E-Book, Deutsch, 188 Seiten
Halliday LADY DYNAMIT
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-7462-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Krimi-Klassiker!
E-Book, Deutsch, 188 Seiten
ISBN: 978-3-7487-7462-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Carla Adams war hochexplosiv - von Kopf bis Fuß. Ihr Engelsgesicht und ihre hinreißenden Kurven brachten alle Männer um den Verstand. Alle bis auf einen: den rothaarigen Privatdetektiv Michael Shayne. Er blickte hinter die Fassade aus Lüge und Betrug - wenigstens in seinen lichten Momenten... Brett Halliday (eigtl. Davis Dresser, * 31. Juli 1904 in Chicago, Illinois; ? 4. Februar 1977 in Santa Barbara, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Der Roman Lady Dynamit erschien erstmals im Jahr 1958; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1974. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.
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Erstes Kapitel
Das Telefon schrillte. Timothy Rourke, ein volles Glas in der Hand, spürte keine Lust, den Hörer abzunehmen. Nach einer Führung durch die Hauptstadt war er eben ins Hotel zurückgekommen, und ob der ungewohnten Bewegung taten ihm die Füße weh. Er hatte die Kathedrale, den Marktplatz, die alten Festungsbauten über der Karibischen See und zahllose Statuen von Marschall Gonzalez gesehen, der seit Menschengedenken Staatschef auf dieser Insel war. Das Telefon läutete immer wieder und übertönte das Surren der Klimaanlage. Rourke seufzte. Er war schon zu lange Reporter; er musste abnehmen. Mühsam stand er auf, ging zum Apparat, ergriff den Hörer und meldete sich mit »Hallo«. »Señor Rourke?«, sagte eine Männerstimme. »Ja, hier Rourke«, sagte der Journalist und umklammerte den Hörer fester. »Ausgezeichnet«, flüsterte die Stimme. »Vielleicht behagt dem Señor eine Führung durch die nächtliche Stadt? Ich zeige Ihnen etwas ganz Besonderes. So haben Sie sich in Ihrem ganzen Leben noch nicht amüsiert. Und was verlange ich für diese Dienste, Señor? Keinen Peso.« »Tut mir leid, kein Interesse«, erwiderte Rourke knapp. »Señor Rourke! Befolgen Sie meinen Rat. Es gibt bestimmte Etablissements, wo man amerikanische Touristen gnadenlos ausplündert, während dort, wo ich Sie hinführe, alles in bester Ordnung ist. Erlauben Sie mir, dass ich Ihr Führer bin, ohne jede Bezahlung.« Als Rourke schwieg, fuhr die Stimme fort: »Sie sind doch Reporter, nicht wahr? Ein Mann von Welt. Sie werden Dinge erleben, die Sie nicht für möglich halten. Mehr kann ich am Telefon nicht sagen«, fügte er vielsagend hinzu. Rourke begriff plötzlich. »Ich wollte mir eigentlich etwas zu essen bringen lassen, aber das Angebot klingt ganz verlockend«, meinte er zögernd. »Gut«, sagte die Stimme erleichtert. »Aber ich warne Sie«, fuhr Rourke fort. »Mehr als fünfzig Dollar in Reiseschecks nehme ich nicht mit, damit wir uns verstehen.« »Aber, ich bitte Sie - ich habe doch nicht die Absicht, Sie auszunehmen. Sagen wir, sieben Uhr?« »In der Halle?« »Lieber nicht. Ich bin da schon mal unangenehm aufgefallen, obwohl ich den Leuten nur meine Dienste anbieten wollte. Hören Sie zu. Biegen Sie an der Ecke rechts in die Avenida Gonzales ab. Ich erwarte Sie an der zweiten Ecke. Mit einer Blume im Knopfloch, damit Sie mich erkennen.« »Also gut«, sagte Rourke. »Um sieben.« Er legte nachdenklich auf. Seit seiner Ankunft hatte er versucht, Kontakt mit den Widerstandsgruppen im Untergrund aufzunehmen. Vielleicht trugen seine Bemühungen jetzt Früchte. Er leerte sein Glas und füllte nach. Er schickte Luftpostkarten an seinen Redakteur und an Mike Shayne in Miami, seinen Freund. Er duschte sich und zog sich um. Unten in der Bar trank er noch einen Schluck und gestand sich ein, dass ihm nicht ganz wohl in seiner Haut war. Ein unkalkulierbares Risiko war ein derartiges Unternehmen immer. Er überlegte, ob er einfach nicht hingehen sollte, ermannte sich dann aber und verließ das Hotel. Er bog um die Ecke und ging die Avenida Gonzales entlang. An der nächsten Kreuzung blieb er stehen und zündete sich eine Zigarette an, während er heimlich Ausschau hielt. Ein kleiner Sportwagen bog um die Ecke. Der Fahrer, ein schwarzhaariger junger Mann mit einer Blume im Knopfloch beugte sich hinaus. »Señor Rourke?«, sagte er. »Steigen Sie ein.« Rourke zwängte sich in das kleine Fahrzeug, und der junge Mann gab Gas. »Ich glaube, wir werden beschattet«, sagte der Fahrer nach einer längeren Pause, in der er wiederholt in den Rückspiegel geblickt hatte. »Wieso denn das?«, fragte Rourke mit nervösem Lachen. »Na ja, Glücksspiel ist bei uns verboten«, meinte der junge Mann fröhlich. »Und die willigen Mädchen sind es auch. Festhalten«, sagte er plötzlich. Er riss das Lenkrad herum, und der kleine Wagen schoss in eine Seitenstraße, überholte einen Lastwagen, zwängte sich an einem anderen Fahrzeug vorbei, bog wieder ab, kam mit quietschenden Bremsen zum Stehen. »Über die Straße, Señor.« Der junge Mann sprang aus dem Auto und hetzte auf die andere Straßenseite, gefolgt von Rourke. Sie gelangten in eine schmale Arkade, kopfsteingepflastert, zu beiden Seiten kleine Läden. Am anderen Ende der Gasse wartete ein Taxi mit laufendem Motor. Die beiden sprangen hinein, der Wagen fuhr los und reihte sich in den Verkehr ein, der die Stadtmitte hinter sich ließ. Der Junge wischte sich mit einem Taschentuch die Stirn. »Wie ein Uhrwerk, Señor. So klappt es nicht immer.« »Vielleicht verraten Sie mir endlich, was das alles bedeuten soll«, sagte Rourke. »Sie machen hier Ferien, Señor Rourke«, sagte der junge Mann. Er war ernst geworden und wirkte schlagartig älter und reifer. »Sie sind aber auch Reporter und haben die Angewohnheit, Fragen zu stellen. Sie haben sich bei einer Reihe von Personen über ihre Meinung zu dem herrschenden Regime erkundigt - ziemlich auffällig, übrigens. Dadurch sind wir neugierig geworden.« »Wer ist wir?« »Die revolutionäre Union demokratischer Studenten, eine Unterorganisation des Nationalen Provisorischen Ausschusses für freie Wahlen. Zur Sache. Sagt Ihnen der Name Jaime Ramirez etwas?« Rourke dachte nach. »Hab’ ich schon gehört. Wer ist er?« »Bis zu seinem Tod war er ein Führer der demokratischen Jugend«, erwiderte der junge Mann. »Ich bin stolz darauf, sagen zu dürfen, dass ich sein Kamerad gewesen bin. Die Polizei hat ihn ermordet.« Er biss die Zähne zusammen. »Das kommt bei uns nicht selten vor. Er verschwand mitten in der Nacht. Am nächsten Tag wurde seine Leiche aus einem fahrenden Auto geworfen. Er war gefoltert worden.« »Ja, ich erinnere mich«, knurrte Rourke. »Nur - der Marschall wird von den USA unterstützt, und die Leute dort werden sagen: Wo sind denn eure Beweise? Gonzalez hängt an seiner Familie, er liebt die Musik, er ist kein Ungeheuer. Das sind die zwei Gesichter des Terrors, Señor Rourke.« »Und Sie glauben beweisen zu können, dass die Polizei ihn umgebracht hat?« »Genau das. Gewöhnlich gibt man sich alle Mühe, ein Opfer ganz allein zu erwischen. Bei Jaime ging das nicht. Er hatte immer jemand um sich. Wir haben also einen Zeugen für die Entführung, eine Zeugin. Wir möchten, dass ihre Aussage in einer amerikanischen Zeitung erscheint.« Er schaute hinaus und sprach mit dem Fahrer spanisch. Sie bogen ab in eine Gegend von heruntergekommenen Mietshäusern und großen barackenartigen Gebäuden aus Beton. Die Straße wurde immer schlechter, je weiter sie sich von der Durchfahrtsstraße entfernten. Schließlich hielten sie. Der junge Mann stieg aus und winkte Rourke. Dem Reporter gefiel die Umgebung gar nicht, und er zögerte einen Augenblick, bevor er dem jungen Mann eine schmale Treppe hinunter folgte. Sie betraten einen feuchten, dunklen Keller. Als Rourkes Augen sich an die Düsternis gewöhnt hatten, erkannte er, dass ein nackter Holztisch und ein paar Stühle in dem Raum standen. Eine Frau saß im Schatten an der Wand. Sie trug Schwarz und verbarg ihr Gesicht. »Der amerikanische Reporter«, sagte der junge Mann. »Bitte, setzten Sie sich, Señor.« Aus einem Schrank holte er eine Flasche Rum und drei Gläser. Die Frau schüttelte nur den Kopf, als er ihr ein Glas geben wollte. Rourke und der junge Mann tranken stumm. »Wir dürfen hier nicht lange bleiben«, sagte der junge Mann. »Sie werden verstehen, dass die Señora Ihnen ihren Namen vorenthält. Sie wird über die Umstände von Jaimes Verschwinden berichten. Bitte, fragen Sie, wenn Sie etwas nicht verstehen.« Die Frau beugte sich vor, aber ihr Gesicht war noch immer nicht zu erkennen. »Señor, ich habe ein kleines Haus«, sagte sie unvermittelt. »Wenn jemand in Schwierigkeiten ist, kommt er zu mir und kann sich bei mir verstecken, bis ihn seine Freunde holen.« Ihr Englisch war wegen des starken Akzents schwer zu verstehen. »Jaime Ramirez kannte ich gut. Er hatte es immer schwer. Immer in Schwierigkeiten, entweder mit der Polizei oder mit den Ehemännern junger Damen.« »Señora«, sagte der junge Mann nur. »Vielleicht tue ich ihm Unrecht«, fuhr die Frau fort. »Ersah sehr gut aus. Wenn ich jünger gewesen wäre - aber lassen wir das. Er wirkte sehr glücklich, als er das letzte Mal zu mir kam. Er konnte vor Aufregung kaum schlafen. Ich habe natürlich keine Fragen gestellt. Was meine Gäste tun, geht mich nichts an.« »Wie lange ist er geblieben?«, fragte Rourke. »Eine Nacht, einen Tag. In der zweiten Nacht haben sie ihn geholt. Wir saßen beim Essen. Es war schon dunkel. Es klopfte. Niemand wusste, dass Jaime bei mir war, aber wir sind auf Überraschungen vorbereitet. Die Häuser stehen in meiner Gegend dicht beieinander, und es gibt gewisse Fluchtwege. Ich hatte erst einmal Besuch von der Polizei bekommen, und sie hatte ohne Erfolg abziehen müssen, Dank der Jungfrau. Bevor ich öffnete, machten Jaime und die anderen sich zur Flucht bereit.« Sie schwieg einen Augenblick. »Vor mir stand ein Mann, ein Fremder. Er hielt mir einen Zettel hin. Für Jaime, sagte er. Ich erklärte, ich wüsste von keinem Jaime, und er solle verschwinden. Er gab nicht nach. Schließlich griff ich nach dem Brief und schloss die Tür. Jaime las den Brief und wollte sich sofort auf den Weg machen. Ich versuchte nicht, ihn zurückzuhalten, obwohl ich ein schlechtes Gefühl hatte. Ich sah ihn mit dem Fremden davongehen, den Mantel lässig über der Schulter. Er fürchtete...




