Hahn Maddrax - Folge 266
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-8387-0565-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Todesschiff
E-Book, Deutsch, Band 266, 64 Seiten
Reihe: Maddrax
ISBN: 978-3-8387-0565-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Leben ist nicht immer gut zu kleinen Menschen - erst recht nicht in postapokalyptischen Zeiten. Das hat Sepp Nüssli, seines Zeichens Ex-Spion, oft genug am eigenen zwergenhaften Leib erfahren müssen. Auch als er sich einer Piratenmannschaft anschließen will, nimmt man ihn nicht für voll und schickt ihn auf wahnwitzige Prüfungen.
Aber den rauen Freibeutern soll das Lachen bald vergehen. Denn als Sepp in ihrem Auftrag ein rätselhaftes Schiff im Hafen entern soll, bricht das Grauen über die kleine Küstenstadt herein...
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" (S. 2-3)
Klirrende Kälte. Der Wind trieb dicke Schneeflocken vor sich her. Im Dunkel der Nacht lag die kleine Stadt friedlich und still unter einer weißen Decke. „Herr Leutnant! Herr Leutnant!“ Friedrichsen klang besorgt. Hasso von Traven hob müde den Kopf. Er war seit einer halben Stunde wach, aber keineswegs ausgeschlafen. Hinter ihm lagen eine Schusswunde und fiebrige Zeiten in einem inzwischen abgebrannten Luftwaffen-Lazarett. Außerdem er hatte von Leonie geträumt. Obwohl sein Kopf gänzlich klar war, kehrte er nur langsam in die Wirklichkeit zurück.
„Was ist denn, Friedrichsen?“ Der Bootsmann schob den Kopf ins Zimmer. Das Gesicht unter dem Stahlhelm war schmal. Er hatte blaue Augen. Wenn Hasso je einen echten Arier gesehen hatte, dann in diesem Mann. „Wir müssen weiter, Herr Leutnant. Der Bürgermeister hat gerade die Evakuierung befohlen. Hier geht’s gleich rund, und wenn wir in dem Chaos nicht stecken bleiben wollen …“ Hasso schlug die Decken zurück. Dass er in dem kalten Raum nicht fror, lag daran, dass er in seinen Klamotten geschlafen hatte. Er dachte an seinen Marschbefehl und das Ziel, das Friedrichsen und er erreichen mussten: die Stadt Gotenhafen.
Dort wartete ein Schiff auf sie … Hasso zog den Vorhang ein Stück beiseite. Der Mond schien bleich durchs Fenster. „Ist der Iwan schon im Anmarsch?“ „Jawoll, Herr Leutnant.“ Friedrichsen kam nicht herein, aber er nickte. „Hören Sie die Sirene nicht? Sie heult doch schon fünf Minuten!“ Hasso spitzte seine Ohren. Tatsächlich. Jetzt hörte er sie. Das Geräusch erinnerte an das Winseln eines geprügelten Hundes. Er hörte allerdings auch Stimmen. Und das Knirschen von Schritten auf der Straße. Menschen hasteten durch den rieselnden Schnee. Jemand, vermutlich eine ängstliche Mutter, rief „Peterle, Peterle!“ Ein bellender Hund wurde von einer unwirschen Stimme zum Schweigen gebracht. Hasso schaute auf seine Armbanduhr.
Es war 3:13 Uhr. Er fluchte leise. Obwohl er fünf Stunden geschlafen hatte, fühlte er sich wie gerädert. Nun griff die Kälte an. Hasso betastete die verpflasterte Schulterwunde. Ihretwegen hatte er sich mehrere Wochen ausruhen können. Musste er ihr dankbar sein? „Was sagt das Thermometer?“ „Zwanzig Grad minus“, sagte Friedrichsen. „Wir haben heftigen Schneefall, und windig ist es auch.“ Hasso schüttelte sich. Draußen wehte der Wind Schnee auf und blies ihn den Menschen ins Gesicht. Schatten huschten über die Straße. Sie gingen nach Westen. Die Menschen hatten es eilig. Sehr eilig. Viele zogen Schlitten hinter sich her, andere mühten sich mit Handwagen ab, was im Schnee nicht einfach war. Doch alle schleppten Rucksäcke, Koffer oder kleine Kinder. Genaues konnte er nicht erkennen, denn die Sicht wurde nun immer schlechter."




