Urbaner Fixpunkt Bornholms
Rønne
Rønne ist Anfangs- und Endpunkt fast jeder Bornholmreise. Die Inselhauptstadt ist kein klassischer Urlaubsort, sondern wird von den meisten Feriengästen im Rahmen eines Tagesausflugs angesteuert.
Die Einwohner Bornholms meinen Rønne, wenn sie „in die Stadt“ fahren. Rønne war und ist das Tor zur großen, weiten Welt; hier gründeten ab dem 14. Jh. begüterte Kaufleute Niederlassungen und erzählten sich Geschichten, die sich in der Fremde zutrugen; vom Hafen in Rønne legten Schiffe ab, die Kopenhagen oder andere Städte weiter weg zum Ziel hatten. Über die Ostsee brachte der Postdampfer dreimal wöchentlich Nachrichten aus der dänischen Hauptstadt nach Bornholm.
In seinem Roman „Pelle der Eroberer“ schrieb Martin Andersen Nexø: „Draußen auf dem Lande war es der Traum aller Armen, sich nach der Stadt durchzukämpfen, und die Kühnsten wagten es eines Tages mit heißen Wangen, während die Alten warnend von der Verderbnis der Stadt sprachen. Und in der Stadt träumten sie von der Hauptstadt Kopenhagen, das war das Glück.“
Zum örtlichen Wohlstand, von dem zahlreiche Gebäude in der Stadt zeugen, trug seit 1750 auch die Uhrenindustrie bei (? Geschichte). Einen Eindruck von der Kunstfertigkeit der hiesigen Handwerkszünfte vermittelt heute das kulturhistorische Museum außerhalb des Stadtzentrums. Vom Marktplatz (Store Torv) führt eine breite Straße hinunter zum Hafen und teilt dabei das Zentrum in zwei Hälften. Die ältesten Häuser befinden sich im Süden rund um die Stadtkirche, die dem Patron der Seefahrer (St. Nikolai) geweiht ist. Aber auch in der nördlich gelegenen Hälfte stoßen Besucher auf Schritt und Tritt auf hübsche, alte Bürger- und Kontorhäuser (u. a. Erichsens Gård und Johnsens Gård), die von einer regen Wirtschaftstätigkeit in der Vergangenheit erzählen. Weil ein großer Teil der Altstadt 1945 im sowjetischen Bombenhagel unterging (? Geschichte), sind nicht wenige Gebäude jüngeren Datums. Insgesamt zählte man 212 zerstörte Häuser; die damals neu erbauten Gebäude kennt der Volksmund noch heute als Bombehusene (Bombenhäuser). Neben der Nikolaikirche erinnern Keramiktafeln über den Hauseingängen Kirkepladsen 14 und Kirkestræde 4 an die Schäden des letzten Weltkriegs. Angefertigt wurden die Tafeln von der Keramikfabrik Søholm.
Abendstimmung an der Hafenpromenade von Rønne
In der Nähe der Nikolaikirche liegt die gewundene Gasse mit dem schönen Namen Vimmelskaftet. Hier befindet sich das kleinste Haus der Stadt, die blau getünchte Eingangstüre ist nur über eine Stiegenleiter erreichbar - ein beliebtes Fotomotiv. Im gleichen Viertel setzt das Theater noch immer Maßstäbe. Weil es von außen nicht als Bühne erkennbar ist, läuft man beim ersten Gang daran vorbei. Der Lapsus verwundert nicht, da es sich um ein umgebautes Kontorhaus handelt.
Der Hafen gehört nicht zu den heimeligsten Orten, welche die Insel zu bieten hat. Hier hat nur wenig den Furor der Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen überlebt. Was übrig blieb, kann sich dennoch sehen lassen, u. a. die hübsch herausgeputzte Hafenschmiede (Havnesmedjen). Das Haus aus dem Jahr 1735 wurde zunächst als Munitionsdepot genutzt und erst ein Jahrhundert später von der Eisengießerei der Bornholmer Maschinenfabrik (Bornholms Maskinfabrik) zur Schmiede umfunktioniert. Auch der achteckige Leuchtturm, eine Eisenkonstruktion aus dem Jahr 1880, verdient in diesem Zusammenhang erwähnt zu werden.
Sightseeing
Store Torv (Marktplatz): Das weitläufige, belebte Rechteck im Zentrum war einst ein Exerzierplatz. In den 1880er-Jahren mussten die ursprünglich flachen Fachwerkhäuser mehrstöckigen Steinhäusern weichen. Ältestes Gebäude ist das Gerichts- und Arresthaus aus dem Jahr 1834 an der Ostseite (Store Torv 1). Das Bankgebäude gegenüber wurde nach Plänen des dänischen Stararchitekten Kay Fisker erbaut (Store Torv 12). Dieser beteiligte sich planerisch auch am Bahnhofsgebäude in Gudhjem. Die Platzmitte markiert eine abstrakte Granitskulptur, die ein wenig an Stonehenge erinnert. Sie stammt vom japanischen Bildhauer Jun-Ichi Inoue (1948-2009), der auch noch an anderen Stellen der Insel Spuren hinterlassen hat und in Olsker begraben ist (? Kasten). Das Werk entstand im Jahr 2000 als Erinnerung an die Jahrtausendwende und stellt eine Sonnenuhr dar. Das Keramikmuseum in Rønne
Hjorths Fabrik (Keramikmuseum): Es handelt sich in der Tat um eines der interessantesten Museen der Insel, denn man kann in der Werkstatt den Mitarbeitern über die Schulter blicken. Hier lassen sich sämtliche Arbeitsschritte - vom Reinigen des Tons bis zum Brennen der Ware - nachvollziehen. Teilweise sind die alten Holzöfen noch erhalten, während sich die eigentliche Ausstellung als Rundgang durch die Stilgeschichte des Keramikdesigns von der Imitation antiker Kunst über die Epoche des Art Déco bis in die Gegenwart entpuppt. Keramikworkshops für Kinder in der Hauptsaison und ein Shop runden das Angebot ab.
? So und (außerhalb der Hochsaison) Sa nachmittags geschlossen. Führungen: Sa, 11 Uhr, Juni bis Sept. Mo-Sa 11 und 14 Uhr. 90 dkr (Kinderermäßigung, Kombiticket mit anderen Museen). Krystalgade 5, bornholmsmuseum.dk. Erichsens Gård: Das heute vielleicht am besten erhaltene Bürgerhaus von Rønne wurde 1806 vom Kaufmann und Tabakfabrikanten Herman Bohn Rasch erbaut. Nachdem es mehrfach den Besitzer gewechselt hatte, verkaufte 1950 Elna Erichsen das Anwesen an die Stiftung Bornholms Museum. Drei Jahre später gab diese das Haus als rundum sehenswertes Heimatmuseum für die Öffentlichkeit frei. Den Rundgang durch die nostalgieschwangeren Stuben des Haupthauses begleiten Mitarbeiter des Museums in traditionellen Bürgerkleidern. Anschließend geht es über den Hof in die Wirtschaftsgebäude und in den gepflegten Garten. Letzterer ist auch an Werktagen, an denen das Haus geschlossen hat, ohne Ticket zugänglich.
? Haus: Anfang Mai bis Mitte Okt. Fr/Sa geöffnet. 90 dkr (Kinderermäßigung, Kombiticket mit anderen Museen). Garten: Anfang Mai bis Mitte Okt. Mo-Do geöffnet. Eintritt frei. Laksegade 7, bornholmsmuseum.dk. Kulturhistorisk Museum: Das Flaggschiff der 1893 gegründeten Stiftung Bornholms Museum (die noch drei weitere Häuser betreibt) ist das kulturhistorische Museum. Es befindet sich in einem einstigen Krankenhaus, das bereits im Gründungsjahr der Stiftung zum Museum umgebaut wurde. Vier Etagen bieten einen umfassenden Streifzug durch die verschiedenen Epochen der Inselgeschichte mit Erklärungen in dänischer Sprache. In den meisten Räumen vermitteln Handouts auch Informationen zu den Themen auf Deutsch. Das Highlight im Erdgeschoss sind vielleicht die Guldgubber von Sorte Muld - ausgewählte Goldplättchen aus dem Sensationsfund bei Svaneke (? Kasten). In der ersten Etage verdienen die Uhrensammlung mit einigen Standuhren aus der Hand der Gebrüder Otto und Peter Arboe und die Ausstellung zum Inseltourismus besondere Aufmerksamkeit. Das Dachgeschoss schließlich widmet sich diversen alltagsgeschichtlichen Themen. So ist u. a. ein Klassenzimmer aus alten Tagen zu sehen, und auch die Seefahrt erhält ihren gebührenden Platz. Hyggelig - die Altstadt von Rønne
? In der Hochsaison tägl., sonst eingeschränkt geöffnet. 90 dkr (Kinderermäßigung, Kombiticket mit den anderen drei Häusern). Skt. Mortens Gade 29, bornholmsmuseum.dk. Hauptwache: Auch wenn es streng genommen nichts zu besichtigen gibt, sollte man an diesem historischen Gebäude und am hübschen Platz (Søndergade) nicht einfach vorbeigehen. Die Hauptwache wurde 1743 aus Materialien errichtet, die von der zerfallenden Burg Hammershus stammen. Neben der Wachstube befand sich das Gefängnis. Bis Mitte des 20. Jh. war hier die Bürgerwehr stationiert. Den Platz flankieren weitere Bürgerhäuser, u. a. der Købmand Rønnes Gård, ein imposantes Fachwerkhaus aus dem Jahr 1813. Kurioserweise hörte der Kaufmann auf den Namen Rønne - wie die Stadt, in der er lebte. Angeblich hielt der Reeder vom Aussichtsturm auf dem Dach nach seinen einlaufenden Schiffen Ausschau.
Rønne Theater: Das älteste noch aktive Theater Dänemarks außerhalb Kopenhagens stammt aus dem Jahr 1823. Das gewöhnliche Fachwerkhaus ist von außen nicht als Schauspielhaus erkennbar. Das Theater verfügt über 300 Sitzplätze, rund 25.000 Zuschauer besuchen jährlich die Aufführungen. Auf dem Spielplan stehen Eigeninszenierungen des Ensembles (darunter Mundartstücke mit reichlich Lokalkolorit) sowie Gastspiele von Bornholmer Amateurtheatergruppen und Tourneegruppen vom Festland. Anlass der Gründung war eine Initiative junger Laienschauspieler, die zur Fasnacht anno 1818 eine Komödie des dänisch-norwegischen Schriftstellers Ludvig Baron Holberg (1684-1754) gaben. Man kam auf den Geschmack und gründete...