E-Book, Deutsch, Band 4, 216 Seiten
Reihe: Lebenseinstellung
Hanisch Angst- und Optimismus-Knigge 2100
4. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-6526-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Furcht beherrschen, Ängste nutzen und positiv durchs Leben gehen
E-Book, Deutsch, Band 4, 216 Seiten
Reihe: Lebenseinstellung
ISBN: 978-3-7693-6526-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Horst Hanisch, Bonn, ist selbstständiger Fachbuchautor, Coach und Dozent. Seine Trainingstätigkeit erstreckt sich unter anderem auf die Bereiche Kommunikation, Persönlichkeits-Entfaltung, Soft Skills, Soziale Kompetenz und Knigge/Etikette/Umgangsformen. Seine Seminare finden im In- und Ausland statt. Er ist Autor zahlreicher Fachbücher, die in Deutschland und im Ausland erschienen sind. Horst Hanisch veranstaltet Seminare zu Themen wie Business-Etikette, Das wie ist man/frau was?-Lehrmenü, Rhetorik, Präsentation, Moderation, Outfit, Selbstbewusstes Auftreten, Smalltalk, Interkulturelle Kompetenz und andere.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Teil 1 – Angst und Furcht
Ein Leben voller Angst?
Erschinungsformen der Angst
„Täglich wird bestraft, wer immer Angst hat.“ Publilius Syrus, röm. Moralist (geschätzt ca. 90 - 40 v. Chr.)
Angst-Spektrum
Der deutsche Germanist und Sportpsychologe Siegbert Arno Warwitz (*1937) unterscheidet verschiedene Erscheinungsformen von Angst. Er erstellte ein Angst-Spektrum mit folgenden Stufen.
- Unsicherheiten. Wie es das Wort schon ausdrückt, wird hier ein Mangel an Sicherheit erkannt und möglicherweise als Gefahr bezeichnet.
Hierunter versteht er beispielsweise Beklommenheit, Scheu, aber auch Zaghaftigkeit und generelles Vermeidungsverhalten unbekannter Situationen. - Zwänge, auch Zwangsstörung oder Zwangserkrankungen.
Hierzu gehören beispielsweise der Kontrollzwang, Reinigungszwang, Zählzwang, Esszwang, Berührzwang. - Furchtformen. Die Furcht vor Berührungen, vor Verletzung, vor Versagen.
Hier handelt es sich um eine konkret fassbare Gefahr. - Phobien. Das sind krankhafte Angstzustände, wie zum Beispiel die Phobie vor Spinnen.
- Paniken. Wer unter einer Panik leidet, gerät in einen Zustand sehr intensiven Angstgefühls. Er fühlt sich bedroht. Die Bedrohung kann tatsächlich vorliegen oder nur angenommen sein.
Hierzu gehören der Angstanfall (Panikattacke), die Schockstarre, die Katastrophenlähmung und andere. - Psychosen. Hier liegen deutlich schwere psychische Störungen vor. Der Betroffene verliert den tatsächlichen Bezug zur Realität.
In dieser Kategorie kommen neurotische Ängste vor, wie Verfolgungswahn bis hin zur Lebensangst.
Der Begriff Psychose taucht erstmalig im Jahr 1845 auf.Er wurde vom österreichischen Arzt Ernst Maria Johann Karl Freiherr von Feuchtersleben (1806 – 1849) verwendet.
Die Schwerpunkte im vorliegenden Text befassen sich mit der Ängstlichkeit und der Furcht sowie der Angst, der Panik und mit den Phobien.
Angor und Timor
„Die Phantasie der Angst ist jener böse, äffische Kobold, der dem Menschen gerade dann noch auf den Rücken springt, wenn er schon am schwersten zu tragen hat.“
Friedrich Wilhelm Nietzsche, dt. Philologe (1844 - 1900)
Was ist Angst?
Die Begriffe Angst, Furcht und Phobie treten auch im täglichen Sprachgebrauch häufiger auf.
Manchmal werden die Begriffe im Alltag gleichbedeutend verwendet, weshalb auf sie zuerst eingegangen wird. Sie sollen voneinander abgegrenzt werden.
So soll klarer werden, was Furcht oder Angst konkret bedeuten und wie die Phobie hierbei zuzuordnen ist.
Was ist Angst? Lassen Sie es so erklären: Angst ist das Gefühl einer bedrohlich empfundenen Situation.
Monika ängstigt sich vor ‚Unwesen‘, die nachts durchs Haus schleichen. Besondere Furcht löst ein Gespenst mit einem Schlagstock bei ihr aus.
In der lateinischen Sprache gibt es den Begriff ‚angustus‘ beziehungsweise ‚angustia‘, was für Enge oder Beengung oder Bedrängnis steht.
Das lateinische Wort ‚angor‘ steht für ‚würgen‘. Vor dem unangenehmen Würgen lässt sich auch tatsächlich Angst haben.
Ist der Begriff ‚Angina Pectoris‘ bekannt? Eine Brustenge, oder Herzenge, die einen Schmerz in der Brust bezeichnet und sehr große Angst auslösen kann.
Einen vergleichbaren Begriff gibt es im Althochdeutschen ‚angust‘, der dem aktuellen Wort Angst schon ganz nahekommt. Auch er steht für beengend.
Angst schränkt Ein
Angst beengt die freie Entfaltung. Sie lässt den Betroffenen zurückziehen, sich schützend ‚klein machen‘ oder gar verstecken.
Die ‚alten‘ Römer unterschieden zwischen Angst (angor) und Furcht (timor). Der erste Begriff bedeutet eine objektunbestimmte Angst.
Bei Furcht jedoch wird von einer objektbezogenen Situation ausgegangen.
Was ist Furcht?
Das Wort Furcht wurde im Althochdeutschen ‚for(a)hta‘ und im Gotischen ‚faurhtei‘ genannt.
Von Furcht wird dann gesprochen, wenn das Gefühl einer konkreten Bedrohung oder Gefahr besteht, die plötzlich wahrgenommen wird. Die Gefahr kann tatsächlich oder sie kann eingebildet sein.
Vor wenigen Jahren litten viele Menschen unter der Furcht vor dem Corona-Virus.
Da die Furcht rational begründbar ist, wird von einer realen Furcht beziehungsweise auch von einer konkreten Angst gesprochen.
Angst ist diffus, Furcht ist konkret
Angst ist also eher etwas Diffuses, Furcht eher etwas Konkretes. Angstauslösendes kann geschehen im Gegensatz zum Furchtauslösenden, was aller Wahrscheinlichkeit nach geschehen wird.
Konkrete Furcht „Ich fürchte mich vor einem Wesen, das mir Böses tut.“
Übergang zwischenn Angst und Furcht
Es wäre wirklich zu schön, gäbe es einen eindeutigen Übergang zwischen Angst und Furcht.
Der Übergang kann leicht fließend sein. Deswegen ist es auch nicht ganz so schlimm, wenn die beiden Wörter im täglichen Sprachgebrauch miteinander verwechselt werden.
Tom und Nico
Zwei zehnjährige Jungen streichen neugierig und immer auf der Suche nach Unerwartetem durch ein Waldstück. Plötzlich stehen sie vor einem Höhleneingang.
Überrascht und auch etwas erschrocken bleiben sie stehen, da sie auf ihren bisherigen Streifzügen diesen Eingang nie gesehen haben.
Tom, der schon immer etwas mutiger ist als Nico, fordert seinen Freund auf:
„Lass uns in die Höhle gehen.“
Nico windet sich etwas. Er traut sich nicht. Er ist ängstlich.
Tom schaut ihn an und fragt:
„Bist du etwa ein Angsthase?“
Nico: „Nein, aber müssen wir unbedingt da reingehen? Hier draußen ist es doch viel schöner.“
Tom: „Du hast wohl Angst!“
Nico: „Ich habe keine Angst … nur etwas.“
„Wovor hast du denn Angst?“
„Na, wer weiß, was uns dort erwartet.“
Daraufhin Tom: „Genau das wollen wir herausfinden. Was sollte denn in der Höhle sein?“
Zögerlich antwortet Nico: „Vielleicht ein furchtbares Ungeheuer?“
„Nico du weißt, dass es keine Ungeheuer mehr gibt. Die sind nur in Märchen. Also jetzt komm schon!“
Nico überwindet seine Furcht und folgt Tom zögernd in die Höhle.
Die Furcht wird benannt
Anfangs wurde von der diffusen Angst gesprochen. Zu Ende des Dialogs wird die Furcht vor einem Ungeheuer ausgesprochen.
Dadurch wird die Furcht greifbar, weshalb mit ihr umgegangen werden kann.
Was macht Angst mit dem Men-schen?
„Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Fantasie.“
Emil Erich Kästner, dt. Schriftsteller
(1899 - 1974)
Beeinflusst Angst Die Intelligenz und Die Fantasie?
Da hat der deutsche Schriftsteller Emil Erich Kästner (1899 – 1974) mit seiner Behauptung „Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Fantasie“ gut reden.
Denn das bedeutet ja wohl, dass ein Mensch ohne Angst fantasielos ist. Wie kann das sein? Hilft Angst, fantasievoll zu sein?
Risiko
Fantasie hilft auf jeden Fall, sich zu entwickeln. Sie bestärkt die Neugierde und den Handlungsdrang. Damit unterstützt sie auch die Bereitschaft, ein Risiko einzugehen.
Wer ein Risiko eingeht, betritt in der Regel unbekanntes Terrain. Er kann sich im Folgenden nicht mehr ganz sicher sein, dass alles so klappt, wie er es sich wünscht.
Gegebenenfalls trifft er auf unerwartete oder sogar gefährliche Situationen. Diese können wiederum Angst auslösen.
Nach dieser Überlegung könnte derjenige, der sich selbst eher als fantasielos bezeichnet, viele angstauslösende Situationen vermeiden, da er sich ja immer nur in den Bereichen bewegt, die ihm sowieso bekannt sind.
Hier kennt er sich aus und weiß mit allem umzugehen. Angst kann dann nicht ausgelöst werden. So könnte gesagt werden: Wenig Fantasie bedeutet wenig Angst.
Nicht umsonst wird der Mensch als Gewohnheitsstier bezeichnet. Wurde ihm im Urlaub zur Halbpension am Abend ein Tisch im Restaurant zugewiesen, ist dieser Platz für die nächsten Tage ‚sein Tisch‘.
Die Liege am Strand vom ersten Tag wird höchstwahrscheinlich ‚seine Liege‘ für die nächsten Tage darstellen. Hoffentlich wird sie nicht von anderen Touristen belegt. Oh, oh. Lieber die Liege mit einem Handtuch reservieren …
Es ist bequem und verleiht Sicherheit, sich an Gewohntem zu orientieren. Neues wird argwöhnisch beäugt.
„Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht“, sagt der...




