E-Book, Deutsch, Band 3, 274 Seiten
Hanisch Moderation ist Gold
6. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-6530-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Grundlagen der effizienten Leitung von Gesprächsrunden - Gesprächsführung, Umfragen, Talkrunden und Manipulation
E-Book, Deutsch, Band 3, 274 Seiten
Reihe: Rhetorik, Präsentation, Persönlichkeit
ISBN: 978-3-7693-6530-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Horst Hanisch, Bonn, ist selbstständiger Fachbuchautor, Coach und Dozent. Seine Trainingstätigkeit erstreckt sich unter anderem auf die Bereiche Kommunikation, Persönlichkeits-Entfaltung, Soft Skills, Soziale Kompetenz und Knigge/Etikette/Umgangsformen. Seine Seminare finden im In- und Ausland statt. Er ist Autor zahlreicher Fachbücher, die in Deutschland und im Ausland erschienen sind. Horst Hanisch veranstaltet Seminare zu Themen wie Business-Etikette, Das wie ist man/frau was?-Lehrmenü, Rhetorik, Präsentation, Moderation, Outfit, Selbstbewusstes Auftreten, Smalltalk, Interkulturelle Kompetenz und andere.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2 – Die zwischenmensch-liche Kommunikation – Interaktion
Wie funktioniert Kommunikation?
„Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt,
erschiene den Menschen alles, wie es ist: unendlich.“
William Blake, brit. Dichter
(1757 - 1827)
Das Sender-Empfänger-Modell – Wahr ist das, was B versteht; nicht das, was A sagt
Liebe Leserin, lieber Leser, oder besser liebe Rednerin, lieber Redner, wahr ist das, was der Gesprächsteilnehmer versteht, nicht das, was der Sprechende sagt! Aufbauend auf dem bisherigen Wissen, sollte diese Aussage bei Ihnen sofort Zustimmung hervorrufen.
Bedauerlicherweise kommt es in der zwischenmenschlichen Kommunikation nach wie vor zu vielen Missverständnissen.
Mithilfe des Sender-Empfänger-Modells von Friedemann Schulz von Thun (dt. Psychologe und Kommunikationsforscher, *1944) werden hier die Kommunikationswege vereinfacht dargestellt.
Ein Sender (Gesprächspartner A) übermittelt einem Empfänger (Gesprächspartner B) eine Nachricht. Diese Nachricht kann verbal, paraverbal oder nonverbal erfolgen.
| ¦ Verbal (durch Wörter) |
| ¦ „Bitte nehmen Sie das.“ |
| Die Nachricht erfolgt | ¦ Paraverbal (beispielsweise Pfeifen) |
| ¦ „Stopp, nicht weiter!“ (beim Sport) |
| ¦ Nonverbal (Körpersprache) |
¦ „Kommen Sie näher!“ (Heranwinken)
Der Sender ist der Redner, der Empfänger ist der Zuhörer. (Stellt ein Zuhörer eine Frage, dann wird dieser zum Sender und der Redner zum Empfänger.)
Eine Nachricht wird von einem Sender zu einem Empfänger gesendet: S
? E. Es liegt eine ‚unechte‘ Kommunikation vor.
Durch den Dialog wird sie zur echten Kommunikation.
Die unechte Kommunikation finden Sie zum Beispiel im Internet, Fernsehen, Radio, Kino, bei einer SMS, bei Printmedien wie Zeitungen, Plakaten, aber auch in Piktogrammen, Verkehrsschildern und Hinweisschildern.
Unecht deswegen, weil auf die Nachricht nicht reagiert wird, wie beziehungsweise der Sender die Reaktion nicht wahrnehmen kann (wie beim Fernsehen).
Beispiele einiger Piktogramme
Ein Piktogramm (Piktographie, lat. ‚pictum‘ für ‚gemalt‘; gr. ‚graphein‘ für ‚schreiben‘) vermittelt einen Hinweis oder eine Information mithilfe eines erklärenden Symbols beziehungsweise eines Icons.
| Piktogramm (Dinge werden bild- lich dargestellt): | ¦ Darstellung ‚Mensch‘ für Damen-/Herren-WC, ‚Flugzeug‘ für Flughafen, ‚Messer und Gabel‘ für Restaurant. |
| Ideogramm (Ideographie, gr. ‚ei- dos‘ für ‚Urbild‘, Idee‘) = Begriffs- zeichen: | ¦ Abstrakte oder konventionelle Bedeutung ohne erkennbaren Realitätsbezug (zum Beispiel Diagonalbalken für Halteverbot). |
| Logogramm ist ein Wortzeichen | ¦ Symbole, zum Beispiel im wissenschaftlichen, mathematischen und logischen Bereich. |
| (Logographie, gr. ‚logos‘ für ‚Wort‘): | ¦ + - . : |
| ¦ > < |
| ¦ @ |
Im Folgenden wird auf ein Basismodell der Kommunikation in einem Dialog zweier Gesprächspartner (oder generell zweier Menschen) eingegangen.
Kommunizieren zwei Personen miteinander, kann die gesendete Nachricht laut Friedemann Schulz von Thun bis zu vier ‚Fenster‘ öffnen.
| ¦ Fenster des Sachinhaltes |
| Die vier Fenster im Kommunikati- onsmodell: | ¦ Fenster des Appells |
| ¦ Fenster der Beziehung |
| ¦ Fenster der Selbstoffenbarung |
Die Inhalte der Fenster haben unterschiedliche Aussagen.
| ¦ Fenster des Sachinhaltes: |
| ¦ Wie ist der Sachverhalt? |
| ¦ Fenster des Appells: |
| ¦ Was soll ich tun, denken, fühlen? |
| Mögliche Fragen zur Deutung der Nachricht: | ¦ Fenster der Beziehung: |
| ¦ Wie redet der Sender mit mir? Wen glaubt er/sie vor sich zu haben? |
| ¦ Fenster der Selbstoffenbarung: |
| ¦ Was ist der Sender für einer? Was ist mit ihr/ihm? |
Der Empfänger kann sich zu den vier Fenstern folgende Fragen stellen:
Alle Menschen müssen sterben
Beispiel: Nachricht/Aus-sage eines Redners „Alle Menschen müssen sterben.“
Mögliche Deutung dieser Nachricht mithilfe der vier Fenster.
Der Empfänger kann aus derselben Nachricht …
… vier verschiedene Bedeutungen heraushören. Dummerweise weiß der Empfänger nicht, welches der vier Fenster der Redner meinte.
Wollte er lediglich das Fenster des Sachinhalts öffnen, also einen Sachinhalt vermitteln oder wollte er einen Appell geben oder …? Wird angenommen, der Sender will mit dem Fenster Sachinhalt eine reine Sachinhalts-Information vermitteln, der Empfänger öffnet aber sein Beziehungs-Fenster, verstehen beide einander nicht.
Interpunktion
Der österreichische Kommunikationswissenschaftler Professor Paul Watz-lawick (1921 – 2007) spricht hier von Interpunktion (subjektiv verstandene Standpunkte, lat. ‚interpunctio‘ für ‚Zeichensetzung‘).
Beide Gesprächspartner fühlen sich im Recht. Da die Behauptung aufgestellt wurde, dass ‚wahr ist, was der Teilnehmer versteht und nicht das, was der Sprechende sagt‘, ist es eindeutig Sache des Redners zu klären, welches Fenster er öffnen will.
Wechselseitiger Austausch
Um zu ermitteln, ob der Empfänger den Sender in dessen Sinn verstanden hat, ist eine Rückmeldung an den Sender hilfreich (zum Beispiel ein Feedback, eine Antwort, eine Nachfrage). Auf diese Weise kann der Redner erfahren, ob der Teilnehmer ‚synchron‘ denkt. Durch den ständigen Austausch ist das im Ansatz umsetzbar.
Durch den wechselseitigen Austausch entsteht eine Interaktion im Sinne einer echten Kommunikation. Der Sender sendet eine Nachricht an den Empfänger und dieser sendet eine Nachricht an den Sender zurück: S ? E und E ? S.
Das Schaubild sieht dann so aus:
Ein Austausch dieser Art hilft, einander besser zu verstehen. Erschwerend kommt in einem Dialog dazu, dass auch die vier Fenster der rückgemeldeten Nachricht vom jetzigen Empfänger nicht eindeutig zugeordnet werden können.
Dies sich vor Augen haltend scheint es fast ein Wunder zu sein, wenn zwei Menschen einander richtig verstehen …
Umso wichtiger, dass Sie sich in einer Gesprächssituation immer wieder bewusstmachen, dass Ihr Gegenüber etwas ganz anderes versteht oder verstehen kann, als Sie vermitteln wollen. Bringen Sie entsprechende Geduld und Nachsicht auf, damit es zu möglichst wenigen Missverständnissen kommen wird.
Vier Ohren der Nachricht in der Kommunikation
Sagt der Vorgesetzte zur Mitarbeiterin „Ich bin stolz auf Sie“, gibt er damit nicht nur die Information seines Gefühlsempfindens (Stolz) wieder, das in seiner Brust mitschwingt.
Er kann damit auch eine einfache Information zum Ausdruck bringen, dass er stolz ist und nicht etwa traurig.
Möglicherweise will er seine Mitarbeiterin auch weiterhin anspornen: „Machen Sie weiter so, dann wird mal was aus Ihnen.“
Sofern die Mitarbeiterin die Nachricht in diesem Sinn hört, nimmt sie einen Appell wahr.
Vielleicht versteht sie „Leg‘ los!“ und sie schmeißt sich noch ‚stärker ins Zeug‘.
Was will der Vorgesetzte wirklich sagen?
Nur er allein weiß es.
Wer weiß, ob der Vorgesetzte nicht nur ausdrücken wollte, dass er es durch seine Führungskraft schaffte, die Mitarbeiterin zu einer Leistung zu bewegen, die ihn stolz werden lässt.
Ohne seine berufliche Führung hätte die Mitarbeiterin möglicherweise diese Erkenntnis niemals in ihm auslösen können. So wird hier die Beziehung zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiterin zum Ausdruck gebracht.
Es kann sein, dass er nun eine entsprechende Reaktion der Mitarbeiterin erfährt.




