E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Hamm Kann denn Essen Sünde sein?
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-641-05830-2
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wer richtig genießt, bleibt gesund und schlank
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-641-05830-2
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendeine Empfehlung für oder gegen ein Nahrungsmittel ausgesprochen wird, oft beides zur gleichen Zeit. Sich davon nicht die Lust am Essen nehmen zu lassen, ist schwer. Der renommierte Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Michael Hamm plädiert für eine gesunde Ernährung ohne Reue, denn gesundes Genießen ohne schlechtes Gewissen hält schlank und streichelt die Seele.
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" (S. 88-89)
Die Welt mit dem Mund, dem Geschmackssinn und dem Riechorgan zu erkunden gehört zu unseren elementarsten, in die früheste Kindheit zurückreichenden Aktivitäten. Der physiologische Aspekt der Sinne ist es, die Nahrung vor dem Verzehr zu analysieren und den Körper auf die Verdauung vorzubereiten. Schließlich ist der Geschmackssinn die letzte Kontrollinstanz, bevor die Nahrung heruntergeschluckt wird.
Eine Frage des Geschmacks
Jeder Mensch hat seinen eigenen Geschmack. Das betrifft nicht nur die nützlichen und schönen Dinge des täglichen Lebens wie Kleidung, Kunst oder Wohnungseinrichtung, sondern auch Vorlieben für bestimmte Speisen und Getränke. Unsere Präferenzen (aber auch Aversionen) für ein bestimmtes Nahrungsmittel gegenüber einem anderen resultieren aus einem komplexen Wechselspiel vieler Faktoren und gehen unter anderem auch auf frühere Esserfahrungen, ethnische Gebräuche und die physiologischen Reaktionen auf das Essen zurück. Eines ist klar: Geruchs- und Geschmacksempfindungen sowie die äußere Erscheinung des Essens spielen für die Nahrungswahl eine entscheidende Rolle.
Naschkatzen oder Fleischwölfe – Genderforschung auch beim Thema Essen
Während Männer häufiger Schnitzel und Steak, deftige und stark gewürzte Speisen bevorzugen, fühlen sich Frauen eher zu leichten und milden Speisen hingezogen, präferieren Gemüse-, Reis- und Nudelgerichte und ernähren sich zum größeren Teil vegetarisch. Frauen gelten trotz ausgeprägter Affinität zu Diäten im kulturellen Bewusstsein als die typischen Naschkatzen. Ihre Nähe zum Süßen zeigt sich daran, dass Kuchenbüfetts, Konditoreien und Kaffeekränzchen traditionell ein weibliches Terrain sind, auch wenn Männer der Statistik zufolge Süßigkeiten mehr zusprechen, als vielfach angenommen wird. Angeblich typisch weibliche oder männliche Geschmackspräferenzen oder Essstile entsprechen nicht immer der Wirklichkeit. Einen Einblick in das interessante Forschungsgebiet geschlechtsspezifischer Unterschiede im Essverhalten und ihre kulturelle Bedeutung verschaffen die lesenswerten Veröffentlichungen der Soziologin Dr. Monika Setzwein (siehe Literaturverzeichnis, Seite 213).
Doch zurück zur grundsätzlichen Bedeutung von Sinneswahrnehmung und Essensentscheidung. Eines ist klar: Zur gesamten sinnlichen Wahrnehmung bei der Nahrungsaufnahme gehören neben Geruch, Geschmack und Farbe auch Mundgefühl (mit »Biss«, knusprig, cremig oder saftig) und Temperatur. Nach neuesten Untersuchungen können die Empfindungen süß und sauer bereits allein durch eine Temperaturänderung auf der Zunge hervorgerufen werden.
Diese Stimulation der temperaturempfindlichen Nervenzellen trägt auch zur Verstärkung des eigentlichen Geschmacks bei. Genuss ist also ein komplexes Wahrnehmungsgefühl, an dem viele Komponenten und Eindrücke beteiligt sind. Erst der Gesamteindruck vermittelt den Genusswert eines Lebensmittels. Indem Lebensmittel und Speisen alle Sinne wie Sehen, Riechen, Fühlen, Schmecken und Hören ansprechen, wirken sie appetitlich und verführerisch. Auf Frische sprechen wir besonders an, da sie auf verschiedenen Ebenen guten Geschmack und Geruch, einladende natürliche Farben, ansprechende Konsistenz sowie optimalen Vitamingehalt signalisiert."




