Hart | How you influenced me | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 512 Seiten

Hart How you influenced me

Roman von Marisa Hart
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96096-550-3
Verlag: Community Editions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman von Marisa Hart

E-Book, Deutsch, 512 Seiten

ISBN: 978-3-96096-550-3
Verlag: Community Editions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nachdem Vincent betrunken seinen besten Freund küsst, zieht er zu seiner Schwester nach Kiel. Dort trifft er den mysteriösen Alex, der sich als bekannter Influencer entpuppt. Die beiden nähern sich an. Wie wird Alex reagieren, wenn er erfährt, dass Vincent schwul ist - und Gefühle für ihn hat? Marisa Hart erzählt in ihrem ersten queeren New Adult-Roman von einer emotionalen Achterbahnfahrt und der Angst vor unerwiderter Liebe.



Marisa Hart, geb. 1986, schreibt nicht nur Bücher, sondern ist auch Vierfachmama, Content Creatorin und Fotografin. Auf ihrem Instagram-Kanal nimmt sie ihre Community mit in ihren privaten und beruflichen Alltag. Mit ihrem Kinderbuchdebüt »So bin ich - Wähle das, was zu dir passt« wurde sie im September 2022 erstmals zur Dein-SPIEGEL-Bestsellerautorin.

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1

Vincent ließ seine Reisetasche auf den weißen Läufer fallen und drückte die Tür hinter sich zu. Seine Schwester hatte ihn über den Türsummer in die Wohnung gelassen, war nun aber nirgends zu sehen. Dafür stieg ihm beißend chemischer Geruch in die Nase.

»Lia?«

Keine Antwort.

Er befreite sich aus seinen Sneakers und schob sie unter die Garderobe.

»Bin in der Küche«, kam schließlich die Antwort, auf die er gewartet hatte. »Komm einfach durch! Probiere gerade ein paar neue Nagellacke aus.«

Das erklärte den seltsamen Geruch. Vincent durchquerte den schmalen Flur. Die Holzdielen knarrten unter seinen Füßen. Er warf einen flüchtigen Blick auf die gerahmten Fotos über der alten weißen Kommode. Auf einigen entdeckte er Lia mit ihren Freundinnen, auf anderen sich selbst an ihrer Seite. Lia und er hatten sich schon immer gut verstanden. Das Verhältnis zwischen ihnen glich eher einer besten Freundschaft als einer klassischen Geschwisterbeziehung. Sie konnten über alles reden und in anderen Momenten wie kleine Kinder herumalbern. Seit Lia vor drei Jahren von zu Hause ausgezogen war, war es dort ruhig geworden. Vincent vermisste sie und stellte fest, dass er sie viel zu selten besucht hatte. Zu beschäftigt war er mit seinem Studium und seiner Selbstfindung gewesen. Gerade Letztere hatte ihm zunehmend zu schaffen gemacht. Es war eine Kombination aus schlechten Erfahrungen, Zurückweisungen und daraus resultierenden Unsicherheiten und Verlustängsten. Das Ganze hatte dazu geführt, dass er außerhalb seines Elternhauses versucht hatte, möglichst nicht aufzufallen. Doch Lia schien nicht nachtragend zu sein.

Als Vincent in die Küche trat, kauerte Lia in akrobatischer Haltung auf dem weißen Holzstuhl am mickrigen Küchentisch, den linken Fuß gegen die Tischkante gestemmt, den rechten auf dem Tisch platziert. In einer Hand hielt sie ein Fläschchen neongrünen Nagellack, in der anderen den dazugehörigen Pinsel. Weitere Nagellacke reihten sich auf dem Tisch aneinander.

»Sorry, bin gleich fertig«, entschuldigte sie sich, während sie die grüne Farbe auf ihre Zehennägel tupfte. Sie sah kurz zu ihm auf, musterte ihn und lächelte.

»Gut siehst du aus. Sicher, dass es dir schlecht geht?«

Vincent schmunzelte. Er lehnte sich gegen den Küchentresen und beobachtete Lia dabei, wie sie die Nagellackfarbe wechselte und nun mit ihren Fingernägeln weitermachte. Sie sah hoch konzentriert aus. Er ignorierte ihre rhetorische Frage.

»Danke, dass ich herkommen durfte«, sagte er stattdessen. »Ich hatte das schon viel länger vor. Aber spätestens jetzt brauchte ich echt dringend Abstand.«

Lia wandte sich erneut zu ihm. Ihre langen gewellten Haare verdeckten den Großteil der Stuhllehne.

»Ich kann es mir immer noch nicht so ganz vorstellen. Felix ist doch sonst nicht so.«

Vincent zuckte mit den Schultern. Es war mehr ein Reflex als eine bewusste Reaktion.

»Sonst ist er auch noch nie von einem Kerl geküsst worden«, erwiderte er.

Lia stand auf und trat auf ihn zu. Dabei hielt sie ihre Finger ziemlich unnatürlich, um die frisch lackierten Nägel nicht zu ruinieren. »Ich hab ihn echt gern, aber seine Reaktion ist echt drüber.«

Vincent nickte, bevor er ihrem Blick auswich. Er wollte nicht, dass alles wieder hochkam. Lia blickte ihm mitten ins Herz.

»Und überhaupt …«, fuhr sie fort. »Hallo erst mal!« Und mit diesen Worten beugte sie sich vor und schloss ihn in ihre Arme ? darauf bedacht, dass ihre lackierten Nägel nichts berührten.

Vincent legte ein Seufzen in die Umarmung. Lia schenkte ihm ein Gefühl von Geborgenheit und Fürsorge. Das war etwas, das er bei Felix vermisst hatte, nachdem er das offene Geheimnis zwischen ihnen durch den unüberlegten Kuss gelüftet und ihm nach all den Jahren gebeichtet hatte, dass er auf Männer stand. Ausschließlich auf Männer. Dass er dieses Thema nie zuvor angesprochen hatte, hatte mehrere Gründe. Zum einen war Felix jedes Mal ausgewichen, wenn er nur versucht hatte, eines ihrer Gespräche in diese Richtung zu lenken. Zum anderen war Felix niemand, der Geheimnisse besonders gut hüten konnte. In der Vergangenheit hatten sie sich deshalb schon einige Male gestritten. Vincent hatte befürchtet, dass Felix die Sache herumposaunen könnte ? wenn auch nicht in böser Absicht. Das hätte jedoch dazu geführt, dass Vincent noch mehr schikaniert worden wäre als sowieso schon. So wie es seine ganze Schulzeit über gewesen war – ganz egal, was er getan oder nicht getan hatte. An einigen Tagen hatten sich seine Mitschüler darüber lustig gemacht, dass er lieber zeichnete, statt Fußball zu spielen, an anderen über seine Locken und Sommersprossen und hin und wieder auch darüber, dass er seine Freizeit fast ausschließlich mit Felix verbrachte, was zu der Spekulation geführt hatte, dass etwas zwischen ihnen lief. Da dem nie so gewesen war, hatten Vincent und Felix diese Behauptungen zu Recht abgestritten und sich gemeinsam darüber lustig gemacht. Hätten die anderen in dieser Phase seines Lebens erfahren, dass er schwul war, hätte er das Thema nur angeheizt. Und darauf hatte er lieber verzichtet.

Lia rückte ein wenig von ihm ab und betrachtete ihn mit ihren grünen Augen.

»Da denkt man, so was gibt es nur in Filmen, und dann steckt man plötzlich selbst mittendrin im Drama, was?« Sie versuchte ein aufmunterndes Lächeln.

Vincent nickte. »Ich hätte einfach nie gedacht, dass er so reagiert.«

Lia betrachtete ihn mitfühlend. »Willst du noch mal drüber reden?«

Vincent schüttelte den Kopf. »Nein, um ehrlich zu sein, habe ich das Ganze schon viel zu oft in meinem Kopf durchgespielt.«

»Hat er sich in der Zwischenzeit denn endlich mal gemeldet?«, hakte Lia vorsichtig nach.

Vincent schloss kurz die Augen, um sich zu sammeln.

Felix war nicht bloß irgendein Kumpel. Er war sein bester Freund. Und irgendwie auch so ziemlich sein einziger Freund ? mit Ausnahme einiger Kommilitonen, mit denen er sich gut verstand. Vermutlich war genau diese Tatsache daran schuld, dass er sich in irgendwelche dämlichen Gefühle für ihn verrannt hatte, die sich nun – mit etwas Abstand – völlig surreal anfühlten. Felix war sein Kumpel, aber nicht mehr. Und dennoch hatte er die Kontrolle über sich verloren, als sie eines Abends zu viel getrunken hatten und er daraufhin seine Lippen auf die von Felix gepresst hatte. Die Erinnerung an diesen Moment war so schwammig, dass sie sich fremdartig anfühlte. Die Berührung hatte kaum eine Sekunde lang angehalten, da hatte Felix ihn schon von sich weggeschubst, war von der Couch aufgesprungen und hatte ihn abschätzig gemustert. Dabei hatte er sich mehrfach mit der flachen Hand über die Lippen gewischt. Und dann war er abgehauen. Ohne ein Wort. Später hatte Vincent ihm eine WhatsApp-Nachricht geschickt und ihm gesagt, dass er schwul war. Die Sache mit dem Kuss hatte er auf den Alkohol geschoben und sich dafür entschuldigt. Doch von Felix kam keine Reaktion. Bis heute nicht.

»Nein«, antwortete Vincent schließlich.

»Was für ein Blödmann«, erwiderte Lia. »Klingt, als wäre er ein beschissener Freund.«

Sie betrachtete ihre Fingernägel und tastete sie vorsichtig ab. »Getrocknet«, stellte sie fest.

»Gewagte Farbkombi«, gab Vincent seine ungefragte Meinung dazu.

»Gewagte Kritik«, konterte Lia. »Ich kann dich jederzeit hier rauswerfen. Das weißt du hoffentlich?«

Vincent lachte. »Ich bin ja noch nicht mal richtig eingezogen.«

»Aber das ändern wir jetzt«, erwiderte Lia. »Komm, ich zeig dir dein Zimmer!«

Mit diesen Worten verließ sie die Küche. Vincent ging ihr nach. Im Flur griff er nach seiner Tasche, bevor er Lia in den Raum am Ende des Flurs folgte.

Lia öffnete die Tür und streckte ihren Arm aus. »Et voilà! Da wären wir.«

Vincent ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen. Es war nicht sonderlich groß, aber gemütlich. Mittig stand ein großes Bett auf einem beigefarbenen Hochflorteppich. Die hellen Vorhänge vor den bodentiefen Fenstern waren zugezogen. Vermutlich, um die heiße Sommersonne abzuschirmen. In der Wohnung war es jetzt schon wärmer als draußen. Gegenüber vom Bett befand sich ein Schreibtisch. In der hinteren Ecke stand ein mit dunkelgrünem Samt bezogener Stuhl, der aussah, als käme er aus einem Antiquariat. Neben der Tür entdeckte er den Kleiderschrank.

Vincent stellte seine Tasche auf das Bett und drehte sich wieder zu Lia, die noch immer in der Tür stand. Sie lächelte.

»Zum Glück habe ich mich damals für eine Dreizimmerwohnung entschieden, was?« Sie zwinkerte. »Als ob ich geahnt hätte, dass du eines Tages hier aufschlagen würdest.«

Lia hatte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Grafikdesignerin absolviert. Sie hatte sich trotz ihres Einserabis gegen ein Studium entschieden. Sie wollte keine Zeit vergeuden, sondern Geld verdienen und arbeiten. Damit war sie das Gegenteil von Vincent. Er hatte nach seinem Schulabschluss nichts mit sich anzufangen gewusst und sich deshalb an der Kunsthochschule eingeschrieben. Nun studierte er Freie Kunst und hatte sich damit bewusst noch nicht festgelegt. Er konnte gut zeichnen und wünschte sich, eines Tages Bücher illustrieren zu dürfen. Doch er wusste, dass er nicht der Einzige mit diesem Traum war und sich deshalb keinesfalls sicher sein konnte, irgendwann auf diese Weise Geld zu verdienen.

Vincent ließ sich aufs Bett fallen. Lia beobachtete ihn. In ihrem Blick schwang Besorgnis mit, die jedoch durchbrochen...


Hart, Marisa
Marisa Hart, geb. 1986, schreibt nicht nur Bücher, sondern ist auch Vierfachmama, Content Creatorin und Fotografin. Auf ihrem Instagram-Kanal nimmt sie ihre Community mit in ihren privaten und beruflichen Alltag. Mit ihrem Kinderbuchdebüt »So bin ich – Wähle das, was zu dir passt« wurde sie im September 2022 erstmals zur Dein-SPIEGEL-Bestsellerautorin.



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