E-Book, Deutsch, Band 1694, 144 Seiten
Reihe: Bianca
Hart Wagnis der Liebe
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-86295-263-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1694, 144 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-86295-263-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein alleinerziehender Vater? Nie wieder! Das hat Perdita sich nach einer schmerzlichen Trennung fest geschworen. Nur kannte sie da Edward Merrick noch nicht. Wider Willen muss sie sich eingestehen, dass der attraktive Vater von drei Kindern sie wie magisch anzieht. Trotzdem zeigt sie ihm nach einem ersten zärtlichen Kuss die kalte Schulter - hin- und hergerissen zwischen ihrer Sehnsucht nach einer neuen Liebe und der Angst, erneut verlassen zu werden. Bis sie schließlich erkennt: Manchmal muss man etwas wagen, um dem Glück eine Chance zu geben ...
Bisher hat die britische Autorin Jessica Hart insgesamt 60 Romances veröffentlicht. Mit ihren romantischen Romanen gewann sie bereits den US-amerikanischen RITA Award sowie in Großbritannien den RoNa Award. Ihren Abschluss in Französisch machte sie an der University of Edinburgh in Schottland. Seitdem reiste sie durch zahlreiche Länder, da sie sich beruflich nicht festlegen wollte. Mit vielen Jobs hielt sie sich in diesen Ländern unter anderem in Südafrika, Tanganyika, Australien, Oman, Pakistan, Algerien, Belize sowie den USA über Wasser. Jessica Hart war als Auslandskorrespondentin tätig, sie begleitete eine Expedition in Westafrika oder unterrichtete Englisch. Nebenbei hat sie als Kellnerin, Zimmermädchen, Tellerwäscherin, Sekretärin oder als Assistentin in einem Restaurantführer-Verlag gearbeitet. In ihren Büchern finden die Leser manche dieser Berufe wieder. Sie selbst sagt, dass in ihrer Brust zwei Seelen schlummern, einerseits träumt sie von einem gefährlichen Leben in fremden Ländern, sie reist gern. Andererseits fühlt sie sich mit ihrer Heimat England sowie mit ihrer Familie verbunden, sie liebt viele Dinge, die es nur in ihrem Heimatland gibt.
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1. KAPITEL
Perdita versuchte, sich ihre schlechte Laune nicht anmerken zu lassen. Dieser Workshop zur „Erweiterung der Führungskompetenz“ war reine Zeitverschwendung! Stundenlang hatte sie einen Fragebogen ausgefüllt, in der Erwartung, dass sie ein Delfin sei – warmherzig, freundlich und ausdrucksstark. Sie gab sich alle Mühe, delfinmäßig zu antworten, doch dann stellte sich heraus, dass sie ein nach Aufmerksamkeit heischender Pfau war.
Ein Pfau!
Und als sei das noch nicht peinlich genug, war sie auch noch der einzige Pfau. Alle anderen waren fröhliche, gesellige Delfine oder pingelige Eulen.
Sie hatte von Anfang an gewusst, dass dieser Workshop ein Fehler war. Um nicht den Eindruck zu vermitteln, sie würde die Delfine beneiden, die in ihrer Ecke zusammengluckten, betrachtete Perdita bewundernd ihre knallrot lackierten Fingernägel. Die weiblichen Delfine bevorzugten blasses Rosa, und den Eulen war ihr Tabellenkalkulationsprogramm offenbar wichtiger als ihr Äußeres.
Perdita seufzte, ließ die Hände sinken und wippte mit den Füßen.
„Sieht so aus, als seien wir die einzigen Einzelgänger. Vielleicht ist das ja ein Zeichen, dass wir zusammengehören?“
Sie fuhr herum und blickte in ein Paar amüsiert funkelnde graue Augen. Sie erkannte den Mann wieder. Gestern war er erst am Abend angekommen. Das Dinner und die Einführung hatte er versäumt, aber später in der Bar war er ihr aufgefallen, obwohl er nicht besonders eindrucksvoll war – weder sonderlich groß noch ungewöhnlich attraktiv. Perdita konnte sich nicht erklären, warum sie ihn überhaupt bemerkt hatte.
Sie war der Mittelpunkt einer Gruppe gewesen, die sich ausgesprochen gut amüsierte, doch er hatte keine Anstalten gemacht, sich zu ihnen zu gesellen. Stattdessen hatte er sich ruhig unterhalten – wahrscheinlich mit ein paar Eulen. Unerklärlicherweise fühlte Perdita sich verletzt, weil er sie nicht beachtet hatte.
Aber jetzt stand er vor ihr.
Interessiert musterte sie ihn. Aus der Nähe betrachtet, wirkte er schon nicht mehr ganz so durchschnittlich wie in der Bar. Die grauen Augen waren sehr aufmerksam und mit einem ganzen Fächer von Lachfalten umgeben. Dafür hatte sie schon immer eine Schwäche gehabt. Dieses Zeichen für seinen Humor bildete einen faszinierenden Gegensatz zu den harten Gesichtszügen und dem festen, um nicht zu sagen strengen Mund.
Genau genommen sah er nicht einmal besonders gut aus, aber Perdita spürte voller Unbehagen, dass ihre Hormone sich eindeutig regten. Erwachten sie womöglich aus ihrem Winterschlaf, in den sie geflohen waren, nachdem Nick ihr das Herz gebrochen hatte?
Irritiert von ihrer Reaktion auf diesen Mann, reckte Perdita das Kinn vor. „Wie kommen Sie denn auf die Idee?“ Sie ließ den Blick über seinen grauen Pullover und die schwarze Hose wandern. „Sie sehen gar nicht aus wie ein Pfau.“
Seine Mundwinkel zuckten. Er schien sich seiner fehlenden Eleganz durchaus bewusst zu sein. „Ich bin auch kein Pfau, sondern ein Panther“, sagte er. Sein Gesicht war vollkommen ernst, aber die grauen Augen glitzerten belustigt.
„Wirklich?“, erwiderte sie und fragte sich, ob er einen Witz machte. Angeblich waren Panther typische Alphatiere: entscheidungsfreudig, ehrgeizig und rücksichtslos. Perdita war nicht allzu glücklich, dass sie nicht nur ein eitler Pfau sein sollte, sondern zudem auch noch starke Pantheranteile in sich trug. Was für eine reizende Kombination!
„So hätte ich Sie gar nicht eingeschätzt“, erklärte sie aufrichtig.
Doch beim genauen Hinsehen entdeckte sie einen Zug um seinen Mund, der ihr den Eindruck vermittelte, dass man sich besser nicht mit ihm anlegte.
„Vermutlich verwirren Sie meine starken Eulenanteile“, sagte er, und Perdita lachte.
„Ach so, wenn Sie also nicht herumschleichen und alle anderen beherrschen wollen, brüten Sie über einem Tabellenkalkulationsprogramm und überprüfen jede Zahl zweimal?“
„Während Sie als Pfau in der Bar Hof halten“, erwiderte er freundlich.
Sie warf ihm einen scharfen Blick zu, konnte aber unmöglich sagen, ob er sie am vergangenen Abend wahrgenommen oder nur geraten hatte, was Pfaue vielleicht so trieben.
„Ich möchte gern ein Delfin sein“, gab sie mit einem Hauch von Verdrossenheit in der Stimme zu.
Er hob eine Augenbraue. „Warum?“
„Ist das nicht offensichtlich? Jeder liebt Delfine. Ich verstehe gar nicht, warum ich keiner bin“, murrte sie. „Ich habe mir so große Mühe bei dem Fragebogen gegeben und war sicher, dass ich ein Delfin bin. Ich meine, ich bin doch freundlich, oder etwa nicht? Ich kann gut im Team arbeiten, wie Delfine eben so sind.“
„Delfine sind sehr geduldig und entspannt“, bemerkte er.
Perdita warf den Kopf zurück. „Ich bin entspannt! Und ich habe Geduld.“
Statt zu antworten schaute er auf ihre spitz zulaufenden Wildlederschuhe. Mit einem Fuß tippte sie unaufhörlich auf den Boden.
Als Perdita seinem Blick folgte, hielt sie abrupt inne und zog das Bein zurück. „Mir ist nur langweilig“, erklärte sie verärgert. „Ich habe genug davon, hier allein herumzustehen, während die Delfine und Eulen zusammenhocken und sich gegenseitig gratulieren, weil sie so gute Teammitarbeiter sind.“
Mürrisch beäugte sie die Delfingruppe in der anderen Ecke des Raums. „Sehen Sie sich die doch an! Gleich werden sie einen Ball auf der Nase balancieren und mit den Flossen wedeln.“
Ihr Begleiter lachte. „Sie sind ganz eindeutig kein Delfin“, sagte er zu ihr. „Wenn ich jemals einen echten Pfau getroffen habe, dann Sie.“
Ein Lächeln umspielte seinen Mund, während er Perdita betrachtete. Ihr schlanker Körper zitterte vor Empörung. Selbst wenn sie nicht allein in eine Ecke verbannt wäre, würde sie sich von allen anderen Anwesenden abheben. Sie war nicht gerade hübsch, aber makellos gepflegt. Es war jedoch nicht ihr Aussehen, das die Blicke auf sie lenkte, sondern ihre Ausstrahlung. Sie war eine energische Persönlichkeit, was sich in ihren vollen Lippen, den lebhaften Gesichtszügen, den dunkelbraunen wachen Augen und der Art, wie sie beim Lachen den Kopf zurückwarf widerspiegelte.
„Ich habe Sie gestern Abend in der Bar gesehen“, erklärte er. „Sie hatten die größte Gruppe um sich versammelt, und Sie haben alle zum Lachen gebracht. Und heute Morgen beim Frühstück hat niemand wirklich etwas gesagt, bis Sie kamen und sich dazugesetzt haben. Ihnen ist es sofort gelungen, das Eis zu brechen, als die Fragebögen verteilt wurden.“
„Da haben Sie es!“, sagte Perdita. Sollte sie sich darüber freuen, dass er sie doch bemerkt hatte? Oder war ihr Ärger über den amüsierten Unterton in seiner Stimme größer? „Das beweist doch, dass ich ein Delfin bin, oder nicht? Ich bin fröhlich und freundlich … das sind doch typische Delfinmerkmale.“
„Ja, aber ein Delfin liebt Gesellschaft. Darum sitzen die auch immer noch da drüben zusammen“, sagte er und folgte ihrem Blick zu der Gruppe in der Ecke, die sich in der Tat besser zu amüsieren schien als die Eulen am anderen Ende des Raums. „Aber Sie wollen in einer Gruppe nicht eine von vielen sein. Sie dominieren die Gruppe.“
„Nein, das tue ich nicht!“ Ihre dunklen Augen funkelten gereizt.
„Oh doch“, widersprach er kühl. „Alle dürfen ihren Spaß haben, aber nur solange Sie im Mittelpunkt stehen.“
Widerwillig sah Perdita ihn an. Sie mochte nicht zugeben, dass ihr das Szenario, das er gerade beschrieb, bekannt vorkam. Wie unangenehm, dass ein vollkommen Fremder sie so leicht durchschaute!
„Wie kommt es, dass Sie sich so gut damit auskennen?“, wollte sie wissen.
Achselzuckend erwiderte er: „Ich interessiere mich für Menschen.“
„Das ist aber nicht der Panther in Ihnen“, erklärte sie giftig.
Er grinste, und das jungenhafte Lächeln ließ ihn viel jünger aussehen. „Also gut, ich interessiere mich dafür, wie ich noch mehr aus den Menschen herausholen kann, die für mich arbeiten.“
„Das hört sich schon besser an.“ Sie rümpfte die Nase. Sein Lächeln berührte sie auf merkwürdige Weise. Erstaunlich, wie sehr es ihn verwandelte, doch da war es bereits wieder verschwunden. „Sie scheinen sehr gut informiert zu sein“, fügte sie mit leichtem Spott hinzu. „Nehmen Sie öfter an solchen Workshops teil?“
„Gelegentlich“, erklärte er. „Und Sie?“
„Das hier ist mein Erster.“
„Sie überraschen mich. Die meisten Firmen legen heutzutage großen Wert auf Managementtraining.“
„Mein Exboss fand, dass es sich nicht lohne, dafür Geld auszugeben. Vor ein paar Jahren sollte ich ein Training in Sachen Durchsetzungsvermögen absolvieren, doch meine Mitarbeiter haben mit Streik gedroht. Sie sagten, wenn ich noch selbstbewusster würde, wäre ich unerträglich. Aber das war natürlich alles Unsinn“, sagte Perdita, die diese Geschichte inzwischen erzählen konnte, als sei es eine witzige Anekdote.
Der Mann vor ihr lachte nicht. „Dabei hätten Sie vielleicht einiges lernen können“, erklärte er.
„Das bezweifle ich“, widersprach sie lebhaft. „Um ehrlich zu sein, halte ich solche Kurse für Zeitverschwendung. Ich habe viel zu viel zu tun, um mich mit diesem Unsinn von Pfauen und Panthern abzugeben. Was soll das bringen?“
Die letzte Frage war nur rhetorisch gemeint, doch der Mann...




