E-Book, Deutsch, 178 Seiten
Halliday BLONDES GIFT AUS PARIS
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-6837-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Krimi-Klassiker!
E-Book, Deutsch, 178 Seiten
ISBN: 978-3-7487-6837-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Diamanten sind gefährlich - vor allem, wenn sie nicht im Safe liegen... Das muss ein Juwelenhändler aus New York erfahren, der dem schwerbewaffneten Gangster McQuade in die Hände fällt. McQuade schießt sich nach dem Überfall rücksichtslos den Weg frei - und die hübsche, blonde Michèle dient ihm dabei als lebendes Schild. Aber es sind nicht die Diamanten, an denen McQuade interessiert ist - ihm geht es um einen ganzen Lastwagen voll Rauschgift... Brett Halliday (eigtl. Davis Dresser, * 31. Juli 1904 in Chicago, Illinois; ? 4. Februar 1977 in Santa Barbara, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Der Roman Blondes Gift aus Paris erschien erstmals im Jahr 1966; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1970. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.
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Erstes Kapitel
Das Taxi hielt vor einem hohen, nackten Wohnsilo in der oberen West Side von New York. Der einzige Fahrgast, ein reizvolles blondes Mädchen namens Michèle Guerin, beugte sich vor und studierte angestrengt den Fahrpreisanzeiger. Sie trug ein beiges Kostüm, die gute Kopie eines französischen Modells, nicht viel Schmuck und kaum Make-up. Sie war Mitte oder Ende Zwanzig. Ihre rauchblauen Augen wirkten amüsiert, als betrachte sie ihr gutes Aussehen und ihre Eleganz als glücklichen Zufall, der genauso gut einer anderen Person hätte zustoßen können. »Einen Dollar dreißig«, sagte sie mit besonders präziser Betonung. »Okay«, sagte der Fahrer lächelnd. »Ich lass’ Sie mit einsdreißig davonkommen.« Er nahm die beiden Ein-Dollar-Scheine, die sie ihm reichte, gab ihr das Wechselgeld und reckte sich, um die Tür zu öffnen, was New Yorks Taxifahrer nicht für jeden tun. Er hatte sich seine Gedanken über sie gemacht. Sie passte eigentlich in kein Schema. Sie sprach mit französischem Akzent, und ihre Unsicherheit beim Ablesen der Taxameter-Uhr verriet, dass sie noch nicht lange im Land sein konnte. Trotzdem hatte sie nichts von einer Touristin an sich. Ring trug sie keinen, war also nicht verheiratet. Vielleicht ein Mannequin, dachte er. Die waren aber meistens überaus mager, und dass in der nicht billigen Garderobe eine richtige Frau steckte, stand ganz außer Frage. Bei den Mannequins war ihm auch noch auf gefallen, dass sie oft eine etwas unzufriedene Miene zur Schau trugen, als fänden sie es unerfreulich, Kleider vorzuführen, die sie sich nicht leisten konnten. Aber von Unzufriedenheit war bei diesem Mädchen nichts zu bemerken. Schauspielerin? Nein, auch da fehlte irgendetwas. Er sah ihr nach, als sie zu der Doppeltür aus Glas stöckelte. Ihre Rückenansicht wirkte nicht weniger attraktiv. Er seufzte - ein einigermaßen gut verheirateter Mann mit drei kleinen Kindern -, legte den Gang ein und fuhr davon. Michèle hätte auch ein viel eleganteres Apartment beziehen können, in einer vornehmeren Gegend, drüben auf der anderen Seite des Parks, aber sie genoss die Anonymität. Kein Portier, keine Concierge verfolgte ihr Kommen und Gehen. Ein Nachteil war, dass sie die Tür selbst aufsperren musste. Obwohl sie sich schon zwei Wochen in New York aufhielt, war das immer noch ein Problem. Während sie sich damit abmühte, tauchte hinter ihr ein Mann auf und drückte einen der Klingelknöpfe. »Sie haben ihn ja verkehrt eingesteckt«, sagte er freundlich, nachdem er sie eine Weile beobachtet hatte. »Ausgeschlossen!« »Doch. Lassen Sie mal einen Fachmann ran.« Aus dem Lautsprecher neben der Klingelanlage tönte eine Stimme: »Ja?« »Jake Melnick«, erwiderte der Mann. »Ich habe ein paar Steine, die ich Ihnen zeigen möchte, Mr. Evans. Darf ich raufkommen?« »Natürlich.« Der Summer ließ das Schloss aufschnappen. Melnick schob die Tür mit dem Fuß auf, nahm den Schlüssel, drehte ihn um und steckte ihn richtig ins Schlüsselloch. »Man darf nur keine Gewalt anwenden.« Sie lächelte dankbar. »Technisch bin ich völlig unbegabt.« Er sah sie forschend an. Für Michèle war das ein vertrauter Vorgang, obwohl sie ihm in diesem Land nicht so oft ausgesetzt war wie zu Hause. Die meisten Männer in New York schienen andere Sorgen zu haben. Sie maß Melnick kurz mit einem abschätzenden Blick. Er war nachlässig, beinahe schlampig gekleidet, was nach ihrer Erfahrung nicht bedeutete, dass er sich nichts Besseres leisten konnte. Er war so mager, dass er beinahe ausgemergelt wirkte. Zwischen seinen Lippen hing eine brennende Zigarette. Lachfältchen umgaben seine Augen, zynische Runen seinen Mund, eine Kombination, die Michèle stets interessierte. Nicht, dass sie jetzt Zeit gehabt hätte, in dieser Hinsicht etwas zu unternehmen. Sie wichen einer Sitzbank und einer Reihe von Gummibäumen aus. Bis auf einen Mann, der am Ende einer langen Reihe von Hausbriefkästen einen Umschlag aufschlitzte, war das Vestibül leer. Aus verborgenen Öffnungen in der Wand drang leise Musik. Michèle war überzeugt davon, dass ebenso wenig jemand zuhörte, wie sie bisher jemanden auf dem Vestibül-Mobiliar hatte sitzen sehen. Ein leerer Lift wartete. Sie drückte den Knopf für die elfte Etage. »Ich hab’ gehört, dass die Mietbedingungen ganz vernünftig sein sollen«, meinte Melnick. »Meine Frau und ich sind am Überlegen. Ist es sehr laut hier?« Bevor sie etwas erwidern konnte, drehte sich der Mann vor den Briefkästen um und betrat hinter ihnen den Lift. Einen Augenblick lang kam es ihr so vor, als hätte er unter dem Vorwand, seine Post zu lesen, nur auf ihr Auftauchen gewartet. Dummer Gedanke. Der Mann war groß und breitschultrig. Sein zerknittertes Gabardine-Jackett war nicht zugeknöpft, die Krawatte gelockert. Im Ohr trug er den winzigen Knopf eines Hörgeräts. Er war schwarzhaarig, muskulös gebaut und bewegte sich mit der lässigen Grazie eines Berufsboxers in erstklassiger Kondition. »Sind Sie nicht im Diamantengeschäft?«, fragte er Melnick. »Ja«, erwiderte Melnick überrascht. »Jake Melnick, klar. Melnick und Melnick.« Die Lifttür schloss sich. Der Unbekannte warf einen Blick auf die Anzeigetafel. Es gab siebzehn Stockwerke im Haus. Neben der Nummer elf glomm ein Lämpchen. »Und für Sie, Jake? Sieben?« »Hören Sie mal«, sagte Melnick. »Ich kenne Sie nicht und weiß auch nicht, worum es geht. Aber wer Sie auch sein mögen...« Der Lift hatte sich kaum in Bewegung gesetzt, als der Breitschultrige den Nothalthebel nach unten drückte. Die Bremsen griffen so hart, dass Michèle an die Wand taumelte. »Sie wissen doch ganz genau, worum es geht«, sagte der große Mann leichthin. »Larry Evans von 8-C will wieder mal einen Stein an eine junge Dame verschenken. Wenn Sie bis morgen warten, kommt Ihnen vielleicht jemand zuvor.« »Lassen Sie mich hinaus«, drängte Michèle. »Bitte lassen Sie mich hinaus.« »Du bleibst schön in der Ecke, Kleine«, sagte der große Mann ruhig, ohne Melnick aus den Augen zu lassen. »Außer der Versicherung kommt keiner zu Schaden. Und jetzt zeig’ ich ihm die Kanone, damit er das Ganze auch ernst nimmt.« Seine große Hand glitt unter den linken Arm und tauchte mit einer schweren Pistole wieder auf. Michèle hatte die Hände auf den Mund gepresst. Bitte nicht wehren, flehte sie Melnick stumm an. Tun Sie, was er verlangt. Sie trug auch ziemlich viel Geld bei sich - das konnte er gerne haben. Sobald er verschwunden war, musste sie Melnick dazu überreden, sie aus dem Spiel zu lassen. Eine Vernehmung durch die Polizei konnte sie sich nicht leisten. Vielleicht gar noch Fotoreporter! Das Ganze war unfassbar. Es konnte einfach nicht wahr sein. Die Zigarette klebte immer noch an Melnicks Unterlippe. Sie zitterte. Er versuchte etwas zu sagen. »W-wer...?« Der große Mann lachte kurz auf und sah Michèle zum ersten Mal an. Seine Augen wirkten hart und gefährlich. »Ich habe telefoniert und bin in die falsche Leitung geraten. Was sagt man dazu? Der beste Tip meines Lebens, und er hat mich keinen Cent gekostet.« Abrupt kam er zum Geschäft und richtete die Mündung der Pistole auf Melnick. Der verängstigte Diamantenhändler hob die Arme, und der große Mann betastete seine Taschen von außen. Der Lederbeutel befand sich in einer Innentasche des Jacketts, mit einer kurzen, dünnen Kette an einer stärkeren befestigt, die um Melnicks Leib geschlungen war. Der große Mann riss verärgert daran, bis Melnick vor Schmerz aufstöhnte. »Vorsicht ist bei euch ganz groß geschrieben, was?« Er gab der Kette einen Ruck, durch den der Juwelenhändler zur Wand gedreht wurde, legte die gespannte Kette über den verchromten Haltegriff und schlug mit dem Kolben der Pistole zu. Ein Kettenglied zersprang, und der Lederbeutel ließ sich entfernen. »Und jetzt sehen wir nach, wieviel Geld wir dabeihaben, Jake.« Der Diamantenhändler zog mit zitternden Händen seine Brieftasche. »Ein Stein ist noch nicht versichert«, sagte er schüchtern. »Ich bezahle Ihnen mehr, als Sie vom Hehler dafür bekommen.« »Na klar. Ich warte auf den Scheck. Her mit der Uhr.« Melnick streifte seine goldene Armbanduhr ab. Der Gangster steckte sie ein. Ohne Warnung trat er auf Melnick zu und hieb ihm seine riesige Faust in den Magen. Melnick gab einen erstickten Laut von sich und fiel nach vorn. Er riss die Arme hoch, um sich an dem anderen festzuhalten. Einen Augenblick lang verharrten sie in einer Art ungeschickter Umarmung. Michèle konnte nur die Hände und die Handgelenke Melnicks sehen. Der große Mann stieß ihn mit einem Fluch zurück und Heß, als der Juwelenhändler zusammensackte, den Kolben der Pistole auf seinen Kopf niedersausen. Melnick stürzte zu Boden. Der große Mann fuhr herum. Michèle zuckte zurück;. »Irgendein Kommentar?«, zischte er. »Nein«, flüsterte sie und hielt ihm die Handtasche hin. Sein linker Mundwinkel und das linke Auge zuckten krampfhaft, halb zwinkernd, halb ungewollt. Das erschreckte sie. Sie sah, dass er nahe daran war, die Beherrschung zu verlieren. »Ich habe Geld«, stammelte sie. Er riss ihr die Handtasche aus den Fingern. Sie wusste genau, wieviel Geld sie bei sich hatte - achthundertdrei Dollar, davon achthundert in neuen Fünfzig- und Hundert-Dollar-Scheinen. Dadurch schien sich seine Laune zu bessern. »Grün«, bemerkte er. »Meine Lieblingsfarbe.« Er nahm ihr Uhr und Armband ab. Nachdem er dies zu der übrigen Beute in die Tasche gesteckt hatte, drückte er den Nothaltschalter wieder nach...




