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E-Book, Deutsch, 126 Seiten
Hanke Tödliches Traden
2. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-8574-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Hamburg Krimi zwischen maritimen Flair und Finanzintrigen
E-Book, Deutsch, 126 Seiten
ISBN: 978-3-6957-8574-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der 1. Hamburg Krimi vom gebürtigen Hamburger Michael Hanke. Der 2. Hamburg Krimi erscheint Ende 2026.
Autoren/Hrsg.
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PROLOG – DIENSTAG
Früher Dienstagabend, 4-Zimmer Altbau Wohnung der Friedbergs in der Frickestraße, Hamburg Eppendorf.
Inga Friedberg, 43, schlank, halblanges blondes Haar lässt die ausbleibende Antwort auf ihren Sperrantrag einfach keine Ruhe. Bevor sie sich weiter ärgert, beschließt Inga einen spontanen Ausflug zu dem Trading Portal ihres Mannes zu machen, schiebt die Lasagne in den Ofen, stellt auf 180 Grad für 45 Minuten und fährt mit ihrem Rad zu der Hamburger Niederlassung von »Trading 24/7«, die nur 10 Minuten von ihrer Wohnung entfernt liegt.
Die Adresse in der Innocentiastraße hatte Inga Friedberg zufällig gerade erst letzte Woche auf dem Weg zu ihrem Zahnarzt entdeckt. Als Inga bei der Niederlassung ankommt, sieht sie einen Mann aus dem Wohnhaus kommen, der mit Chance ein Mitarbeiter des Tra-ding Portals sein könnte. Entschlossen geht Inga Friedberg auf den Mann zu, als der gerade mit seinem Fahrrad starten will und spricht ihn auf gut Glück an: »Herr Kornemanns?«
Der Mann, 49, mit nach hinten gegeltem Haar und arrogant gequältem Gesichtsausdruck dreht sich überrascht um: »Huch, was kann ich für Sie tun?«
»Ich bin die Ehefrau von Sascha Friedberg, einem Ihrer Trader Kunden, der unser hart verdientes Geld auf Ihrem Portal verzockt. Um meinen spielsüchtigen Mann zu schützen, habe ich vor zweieinhalb Wochen einen Antrag auf Sperrung gestellt, aber bis heute noch immer keine Antwort bekommen. Deshalb habe ich mich spontan auf den Weg zu Ihnen gemacht. Sie sind doch der persönliche Ansprechpartner meines Mannes. Haben Sie Kenntnis von meinem Schreiben und was kann ich tun, um die Sache zu beschleunigen?«, präzisiert Inga ihr Anliegen
Mit aufgesetzter Freundlichkeit antwortet Timo Kornemanns: »Hallo Frau Friedberg, schön, Sie kennen zu lernen, auch wenn ich jetzt Feierabend habe. Weiß Ihr Mann von Ihrem Antrag und dass Sie mir jetzt auflauern?«
Inga Friedberg schüttelt den Kopf: »Nein, aber das ist nicht relevant. Hat mein Mann Ihnen je erzählt, dass er als freier Redakteur mit Verbraucher Tipps nicht viel verdient? Saschas Einkünfte decken bei weitem nicht die hohen Einzahlungen auf Ihr Portal. Und da Sascha für seine Trades bisher leider kein glückliches Händchen hatte, ist inzwischen auch unser Familienkonto restlos leergeräumt. Wir können die Miete nicht mehr bezahlen, Urlaub ist gestrichen sowie u.a. auch die überfälligen größeren Fußball Schuhe für die Jungs. Deswegen ist jetzt Schluss mit der sinnlosen Zockerei. Nur ist mein Mann leider zu spielsüchtig, um selber den Absprung zu schaffen. Und wenn Sascha in einem lichten Moment aufhören wollte, haben Sie ihn mit unseriösen Erfolgsaussichten so lange belabert und geködert, bis er sich bei seinen Kumpels noch mal frisches Geld geliehen hat, um weiter traden zu können. Um dieses Drama endgültig zu beenden, habe ich den Antrag auf Sperrung gestellt, aber bis heute Abend leider noch keine Antwort bekommen, was mich nicht wirklich überrascht bei Ihrem Portal.«
Timo Kornemanns verdreht seine Augen: »Liebe Frau Fried-berg, wir unterliegen nicht der Aufsicht der deutschen Glücksspielbehörde wie die Spielcasinos, bei denen Sie eine Sperrung veranlassen können. Und auf irgendwelche Sperrwünsche der Angehörigen gehen wir in der Regel nicht ein, dahinter könnten schließlich auch ganz andere Motive stecken. Das verstehen Sie bestimmt. Und selbst wenn Ihr Mann bei uns nicht mehr traden dürfte, gäbe es doch Hunderte anderer Portale, für die unsere Sperrung nicht gelten würde und bei denen er sich unkompliziert neu registrieren lassen könnte.«
Inga Friedberg reagiert darauf noch emotionaler: »Stimmt, aber mein Mann müsste sich mit dem Thema neu auseinandersetzen, reflektieren, ob er überhaupt noch weiter zocken möchte, die Hemm-schwelle wäre dadurch deutlich größer. Und dass Sie Ihre Trader vor berechtigten Anliegen der direkten Angehörigen schützen wollen, ist der größte Bullshit. Das Geschäftsmodell Ihres nicht mal EU regulierten Portals ist doch Profit machen um jeden Preis auf Kosten der verzweifelten Spielsüchtigen, die immer wieder unseriös mit angeblich todsicheren Trades gelockt und dann ausgenommen werden bis zu deren finanziellem Ruin oder gar Existenzvernichtung. So was wie Gewissen kennt Ihre Branche doch gar nicht.«
Timo Kornemanns versucht sich zu beherrschen: »Bitte beruhigen Sie sich, es ist doch nicht unsere Schuld, dass manche Kunden mit ihrem Geld nicht umgehen können und sich wohl möglich finanziell ruinieren. Wir warnen sogar alle Trader, schließlich steht in jeder Mail und auf jeder Seite unserer Homepage der Warnhinweis, dass es sich um hochriskante Geschäfte handelt.«
Sichtlich aufgebracht fällt die wütende Ehefrau dem Account Manager ins Wort: »Sehr witzig, mit dem Thema Spielsucht haben Sie sich sicherlich noch nie wirklich auseinandergesetzt. Wie kommen Sie eigentlich persönlich damit klar, Menschen in den Abgrund zu reißen, Familien zu zerstören, haben Sie selber Familie, Kinder?«
Timo Kornemanns dreht sich mit verständnislosem Gesichtsausdruck halb weg, um das lästige Gespräch zu beenden: »Das geht Sie gar nichts an und was nerven Sie hier eigentlich die ganze Zeit. Sie stehlen mir meine Freizeit und meinen wohlverdienten Feierabend. Ihr Mann wollte das nicht anders. Der fand es immer cool und spannend, wenn ich ihn mit neuen Investment Tipps gefüttert habe.«
Daraufhin verliert Inga Friedberg endgültig ihre Contenance: »Sie empathieloses, arrogantes Arschloch!«, brüllt sie den Account Manager an und gestikuliert dabei wild mit ihren Armen. Timo Kornemanns fühlt sich in diesem Moment von ihr bedroht, weicht instinktiv einen Schritt zurück, verliert dadurch mit seinem Rad das Gleichgewicht, kippt um und fällt auf den Bürgersteig Richtung Straßenseite. Dabei fällt er so unglücklich, dass er mit seinem Kopf direkt auf die harte Steinkante knallt.
Inga Friedberg starrt entsetzt auf den regungslos daliegenden Account Manager: »Fuck, ich habe den Mann doch gar nicht berührt.« Sie schaut sich um, kein Mensch ist zu sehen, niemand scheint den Unfall mitbekommen zu haben. Panikartig steigt Inga schnell auf ihr Fahrrad und rast davon, ohne vorher gecheckt zu haben, ob Kornemanns noch lebt. Dabei wird Inga Friedberg das Gefühl nicht los, einen großen Fehler gemacht zu haben. Kaum auf den Verkehr achtend fährt Inga Friedberg wie in Trance zurück zu ihrer Familie. »Ich hätte doch wenigstens 112 wählen müssen«, wirft sie sich in Gedanken vor »Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar. Aber noch blöder könnte es laufen, wenn die Polizei mich verdächtigen würde wegen Totschlag«, schaudert es Inga Friedberg. Sie versucht so gut es geht, alle weiteren Gedanken zu verdrängen: »Ich habe doch gar nichts gemacht, der Mann ist von alleine umgekippt. Würde die Polizei ihr glauben? Puh, was für eine Scheiße, wie soll ich damit leben? Ganz ruhig, niemand scheint mich gesehen zu haben. Ich muss jetzt schnell einen klaren Kopf bekommen, mir nichts anmerken lassen zu Hause, den tragischen Unfall aus meinem Gehirn streichen, das Thema verdrängen, mich mit der leckeren Lasagne ablenken und stärken, alles wird wieder gut.«
Hamburg in der Abenddämmerung, Europas schönste Großstadt kommt langsam in Feierabend Stimmung. Von irgendwoher hallt ein lautes, störendes »Arrogantes Arschloch, Schloch, Loch!«
Eine halbe Stunde später klingelt das Telefon auf dem Kriminalkommissariat Hamburg Mitte.
»Kripo Hamburg, Zentrale, Salewsky.«
»DRK, Jochen Feissner, Wir haben hier einen toten Radfahrer gefunden, der wohl mit dem Kopf auf den Kantstein geschlagen ist. Könnte ein Unfall gewesen sein, aber bevor wir die Leiche abtransportieren, sollte lieber einer eurer Experten hier vor Ort einen Blick drauf werfen.«
»Klar, danke für die Info, wo ist der genaue Tatort?«, fragt Malte Salewsky.
»Innocentiastraße, zwischen Hochallee und Rothenbaumchaus-see«, antwortet der DRK-Mann.
»Okay, geht los, die Kollegen sind in 15 Minuten da«, kündigt Malte Salewsky an und geht 3 Räume weiter, wo die beiden Chefermittler Svenja und Kolja gerade mit ihrem Kollegen Basti über gesunde Ernährung diskutieren. Er hört gerade noch den letzten Satz.
Kolja: »Iggy Pop hat über 35 Jahre zum Teil harte Drogen konsumiert und lebt immer noch.«
»Ja, aber nur, weil Iggy seit 15 Jahren keine mehr nimmt, seine Ernährung komplett auf Naturkost umgestellt hat und 16 Stunden Fasten praktiziert. Iggy Pop hat noch rechtzeitig den Absprung geschafft, ist jetzt quasi zum Vorbild für gesunde Ernährung mu-tiert. Und klar, es wird immer Ausnahmen geben wie z.B. Helmut Schmidt, unseren beliebten Altkanzler, der sein langes Leben Kette geraucht hat. Aber in der Regel haben Raucher, Drogisten, Alkis und Vielfraße eine viel kürzere Lebenserwartung und das auf Kosten der gesamten Gesellschaft«, erklärt Basti gut im Thema.
Malte Salewsky räuspert sich: »Moin die...




