Hanauer | Weddingplanerin mit Herz | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Hanauer Weddingplanerin mit Herz


12001. Auflage 2012
ISBN: 978-3-522-65169-1
Verlag: Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

ISBN: 978-3-522-65169-1
Verlag: Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Traumhochzeit am Strand - genau das stellt sich Julias Schwester für ihre Hochzeit vor. Doch zum Vorbereiten hat sie keine Zeit. Eine Weddingplanerin muss her! Und ehe sich Julia versieht, ist auch sie mittendrin im Hochzeitsfieber und hat einen Job in einer Weddingplaner-Agentur - Trauungen in der Luft, im Zoo oder auf Schlössern stehen von nun an auf der Tagesordnung, die Wünsche ihrer Kunden kennen keine Grenzen. Trotz des ganzen Liebestrubels verliert Julia ihre eigenen Gefühle nicht aus dem Blick, denn der Hochzeitsfotograf Noah zieht sie magisch an ...

Michaela Hanauer, 1969 geboren, konnte schon als Kind von Büchern nicht genug kriegen. Ursprünglich studierte sie Jura, tauschte dann aber sehr schnell die Gesetzestexte gegen Kinder- und Jugendliteratur und arbeitete in einem Verlag. Heute lebt sie als freie Autorin in München, wenn sie nicht gerade auf ausgiebigen Wanderungen die grüne Insel Irland erkundet.
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Ich stehe vor einer großen Milchglastür, neben mir meine Schwester Melina. Wir begutachten minutenlang in stummer Übereinkunft das Messingschild an der Hauswand neben uns:

Bonjour – Die Eventagentur für Ihren schönsten Tag

»Ganz schön geschniegelt. Ist das normal für eine Weddingplanerin?«

Unwillkürlich flüstere ich.

»Woher soll ich das wissen?«, wispert Meli zurück. »Ich heirate schließlich zum ersten Mal.«

Was soll ich da sagen? Ich heirate gar nicht, bin nicht mal anständig verliebt und nur hier, weil unsere Mutter und mein liebes Schwesterchen höchst unterschiedliche Vorstellungen von Melis Traumhochzeit haben.

»Wo steckt eigentlich dein – ähm – Joachim?«

Ich wollte »dein Verlobter« sagen, aber das klingt merkwürdig fremd. Meine Schwester hat einen Verlobten? Haben wir nicht bis vorgestern legendäre Gesangsauftritte mit unseren Haarbürsten im Badezimmer gegeben? Klaut sie mir nicht immer noch die Spargelspitzen vom Teller, wenn sie zum Essen zu Besuch ist? Heiraten ist was für ältere, abgeklärte Leute.

Nicht für so alberne Hühner wie meine Schwester! Bis vor Kurzem hatte sie jede Menge Verehrer und jetzt will sie sich auf einen festlegen? Noch dazu auf einen, der »Joachim« heißt. Niemand sagt »Jo« oder »Joe« zu ihm, wahrscheinlich, weil sein voller Name am besten passt – lang(weilig) und ein bisschen förmlich.

Ich habe nicht direkt was gegen den Herrn Flugkapitän, aber neben meiner Schwester wirkt er ziemlich blass und fad. Trotzdem sollte er hier sein, es geht immerhin um seine Hochzeit. Meli lacht, und das hört sich tierisch glücklich an. Mir dämmert langsam, dass sie es ernst meint. Das ist kein Aprilscherz mitten im Winter. Meine große Schwester will heiraten!

»Joachim ist für die Maschine nach Miami gebucht und kommt erst in zwei Tagen zurück, doch ich will nicht bis zur nächsten Lücke in unseren Dienstplänen warten.«

Beherzt drückt sie auf den Klingelknopf und wie von Zauberhand schwebt das Glas zur Seite und wir betreten einen lindgrünen Flauschteppich. Nach zwei zaghaften Schritten kommt uns eine Frau entgegen. Nein, ich würde eher sagen – eine echte Dame! Das meine ich gar nicht abwertend oder ironisch, sondern es beschreibt sie am besten. Nicht mehr ganz jung, pflaumenfarbener Hosenanzug, selbst auf hohen Hacken elegant unterwegs, eine leicht kantige Brille mit schwarzem Kunststoffgestell auf der Nase und die braunen Haare zu einem lockeren Dutt zusammengesteckt. Sie begrüßt uns mit einem freundlichen, selbstbewussten Lächeln. »Bonjour, guten Tag, mein Name ist Sandrine, was kann isch für Sie tun?«

Französischer Akzent – nur ganz leicht – aber genug, um ihr extrem schickes, geschmackvolles Auftreten zu unterstreichen. Ob ich mir von so jemandem die Hochzeit planen lassen würde? Unsere Mutter fände Sandrine sicher spitze und genau deshalb habe ich so meine Zweifel. Organisieren kann sie bestimmt perfekt, aber mir wäre sie zu klassisch, es fehlt der Pep, die ausgefallene Komponente. Während ich darüber grüble, tritt eine zweite Gestalt auf den Flur.

»Oh, hallo, wen haben wir denn da? Wer von euch beiden Hübschen ist die Braut?«

Würde man sich das Gegenteil von Sandrine ausmalen, käme genau dieser junge Typ dabei heraus. Karierte Hose, orangefarbenes T-Shirt mit Weste darüber, die kinnlangen Haare zu einem Pferdeschwanz im Nacken zusammengebunden, durchtrainiert, gut gebräunt und ein Sonnenscheinlachen über dem ganzen Gesicht. Er streckt uns die Hand entgegen.

»Ich bin Endres, Madame Sandrines rechte – hihi und manchmal auch linke Hand!«

Ich sehe meine Schwester dasselbe denken wie ich: gewagte Kombi, aber es könnte passen!

In einem Raum, der aussieht wie eine Wellnessoase – gemütliche Sessel, indirektes Licht, ein paar witzige Retro-Farbkringel an den Wänden – werden wir mit zwei Latte macchiato und Grissini versorgt.

»Können Sie auch eine Hochzeit Ende Juli auf den Bahamas organisieren?«, platzt meine Schwester heraus.

Das genau war der Knackpunkt, an dem unsere Eltern aus der ersten Reihe der freudestrahlenden Honigkuchenpferde zurückgetreten sind. Circa elf Stunden Flugzeit sind für eine Stewardess normaler Arbeitsalltag, in meinen Augen sind es Strandferien mit Bonus-Hochzeit. Für den Rest unserer Familie eine Tortur über den halben Erdball.

Madame Sandrine nickt. »Selbstverständlisch, sehr gerne. Das ist lediglich eine Frage Ihres Budgets.«

»Wie viel kosten Sie denn?«, frage ich.

»Unser Honorar macht nur etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Gesamtkosten aus, aber die sind bei einer Auslandshochzeit per se höher als bei einer Feier vor Ort. Isch rate allen Paaren, als Erstes den finanziellen Rahmen abzustecken.«

Klingt klug und vernünftig – und ist überhaupt nicht das, was meine Schwester hören will! Sie will im blauen Himmel schwelgen und über wogende Wellen nachdenken. Das bemerkt auch Endres und schaltet sich in das Gespräch ein.

»Mensch, Mädels, eine Hochzeit am Strand! Das wird ein Traum! Alles in luftigem Weiß und Türkis, mit ein paar Sonnenakzenten! Cocktails serviert in Kokosnüssen, leichte Fischgerichte vom Lavasteingrill …«

»Au ja, und Orchideen und Muscheln und Palmenblätter …« Meine Schwester ist sofort Feuer und Flamme.

Madame Sandrine lächelt milde, als ob sie es gewohnt wäre, dass Endres’ Visionen mehr Begeisterungsstürme erzielen als ihre Eckdaten. Sie wendet sich an mich. »Wie viele Gäste sollen eingeladen werden?«

Ich zucke mit den Schultern. Hält sie mich etwa für den künftigen Ehemann, der für die Sachfragen zuständig ist?

»Fünfzig, hundert? Ich habe keine Ahnung. Das ist die Hochzeit meiner Schwester, nicht meine!«

Ihr Lächeln verliert Madame trotzdem nicht, sondern zieht sich ihren Laptop heran. Mit flinken Fingern hüpft sie über die Tasten.

»Auf den Bahamas brauchen wir eine Heiratslizenz – nun ja, die Kosten halten sisch in Grenzen, nur 120 Dollar. Gut, gut, Geburtsurkunde, Meldeunterlagen, Reisepass, Einreisedokumente – alles kein größeres Problem. Die Eheschließung kann nachträglisch in Deutschland anerkannt werden, es wird allerdings circa drei Monate dauern, bis die Apostille – die Heiratsurkunde – hier sein wird …«

»Hm«, mache ich nur, weil ich mir das unmöglich alles merken kann. Zum Glück schreibt Madame alles fein säuberlich auf und setzt gleichzeitig ihr Infogeratter fort. »Wir haben Kontakt zu einer Agentur vor Ort, die uns das heraussuchen kann. Als Hotel wählen wir am besten ein kleineres Haus, das wir dann exklusiv für uns haben. Mit eigenem, abgegrenzten Strand, sonst müssen wir uns mit Gaffern herumplagen.«

Jetzt wird meine Schwester hellhörig und taucht wieder aus den Tüllstoffen und Satinschleifen auf, die Endres ihr zeigt. »Joachim und ich sind nicht berühmt oder so was. Warum sollte jemand unsere Hochzeit begaffen wollen?«

»Weil Sie eine willkommene Abwechslung für gelangweilte sonnenverbrannte Touristen sein werden, die Sie von einem öffentlichen Strand nischt völlig fernhalten können«, erklärt Madame Sandrine. »Auf Fotos sieht eine Strandhochzeit immer wunderschön und romantisch aus. Die kleinen Stolperfallen und Zaungäste sieht man darauf nischt.«

»Noch mehr Stolperfallen?« Meli ist entsetzt.

»Nun ja, ein langes Kleid, Sandstrand und Meerwasser – das bleibt nischt lange blütenweiß und die Frisur sollte windfest sein …«

»Sandrine«, tadelt Endres, »hören Sie auf, den Mädchen Angst einzujagen! Durch gute Planung und ein paar Tricks löst sich das alles in Nichts auf!«

»Natürlisch, dafür sind wir da! Aber es ist meine Aufgabe, die Braut vor allem zu bewahren, was sie später unglücklich machen würde.«

… und Endres’ Job ist es, der Braut alles zu präsentieren, was sie später glücklich machen wird, füge ich in Gedanken hinzu. Ich bin ziemlich fasziniert von beidem. Ehrlich, auch von Madame und ihren Bedenken. Die ist ein Profi durch und durch! Auf Knopfdruck alle Eventualitäten auf dem Schirm zu haben und umschiffen zu können – das hat was. Die richtigen Fragen zu stellen, gerade die, an die eine gefühlsduselige Braut wie meine Schwester im Leben nicht von sich aus denken würde: reife Leistung!

Meli sieht dagegen eher aus wie ein eingeschüchtertes Häschen.

»Und ich dachte, das wäre alles ganz easy …«

»Das wird es auch«, verspricht Endres. »Wir machen das schon!«

»Erzählen Sie ein bisschen von sisch, was Sie sisch wünschen, was für eine Typ Sie und Ihr Mann sind.«

»Ich weiß nicht, wo soll ich da anfangen? Wie beschreibt man sich selbst am besten?« Meli kaut unsicher auf ihrer Unterlippe.

»Wie wäre es mit dem Heiratsantrag?«, schlägt Endres vor. »Natürlich nur, wenn er kein Geheimnis ist, aber der Antrag verrät uns unheimlich viel über ein Paar und außerdem höre ich sie so gerne!«

Meine Schwester strahlt über das ganze Gesicht, denn sie erzählt mindestens ebenso gerne davon. »Genaugenommen waren es gleich drei Anträge. Ich habe es meinem Joachim nicht leicht gemacht. Ohne es zu wissen, habe ich zwei seiner Anläufe ruiniert.«

Das stimmt. Der erste Antrag war kurz vor Weihnachten geplant. Joachim hatte sich für den 6. Dezember ein Nikolauskostüm ausgeliehen. In voller Gewandung wollte er an die Wohnungstür pochen, aus seinem goldenen Buch vorlesen, wie toll und großartig meine Schwester ist, um ihr dann aus dem Geschenksack einen Schokonikolaus herauszufischen, der einen...


Hanauer, Michaela
Michaela Hanauer, 1969 geboren, konnte schon als Kind von Büchern nicht genug kriegen. Ursprünglich studierte sie Jura, tauschte dann aber sehr schnell die Gesetzestexte gegen Kinder- und Jugendliteratur und arbeitete in einem Verlag.
Heute lebt sie als freie Autorin in München, wenn sie nicht gerade auf ausgiebigen Wanderungen die grüne Insel Irland erkundet.



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