Han Always and forever, Lara Jean
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-446-25969-0
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 336 Seiten
Reihe: Boys Trilogie
ISBN: 978-3-446-25969-0
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jenny Han, 1980 geboren, lebt in Brooklyn, New York. Der Durchbruch als Schriftstellerin gelang ihr 2009 mit ihrer Sommer-Trilogie; die Bestseller-Reihe wurde in 24 Sprachen übersetzt. Bei Hanser erschien 2011 der erste Band Der Sommer, als ich schön wurde, 2012 folgten Ohne dich kein Sommer und Der Sommer, der nur uns gehörte. Hans Debüt 'Zitronensüß' erschien 2011 in der Reihe Hanser bei dtv. Zusammen mit der Autorin Siobhan Vivian veröffentlichte Han außerdem die Trilogie Auge um Auge (2013), Feuer und Flamme (2014) und Asche zu Asche (2015). Auch sie stand sofort nach Erscheinen auf der New York Times-Bestsellerliste. 2016 folgte mit To all the boys I`ve loved before ein weiteres Jugendbuch der erfolgreichen Schriftstellerin und 2017 mit P.S. I still love you die Fortsetzung dieser Geschichte. 2018 erschien mit Always and forever, Lara Jean der Abschluss der Reihe. Han gehört zu den beliebtesten US-Autorinnen weltweit.
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1
Am liebsten beobachte ich Peter, wenn er es nicht merkt. Ich bewundere dann seine ebenmäßigen Züge, sein schön geschwungenes Profil. Sein Gesicht ist so offen, so unschuldig – es strahlt eine ganz besondere Freundlichkeit aus. Und es ist vor allem diese Freundlichkeit, die mein Herz berührt.
Am Freitagabend nach dem Lacrosse-Spiel hängen wir mal wieder bei Gabe Rivera ab. Unsere Schule hat gewonnen, und alle sind gut drauf. Peter hat besonders gute Laune, weil er das entscheidende Tor erzielt hat. Er spielt auf der anderen Seite des Zimmers mit ein paar Jungs aus der Mannschaft Poker und lehnt mit seinem gekippten Stuhl an der Wand. Seine Haare sind noch nass vom Duschen nach dem Spiel. Ich sitze mit meinen Freunden Lucas Krapf und Pammy Subkoff auf dem Sofa. Die beiden blättern in der neuesten Ausgabe der Teen Vogue und beratschlagen, ob Pammy sich einen Pony schneiden lassen soll.
»Was meinst du, Lara Jean?«, fragt sie und fährt sich mit den Fingern durch die karottenroten Haare. Pammy ist eine neue Freundin von mir – wir haben uns kennengelernt, weil sie mit Peters Freund Darrell zusammen ist. Sie hat ein rundes Puppengesicht, das, ebenso wie ihre Schultern, mit zarten Sommersprossen übersät ist.
»Also, ich finde, ein Pony sollte gut überlegt sein, weil du dich damit auf ziemlich lange Zeit festlegst. Je nachdem, wie schnell deine Haare wachsen, kann es ein Jahr oder länger dauern, bis sie wieder alle die gleiche Länge haben. Aber wenn du ernsthaft darüber nachdenkst, würde ich an deiner Stelle bis zum Herbst warten – bald ist Sommer, da kann ein Pony ziemlich nervig sein, man schwitzt darunter, und alles klebt …« Meine Augen wandern zurück zu Peter. Er sieht auf, merkt, dass ich ihn anschaue, und zieht fragend die Augenbrauen hoch. Ich lächele nur und schüttele den Kopf.
»Dann also keinen Pony?«
Mein Handy summt in meiner Tasche. Es ist Peter.
Willst du gehen?
Nein.
Warum siehst du mich
dann so an?
Weil mir danach ist.
Lucas liest über meine Schulter mit. Als ich ihn wegschiebe, schüttelt er den Kopf und sagt: »Ihr schreibt euch ernsthaft Nachrichten, obwohl ihr nur ein paar Meter voneinander entfernt sitzt?«
Pammy zieht ihre Nase kraus. »Das ist so süß.«
Bevor ich antworten kann, kommt Peter mit zielstrebigen Schritten auf mich zu. »Zeit, meinen Schatz nach Hause zu bringen«, verkündet er.
»Wie viel Uhr ist es denn?«, frage ich. »Ist es schon so spät?«
Peter zieht mich vom Sofa hoch und hilft mir in meine Jacke. Dann nimmt er meine Hand.
Ich drehe mich noch einmal um und winke. »Tschüss, Lucas! Tschüss, Pammy! Und übrigens: Ich finde, ein Pony würde dir total gut stehen!«
»Warum hast du es denn so eilig?«, frage ich, als Peter mich durch den Vorgarten zur Straße zieht, wo sein Auto parkt.
Er bleibt vor dem Wagen stehen, nimmt mich in den Arm und küsst mich. »Ich kann mich nicht auf meine Karten konzentrieren, wenn du mich so anschaust, Covey.«
»Tut mir leid …«
Bevor ich weitersprechen kann, küsst er mich schon wieder, seine Hände fest an meinem Rücken.
Im Auto schaue ich auf das Armaturenbrett – erst Mitternacht. »Wir haben noch eine Stunde, bevor ich zurückmuss. Was sollen wir solange machen?«
Ich bin die Einzige, die abends zu einer bestimmten Uhrzeit zu Hause sein muss. Punkt ein Uhr ist für mich Zapfenstreich. Mittlerweile haben sich alle daran gewöhnt: Peter Kavinskys brave Freundin muss um eins im Bett sein. Aber es hat noch keinen Abend gegeben, wo mich das gestört hätte. Weil, mal ehrlich, es ist nicht ja so, als würde ich was verpassen. Es sei denn, man schaut gern zu, wie die Leute stundenlang Flip-Cup spielen. Nein danke, da verkrieche ich mich lieber in meinem kuscheligen Schlafanzug ins Bett, mit einer Tasse Gutenachttee und einem Buch.
»Wir könnten zu euch fahren. Ich hätte Lust, deinem Vater kurz Hallo zu sagen. Und wir könnten Alien zu Ende schauen.« Peter und ich arbeiten nach und nach eine Filmliste ab, die aus meinen Vorschlägen besteht (Lieblingsfilme von mir, die er nicht kennt), aus seinen Vorschlägen (Lieblingsfilme von ihm, die ich nicht kenne) und aus Filmen, die keiner von uns gesehen hat. Alien wurde von Peter ausgesucht und hat sich als richtig guter Film entpuppt. Und obwohl Peter immer behauptet hat, er finde Liebeskomödien langweilig, hat ihm Schlaflos in Seattle total gefallen. Ich war ziemlich erleichtert, weil ich unmöglich mit einem Jungen zusammen sein könnte, der den Film nicht mag.
»Ich will nicht nach Hause«, sage ich. »Ich hätte Lust, noch irgendwo hinzugehen.«
Peter überlegt und klopft dabei mit dem Finger auf das Lenkrad. Dann sagt er: »Ich weiß was.«
»Und was?«
»Wart’s ab.« Er öffnet das Fenster, frische Nachtluft zieht ins Auto.
Ich lehne mich in meinem Sitz zurück. Die Straßen sind leer, die meisten Häuser dunkel. »Lass mich raten. Wir fahren zum Diner, weil du Lust auf Blaubeerpfannkuchen hast.«
»Nö.«
»Hmm. Für Starbucks ist es zu spät, und Biscuit Soul Food hat schon zu.«
»He, ich denke nicht immer nur ans Essen«, widerspricht er. »Sind eigentlich noch Kekse in der Dose?«
»Die sind alle, aber zu Hause hab ich vielleicht noch welche, wenn Kitty sie nicht aufgefuttert hat.« Ich lasse den Arm aus dem Fenster hängen. Bald sind die kalten Nächte vorbei, in denen man eine Jacke braucht. Aus dem Augenwinkel mustere ich Peters Profil. Manchmal kann ich es immer noch nicht fassen, dass er mir gehört. Der hübscheste aller hübschen Jungs gehört mir, mir ganz allein.
»Was ist?«, fragt er.
»Nichts«, sage ich.
Zehn Minuten später fahren wir auf den Campus der University of Virginia, nur dass ihn niemand so nennt – alle sagen »Grounds« dazu. Peter parkt am Straßenrand. Es ist wenig los für einen Freitagabend in einer Uni-Stadt, aber die meisten Studenten sind vermutlich wegen der Frühlingsferien nach Hause gefahren.
Hand in Hand spazieren wir über die große Rasenfläche in der Mitte, als mich plötzlich eine Panikwelle überkommt. Ich bleibe wie angewurzelt stehen und frage: »Glaubst du, es bringt Unglück, hier herumzulaufen, bevor ich einen Studienplatz habe?«
Peter lacht. »Das ist doch keine Hochzeit. Du willst die UVA doch nicht heiraten.«
»Du hast leicht reden. Du hast ja schon eine Zusage.«
Peter hat schon letztes Jahr der Lacrosse-Mannschaft der UVA eine mündliche Zusage gegeben und sich dann im Herbst im Frühzulassungsverfahren beworben. Wie die meisten Sportler hat er seinen Studienplatz sicher, solange seine Noten einigermaßen in Ordnung sind. Nachdem im Januar die offizielle Zusage kam, hat seine Mutter eine große Party für ihn geschmissen. Ich habe einen Kuchen gebacken, auf dem in gelber Zuckerguss-Schrift Meine Tore für die UVA stand.
Peter zieht mich an der Hand und sagt: »Komm schon, Covey. Ob du hier studierst, hat doch mit Schicksal nichts zu tun. Außerdem waren wir vor zwei Monaten schon mal hier, bei dieser Veranstaltung im Miller Center.«
Ich beruhige mich wieder. »Oh, stimmt.«
Wir gehen weiter. Mittlerweile kenne ich unser Ziel: die Stufen vor der Rotunde. Der Rundbau wurde von Thomas Jefferson entworfen, dem Gründervater der Universität, und nach dem Vorbild des Pantheons gestaltet, mit weißen Säulen und einer großen Kuppel. Peter rennt die Steinstufen hoch wie Rocky und lässt sich fallen. Ich setze mich vor ihn und lehne mich zurück.
»Wusstest du eigentlich, dass die UVA sich unter anderem dadurch auszeichnet, dass das Zentrum der Uni hier in der Rotunde eine Bibliothek ist und keine Kirche? Jefferson war nämlich der Überzeugung, Schule und Kirche sollten strikt getrennt sein.«
»Hast du das in der Uni-Broschüre nachgelesen?«, neckt Peter mich und drückt mir einen Kuss auf den Nacken.
Verträumt sage ich: »Das haben sie erklärt, als ich letztes Jahr den Campus besichtigt habe.«
»Davon hast du mir gar nichts erzählt. Warum machst du eine Besichtigung mit, wenn du hier in der Stadt wohnst? Du warst doch schon tausend Mal auf dem Campus!«
Es stimmt, ich war schon viele Male hier. Seit meiner Kindheit bin ich mit meiner Familie regelmäßig hergekommen. Als meine Mutter noch am Leben war, haben wir immer die Konzerte der Hullabahoos besucht, eine studentische A-cappella-Gruppe, die meine Mutter ganz toll fand. Auf der Wiese vor der Rotunde haben wir für Familienfotos posiert, im Sommer haben wir nach der Kirche hier gepicknickt.
Ich drehe mich zu Peter um. »Ich habe die Besichtigung gemacht, weil ich alles über die UVA wissen wollte. Sachen, die man nicht unbedingt mitbekommt, nur weil man hier lebt. Kannst du mir sagen, wann Frauen hier zum Studium zugelassen wurden?«
Er kratzt sich am Hals. »Äh … keine Ahnung. Wann wurde die Uni denn gegründet? Vielleicht Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts? So um 1920?«
»Nein. Frauen dürfen erst seit 1970 hier studieren.« Ich drehe mich wieder um und betrachte das Gelände. »Erst hundertfünfzig Jahre nach der Gründung.«
Fasziniert sagt Peter: »Was?...




