Halliday | NIXE, EISKALT | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 178 Seiten

Halliday NIXE, EISKALT

Der Krimi-Klassiker!
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-7699-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Krimi-Klassiker!

E-Book, Deutsch, 178 Seiten

ISBN: 978-3-7487-7699-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Am Strand von Miami lässt sich Privatdetektiv Mike Shayne durch einen Striptease betören, und er folgt der verführerischen Nixe Kitty Sims in die Fluten. Doch er wird bald ernüchtert: Die Nixe ist eiskalt - sie befasst sich mit Mord... Brett Halliday (eigtl. Davis Dresser, * 31. Juli 1904 in Chicago, Illinois; ? 4. Februar 1977 in Santa Barbara, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Der Roman Nixe, eiskalt erschien erstmals im Jahr 1967; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1968. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.

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  Erstes Kapitel
    Michael Shayne glitt mit Flossen und Sauerstoff-Doppeltank senkrecht hinab durch das grün-goldene Wasser vor Key Gaspar. Wie immer fühlte er sich in dieser Tiefe völlig gelöst und frei. Er konnte tun, was ihm beliebte, sich bewegen, wie er wollte. Er war allein, ohne Aufgaben und Verpflichtungen. Die Gefahren hier unten waren im Gegensatz zu denen des Alltagslebens unkompliziert und überschaubar. Er ließ das Ankertau los, das nicht nur nach unten, sondern auch zurück zur Oberfläche führte. Er machte einen eineinhalbfachen Überschlag vorwärts - aus keinem anderen Grund, als um festzustellen, wie das wäre. Anschließend vollführte er eine halbe Drehung und grinste vor sich hin. Er war sich wohl bewusst, dass man unter Sporttauchern wegen solcher Faxen mit scheelen Blicken bedacht wurde, es sei denn, man triebe sie in einem Schwimmbecken. Zu leicht konnte man dabei die Orientierung verlieren. Aber heute hatte er nun einmal beschlossen, die Regeln zu missachten. Sie galten ja nur für den vorsichtigen Amateur, der sich im Element der Fische wie ein Fisch bewegen wollte, ohne auch nur für einen Augenblick zu vergessen, dass er in Wirklichkeit ein Mensch mit all den üblichen menschlichen Sorgen war. Shayne warf einen Blick auf den Tiefenmesser an seinem Handgelenk. Verblüfft schaute er ein zweites Mal hin. Der Zeiger hatte ganz plötzlich ausgeschlagen. Eigentlich schienen da sogar zwei Zeiger zu sein, und die winzigen Ziffern auf der Skala, die gewöhnlich an Ort und Stelle blieben, um sich vom Zeiger einholen zu lassen, rotierten so schnell, dass sie einander unablässig überholten. Ganz entschieden funktionierte der Mechanismus nicht. Shayne fühlte sich den Fischen aber zu sehr verwandt, um darüber nachzudenken. Fragt sich etwa ein Fisch, in welcher Stellung er sich relativ zur Oberfläche befindet? Ganz gewiss nicht. Er genoss das Dasein zum ersten Mal seit Wochen in vollen Zügen. In den vergangenen vierundzwanzig Stunden hatte man dreimal auf ihn geschossen. Zwei von den Schützen waren tot; der dritte saß im Gefängnis. Und das hier war genau die richtige Therapie - klares Wasser, völlige Stille, abgesehen vom Surren des Atemgeräts, keine Verbrecher, keine Polizei, nichts Lebendes außer ihm selbst und den Fischen. Ein Ungetüm schwamm auf ihn zu. Donnerwetter, ein Barracuda, Riesenexemplar, nicht viel kleiner als Shayne selbst. Shayne schlug einen Haken und wedelte mit der Faust vor den Zähnen des Barracuda herum. Der Fisch schoss davon. Eine große Qualle trieb unter ihm, oder vielleicht auch über ihm dahin, je nachdem, ob er aufwärts oder abwärts schwamm. Shayne glitt weiter, hinein in eine Gruppe von Marktfischen. Sie stoben auseinander. Nach den Seekarten befand sich das Riff an dieser Stelle in einer Tiefe von vierundzwanzig Metern. In östlicher Richtung wurde das Wasser jedoch rasch seichter. Shayne hoffte, einen Graben zu finden, um bis dreißig Meter und tiefer tauchen zu können. Er hatte immer geahnt, dass er mit dem Überschreiten der unsichtbaren Dreißig-Meter-Grenze in eine neue, weitaus interessantere Dimension eintreten würde. Das hohe, gleichmäßige Summen des Atemgeräts rief in seinem Kopf ein seltsam überlappendes Echo hervor. Er fand es ganz und gar nicht unangenehm, ohne zu begreifen, woher das kam. Er hatte zu viel gearbeitet, zu viel getrunken, zu wenig geschlafen. Sobald er dreißig Meter Tiefe erreicht hatte, würde das Echo sicher verschwinden und sein Blick klar werden, das stand für ihn fest. Tatsächlich begann sich das Licht auf merkwürdige Weise zu verändern. Statt die gleiche Färbung zu behalten, ging es in Violett über und wurde immer dunkler. Es war, als breite sich eine schwärzliche Flüssigkeit langsam im Wasser aus. Wieder schwamm ein großer, graziöser Fisch auf ihn zu. Shayne stellte überrascht fest, dass das gar kein Fisch war, sondern eine Seejungfrau, die einen weißen Bikini trug. Der Fischschwanz des Wesens verwandelte sich aber beim Näherkommen in Gummiflossen. Also doch nur eine Frau, dachte Shayne enttäuscht. Sie hatte langes, blondes Haar, das sich träge wie Seetang bewegte. Ihr Gesicht war hinter einer glitzernden Tauchermaske verborgen. Er fragte sich nebenbei, wie sie es hier unten ohne Luft aushielt. Wieder schaute er auf den Tiefenmesser. Statt der zwei Zeiger gab es jetzt gar keinen mehr. Die Ziffern auf der Skala waren davongeschwommen. Er schaute sich nach der verschwimmenden Gestalt im Bikini um und sagte sich, dass es unvorsichtig wäre, die Dreißig-Meter-Grenze allein zu überschreiten. Sie sollte mitkommen. Er schnellte sich herum. Sie schüttelte den Kopf, und ihre Lippen bewegten sich, als habe er sie zornig gemacht. Sie hatte eine großartige Figur, einen hübsch geformten Mund, aber vielleicht war sie doch eine jener ganz gewöhnlichen Frauen ohne Kiemen? Das brauchte aber kein Problem zu sein. Er hatte Sauerstoff genug für beide auf dem Rücken. Es gab eine anerkannte Technik dafür, wie man zu zweit von einem Atemgerät profitieren konnte. Wie jeder erfahrene Taucher war auch Shayne darin geübt. Er atmete tief ein. Abwechselnd begann es hell und dunkel zu werden, wie bei einer Bühnenbeleuchtung mit Wackelkontakt. Als er das Mundstück herausnahm und es ihr anbot, wurde sie noch zorniger. Wegen der Glasscheibe vor ihrem Gesicht konnte er nicht ganz sicher sein, aber sie schien die Stirn zu runzeln und die Brauen zusammenzuziehen. Sie machte eine unverständliche Geste. Mit ein paar Bewegungen kam sie näher, packte ihn am Schulterriemen und begann daran zu zerren. Eine Spur von Verärgerung drohte Shaynes Wohlbehagen zu stören. Was hatte das zu bedeuten? Die Scheiben an den Tauchermasken hatten einen Nachteil: Man konnte sich schwer miteinander verständigen. Wenn sie nicht mit ihm zum Riff hinuntertauchen wollte, war das ihre Sache. Dann würde er eben allein hinabschwimmen. Ein paar Flossenschläge brachten ihn in Sicherheit. Sie fasste sich an die Kehle und deutete nach oben. Es wurde dunkel und wieder hell. Sie war verschwunden. Er blieb, wo er war, und bewegte langsam die Arme. Was sich mit dem Licht abspielte, gefiel ihm eigentlich. Tageslicht und Dunkelheit, je für sich, das wurde auf die Dauer monoton und langweilig. Aber hier konnte er beides zugleich genießen. Gleich würde er tiefer hinuntergehen, um zu sehen, ob sich dort das gleiche abspielte. Er hatte es nicht eilig. Ein bisschen wollte er noch warten. Vielleicht überlegte es sich das Mädchen anders und kam zurück. Da war sie schon, ganz plötzlich. Diesmal schwamm sie auf ihn zu, packte seinen Schulterriemen mit beiden Händen und stieß sich kräftig ab. Shayne lachte vor sich hin. Schon besser. Er legte die Arme um sie, zog sie an sich, und ihre Gesichtsmasken prallten gegeneinander. Er versuchte es noch einmal. Wieder der Zusammenprall. Ein Kuss war also nicht möglich. Aber vielleicht kamen sie auf etwas anderes, wenn sie sich nur anstrengten. Sie bewegte sich aufreizend in seinen Armen. Die Berührung verschaffte Wohlgefühl. Shayne vermerkte, dass sie nicht so abweisend und kühl war, wie es zuerst den Anschein gehabt hatte. Nur eines störte ihn. Sie wollte in die eine Richtung, er in die andere. Er schüttelte lächelnd den Kopf, legte einen Arm fest um ihre Hüfte und holte mit der anderen Hand weit aus. Seine Bewegungen hatten etwas von ihrer früheren Schnelligkeit verloren. Er schien müder zu sein, als er vermutet hatte. Schlagartig kam es ihm vor, als hätte jemand entweder seine Flossen gestohlen oder schwere Gewichte an seinen Füßen angebracht. Zwischen dem Kommando, das er sich gab, und der Ausführung des Befehls lag ein deutlich messbarer Zeitraum. Er verfügte aber immer noch über ein gewisses Maß an Kraft, und als er endlich seine langsam zugreifende Bewegung vollendet hatte, leistete sie keinen Widerstand. Gemeinsam beschrieben sie einen graziösen Bogen, wie bei einem Unterwasserballett. Am Ende der weiten Kurve verlor er sie. Er tastete nach ihr. Ein zweiter Michael Shayne, der sich vom ersten gelöst hatte, beobachtete ihn kritisch. Er war verflixt langsam. Solange er nicht schneller wurde, konnte er das Mädchen nie einholen. Sie schwebte knapp außer Reichweite, ein sehr hübsches Mädchen, langbeinig, braungebrannt. Wegen der schlechten Verständigung musste er sie berühren, um ihr klarzumachen, wie gut sie ihm gefiel. Wieder entwand sie sich ihm. Ein dumpfer Verdacht tauchte in seinem müden Gehirn auf. Sie wollte ihn zur Oberfläche zurückführen. Er wackelte mit dem Kopf und ließ sie los. Er war hierhergekommen, um zu tauchen. »Später«, sagte er mit übertriebenen Mundbewegungen. Gab es sie denn wirklich? Man brauchte nur zu bedenken, wie sie auftauchte und verschwand, ohne Atemgerät. Die ganze Begegnung kam ihm höchst merkwürdig vor. Sobald er tiefer als dreißig Meter getaucht war, würde er wieder heraufkommen. Vielleicht war sie noch da, dann konnte er sie befragen. Er winkte zum Abschied. Mit unglaublicher Langsamkeit beugte er sich vor, um hinunterzutauchen. Das Mädchen ballte wütend die Fäuste, weil er es allein lassen wollte. Es griff nach hinten, bog sich zurück und löste das Oberteil des Bikinis. Shayne erstarrte. Er hatte sich gefragt, ob sie wirklich sei. Sie war es. Das kleine Oberteil trieb davon. Was die Fische davon halten würden, wusste Shayne nicht. Für sich allein sah es noch kleiner aus als am Körper, aber selbst in seinem benebelten Zustand konnte Shayne erkennen, welchen Unterschied das ausmachte. Das Mädchen winkte. Vielleicht würde er gleich mitkommen. Zuerst musste er sich das noch überlegen. Das Korallenriff gab es seit...



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