Harris | Das Flüstern der Insel: Isle of Wight - Teil 2 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 410 Seiten

Reihe: Isle of Wight

Harris Das Flüstern der Insel: Isle of Wight - Teil 2

Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96148-206-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 410 Seiten

Reihe: Isle of Wight

ISBN: 978-3-96148-206-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein Roman, so fesselnd wie das Spiel von Wellen und Wind: 'Das Flüstern der Insel' von Wendy K. Harris jetzt als eBook bei dotbooks. Ein einziger Tag reißt Sophie den Boden unter den Füßen weg: Erst stirbt ihre Mutter, nur wenige Stunden später verlässt ihr Ehemann sie für eine Jüngere. In ihrem bisherigen Leben völlig verloren, bricht sie alle Brücken hinter sich ab und zieht zu ihrer besten Freundin auf die Isle of Wight. Erst als sie einen Job in einem kleinen Café an der malerischen Promenade von Ventnor annimmt, kehren Freude und Hoffnung zurück. Hier trifft sie Nick - einen Mann voller Schmerz und Geheimnisse. Nach und nach öffnet sich Sophie ihm und träumt davon, an seiner Seite endlich wieder nach vorn zu blicken. Doch Nicks Vergangenheit wirft lange Schatten ... 'Ein bewegendes Buch, eine faszinierende Bildsprache!' Neue Woche Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Das Flüstern der Insel' von Wendy K. Harris. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Nach verschiedenen beruflichen Stationen, etwa als Bankangestellte in London oder Homöopathin in Herefordshire, lebt Wendy K. Harris mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern auf der Isle of Wight, wo sie ihrer großen Leidenschaft nachgeht - dem Schreiben. Bei dobooks veröffentlicht sie: »Das Erbe der Insel« »Das Lied der Insel« »Das Flüstern der Insel«
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1


»DER FEBRUAR IST immer ein so beschissen feuchter Monat«, bemerkte ich und ließ die Jalousie runter, damit wir nicht auf die nasse, graue Straße hinausblicken mussten.

»Ist er dir nur zu feucht, oder findest du ihn ganz allgemein beschissen?«, fragte Jill.

»Beides.«

Wir saßen vor meinem neuen granitverkleideten Gasofen, in dem spärliche Flämmchen züngelten. Eigentlich war es mehr Peters Ofen. Er hatte ihn ausgesucht.

»Gefällt dir das Ding?« Jill schlürfte ihren Wein.

»Ich hasse es.«

»Aber warum hast du dann ...?« Sie zog die Augenbrauen in die Höhe, sah mich an und schüttelte seufzend den Kopf. »Also ehrlich, Sophie.«

Ich zuckte die Achseln. »Ich hatte keine Lust, mich mit ihm zu streiten.« Ich wickelte ein Schokobonbon aus und warf es ihr zu. »Und rede nicht so mit mir – also ehrlich, Sophie. Das erinnert mich an meine Schwester.«

Jill grinste. »Nein, Audrey hätte Sophia, also wirklich gesagt.«

Ich musste kichern. Sie hatte sie perfekt nachgeahmt. Wir sahen wieder dem Feuer zu.

Jill seufzte noch einmal. »Glaubst du, dass wir gerade unsere Midlife-Krise durchmachen?«

»Wundern würde es mich nicht.«

»Vielleicht ist es ja so? Dann könnten wir sie gemeinsam überstehen.«

»Meinetwegen. Wir haben bis jetzt alles zusammen gemacht. Abgesehen vom Kinderkriegen.«

»Diese Öfen taugen längst nicht so viel, wie immer behauptet wird.« Jill grinste schon wieder, als sie den Korken aus unserer zweiten Flasche Wein zog. »Wo, sagtest du, ist Peter noch mal hin?«

»Vermutlich zu einer IT-Konferenz in den Staaten, und zwar mit seiner persönlichen Assistentin, die zufällig so aussieht wie die Elfenkönigin in Herr der Ringe

»Du schlüpfst gerne in die Opferrolle, Sophie«, sagte Jill und füllte unsere Gläser nach.

»Komm mir nicht mit deinen Psychosprüchen. Du bist meine Freundin und nicht meine Therapeutin«, erwiderte ich und brach einen Riegel von der Riesentafel Schokolade ab.

»Ja, und du bist meine Freundin. Freundinnen sollten offen und ehrlich zueinander sein.« Sie streifte ihre Schuhe ab, löste die Spange aus ihrem langen blonden Haar und fläzte sich mit gespreizten Beinen und baumelnden Brüsten auf das Sofa. Mich beschlich das Gefühl, dass uns ein langer Abend bevorstand, an dem ich meine innersten Gefühle hervorkramen sollte.

»Also«, begann Jill. »Wir haben das ganze Wochenende für uns allein. Wie soll es mit deinem Leben nun weitergehen?«

»Ich weiß es nicht«, seufzte ich und war mir bewusst, wie erbärmlich sich das anhörte. »Ich weiß nicht, ob ich Peter direkt darauf ansprechen sollte, ob er eine Affäre mit Arwen Evenstar hat.«

»Mit wem?«

»Na, mit der Elfenkönigen. Liv Tyler oder so. Die aus Herr der Ringe

»Ach die. Sonst noch etwas?«

»Und ich bin auch noch zu keinem Entschluss gekommen, ob ich meine Mutter in Vollzeitpflege geben soll. Und ich weiß nicht, ob ich mich geschmeichelt fühlen soll, dass ihr neuer Geriatrist mich dauernd betatscht, oder ob ich ihm eins auf die Finger geben soll. Und ich weiß auch nicht, ob ich mich auf eine Reihe von Vorträgen über psychische Probleme einlassen soll, die ich ...«

»Halt, das genügt.« Jill hielt die Hand in die Höhe. »Vergiss mal einen Moment lang alles andere. Was willst du für dich

»Ich weiß es nicht.«

»Das scheint mir auch so. Deswegen bist du ja so aufgelöst. Dich kümmert immer nur, was du im Leben anderer Menschen bedeutest.« Sie fuchtelte mit den Händen und kleckerte Rotwein auf ihren Jeansrock. »Du verhedderst dich in den Zweigen, anstatt einen Schritt zurückzutreten und den Baum als Ganzes zu betrachten.«

»Den Baum?« Ich fragte mich, ob ich irgendwas nicht mitbekommen hatte.

»Genau. Du musst dich mit dem Stamm identifizieren – der ist stark und ruht in sich. Du musst deine Lebenskräfte in neue Bahnen lenken, es darauf anlegen, dein eigenes Potenzial auszuschöpfen.«

»Großer Gott, Jill, ich glaube, du hast deinen Beruf verfehlt.« Ich konnte sie richtig vor mir sehen, wie sie von einem Rednerpult aus die Massen aufpeitscht.

»Es ist an der Zeit, den Spieß umzudrehen, Sophie. Gib deinem Peter Pan den Laufpass, bevor er es tut. Machen wir uns doch nichts vor, der wird nie erwachsen. Deswegen hängt er immer seinen Wunschvorstellungen von ätherischen Elfenwesen nach. Und um deine Mutter kann deine Schwester sich kümmern. Du hast alle Möglichkeiten, die ganze Welt steht dir offen. Und du hast auch keine Kinder, die dich ans Haus fesseln.«

»Ja, aber ich habe mein Haus und auch meinen Beruf«, wandte ich ein. »Und ich möchte nicht allein sein. Es ist alles viel zu spät, Jill. Ich werde bald fünfundvierzig. Ich hätte Peter schon vor Jahren verlassen und mir einen Mann suchen sollen, der Kinder mit mir haben will.«

»Na, dann sieh doch zu, dass du schwanger wirst.«

»Wie soll das denn gehen?«

»Das alte Rein-und-raus-Spiel. Du bist fit und gesund. Ich wette, dass du mindestens ein Kind auf die Reihe kriegst, bevor deine Eierstöcke aufgeben. Aber nicht mit Peter oder diesem durchgeknallten Altenheilkundler. Schnapp dir einen anständigen Kerl – falls du überhaupt einen brauchst. Es gibt heutzutage so etwas wie künstliche Befruchtung.« Sie leerte ihr Glas und griff nach der Flasche. »Du musst dir einfach mal eine Auszeit gönnen. Wann hast du eigentlich zuletzt richtig Ferien gemacht? Warum kommst du nicht mit auf die Insel und wohnst bei uns? Ash und die Kinder würden sich wahnsinnig freuen, dich zu sehen. Du wirst von Cormorants begeistert sein; es ist ein wunderschönes altes Haus.« Während ich mit offenem Mund dasaß und das alles zu verdauen versuchte, musterte sie mich eingehend. »Pass auf«, fuhr sie fort, »ich weiß, dass ich schon eine ganze Menge Wein intus habe und dass ich auch Fehler gemacht habe. Aber ich sorge mich wirklich um dich. Wenn du nicht einfach mal einen Schnitt machst und über dein Leben nachdenkst, brennst du aus.« Ihr breites Gesicht, das oft einen so dramatischen Ausdruck annehmen konnte, wirkte mit einem Male ganz ernst. »Du bist nicht unentbehrlich, Sophie, oder?«, sagte sie leise.

Ich hatte das Gefühl, dass mein sorgfältig ausbalanciertes Leben ins Wanken geriet. Und ich vor aller Welt nackt dastand. Eines schaffte Jill immer: Wenn ich das Gefühl hatte, in einer Sackgasse zu stecken, trieb sie mich zu neuen Herausforderungen an und wies mir Wege aus meiner Misere.

»Ich soll mit Peter Schluss machen? Mum allein lassen?«, stammelte ich. »Aber ... das kann ich den beiden doch nicht antun.«

Am 1. April starb meine Mutter und Peter verließ mich. Ich hatte das Gefühl, die ganze Welt hätte sich gegen mich verschworen. Mit der einen Hand hielt ich die neue Zahnprothese meiner Mutter umklammert und mit der anderen Peters eilig hingekritzelte Nachricht und starrte durch die Schlitze der Jalousie vor dem Mansardenfenster. Jeden Augenblick musste einfach einer von den beiden voller Reue über den bösen Scherz, den sie mit mir getrieben hatten, im Zimmer erscheinen. Aber um die Mittagszeit war noch niemand aufgetaucht. Zitternd stand ich draußen auf dem feuchten Pflaster und schaute angestrengt die Straße hinauf und hinunter. Aber es war keine einzige Seele unterwegs, weder eine tote noch eine lebende.

Ich ging zurück ins Haus und schaute in den Garderobenspiegel. Das geisterhafte Spiegelbild einer Frau mit zerzausten Haaren und in tiefen Höhlen liegenden Augen starrte mir entgegen. Ich erkannte mich nicht wieder. Ich fasste meine Haare zusammen und bändigte die struppigen Strähnen mit einem Gummiband. Mechanisch schlüpfte ich in meinen Mantel; dann nahm ich meine Handtasche und begab mich zu meiner Arbeitsstelle. Immerhin dachte ich noch daran, die Haustür hinter mir zu verschließen. Ich war schon halb die Straße hinunter, als ich noch einmal innehielt, um mich zu vergewissern, dass ich nicht den mit Winnie-Poo-Bären bedruckten Pyjama und die dazu passenden Hausschuhe trug, die meine Schwester mir zu Weihnachten geschenkt hatte. Ich hatte so viele Nächte im Krankenhaus verbracht und den röchelnden Atemzügen meiner Mutter gelauscht, dass meine innere Uhr ganz durcheinandergeraten war.

In den Bäumen saßen Vögel, immer paarweise; auf der Straße zankten sich ein paar Krähen um eine plattgefahrene Ratte. Zwei Amseln beäugten missbilligend eine Katze, deren einziges Vorhaben es war, sich in jemandes Blumenbeet zu erleichtern, und die vor Nervosität bereits mit dem Schwanz zuckte. Beschnittene Platanen ließen kalte Tropfen auf meinen Kopf fallen, als ich unter ihnen vorbeiging. Ich spürte, wie sie mir ins struppige Haar liefen und seine Wurzeln benetzten. Mein Körper kam mir vor wie ein Elternteil, der es aufgegeben hat, seinem widerborstigen Sprössling Paroli zu bieten. Aber es steckte auch eine gewisse Entschlossenheit darin; die Frage nach dem Was-ist-wenn? stellte sich nicht mehr.

In der psychiatrischen Klinik warfen mir meine Kollegen hinter ihren Stapeln von Papieren Blicke zu und murmelten die üblichen Worte zur Begrüßung. Ich fragte mich, wieso sie sich so normal verhielten, aber dann fiel mir ein, dass sie ja nicht wissen konnten, dass mein Leben einer großen Leere gewichen war. Ich trug noch meinen Mantel, als ich an die Tür meiner Vorgesetzten klopfte, um ihr meine Kündigung auszusprechen. Meine Worte machten im Büro schneller die Runde als ein Eintrag im Internet. Alles schien sehr betroffen; man riet mir, mir doch erst einmal eine Zeitlang freizunehmen, bis ich mich wieder gesammelt hatte. Als ich zur Tür hinausging,...



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