Harper | Im Paradies deiner Küsse | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Romana

Harper Im Paradies deiner Küsse


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95446-446-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Romana

ISBN: 978-3-95446-446-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Los!' schreit Finn. Sekunden später springt eine Primaballerina aus dem Helikopter und wirft ihn um. Es ist nicht das letzte Mal, dass Allegra den TV-Star beeindruckt. Um Gast in seiner Abenteuershow zu sein, hat sie ihre Tätigkeit beim Royal Ballett aufgegeben. Nun ist Finn allein mit ihr auf einer unberührten Tropeninsel und muss gestehen: Seine zarte Gefährtin hat mehr Courage als vermutet - und einen Charme, der ihn bezaubert. Sanft küsst er sie - und ist danach unnahbar. Denn Finn kennt das Land der Gefühle - es birgt die einzigen Gefahren, die er scheut ...



Als Kind wurde Fiona dauernd dafür gehänselt, ihre Nase ständig in Bücher zu stecken und in einer Traumwelt zu leben. Dies hat sich seitdem kaum geändert, aber immerhin hat sie durch das Schreiben ein Ventil für ihre unbändige Vorstellungskraft gefunden. Fiona lebt in London, doch sie ist auch gern im schottischen Hochland oder genießt Sommernachmittage in der grünen englischen Landschaft. Sie tanzt gern und kocht mit Vorliebe Gerichte mit Zimtgeschmack. Natürlich kann sie sich immer noch nicht von einem guten Buch oder Film lösen, vor allem Liebesromanzen lassen sie nicht los. Allerdings muss sichergestellt sein, dass immer ausreichend Taschentücher vorrätig sind, denn sie weiß, sie wird sie brauchen, unabhängig davon, ob das Ende glücklich oder traurig ist.

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2. KAPITEL

Zwei Tage zuvor

Angespannt stand Allegra auf der Seitenbühne, während die Ballettgruppe an ihr vorbei auf die Hauptbühne des Royal Opera House tänzelte.

Atmen, rief sie sich ins Gedächtnis. Tief durchatmen. Diese Schrittkombinationen hast du mehr als tausend Mal geübt. Dein Körper weiß, was er zu tun hat. Hab Selbstvertrauen!

Außerdem war es jetzt für weitere Proben auch schon zu spät. In fünf Minuten musste sie auf der Bühne sein.

Trotzdem begann sie die Eröffnungssequenz im Kopf durchzuspielen. Wie von selbst vollzogen ihre Arme und Beine kleine Bögen und Wendungen. Zum Springen war hier leider nicht genügend Platz.

Frustriert brach sie ab, zog ihre Strickjacke aus und warf sie in eine Ecke. Dann ging sie wieder in Position. Während sie dem Spiel des Orchesters lauschte und der Ballettgruppe zusah, dehnte sie ihre Muskeln.

Stell dir vor, es sei die Generalprobe! Nur ein weiterer Übungslauf.

Leider sank ihr Adrenalinspiegel trotzdem nicht. Es war eben keine Generalprobe, sondern die Premiere!

Und was für eine! Eine Uraufführung. Diese Rolle hatte man ihr auf den Leib geschrieben. Nur um zu beweisen, dass das einstige Wunderkind, die „Baby-Ballerina“, auch nach sieben Jahren im Geschäft nichts an Glanz und Glamour verloren hatte. Dieses neue Ballett, „Die kleine Meerjungfrau“, sollte die Kritiker endlich zum Schweigen bringen. Seit Jahren schon prophezeiten sie, dass Allegra Martin trotz ihres kometenhaften Aufstiegs nur ein Sternchen am Balletthimmel bleiben würde.

Spätestens mit zwanzig würde sie sich einen anderen Job suchen müssen, hatte man ihr vorausgesagt. Mittlerweile war sie dreiundzwanzig und fürchtete mit jedem Tag mehr, ihre Kritiker könnten am Ende recht behalten. Aus diesem Grund kostete es sie jeden Tag mehr Überwindung, die Ballettschuhe überzustreifen. Irgendwann würde ihre Karriere vorbei sein.

Aber nicht heute Abend! Auf keinen Fall heute Abend! Ihr Vater würde so enttäuscht sein.

Um sich auf andere Gedanken zu bringen, überprüfte sie noch einmal ihr Kostüm. In dieser Rolle trug sie kein steifes Tutu. Ein fließendes Kleid aus dunkelblauem und türkisfarbenem Chiffon umspielte ihre zarten Kurven. Und anders als sonst trug sie das dunkle Haar nicht hochgesteckt, sondern offen, sodass es ihr in sanften Wellen über die Schultern fiel. Nur an den Seiten hatte sie einzelne Strähnen mit Nadeln zurückgesteckt.

Jetzt stimmte das Orchester ein neues Thema an.

Gleich bin ich dran! Konzentration! Allegra schloss die Augen und atmete tief durch.

Plötzlich tauchten die dunklen Augen eines Mannes vor ihr auf, die ihr neckend zuzwinkerten.

Verwirrt schüttelte sie den Kopf. Wo war denn dieses Bild auf einmal hergekommen? Jetzt schlug ihr Herz gleich doppelt so schnell. Sie musste ihre Gedanken unter Kontrolle bringen. In weniger als einer Minute musste sie auf die Bühne.

Und dann sah sie wieder diese Augen vor sich – nur dieses Mal erblickte sie auch noch die dazugehörigen Lippen. Ein anziehender, maskuliner Mund, der sich zu einem warmen, ein wenig frechen Lächeln verzog.

Das musste wohl am Stress liegen!

Andere Tänzerinnen hatten ihr oft von den sonderbaren Gedanken erzählt, die ihnen unmittelbar vor einem Auftritt durch den Kopf gingen. Aber sie hatte solche Probleme bisher nie gehabt. Keine plötzlichen Grübeleien, was sie wohl später zum Abendbrot essen würde oder ob sie auch das Bügeleisen abgeschaltet hatte.

Wieso, zum Kuckuck, tauchte sein Bild vor ihrem geistigen Auge auf?

Das eines Mannes, den sie nicht einmal kannte.

Was hatte er in so einem wichtigen Moment in ihren Gedanken verloren? Es war wirklich sehr sonderbar! Und so ziemlich das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte.

In diesem Moment spielten die Violinen die Melodie, die den Auftritt der Meerjungfrau ankündigte. Glücklicherweise hatte Allegra sich so gut vorbereitet, dass ihr Körper reflexartig die richtigen Bewegungen ausführte, ohne sich groß um den abwesenden Geist der Besitzerin zu bekümmern.

Jetzt stand sie mitten auf der Bühne. Für einige Sekunden schwiegen die Instrumente. Das Publikum schien den Atem anzuhalten.

Allegra spürte die gespannten Blicke der Zuschauer. Ihretwegen waren sie gekommen. Sie durfte sie nicht enttäuschen, denn ihre Aufgabe bestand darin, sie zu begeistern, zu verzaubern und in eine andere Welt zu versetzen. Und als sie die Arme hob und in einer Reihe von zierlichen Sprüngen über die Bühne wirbelte, wünschte sie nichts sehnlicher, als dass sie sich selbst in eine andere Welt versetzen könnte. In eine Welt, in der niemand etwas von ihr erwartete, wo sie niemanden enttäuschen konnte.

Ich weiß Bescheid, dachte sie, während sie das Publikum in ihren Bann zog, ihm vorgaukelte, dass sie die kleine Meerjungfrau war. Ballett war nur von außen glamourös. Eigentlich war es ein knallhartes Geschäft. Schwerstarbeit. Und nicht wenige verkauften ihre Seele, um im Rampenlicht zu stehen. Mit welcher Begeisterung hatte sie sich in diese Welt gestürzt – und nun gab es kein Entrinnen mehr! Sie hatte keine andere Wahl.

„Sie waren großartig, Schätzchen“, säuselte die elegant gekleidete Frau, deren Namen Allegra vergessen, hatte.

„Danke“, erwiderte sie lächelnd. „Aber das Lob gebührt eigentlich Damien für die wundervolle Choreografie.“

„Unsinn“, ereiferte sich die Frau. „Sie waren der Star des Abends!“

So? Irgendwie kam Allegra alles so unwirklich vor. Die herausgeputzten Menschen mit ihren Champagnergläsern, die sie betrachteten, wenn sie meinten, sie würde es nicht merken, und sofort wegsahen, wenn sie sich zu ihnen umwandte. Wie sie diese After-Show-Partys satthatte!

„Entschuldigen Sie mich“, sagte Allegra abwesend. „Ich glaube, dort drüben steht mein Vater.“

„Ach?“ Neugierig sah die Frau sich um. „Natürlich, dort drüben an der Bar. Und was für ein außerordentlich begabter Dirigent Ihr Vater ist! Wahrscheinlich ist es für Sie eine große Beruhigung, ihn bei Ihren Auftritten in unmittelbarer Nähe zu wissen?“

Nein, eigentlich gar nicht, hätte Allegra am liebsten geantwortet. Im Gegenteil. Ihr Vater ließ ihr kaum Raum zum Atmen. Wie oft hatte sie sich gewünscht, er wäre Bauarbeiter oder Lehrer oder … egal, was! Hauptsache nicht Dirigent. Dann würde er ab und zu hinter der Bühne stehen wie alle anderen Eltern. Vielleicht wäre er sogar stolz auf seine Tochter, anstatt sie pausenlos mit den Augen des Managers und Mentors zu betrachten.

Doch das ging die Frau natürlich nichts an. Also lächelte Allegra ihr nur noch einmal höflich zu und benutzte ihren fabelhaften Vater als Vorwand, um sich geschickt aus der Affäre zu ziehen.

Die Medien liebten das berühmte Vater-Tochter-Paar. Der untröstliche Witwer und das elfenhafte Kind, das in die Fußstapfen seiner Mutter trat und ebenfalls Ballerina wurde. Manchmal hasste Allegra ihn dafür, dass er so gern im Rampenlicht stand. Dabei wusste sie ganz genau, dass ihr Vater eigentlich nur vor der Einsamkeit floh. Dass er alles dafür geben würde, um ihre Mutter wieder lebendig zu machen. Doch das ging natürlich nicht, also gab er sich mit dem Nächstbesten zufrieden: mit seiner Tochter, die nun alt genug war, um die Rollen ihrer Mutter zu tanzen.

Aber nicht heute. Diese Rolle gehört ganz und gar mir, dachte Allegra. Ausnahmsweise würden die Kritiken keine Vergleiche mit ihrer Mutter enthalten.

Entschlossen bahnte sie sich einen Weg durch die Menschenmenge. Nur mit Mühe gelang es ihr, die ganzen Gratulanten abzuschütteln, die auf ein Wort von ihr warteten. Ja, sie war der Star des Abends. Aber sie wollte sich mit niemandem unterhalten. Weder mit denen, die sie kannte und die sie entweder beneideten oder idealisierten. Noch mit denen, die sie nicht kannte, die zu ihr aufsahen und sie für eine Art magisches Wesen zu halten schienen. Mit einem Talent gesegnet – oder verflucht –, von dem sie nur träumen konnten.

Gibt es denn niemanden auf dieser Welt, der über die Tutus und Ballettschuhe hinwegsehen kann? Der einfach nur mich sieht?

Um Allegra herum pulsierte das Leben. Menschen unterhielten sich, lachten ausgelassen und genossen den Augenblick. Sie selbst verspürte gar nichts. Nur eine innere Leere.

Schließlich hatte sie ihren Vater erreicht. Mit dem Rücken zu ihr lehnte er an der Bar und unterhielt sich mit dem künstlerischen Leiter des Balletts. Gerade wollte sie sich bemerkbar machen, da fiel auf einmal ihr Name. Die Männer schienen nicht besonders glücklich.

Hatte sie ihre Erwartungen nicht erfüllt? Waren sie enttäuscht von ihr? Panik ergriff sie, schnürte ihr die Luft ab. Schnell tauchte Allegra wieder in der Menge unter. Bahnte sich einen Weg nach draußen, zur Tür hinaus und die schmale Holztreppe hinab ins Foyer. Sie eilte an den Garderoben vorbei und durch die großen Drehtüren hinaus in die Nacht. Auf dem Pflaster von Covent Garden blieb sie stehen.

Was tue ich hier eigentlich?

Sie konnte doch nicht einfach weglaufen! Ihr Vater wartete auf sie. Vom Direktor des Royal Opera House, einigen Geldgebern und einem weniger bekannten Mitglied der königlichen Familie einmal ganz zu schweigen. Sie musste zurück.

Nein, schrie ihr Körper. Es reicht! Sie konnte wirklich nicht mehr. Seit sechs Uhr früh war sie schon auf den...



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