E-Book, Deutsch, 176 Seiten
Hahn Stupid ways to die
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-347-10124-1
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mit drei einfachen Schritten länger leben
E-Book, Deutsch, 176 Seiten
ISBN: 978-3-347-10124-1
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Marco Hahn wurde 1971 in Oldenburg (Niedersachsen) geboren und wuchs in Norddeutschland auf. Er studierte Betriebswirtschaft in Frankfurt am Main und arbeitete in der Geschäftsführung international tätiger Elektronik- Optik und Beleuchtungsunternehmen. Zudem ist er ausgebildeter NLP Business Practitioner. Privat und beruflich bereiste Marco Hahn große Teile Europas, die USA, China und Japan. Vor allem die japanische Kultur hat ihn nachhaltig beeindruckt. Sein Interesse an einer gesunden Lebensweise ist durch persönliche Erfahrungen und auf seinen Reisen verstärkt worden. In seiner Freizeit liest er viel, sammelt Vinyl Schallplatten, läuft Marathon und segelt gerne. Er lebt mit seiner Familie in Bad Homburg und Oldenburg.
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ALUMINIUM – COME ON, BABY, LIGHT MY FIRE
Mit Grenzwerten ist es so eine Sache. Für mich symbolisiert ein Grenzwert, dass etwas limitiert werden muss, damit es nicht schädlich wird. Die Dosis macht das Gift, sagte schon Paracelsus und es ist richtig, dass man sogar zu viel Wasser trinken kann: Ab sechs Litern pro Tag wird‘s gefährlich. Aber wer macht das schon? Wie so oft ist es das beste Mittel, auf seinen Körper zu hören. Er mag es nämlich gar nicht, wenn er um Hilfe ruft und wir ihm nicht zuhören.
Mit nicht so offenkundig sicht- und messbaren Substanzen ist es dagegen deutlich schwerer, sich an Grenzwerte zu halten. Darum frage ich mich: Für wen sind die eigentlich gedacht? Für die Hersteller von Produkten? Oder für Industrie und Handel, die diese Produkte vertreiben? Für uns als Verbraucher sind Grenzwerte bestenfalls Rechenaufgaben, die kompetente Stellen herausgeben, damit wir uns anschließend damit beschäftigen dürfen.
Grenzwerte gibt es mittlerweile für alles mögliche. Was man davon zu halten hat, ist eine andere Sache. Oft genug sind sie aus rein praktischen Gründen so hoch angesetzt, dass man sie kritisch sehen sollte. Denn mit „gesund“ haben sie oft nicht mehr wirklich etwas zu tun.
In einem Bericht über das explodierte Kernkraftwerk Fukushima in Japan habe ich einen Busfahrer gesehen, der täglich direkt durch das Gebiet fährt. Die Regierung hat diese Straße wieder freigegeben und einige Pendler benutzen diese Verbindung. Auf die Frage des Reporters nach der Strahlenbelastung holte der Busfahrer ein Messgerät und eine kleine Tabelle hervor. Diese gab an, dass sich die aktuelle Belastung in einem minimalen Bereich bewege. Auf die Frage, ob er den Angaben seiner Regierung traue, antwortete der Mann: Fifty-fifty. Für einen Japaner sehr offen gesprochen.
Etwa 100.000 chemische Substanzen sind vergleichsweise weit verbreitet, aber nur ein Bruchteil davon tatsächlich auf seine Schädlichkeit untersucht. Wie das mit der Wirkung verschiedener Mischungen dieser Stoffe aussieht ist praktisch kaum noch zu prüfen. Das eigentlich Erstaunliche: In geringen Mengen wird der menschliche Körper mit fast allem fertig. Problematisch sind vor allem ein Übermaß und die Ansammlung (Akkumulation) verschiedener Stoffe im Körper im Laufe der Zeit.
Hier ist Eigenverantwortung gefragt. Und das bedeutet leider immer häufiger, selbst zu rechnen, zu forschen und zu lesen. Das ist nicht zu viel verlangt für eine gute Gesundheit. Man muss es nur wissen und tun, denn ein unbeschwertes In-den-Tag-hineinleben kann lebensgefährlich werden.
Die kurze, aber heftig Erfolgsgeschichte von Aluminium
Aluminium ist ein fantastisches Beispiel dafür, dass eine ganz alltägliche Sache erst durch unseren blauäugig-sorglosen Umgang für gesundheitliche Probleme sorgt. Aluminium ist allgegenwärtig – denn es handelt sich dabei um das dritthäufigste Element, gleich nach Silicium und Sauerstoff, und zugleich um das häufigste Metall69. Die Erdkruste besteht zu sagenhaften acht Prozent aus dem Leichtmetall70. Genauer: Aus seinen Verbindungen, denn in der freien Natur kommt das Element in seiner metallischen Form nicht vor. Es ist so reaktionsfreudig, dass es mit Luft und Wasser sofort zu Aluminiumoxid reagiert. Oder mit anderen Substanzen zu anderen Aluminiumsalzen und -verbindungen.
Trotz seiner weiten Verbreitung hat es relativ lange gedauert, bis man das Aluminium als Element entdeckt hat. Schon der berühmte französische Chemiker Lavoisier vermutete, dass Alaunerde das Oxid eines bislang unbekannten Metalls ist. Erstmals im Labor hergestellt wurde es 1825 von Hans Christian 0rsted, und seinen heute gängigen Namen hat es von Sir Humphrey Davy erhalten: Alaunerde hieß in der Apotheke alumina, vom lateinischen alumen für Alaun.71
Eine großtechnische Herstellung des reinen Aluminiums ist erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts möglich. Zur Herstellung von metallischem Aluminium benötigt man Unmengen von Strom. Für die Produktion von einer Tonne des Metalls muss man 15 Megawattstunden einsetzen. Holla die Waldfee – das reicht gerade mal für sechs Autos. Ein Zwei-Personen-Haushalt kommt mit so einer Strommenge fünf Jahre lang aus.72 Ein neueres Kohlekraftwerk hat übrigens eine Nennleistung um die 1.000 Megawatt…73
Kein Wunder, dass sich die Aluminiumindustrie nur zusammen mit der Stromerzeugung entwickeln konnte. 1882 begann man mit elektrischen Generatoren Energie zu gewinnen, damals zum Betrieb von Bogenlampen in Leuchttürmen und für Straßenbeleuchtung mit Leuchtgas. Eine großtechnische Nutzung war erst mit der Erfindung des Dynamos durch Werner von Siemens möglich.74
Zuvor konnte man Aluminium nur schwierig und in kleinem Maßstab herstellen, und lange Zeit war es teurer als Gold. Auf der Pariser Weltausstellung von 1855 gab es erstmalig ein vielbestauntes Exponat: zwölf daumendicke Barren„Silber aus Lehm“ für jeweils 2.000 Francs – zusammen gerade mal ein Kilogramm.75 Seine einzigartigen Eigenschaften waren aufsehenerregend: Es war unglaublich leicht, glänzte wie Silber und lief im Gegensatz zu diesem auch nicht an der Luft an. Zudem war es anders als der seinerzeit zumeist übliche Stahl rostfrei.
Bis 1890, also in den ersten 35 Jahren nach seiner Entdeckung, wurden insgesamt nur 200 Tonnen hergestellt. Daraus entstanden leichtgewichtige Luxusartikel und Gegenstände des täglichen Bedarfes, vom Opernglas über Brillengestelle bis hin zu chirurgischem Besteck und Musikinstrumenten.76
Heutzutage ist das mit dem Strom nicht mehr so das Problem. Raffinerien erzeugen im Bayer-Verfahren aus Bauxit reines Aluminiumoxid, aus dem in einer Schmelzflusselektrolyse an großen Elektroden aus Graphit metallisches Aluminium entsteht (Hall-Héroult-Prozess).77 Es machte sich mit der Zeit unentbehrlich, denn es hat eine hohe Leitfähigkeit für Strom und Wärme und ist zugleich wesentlich leichter als andere in großen Mengen zur Verfügung stehende Metalle.
Aluminium ist allgegenwärtig
Was früher selten und teuer war, hat sich zum billigen Massenprodukt entwickelt. Anfangs profitierten vor allem Zeppeline und Flugzeuge von seiner Leichtigkeit, und in den Luftschiffen verwendete man Aluminium für große Teile der Inneneinrichtung vom Schminktisch für Fluggäste bis zum Steuerrad des Kapitäns.
In Notzeiten benutzte man das erschwinglich gewordene Metall als Ersatz für den knappen Stahl, beispielsweise in Form von Essbestecken, Geschirr und Töpfen während der Weltkriege und in der Nachkriegszeit. Für Bürger der DDR gehörte Aluminiumbesteck des VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS) jahrzehntelang zum Alltag.78
Inzwischen ist Aluminium der zweitwichtigste metallische Werkstoff gleich nach Stahl. 2017 wurden davon 63 Millionen Tonnen hergestellt – wobei Aluminium wohlgemerkt extrem leicht ist.79 Statistiken besagen, dass 2009 in Deutschland 520.000 Tonnen Reinaluminium erzeugt wurden – in gerade mal vier Aluminiumhütten mit nur 2.000 Mitarbeitern.72 Weltweit gehen 36 Prozent in das Bauwesen, 28 Prozent in den Transport (einschließlich Automobilbau), für Maschinenbau und Kabelmaterial nochmal 28 Prozent und für Verpackungen ein Prozent.77 Deutschland hat mit knapp 40 Kilogramm den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch.72
Aluminium macht Autos, Schienenfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge extrem leicht. In einem Auto stecken davon durchschnittlich 150 Kilogramm, in vielen Modell sogar deutlich mehr.72 In der Elektrotechnik glänzt es durch seine ausgezeichnete Leitfähigkeit für Strom. Als nur wenige Mikrometer dicke Schicht schützt es Verpackungen und Behälter effektiv vor Sauerstoff, Licht und anderen Umwelteinflüssen. In Verbundmaterialien findet man in Blisterpackungen für Medikamente oder den allgegenwärtigen Tetrapacks von Milch, Säften und anderen Lebensmitteln.80
Noch vor einigen Jahren waren Töpfe und Besteck aus Aluminium oder Alumiumlegierungen wie Nickel-Aluminium in deutschen Haushalten weit verbreitet, und in Pfannen ist es bis heute anzutreffen. Über solcherlei Kochgeschirr sollte man lieber nicht nachdenken, vor allem wenn einem bereits der nickelhaltige Jeansknopf allergisches Ungemach bereitet. Was Aluminium selber alles anrichtet, werden wir uns im nächsten Kapitel zu Gemüte führen.
Mit anderen Worten: Aluminium ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Man findet es als Werkstoff im Fahrzeug- und Flugzeugbau, Elektrotechnik, in Verpackungen wie Getränkedosen, Kaffeekapseln, Alufolie, Grillschalen, den Deckeln von Joghurtbechern. Sogar in Medikamenten, Kosmetika und vielen anderen Produkten.81 Dabei ist der Trend hin zum Aluminium steigend: Der weltweite Bedarf erhöht sich jährlich um etwa vier Prozent.72
So nehmen wir Aluminium auf
Was früher nur mit der Nahrung in den menschlichen Körper gelangte, hat in unserer heutigen Zeit viele weitere Zugänge gefunden. Dabei muss man unterscheiden zwischen
• Aluminium-Exposition...




