Party (NP), die das Land seit über 40 Jahren regiert hatte, zu freien und bedingungslosen Wahlen für einen vollständig demokratischen Staat zwang, der von einer fortschrittlichen Verfassung regiert werden sollte. Er hat die Lämmer dazu gebracht, für ihren Schlächter zu stimmen.
Doch nachdem die Tinte auf der Interimsverfassung getrocknet war und Nelson Mandela der erste demokratisch gewählte Präsident Südafrikas werden sollte, wurde Ramaphosa politisch ausgegrenzt. Der ANC wählte seinen Rivalen, Thabo Mbeki, als Mandelas Nachfolger. Ramaphosa, der sich in der Gewerkschaftsbewegung und im Kampf gegen die Apartheid die Zähne ausgebissen hatte, stammte aus einer Tradition robuster und offener demokratischer Praxis. Gewerkschaftskongresse fanden in der Öffentlichkeit statt und es gab manchmal heftige Auseinandersetzungen um Führungsrollen. Mbeki kam hingegen von der Exiltradition, in der die Operationen heimlich stattfanden und die Informationen auf einer "need-to-know"-Basis geteilt wurden. Führungs-entscheidungen wurden hinter verschlossenen Türen getroffen und der Außenwelt vollkommene Einheit präsentiert.
Mbekis Präsidentschaft und die seines Nachfolgers, Jacob Zuma, verfolgten die Anwendung dieser Exilmentalität auf die nationale Politik, und die Transparenz, Rechenschaftspflicht und Offenheit der Verfassung der Republik waren daher für den ANC fremd und unangenehm.
Die Frage, die sich alle stellten, als Ramaphosa sein Amt im Union Building antrat, lautete: kann der Mann aus der Mitte von vorne führen? Mit anderen Worten, kann Ramaphosa das politische Narrativ stören und es von einem von Angst und Gerüchten beherrschten in eines von Hoffnung und Optimismus verwandeln? Kann Ramaphosa den ANC aus dem Schatten ziehen und ihn in eine moderne politische Kraft verwandeln, die in einer konstitutionellen Demokratie reibungslos funktioniert?
Dieses Buch versucht, diese Fragen zu beantworten, indem es untersucht, wie Ramaphosa die wichtigsten Herausforderungen in der Gewerkschaftsbewegung, in der Wirtschaft und in der Politik bewältigt hat. Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, denn Ramaphosa bleibt eines der bestgehüteten Geheimnisse der südafrikanischen Politik und bietet selten etwas von sich selbst, das über sorgfältig überlegte öffentliche Äußerungen hinausgeht.
Einer von denen, mit denen ich sprach, bevor ich dieses Buch schrieb, war der ehemalige Bergbauleiter Bobby Godsell. Als junger Mann saß Godsell auf Seiten der Anglo American Minen während den Verhandlungen über Löhne und Arbeitsbedingungen Ramaphosa gegenüber. Er arbeitete mit Ramaphosa am Nationalen Friedensabkommen und traf ihn wieder, als Anglo in den ersten großen „“-Vertrag ( – Ergänzung in Klammer durch den Verlag) der demokratischen Ära eintrat, den Verkauf von Johnnic an ein Konsortium schwarzer Investoren, angeführt von Ramaphosa. "Denken Sie daran," sagte mir Godsell, "er ist ein Mann mit vielen Facetten. Ramaphosa kam aus der Mittelschicht - sein Vater war Polizist. Und dann hatte er Jura studiert. "Justiz und Politik sind oft sehr eng miteinander verbunden", bemerkte Godsell.
Ramaphosa ist ein faszinierendes Subjekt, weil er auf so vielen Gebieten aktiv war. Er war ein Studentenführer. Als Gewerkschafter war er maßgeblich am Kampf gegen die Apartheid beteiligt. Und dann wurde er zur Schlüsselfigur bei den Verfassungsgesprächen zur Gestaltung der neuen demokratischen Ordnung. Er verließ die formale Politik, um ein Geschäftsimperium aufzubauen, und kehrte dann an die politische Front zurück, nur um festzustellen, dass die Maschinerie, die er geholfen hatte aufzubauen, dringend reparaturbedürftig war. Natürlich macht die Tatsache, dass er schließlich Präsident der Republik wurde, ihn zu einem noch faszinierenderen Subjekt.
Er ist charmant und zurückhaltend zugleich. Er fügte sich der Autorität und doch strahlte er Autorität aus. Er wird dazu getrieben, das Schicksal des Landes zu steuern, und doch scheint er manchmal hilflos von die Flut mitgerissen zu werden. Wofür steht er? Die Antwort ist deutlich sichtbar und gleichzeitig von Wolken umständlicher Argumentation verdeckt.
Beginnen wir dort, wo alle politischen Erzählungen...




