Hahn | Plaudern über Simenon | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 408 Seiten

Hahn Plaudern über Simenon


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-9314-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 408 Seiten

ISBN: 978-3-7534-9314-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seit fünfundzwanzig Jahren beschäftigt sich der Autor mit dem Thema Simenon und betreibt die Internetseite maigret.de. In seinem Blog schreibt er auf, was ihm auffällt, was er als interessant erachtet und auch worüber er sich aufregt. Die Texte sind oft kurz und manchmal überraschend, oft mit einem Augenzwinkern darüber, wie man sich ernsthaft mit Fiktivem beschäftigten kann. Es geht um das Leben von Simenon, seine Figur Maigret, die Verarbeitung in Filmen und Hörspielen. Außerdem werden einzelne Schauplätze, die in dem Werk von Simenon eine Rolle spielen, beleuchtet. Mit diesem Buch sollen einige Schätze der Webseite geborgen werden, damit man sie bequem lesen, getrost ins Buchregal stellen oder verschenken kann.

1970 in Potsdam geboren, 1990 nach Norddeutschland »ausgewandert«, seit 1996 im Internet mit Maigret-Themen präsent

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Autoren/Hrsg.


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Über Simenons traurige
Geschichten
Im Sommer erschienen, bin ich jetzt dazu gekommen, das Buch von Dr. Josef Quack zu lesen, welcher Anmerkungen zu den Werken jenseits von Maigret verfasste und sich den dunkleren Geschichten widmete. Bei Erscheinen hatte ich Gelegenheit, das Vorwort zu dem Buch zu überfliegen und bin aber nicht darüber hinausgekommen. Klar war schnell eines: Der Mann hat eine Meinung und die ist nicht immer bequem. Gut so! Wer hier(8) hin und wieder mal liest, hat gewiss mitbekommen, dass auf der Seite zweierlei nicht passiert: Es gibt keine echte Literaturkriitk. Ich habe nicht die Ausbildung, um eine fundierte Kritik nach den Maßstäben eines Literaturwissenschaftlers oder eines Literaturkritikers abzugeben. Ich erfülle eine Chronistenpflicht (und habe eine Meinung). Ich kann nicht alles ernst nehmen. Ich habe es probiert, es funktioniert nicht. Manch einer ist der Meinung, ich müsste das tun, aber nein! Es geht nicht. Warum diese einleitenden Worte? Die erste Anmerkung ist schlicht die Wahrheit, so sehe ich das und ich will keine Erwartungen enttäuschen. Die Zweite ist meinem Naturell geschuldet und die Art, mit der ich mich aus dem Schussfeld nehme: »Zu den Rezensionen über Simenon sei nur noch angemerkt, dass das schulterklopfende Lob, mit dem manche Journalisten Simenon bedenken, nur ihre eigene Banausie verrät.« Gott sein Dank, ich bin kein Journalist und hier steht wahrscheinlich viel häufiger, als das ein Verleger und das Simenon-Marketing lesen möchte, dass dieses oder jenes wirklich nicht gut ist. Kann ich nicht mit gemeint sein, aber als ich das las, dachte ich: »Das wird spannend werden! Wer so vom Leder zieht!« Nun nennt der Autor hier keine Rösser und schon gar keine Reiter, aber hantiert gleich mit einem Wort, bei dem ich dachte: »Ich weiß, was gemeint ist; gehört habe ich es noch nie.« Der Duden meint, dass das Wort in der Häufigkeit jenseits der Top 100.000 liegt. Der Autor lebt hin und wieder seine Vorliebe für Wörter aus, die nicht fachspezifisch sind (also aus der Literaturkritik kommen), sondern einfach als veraltet gelten: Ich bin schwer am Überlegen, wann und wo ich mir liebe Menschen mit den Wörtern wie »pejorativ« und »ruminieren« in Verlegenheit bringen kann. Dieser erworbene Schatz muss sorgsam eingesetzt werden. Die Beschau Es geht um die »traurigen« Geschichten, kündigt der Titel an. Das trifft es in meinen Augen nicht genau. Josef Quack hat sich Werke aus dem Non-Maigret-Werk von Simenon herausgesucht, die der Spannungsliteratur zuzuordnen sind und in meinen Augen nicht traurig sind und der von uns offenbar gleichermaßen geschätzte »Kleine Heilige« würde ebenfalls nicht in diese Schublade passen. Auch die »Glocken von Bicêtre« stimmten mich nicht traurig. Nachdenklich, das trifft es. Aber einen Titel brauchte das Buch und wir können festhalten, dass uns der Autor mit auf einen Spaziergang durch das Werk von Simenon nimmt. Vergleichbar ist das Buch mit einer Stadtführung, bei der man hier und da stehen bleibt. So ein Stadtführer widmet sich manchen Bauten ausführlicher und erzählt über sie etwas mehr. Andere Bauten werden kurz abgehandelt. Man hat es mit Vorlieben zu tun und das Objektive verrutscht. Einen guten Stadtführer kann man auch zu den Bauten, Denkmälern, was auch immer, befragen, die dieser eigentlich nur kurz abhandeln möchte – und er wird eine Antwort haben. So wird es auch in dieser Führung gehandhabt: Josef Quack verweilt bei manchen Werken sehr lang und ausführlich, andere streift er nur kurz. Was er nicht macht: Es werden keine Werke aus der Non-Maigret-Welt erwähnt, die er in dem Buch nicht auch bespricht. Wenn Bezüge hergestellt werden, dann zu den Romanen, die in diesem Buch besprochen werden – mit Referenzen zu Simenons Tagebüchern und Memoiren. Ich habe 27 Romane gezählt, die auf den knapp 200 Seiten behandelt werden. Die Kapitelüberschriften lauten: Verfehlte Leben Finstere Zeiten Moralische Geschichten Missgeschick Warum ein Mensch zum Mörder wird Geschichten der Flucht Poliitker literarisch betrachtet Randfiguren der Gesellschaft Jenseits des Engagements »Eine Art Hymne an das Leben« Im Mittelpunkt steht der Roman dur, aber Josef Quack zieht auch immer wieder Vergleiche zu den Maigrets und zu den Werken anderer Autoren. Reibungspunkte In einem Abschnitt des Buches beschäftigt sich der Autor ausführlich mit dem Thema »Schuld« (Kapitel »Moralische Geschichten«) – sehr interessant und aufschlussreich fand ich das Thema »Schuld haben« und »Schuld empfinden«. Wobei das Empfinden noch einmal unterteilt wird, zwischen »sich der Schuld bewusst sein« und »Schuldgefühl«. In der Tat wird hier oft nicht differenziert und nur von »Schuld« geredet. Der Hinweis, dass moralische Schuld und Recht nicht zwingend etwas miteinander zu tun haben, ist dabei zwingend klar. Das Thema tangiert auch die Story in dem Roman »Der verlorene Sohn«. Dazu schreibt Josef Quack: Alain hat zwar die Katastrophe von 1928 keineswegs gewollt, er hat sie aber doch verursacht, was impliziert, dass er das Risiko seines Handelns in Kauf genommen hat und deshalb für die Folgen seiner Handlung verantwortlich ist. Worum geht es? Maud, Alains Freundin, war schwanger und ohne Zweifel war Alain der Erzeuger. Die Verantwortung dafür liegt bei beiden – von Sex, der nicht einvernehmlich war, war nicht die Rede. Maud schlug vor, einen Freund heranzuziehen, der Abtreibungen – die übrigens strengstens verboten waren – vornahm. Dieser Freund konnte den Schwangerschaftsabbruch jedoch nicht selbst vornehmen, also erklärte er Alain, wie das Prozedere funktioniert und gab das passende Instrument mit. An dieser Stelle hätte Alain sagen können: »Stopp, das mache ich nicht, das erscheint mir zu riskant.« Hätte Maud auch. Beide waren unvernünftig genug, es durchziehen zu wollen. Kurz bevor es losgehen sollte, wollte Alain nicht – er wollte sie heiraten, sie hatte Bedenken: Ihr schien der Abbruch der leichtere Weg zu sein, als sich mit ihrem Vater auseinanderzusetzen. Alain führte den Eingriff durch und es ging nicht gut. Wer war schuld? Die rechtliche Seite ist ganz klar. Problematischer scheint mir der moralische Aspekt zu sein: Mit »er hat sie verursacht« würde man mir an der Stelle nicht davonkommen, denn hier hört sich das sehr nach »auf Verlangen« an und es gab scheinbar Optionen für Maud. Alain heiraten oder mit ihm durchzubrennen, wären durchaus Möglichkeiten gewesen. Scheinbar habe ich geschrieben, weil ich nicht ermessen kann, ob die Liebe von Maud zu Alain so groß war, dass sie bereit für einen solchen Ausbruch gewesen wäre und die Abtreibung das kleinere Übel war – trotz aller Risiken. Da Maud aber tot war, lastete die Schuld auf den Schultern von Alain. Er nahm die moralische Verantwortung auf sich und war sich bewusst, dass er anders hätte handeln müssen – dafür tut er Buße. Man kann darüber diskutieren, ob es nicht edler gewesen wäre, wenn er die strafrechtlichen Konsequenzen statt seines Vaters getragen hätte. Da würde ich aber zu bedenken geben, dass wir es mit einem Heranwachsenden zu tun haben. Zum einen stand Alain noch unter dem Einfluss seines Vaters und ich bin mir auch nicht sicher, ob er die Konsequenzen, die die Entscheidung des Vaters für die Tat seines Sohnes die Schuld zu übernehmen, wirklich vom Sohn überblickt wurden. Einfach ist es nicht. Aber wenn man’s einfach und locker haben will, sollte man keine Non-Maigrets lesen. Wer könnte das Buch lesen? Vorneweg: Ich war sehr, sehr skeptisch und habe das Buch dann hochinteressiert innerhalb von zwei Tagen gelesen. Obwohl es Stellen gab, in denen Josef Quack sich zurückhält, weil er die Handlung nicht verraten mochte, wird das nicht über den gesamten Text durchgehalten. Immer wieder müssen zwangsläufig die Enden oder bestimmte wesentliche Teile der Handlung offenbart werden – ansonsten hätte der Text nicht funktioniert. Wer also vorhat, das Werk von Simenon zu erobern, der müsste um diesen Titel einen Bogen machen (oder anhand der Liste(9) abgleichen, ob er nicht vielleicht die besprochenen Titel schon gelesen hat). Für diejenigen, die sich ausführlich mit dem Werk beschäftigt haben und den Gedanken eines Kenners des OEuvre von Simenon folgen wollen, ist es eine hochinteressante Lektüre. Was ein wenig störend ist: Es gibt zu jedem der besprochenen Titel deutsche Übersetzungen. Über die Qualität mag man geteilter Meinung sein. Aber die Mühe, den aktuellen oder einen früheren deutschen Titel zu nennen, hätte sich der Autor schon machen können. Wäre so etwas wie Service für den Leser...



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