E-Book, Deutsch, Band 2, 450 Seiten
Reihe: Game of Covens
Harmon Revenge & Redemption (Game of Covens 2)
25001. Auflage 2025
ISBN: 978-3-646-61140-3
Verlag: Cove Story
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
New Adult Hexen Fantasy
E-Book, Deutsch, Band 2, 450 Seiten
Reihe: Game of Covens
ISBN: 978-3-646-61140-3
Verlag: Cove Story
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Anne Harmon wurde als eines der letzten 90er Kinder im wunderschönen Süden Deutschlands geboren. Das Schreiben bietet ihr einen kreativen Ausgleich zu der Welt der Algorithmen, Logik und Software, in der sie sonst versinkt. Sie liebt Bratapfeltee, Friends und die Winterzeit, wenn die Eishallen öffnen. Falls keine eisigen Bühnen zur Verfügung stehen, tritt sie mit ihrer Vocal Group auf.
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Kapitel 2
Ein Traum.
Ayden, der gestern vor meiner Tür gestanden hat – das war nur ein Traum. Eine Halluzination, hervorgerufen durch Wein und den anderen Drogen, die ich mir nicht nur einwarf, sondern teilweise sogar selbst produzierte. Rauschmittel, die einem eine kleine Pause gönnten von dem, was man nicht länger ertragen konnte.
Stöhnend zog ich die Bettdecke über den Kopf. Wann würden meine Dämonen aufhören mich zu verfolgen? Wie weit musste ich noch reisen, um Ruhe vor ihnen zu haben? Oder gab es für mich keinen Ort in dieser Welt, der Frieden versprach?
Reisen? Du meinst wohl flüchten, hörte ich Covus förmlich in meinem Kopf gackern.
Kurz erwog ich einfach für immer unter der Bettdecke zu bleiben, aber nach wenigen Minuten verlangte meine Lunge nach frischer Luft, weswegen ich den Plan enttäuscht verwarf.
Hoffnungsvoll wandte ich mich zum Fenster, doch der verhangene Himmel war völlig rabenfrei. Nachdem sich Covus vergewissert hatte, dass ich wohlbehalten in meinem Bett angekommen war, hatte er sich noch einen nächtlichen Ausflug gegönnt.
Der Januar glänzte schon seit Wochen mit Trostlosigkeit in Form von Wolken und Schauern. Auch heute wölbte sich eine dicke Wolkendecke über den Himmel und drohte mit Regengüssen.
Eine Weile lag ich nur da und starrte auf die weinrote venezianische Maske, die auf meinem Nachtisch lag und auf unheimliche Art zurückstierte. Ich hatte sie als Mahnmal dort platziert. Diese Welt hatte mich verschlungen und gebrochen wieder ausgespuckt.
Schwerfällig raffte ich mich schließlich doch noch auf. Ich schob die müden Beine über die Bettkante. Sofort setzte der bereits wohl bekannte Kopfschmerz ein. Vorwurfsvoll pochte es gegen meine Schädeldecke, zusammen mit dem Bild von Ayden, das ich schnell wieder verdrängte, bevor es zu einem ausgewachsenen Gedanken werden konnte.
Da würde nur der mächtigste Zaubertrank aller Zeiten helfen: Kaffee.
Diese Hoffnung auf Besserung gab mir genug Kraft, mich zu waschen, meine Haare mit einem Bleistift nach oben zu stecken, mich anzuziehen und mein Zimmer zu verlassen.
Zögernd öffnete ich die Tür, in der Erwartung, dass Ayden lässig im Türrahmen lehnte, die dunklen Augenbrauen leicht zusammengezogen, von oben auf mich herabblickend. Aber das war natürlich albern. Der Gang vor mir war, wie ich ihn erwartet hatte: völlig ausgestorben.
Lores Refugium war trotz des älteren Baujahrs zum Glück mit allen Annehmlichkeiten aus der Menschenwelt ausgestattet. Das hatte der Atmosphäre des Schlosses, das im 18. Jahrhundert erbaut worden war, aber keinen Abbruch getan. Die langen Korridore waren mit Kunstwerken, Büsten und Statuen ausgestattet, die verschiedene Wesen zeigten, die sich ihren Gelüsten hingaben. Bodentiefe Fenster gaben den Blick auf die weitläufigen Gärten und die Orangerie frei.
Ich verzichtete auf den Speisesaal, sondern nahm stattdessen die eng gewundene Steintreppe, die mich eine Etage tiefer führte. So gut die Stimmung abends auf den Feierlichkeiten war, so unerträglich war sie am nächsten Morgen. Also würde ich mich direkt an die Quelle wenden.
Die Küche war eine wilde Mischung aus altmodisch und modern. Die aufgereihten Kessel, die Kräuter, die von schwarzen Metallstangen baumelten, und das Feuer, das einer Ecke prasselte, erinnerten mich schmerzhaft an das Hotel Hortus. Ein weiterer meiner Dämonen, den ich gerne vertrieb, der aber nicht aufhörte mich zu belagern.
Auf der moderneren Seite der Küche stand bereits ein Kaffeekännchen auf dem Gasherd, mit dem ich sehnsüchtig liebäugelte.
Zwischen mir und der Erlösung stand nur noch Hanna, die chaotischste Köchin, die mir je untergekommen war. Es gab kaum einen Tag, an dem sie sich nicht schnitt, verbrannte oder fast das gesamte Schloss abfackelte. Die Hauptaufgabe ihrer beiden Hilfsköche bestand darin, dafür zu sorgen, dass es keine schlimmeren Unfälle gab. Einer von ihnen, ein freier Fluchsprecher namens Ethan, war gerade mit dem Hacken von frischen Kräutern beschäftigt. Als ich zu ihm trat, schenkte er mir ein Lächeln. Seine dichten, krausen Haare band er während der Arbeitszeit in einen Dutt zusammen, was seine Gesichtszüge besonders kantig hervorhob.
Hannas Sommersprossen, die nicht nur ihre Wangen, sondern ihr gesamtes Gesicht bis hin zum Hals schmückten, tanzten ebenfalls, als sie mich erblickte.
»Sieh an, wer es da in den frühen Morgenstunden in meine Küche geschafft hat«, scherzte sie und goss mir, ohne zu fragen, eine Tasse Kaffee ein. Beim Einschenken der heißen Flüssigkeit verfehlte sie nur knapp ihre Hand. »Ich hätte nicht vor dem Mittagstisch mit dir gerechnet, Jade.«
Meistens arbeitete ich mit Hanna in der Küche. Sie war eine freie Hexe, die sich ebenfalls vor allem der Trankmagie verschrieben hatte. Darüber hinaus besaß sie eine wahre Leidenschaft für das Kochen und Backen. Aktuell kümmerte ich mich um das Brauen der Tränke für Lore, was Hanna gut gefiel, da sie dadurch deutlich mehr Zeit ins Zubereiten von köstlichen Speisen stecken konnte. Mein Hauptauftrag war Rauschmittel, die dann abends den Kunden zur Verfügung gestellt wurden. Trotzdem experimentierte ich immer noch gerne. Ohne meine umfangreichen Notizen, die im Hotel Hortus lagen, war es deutlich schwieriger, aber ich hatte erst gestern einen großen Durchbruch bei einem Wahrheitstrank erzielen können. Etwas Zitronenmelisse verstärkte den Effekt des Wahrheitssprechen massiv. Es war Ethan, der sich netterweise als Versuchsobjekt bereitstellte. Leider war es ihm letztes Mal trotzdem noch gelungen, die Magie des Trankes hin und wieder zu unterdrücken und mir etwas von gelben Teppichmonstern vorzulügen.
»Albträume«, murmelte ich und nahm einen ersten Schluck von dem Kaffee. Ich hatte Hanna oder Ethan nie erzählt, wer mich nachts verfolgte. Zum Glück fragten sie auch nicht. Ich war mir sogar sicher, dass sie vermuteten, dass Jade nicht mein richtiger Name war, aber auch dazu hatten sie nie etwas gesagt. Es gab hier keine Namen und niemand stellte Fragen. Deswegen war Lores Schloss perfekt für mich.
»Ja, ich auch«, gab Hanna zu, während sie in einer Sauce rührte, die sie bereits für das Mittagessen zubereitete. »Gestern war eine Traumhexe im Haus.«
Sofort verspannte sich meine Rückenmuskulatur und ich umklammerte die Tasse fester.
»Somnias?«, fragte ich gepresst. Mit Balász hatte ich immer noch eine Rechnung offen, denn er hatte mir das genommen, was einer Freundin am nächsten kam. Um seine eigene Tochter zu retten, hatte er mich und Alva entführt. Für den Heiltrank gegen den sogenannten Hexenwahn, an dem seine Tochter litt, brauchte er die Magie von fünf Hexen. Ich war knapp entkommen, aber konnte Alva nicht retten, bevor sie völlig ausbrannte und ihre gesamte Magie an den Trank gegeben hatte. In den Nächten, in denen mich der Teufel, Ayden oder meine Großmutter nicht besuchten, durchlebte ich diese Momente in dem alten Weinkeller immer wieder.
Verwundert sah Hanna bei meiner heftigen Reaktion zu mir. »Nein, eine freie Hexe.«
»Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass sie den größten Teil der Nacht anders beschäftigt war«, wandte Ethan ein.
Behutsam atmete ich aus und merkte da erst, dass ich die Luft angehalten hatte. Es kamen nur sehr selten Zirkelhexen hierher. Falls doch, warnte mich Lore meistens netterweise vor, sodass ich mich auf meinem Zimmer bedeckt halten konnte. Zum Glück hatte sie mich nie gefragt, warum diese Warnung nötig war. Wahrscheinlich war es ihr schlichtweg egal. Es war nur einmal knapp geworden, als ich einer laufenden Weide begegnet war, die sich später als Mitglied der Transformia, der Wandlerhexen, herausgestellt hatte. Danach hatte ich erwartet, dass mehrere Zirkel das Schloss stürmten, um mich zu töten oder dafür zu sorgen, dass ich als Hexenfürstin für sie arbeitete, aber nichts dergleichen geschah.
»Apropos Zirkelhexen. Hast du schon von dem grausamen Mord an der Ersten Hexe der Miraculas gehört? Es gibt schon den ganzen Morgen kein anderes Thema.«
»Vor allem weil du es jedem erzählst, dem du begegnest«, merkte Ethan schmunzelnd an.
Erstaunt sah ich zu Hanna auf. »Eine Familienfehde?« Sich gegenseitig zu töten, um an die Macht der Ersten Hexe zu kommen, war kein unbekanntes Terrain für mich. In meiner Magie spürte ich, wie sich meine Großmutter weiterhin gegen den Übergang zu mir wehrte. Mir immer noch den vollen Zugang zu der Macht der Ersten Hexe verwehrte. Sogar noch vehementer als vor den Spielen.
»Niemand weiß, wer der Mörder ist. Die Leiche war wohl ziemlich zerfetzt«, berichtete Hanna, zuckte bei dem Gedanken sogar zusammen.
»Ich habe gehört, ein Dämon sei beteiligt gewesen«, ergänzte Ethan und griff nach dem Basilikum.
Hanna warf einen empörten Blick über die Schulter zu ihm. »Also hast du doch noch mehr Informationen.«
Ethan zuckte mit den Schultern. »Nur Gerüchte.«
Die Sauce hinter Hanna gluckerte und sprudelte dann auf. Bevor sie reagieren konnte, liefen bereits die ersten Tropfen über. Hanna packte den Griff, um den vor sich hin spuckenden Topf anzuheben. Mit einem Küchentuch wischte sie über die Seiten und dann über den Herd.
Hastig beugte Ethan sich vor und schnappte das Tuch, bevor es auf dem Herd in Flammen aufging. Hanna war völlig blind für den Brand, den sie fast ausgelöst hätte.
Die Küchentür wurde erneut geöffnet. Lore, die Besitzerin des Lustschlosses, kam mit wiegenden Hüften hereingeschwebt. Ihre Haare fielen ihr in weichen Wellen über den Rücken. Sie strahlte vor weiblicher Schönheit und wenn man nicht schon allein davon fasziniert war, gaben ihre Augen einem den Rest. Eins war violett,...




