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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 10, 624 Seiten

Reihe: Rachel Morgan

Harrison Blutsbande

Die Rachel-Morgan-Serie 10 - Roman
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-09846-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Rachel-Morgan-Serie 10 - Roman

E-Book, Deutsch, Band 10, 624 Seiten

Reihe: Rachel Morgan

ISBN: 978-3-641-09846-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Warten hat ein Ende – Rachel Morgan ist zurück!

Rachel Morgan ist etwas ganz Besonderes: Nicht nur, dass sie jung und sexy und die vermutlich erfolgreichste Erdhexe Cincinnatis ist, sie ist auch der einzige Dämon weltweit, der das Tageslicht verträgt. Doch als überall in der Stadt grauenhaft verstümmelte Leichen auftauchen und das FBI Rachel um Hilfe bittet, muss sie feststellen, dass es manchmal gar nicht so toll ist, etwas Besonderes zu sein. Denn was sie herausfindet, stellt all ihre bisherigen Abenteuer in den Schatten: Jemand versucht Dämonen zu züchten! Dämonen, die so sind wie Rachel. Und dazu braucht dieser Jemand Rachels Blut ...

Kim Harrison, geboren im Mittleren Westen der USA, wurde schon des Öfteren als Hexe bezeichnet, ist aber – soweit sie sich erinnern kann – noch nie einem Vampir begegnet. Sie hegt eine Vorliebe für Friedhöfe, Midnight Jazz und schwarze Kleidung und ist bei Neumond nicht auffindbar. Mit ihren RACHEL MORGAN-Romanen hat sie einen internationalen Bestseller gelandet.
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1

Die Frau mir gegenüber rümpfte die Nase, als ich den Stift auf den Tresen knallte. Ihr war egal, dass ich wütend war, weil ich seit über einer Stunde in dieser dämlichen Schlange stand und es weder schaffte, meinen Führerschein zu erneuern, noch mein Auto auf meinen Namen anzumelden. Ich war es leid, alles mithilfe von Jenks oder Ivy zu erledigen, aber es gab kein Spezieskästchen für DÄMON auf dem Formular. Freitagmorgen auf der KFZ-Stelle. Gott! Was hatte ich mir nur dabei gedacht?

»Schauen Sie«, sagte ich und wedelte mit einem Stapel Fotokopien. »Hier sind meine Geburtsurkunde, mein Highschool-Abschlusszeugnis, mein alter Führerschein und eine Bibliothekskarte. Ich stehe direkt vor Ihnen. Ich bin eine volljährige Bürgerin, und ich brauche einen neuen Führerschein und muss mein Auto anmelden!«

Die Frau winkte den nächsten Kerl aus der Schlange heran. Ihr ungeschminktes, plumpes Gesicht spiegelte reinstes Desinteresse wider. Ich warf dem Werwolf im Geschäftsanzug, der herangetreten war, bis er direkt hinter mir stand, einen so bösen Blick zu, dass er nervös wieder zurückwich.

Die Angestellte musterte mich über ihre Brille hinweg und verzog den Mund. »Es tut mir leid«, sagte sie schließlich, tippte ein bisschen auf ihrer Tastatur herum und rief ein neues Fenster auf. »Sie sind nicht im System, nicht unter ›Hexe‹ und nicht mal unter ›Anderes‹.« Sie blinzelte mich an. »Sie werden als tot gelistet. Sie sind nicht tot, oder?«

Dreck auf Toast, kann das noch schlimmer werden? Frustriert zog ich meine Handtasche zurecht. »Nein, aber können Sie mir einfach einen Toter-Vampir-Sticker geben, damit ich mein Leben weiterführen kann?«, fragte ich, während der Werwolf hinter mir sich ungeduldig räusperte.

Sie schob ihre dicke Brille höher auf die Nase. »Sind Sie ein Vampir?«, fragte sie trocken, und ich sackte in mich zusammen.

Nein, ich war offensichtlich kein Vampir. Von außen betrachtet sah ich aus wie eine Hexe. Lange, krause rote Haare; durchschnittlich gebaut; durchschnittlich groß; mit einer Vorliebe für Leder, wenn die Situation es verlangte, und manchmal auch zu anderen Gelegenheiten. Bis vor ein paar Monaten hatte ich mich auch selbst als Hexe bezeichnet, aber als ich vor der Wahl stand, eine lobotomierte Hexe oder ein freier Dämon zu sein … da hatte ich mich für den Status als Dämon entschieden. Ich hatte ja nicht ahnen können, dass sie mir danach alles wegnehmen würden. Dämonen waren auf dieser Seite der Kraftlinien sogar vor dem Gesetz Monster. Gott helfe mir, falls ich im Gefängnis landen sollte, weil ich bei Rot über eine Ampel gelaufen war – anscheinend hatte ich sogar noch weniger Rechte als ein Pixie. Und ich war es gründlich leid.

»Ich kann Ihnen nicht helfen, Ms. Morgan«, sagte die Frau und winkte wieder den Mann hinter mir heran. Er schob mich zur Seite und gab ihr sein Formular und seinen alten Führerschein.

»Bitte!«, sagte ich, während sie mich ignorierte und intensiv auf ihren Bildschirm starrte. Der Mann neben mir wurde nervös, und der würzige Geruch von aufgeregtem Werwolf stieg auf.

»Ich habe mir das Auto gerade erst gekauft«, flehte ich, aber es war offensichtlich, dass dieser Termin beendet war. »Ich muss es anmelden. Und meinen Führerschein verlängern. Ich muss doch nach Hause fahren!«

Das musste ich nicht – dafür hatte ich Wayde –, aber die kleine Lüge tat ja niemandem weh.

Die Frau musterte mich mit gelangweilter Miene, während der Mann einen Scheck ausfüllte. »Sie sind als tot gelistet, Ms. Morgan. Sie müssen zum Sozialamt gehen und ihr Problem dort in Ordnung bringen. Hier kann ich Ihnen nicht helfen.«

»Das habe ich schon versucht.« Ich biss die Zähne zusammen. Der Mann am Tresen bewegte sich unruhig, als wir beide um denselben Platz wetteiferten. »Die haben mir erklärt, ich bräuchte einen gültigen Führerschein, eine beglaubigte Lebensbestätigung von meiner Versicherung und ein gerichtlich beglaubigtes Formular des Speziesstatus’, bevor sie sich überhaupt dazu herablassen, auch nur mit mir zu reden. Und die Gerichte geben mir nicht mal einen Termin, weil ich als tot geführt werde!« Ich schrie, also bemühte ich mich, meine Stimme zu senken.

»Ich kann Ihnen nicht helfen«, sagte sie, während der Mann mich von sich wegschob. »Kommen Sie zurück, wenn Sie die richtigen Formulare haben.«

Einfach so abgeschoben. Ich schloss die Augen und zählte langsam bis zehn. Mir war deutlich bewusst, dass Wayde auf einem der verblichenen, orangefarbenen Plastikstühle unter dem Fenster saß und darauf wartete, dass ich mich mit dem Unausweichlichen abfand. Der Werwolf gehörte zu Takatas Sicherheitsleuten und verbarg unter seinem schwarzen T-Shirt und seiner Jeans mehr Muskeln als Tätowierungen, und der kleine, untersetzte Mittzwanziger hatte nun wirklich eine Menge Tätowierungen. Er war in der letzten Juliwoche auf meiner Türschwelle aufgetaucht und gegen meinen Widerstand in den Glockenturm eingezogen – ein »Geburtstagsgeschenk« von meiner Mom und meinem leiblichen Vater/Pop-Star-Dad. Anscheinend waren sie nicht mehr überzeugt, dass ich auf mich selbst aufpassen konnte – was mich ziemlich störte. Irgendwie. Wayde arbeitete jetzt schon seit fast vier Monaten für meine Mom, und die Wut war allmählich verraucht.

Ich öffnete die Augen wieder, aber als ich feststellen musste, dass ich immer noch in diesem Albtraum gefangen war, gab ich auf. Mit gesenktem Kopf nahm ich meine Geburtsurkunde und stampfte zu den orangefarbenen Plastikstühlen. Und tatsächlich, Wayde starrte angestrengt an die Decke. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt, blies Kaugummiblasen und wartete. Mit seinem gepflegten, rötlichen Kinnbart sah er aus wie ein Biker. Wayde hatte nicht gesagt, dass er den Ausflug für vergebliche Liebesmüh hielt, aber seine Meinung war nur zu offensichtlich. Der Mann wurde bezahlt, egal, ob er nun für mich den Chauffeur spielte oder im Glockenturm der Kirche herumsaß und sich mit den Pixies unterhielt.

Als ich näher kam, lächelte Wayde aufreizend und sein Bizeps wölbte sich, als er seine Arme bewegte. »Kein Erfolg?«, fragte er mit seinem breiten Akzent aus dem mittleren Westen, als hätte er nicht das gesamte, peinliche Gespräch mitgehört.

Ich kochte innerlich – dass diese Frau mich behandeln konnte, als wäre ich ein trotteliger Niemand! Ich war ein Dämon, verdammt! Ich konnte diesen Laden mit einem Fluch plattmachen, ihn abfackeln, ihr Warzen anhexen oder bei ihrem Hund das Innerste nach außen kehren. Wenn …

Mein Blick glitt über meine geballten Fäuste zu dem Band aus verzaubertem Silber um mein Handgelenk, das im elektrischen Licht glitzerte wie ein hübsches Schmuckstück. Wenn … Wenn ich nicht jeden Kontakt zu meiner entfernten Sippe hätte abbrechen wollen. Wenn ich nicht in erster Linie ein guter Mensch wäre. Wenn ich mich wirklich wie ein Dämon hätte benehmen wollen. Ich hatte mein Leben der Aufgabe gewidmet, die Ungerechtigkeit in der Welt zu bekämpfen. Es war einfach nicht fair, dass ausgerechnet ich so verarscht wurde! Aber niemand legt sich mit einem Angestellten im öffentlichen Dienst an. Nicht einmal ein Dämon.

»Kein Erfolg«, wiederholte ich seine Worte, während ich vergeblich versuchte, mich zu entspannen. Wayde atmete tief durch und stand auf. Er war klein für einen Mann, aber groß für einen Werwolf, genau wie ich 1,72, mit schmalen Hüften, breiten Schultern und kleinen Füßen. Als Wolf hatte ich ihn bis jetzt nicht gesehen, aber ich hätte darauf gewettet, dass er in seiner pelzigen Gestalt ziemlich groß war.

»Macht es dir was aus, mich nach Hause zu fahren?«, fragte ich und gab ihm meine Schlüssel. Dreck, ich hatte sie gerade mal eine Stunde in der Hand gehalten – bis ich in der Schlange nach vorne gerückt war. Ich würde mein Auto nie legal fahren dürfen.

Wayde spielte nachdenklich an dem Hasenpfotenschlüsselanhänger herum, während das Metall leise klimperte. Momentan hing wirklich nicht viel an dem Bund – nur die Schlüssel zu einem Auto, das ich nicht fahren durfte, und der Schlüssel zu Ivys Safeschatulle. »Es tut mir leid, Rachel«, sagte er, und ich sah unwillkürlich auf, weil seine Stimme so ernst klang. »Vielleicht kann dein Dad ja etwas organisieren.«

Ich wusste, dass er Takata meinte, nicht den Mann, der mich tatsächlich aufgezogen hatte. Ich verzog das Gesicht, weil ich es leid war, andere Leute um Hilfe bitten zu müssen. Angespannt vergrub ich die Hände in den Taschen meiner knappen roten Lederjacke und drehte mich zur Tür. Sofort trat Wayde vor mich, um die Milchglastüren zu öffnen. Morgen würde ich das Auto auf Jenks zulassen. Vielleicht konnte Glenn mir dabei helfen, meinen Führerschein zurückzubekommen – im von Menschen geführten Federal Inderland Bureau mochte man mich.

»Ms. Morgan?«, krächzte es aus der alten Lautsprecheranlage, und ich drehte mich um. In mir stieg Hoffnung auf, während ich mich gleichzeitig fragte, warum die weibliche Stimme so besorgt klang. »Bitte kommen Sie zu Schalter G.«

Ich warf einen kurzen Blick zu Wayde, der mit der Hand an der Tür erstarrt war. Seine braunen Augen scannten den Raum hinter mir und sein sonst so unbekümmertes Gesicht war nun professionell wachsam. Die Veränderung überraschte mich. So hatte ich ihn noch nicht gesehen. Allerdings war es in der Kirche auch ziemlich ruhig gewesen, seitdem ich...


Harrison, Kim
Kim Harrison, geboren im Mittleren Westen der USA, wurde schon des Öfteren als Hexe bezeichnet, ist aber – soweit sie sich erinnern kann – noch nie einem Vampir begegnet. Sie hegt eine Vorliebe für Friedhöfe, Midnight Jazz und schwarze Kleidung und ist bei Neumond nicht auffindbar. Mit ihren RACHEL MORGAN-Romanen hat sie einen internationalen Bestseller gelandet.



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