Hansen / Wolf | Das Puppennetz | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Hansen / Wolf Das Puppennetz


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7549-9009-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-7549-9009-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine verscharrte Leiche auf dem weitläufigen Öjendorfer Friedhof, eine Visitenkarte von 'Life Dolls' und maulfaule Informanten auf der Reeperbahn: Hauptkommissar Helbing vom Hamburger LKA muss für seinen aktuellen Fall den Kiez mal wieder auf links drehen - zusammen mit dem sparkassigen Kollegen Merseburger von der Kripo und dessen Assistentin Fritzi. Denn ausgestopfte Frauen, die im Darknet als Sexpuppen verkauft werden, sind auch für Helbing neu.

Tom Hansen und Ben Wolf kennen sich aus Gründen, die öffentlich unerwähnt bleiben müssen, bestens hinter den neonfarbenen Fassaden der Hamburger Reeperbahn aus - und legen mit 'Das Puppennetz' ihr spannungsgeladenes Debüt vor.
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Montagmorgen, 9. Oktober


Kann mal bitte einer die Kotze aufwischen? Danke!“, rief Helbing über den Flur und ging ins Büro. In der Davidwache sah es mal wieder aus wie Sau. Die üblichen Überreste einer normalen Wochenendschicht mit zwei Fußballspielen und unzähligen Junggesellenabschieden auf dem Kiez, die überraschenderweise aus dem Ruder gelaufen waren – und so manchem die Fahrt in den Hafen der Ehe verhageln würden, sobald der Club Tropicana mit „Dienstleistungen Diverses“ auf der Kreditkartenabrechnung auftauchte.

Helbing war genervt. Dabei hatte er dieses Wochenende endlich frei gehabt. Hatte er zumindest gedacht. Bis er es auf dem Fußballplatz verbringen musste. Sein Patenkind wandelte erfolglos auf Ronaldos Spuren. Ein Muss für den besten Geschenkelieferanten, fanden zumindest die Erzeuger der verhinderten Fußballlegende in spe.

Helbing hasste solche Freizeittermine. Noch mehr aber hasste er sich selbst, dafür, dass er nicht schon aus der Kirche ausgetreten war, bevor die Ehre des Patenamtes an ihn herangetragen wurde. Freizeit hatte für ihn absolut terminfrei zu sein, ansonsten war es keine. Sein Wochenende zwischen all diesen aggressiven Spießern verbringen zu müssen, die mit ihren Anfeuerungsrufen wie „Hau ihn um!“ ihre Kinder zu seinen Kunden von morgen machten, war für ihn schlimmer als ein Abend in der Oper. Was hätte er nicht für eine Pizza auf der Couch mit 3 Filmen oder einer neuen Serienstaffel gegeben. Gab es schlimmere Wochenenden als die, an denen man sich schon am Samstagmorgen auf den Montag freute? Eben.

Sie gucken schon wieder wie die Merkel.“ Fritzi hatte sich wie immer an seine Fersen geheftet und folgte ihm sein derzeitiges Büro. Sie hatte gerade ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und war mit 23 und nur 1,60 Meter das von allen liebevoll umsorgte Küken der Dienststelle. Fritzi war eigentlich nur ihr zweiter Vorname, aber er klang wesentlich lustiger als Johanna, ihr erster Vorname. Zumal für eine Frau. Insofern war sie es seit dem Kindergarten gewohnt, Fritzi genannt zu werden.

Helbing hatte als Hauptkommissar des LKA die Kollegen der hiesigen Kripo in einem besonders schweren Fall von Menschenhandel einige Wochen unterstützt. Jetzt war es Zeit, die Sachen zu packen und ins sehr viel ruhigere LKA im beschaulichen Alsterdorf zurückzukehren.

Kannst du nicht wieder auf die Polizeischule gehen? Ne Fortbildung machen oder so“, seufzte Helbing. Insgeheim liebte er diesen morgendlichen Schlagabtausch mit ihr. Es war ja nicht so, dass er jeden Tag schlechte Laune hatte. Jedenfalls nicht 24 Stunden lang. Nur morgens. 9 Uhr war einfach nicht seine Zeit. Dank Fritzi stieg sein Laune-Barometer um einiges schneller an. Zugegeben hätte er das natürlich ums Verrecken nicht.

Fritzi schüttelte wie immer betont missbilligend den Kopf. „Mach ich – wenn Sie zur Benimmschule gehen. Oder zum Lach-Yoga, würde auch Ihnen guttun.“

Eher erschieße ich mich!“

Sollten Sie ruhig mal ausprobieren. Das Lach-Yoga, nicht den Selbstmord. Meine Mutter ist seitdem viel besser drauf.“

Deine Mutter muss sich auch nicht jeden Tag mit Psychopathen und sonstigen Schwerstkriminellen rumschlagen.“

Jaja. Apropos: Was liegt heute an?“ Gegen Helbings miese Laune am Morgen war sie immun. Insofern perfekt geeignet für den Job.

Böse Jungs schnappen, wie jeden Tag. Allerdings müsste ihr das ab heute wieder ohne mich schaffen.“

Sie gehen schon?“

Jep. Und deshalb ist heute Aufräumen angesagt. Bevor mich Dein Chef erwischt und mit dem nächsten Fall belästigt.“

Hab ich da meinen Namen gehört?“ Trautmann, der Leiter der Kripo, kam auf seinen italienischen Lederschuhen beschwingt in Helbings Büro gelaufen.

Morgen, Chef“, flötete Fritzi. Helbing nickte nur und durchforstete sein Schlüsselbund nach dem Schlüssel für den Aktenschrank. Es war höchste Zeit, endlich ein paar von den Dingern auszusortieren. Bei mindestens der Hälfte hatte er schon lange nicht mehr die leiseste Ahnung, zu welchem Schloss sie gehörten. Beim Rest blieb immer noch ein Drittel übrig, deren Schlösser in seinem Leben schon lange keine Rolle mehr spielten: alte Fahrradschlösser, der nachgemachte Haustürschlüssel zum ehemaligen Haus seiner Eltern und sogar ein kleiner Inbusschlüsse für die wackelige Armlehne seines ehemaligen Bürostuhls.

Wo haben Sie denn Ihre bessere Hälfte gelassen?“, wollte Trautmann von Helbing wissen.

Keine Ahnung, wo Kollege Merseburger steckt. Vermutlich ermittelt er seit drei Stunden irgendwo irgendwas, der alte Streber“, brummte Helbing in Gedanken versunken, während er sein Schlüsselbund weiter inspizierte.

Ein Vorbild für uns alle. Fleißig, der Mann“, lobte Trautmann den nicht anwesenden Kripo-Kommissar mehr oder weniger ernst.

Wohl eher überengagiert“, murmelte Helbing. „Ha!“ Triumphierend hielt er Trautmann einen Schlüssel entgegen.

Was, ha? Während ihr Kollege bösen Buben auf die Schliche kommt, haben Sie an Ihrem Schlüsselbund einen Schlüssel gefunden?“

Nicht irgendeinen – DEN Schlüssel!“ Glücklich ging Helbing in die Hocke und öffnete den Aktenschrank. Er hätte ihn lieber zulassen sollen. Eine unaufhaltsame Aktenlawine begrub seine Beine und den Bürofußboden unter sich. Je organisierter das Verbrechen, desto unorganisierter schien Helbings Ablagesystem zu sein. Während der Ermittlungen hatten andere immer Probleme, den Überblick zu behalten, aber für Helbing hatte dieses leichte Chaos System. Nur so konnte es Assoziationsketten bilden und Spuren ausmachen. Vor dem Beginn der Gerichtsverfahren musste er jedoch jedes Mal alles neu ordnen und aufbereiten. Ein Bürokrat war wirklich nicht an ihm verlorengegangen.

Wussten Sie, dass man die Dinger bündeln und stapeln kann?“, fragte Trautmann.

Ich schon, aber Fritzi offensichtlich nicht.“

Jetzt schieben Sie das nicht auf unsere junge Kollegin. Sie ist die Einzige, die diesen Laden hier zusammenhält. Und dabei eine ausgesprochen gute Figur macht, wie ich finde“, flirtete Trautmann seine Untergebene an.

Sexuelle Belästigung im Kommissariat, nicht schlecht, dachte Helbing.

Fritzi lächelte unangenehm berührt und schaute auf den Fußboden.

Da bin ich!“ Merseburger kam mit einer prall gefüllten Tüte vom Bäcker ins Büro.

Na, wie schön. Dann sind wir ja vollzählig“, bemerkte Helbing sarkastisch.

Sie haben für uns alle Brötchen mitgebracht?“, fragte Trautmann erfreut.

Nicht nur das. Auch Teilchen! Hab doch heute Geburtstag“, antwortete Merseburger.

Helbing, Fritzi und Trautmann guckten sich leicht erschrocken an.

Ja, richtig, natürlich - Mensch, Merseburger! Genau deswegen bin ich auch hier. Meinen allerherzlichsten Glückwunsch! Ihre Kollegen haben sicher auch etwas für Sie vorbereitet“, kickte Trautmann den Ball mit einem Arschlochpass in Helbings Feld.

Natürlich hatten sie nichts vorbereitet. Helbing schon gar nicht und Fritzi war noch nicht lange genug hier, um Merseburgers Geburtsdatum zu kennen.

Merseburger grinste: „Hab euch nur verarscht. Hatte einfach Lust auf was Süßes und dachte mir, ich tue ein gutes Werk und bring euch auch was mit.“

Trautmann schaltete sofort wieder um vom geselligen in den dienstlichen Ton: „Das heißt also, Sie kommen ohne Entschuldigung zu spät zum Dienst?“

Im Gegenteil: Hab beim Bäcker die Staatsanwältin getroffen und kurz dienstlich mit ihr gesprochen. Sie meinte, du sollst noch nicht abziehen, Peter. Sie kommt heute im Laufe des Tages mit einem neuen Fall vorbei, den sie mit uns besprechen möchte. Die Kollegen, die bisher dransaßen, kommen nicht weiter und sind wohl nach neuesten Erkenntnissen auch nicht zuständig. Geht um Frauenhandel.“

Frauenhandel?“ Helbing hatte seit „Staatsanwältin“ nicht mehr richtig zugehört. Und das keineswegs, weil er Merseburger nicht respektieren würde. Im Gegenteil: Sie waren in den letzten Wochen ein perfektes Team geworden. Merseburger, der Aktenfresser, ohne dessen Pedanterie jeder Anwalt ihre mühsam ermittelten Beweise und Indizien vor Gericht in der Luft zerreißen würde und Helbing, der auf dem Dienstweg die Abkürzungen kannte und nutzte. Zudem hatte Helbing ein unschlagbares Gespür für Leute, die noch etwas Wichtiges zu sagen hatten, es bislang aber nicht wollten. Irgendwie kriegte er jeden zum Reden. Und das ohne mit Gewalt zu drohen oder so ‘n Quatsch. Für derartigen Hollywood-Blödsinn hatte er nichts übrig. Er wusste einfach, wie er mit jedem Einzelnen reden musste. Schließlich hatte jedes Milieu seinen eigenen Sprachcode – von der Kellerkneipe bis zur Vorstandsetage.

Der Grund für Helbings geistige Abwesenheit hieß Sandra Ancelotti, die Staatsanwältin. Ende dreißig wie er, pechschwarze lange Haare, noch längere Beine, und Augen, die ihn jedes Mal in die butterweichen Knie zwangen. Natürlich verheiratet mit ihrer Jugendliebe, einem erfolgreichen Anwalt. War eh klar. Aber träumen war erlaubt....



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