E-Book, Deutsch, 41 Seiten
Reihe: Classics To Go
Hafis Aus dem Diwan des Hafis
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98744-510-1
Verlag: OTB eBook publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 41 Seiten
Reihe: Classics To Go
ISBN: 978-3-98744-510-1
Verlag: OTB eBook publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Zu den wiederkehrenden Themen gehören die typischen Motive des persischen Ghasels: unerwiderte Liebe, Trennung und Sehnsucht, aber auch das Schwärmen für die Schönheit und Reize der angebeteten Person. Es gibt weiterhin Meditationen über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unvermeidbarkeit des Schicksals wie auch die Aufforderung zum Lebensgenuss, Kritik der religiösen Scheinheiligkeit und Verse mit Inhalten aus dem Bereich der Mystik.
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Aus dem Diwan des Hafis
* Seht! wie der Morgen lacht!
O reich't statt der Sonne den Becher!
Jetzt ist die Zeit! o reichet den Wein her! Einsam im Haus! Ein freundlicher
Schenk, ein lieblicher Sänger!
Tage der Lust, des Bechers, der Jugend! Unser Gemüt zu erfreuen, und die Schönheit
Des Festes zu schmücken,
Ziemen zum Gold nur geschmolzne Rubinen? Liebling und Sänger reichen die Hand,
Die Trunkenen tanzen,
Schenkengekos macht schlaflos die Trinker. Wir sind allein, und sicher ists hier
Im Zirkel der Trauten,
Offen sind nur die Tore der Wollust. Kundig der Anmut des Weins
Verbarg die Natur, die gewandte,
Rosenwasser ins Tiefste der Blätter, Seit daß meinem Mond
Die Perlen Hafisens gefallen,
Horchet selbst Suhre den Tönen der Laute. * Der Garten deines Genusses
Verleiht dem Paradiese Glanz.
Das Feuer deiner Entfernung
Entflammt der Hölle Glut. Zu deinem Gesichte und Wuchse
Hat sich geflüchtet Edens Flur,
Von Tag zu Tage vermehre
Sich ihrer Schönheit Preis! Wie Quellen fließet mein Auge
Die ganze lange Nacht hindurch,
Und schaut das Bild der Narzisse
In deinem Aug', im Traum. Der Frühling hat die Reize
Von deiner Schönheit nur erklärt,
Das Paradies erinnert
Mit jedem Schritt an dich. Mein armes Herz – es verbrennet,
Und nicht erreicht es seinen Wunsch.
Wär' sein Verlangen gestillet,
Nicht weinen würd' es Blut. Dein Mund erfordert mit Rechte
Von mir das Brand- und Wundengeld.
Du hast die Brust mir verwundet,
Er hat mein Herz verbrannt. Glaub' nicht es seien Verliebte,
Zu unsrer Zeit allein berauscht,
Hast du von frommen Betrachtern,
Die trunken, nichts gehört? Ha deine Lippen bezeugen,
Daß der Rubin ein Tropfen ist,
Der von den Gluten der Sonne
Zur Erde niederfällt. Den Schleier zieh zurücke,
Wie lang wirst du dich noch verhüllen?
Was nützet dich der Schleier?
Zu was verbergen dich? Dein Gesicht schaute die Rose,
Ha! da entglühte sie voll Scham,
Sie spürte deinen Geruch und
Zerfloß in Rosenwasser. Aus Liebe deines Gesichtes
Stürzt in das Elend sich Hafis,
Bald wird er sterben, o komm!
Und finde Rettung auf. Hafis es gehe das Leben
Nicht ohne Früchte dir vorbei,
Bemüh dich und erkenne
Des Lebens großen Wert. * Eine Nachtigall hat sich mit Herzblut
Eine Rose eigen gemacht,
Doch der Wind des Neides hat ihr Herz mit
Hundert Dornen elend gemacht. Sieh', ein Papagei war frohen Herzens
Aus Begier nach Zuckergenuß,
Jählings hat der Waldstrom des Verderbens
All' sein Glück zu Wasser gemacht. Meiner Augen Freude war des Herzens
Frucht, noch immer denk' ich daran,
Ach sie ist so leicht von mir entflohen,
Hat das Herz so schwer mir gemacht! Karawanenführer, meine Ladung
Ist gefallen, hilf mir bei Gott!
Denn die Hoffnung nur auf deine Gnaden
Hat mich hieher reisen gemacht. Du verachte nicht mein Angesicht voll
Staubes, mein befeuchtetes Aug',
Denn aus diesem Mörtel hat der Himmel
Seine Freudenwohnung gemacht. Wehe! ob dem Neideraug', mit welchem
Auf mich sah vom Himmel der Mond,
Hat mein Mond mit seinen Bogenbrauen
Sich das Grab zur Stätte gemacht. Ach Hafis, die Zeit hast du versäumet,
Nun ist alle Möglichkeit hin.
Aber was war sonst zu tun! das Spiel des
Himmels hat mich sorglos gemacht. * Wie der Ostwind will ich einen Besuch
Dem Haus des Freundes machen.
Meinen Geist will ich durch seinen Geruch
Durchschwärzt mit Moschus machen. Meines Angesichts verlornen Glanz,
Meine Wissenschaft und Glauben,
Will ich alle zu dem Staube der Tür
Von meinem Liebling machen. Ohne Wein und ohne Liebesgenuß
Verfloß bisher mein Leben,
Aber meinem Kaltsinn will ich von heut
Gewiß ein Ende machen. Ha wo ist der Ostwind? wo ist er denn?
Ich will mein Herz, das blutet,
Einem einz'gen Würzehauch des Haars
Zum Brandesopfer machen. Wie der Glanz der Morgenkerze ist mir
Der Vorsatz klar geworden:
All mein Leben will ich nur zum Geschäft
Von seiner Liebe machen. Heuchelei, Hafis, verleihet dir nicht
Die heitre Ruh' des Herzens,
Besser ist's zu meiner Straße den Pfad
Von Lieb' und Wein zu machen. * Der Frömmling hat gespannt sein Netz,
Und seinen Becher aufgemacht,
Er hat mit dem Gebäu des Trugs
Dem Himmel Gaukelei gemacht, Der Himmel aber schlägt sofort
Ihm Eier auf dem Kopf entzwei,
Weil er aus seiner Gaukelei
Uns hat Geheimnisse gemacht. Komm Schenke, komm, und gib mir Wein,
Das schöne Kind des frommen Manns
Hat sich in seinem Glanz gezeigt,
Und mir Liebkosungen gemacht. Was für ein Spieler ist denn dies,
Der aus dem Ton Irak sein Lied
Begonnen hat, und dann zum Ton
Hedschas den Übergang gemacht. O komm mein Herz, wir flüchten uns
Zum Zufluchtsort, zu unsrem Gott,
Vor jenem, der die Ärmel kurz,
Die Hände aber lang gemacht. Verleg dich nicht auf Künstelei,
Denn jedem, der in seinem Thun
Nicht frei und offen handelt, wird
Die Tür der Liebe zugemacht. Am Tage des Gerichts, an dem
Die Wahrheit aufgedecket liegt.
Wird jeder, der verborgene
Bedeutung glaubt, beschämt gemacht. Wohin so lieblich schwankest du?
Du schönes Reh: wohin? bleib' stehn!
Verlaß dich nicht auf das Gebet,
Das der Scheinheilige gemacht. O schmäh' die Trunknen nicht,
Hafts! du bist von Ewigkeit
Durch Gott zu einem Menschen, der
Die Gleisnerei entbehrt, gemacht. * Mein ist künftig diese Hand,
Und der hohen Zeder Saum,
Deren luft'ge Höhe mich,
Aus der Wurzel hat gerissen. Keinen Sänger, keinen Wein
Braucht es, heb' den Schleier auf,
Deines Angesichtes Glut
Machet mich wie Sphären tanzen. Nur dasjenige Gesicht
Ist des Glückes Spiegelwand,
Das gerieben ward am Staub,
Von dem Hufe dieses Pferdes. Dein Geheimnis habe ich
Aller Welt gesagt, nun sprich,
Was du willst, unmöglich kann
Länger die Geduld mir dauern. Bring mir diesen Moschushirsch,
Jäger bring mir ihn nicht um,
Schäm' vor seinem schwarzen Aug,
Schäme dich ihn anzubinden. Ich bin nicht imstand, den Staub
Aufzuheben von der Tür',
Ach! wie könnte ich den Staub
Dieses Prachtpalastes küssen. Wird Hafisens süßes Lied,
Zu dem Saitenspiel gehöret,
So verlieret selbst Kemal
In Chadschend den Mut zu singen. * Fortgegangen ist der Freund,
Hat uns Verlornen nicht kund es getan,
Hat nicht seines Freunds der Stadt,
Seiner Gefährten Erwähnung getan. Sieh', entweder hat mein Glück
Sich von dem Wege der Liebe verirrt,
Oder von dem wahren Weg
Hat mein Geliebter den Absprung getan. Aufzuopfern stand ich da,
Ihm zu gefallen, wie Kerzen den Geist,
Aber Er hat, wie der Ost,
Mir im Vorbeigeh'n nicht freundlich getan. Zu mir selber sprach ich dann:
Ha! vielleicht wird er durch Tränen erweicht,
Aber auf den harten Stein
Haben die Tränen nicht Eindruck getan. Meinem Herzen hat der Schmerz
Schwingen und Fittiche gänzlich zerknickt,
Doch verliebte Torheit wird
Nimmer aus meinem Gemüte getan. Wer geseh'n hat dein Gesicht,
Küsset mit Freunden mein sehnendes Aug',
Denn mein Auge hat noch nichts
Ohne die reifste Betrachtung getan. Sieh! es wird Hafisens Kiel
Mit der gespaltenen Zunge gewiß,
Niemanden sich anvertraun,
Bis er Verzicht auf das Leben getan. * Begreifst du, was die Leier, was
Die Laute dir für Lehren machen? Sie sagen: trinke heimlich Wein!
Verdruß wird man dir sonsten machen. Sie breiten aus der Liebe Ruhm,
Die Glorie der Verliebten. Sie fahren fort, so Alt als Jung
Mit Schmähungen berühmt zu machen. Sie sagen: sprecht und höret nichts
Von den Geheimnissen der Liebe. Es ist ein allzu schweres Ding,
Wovon sie die Beschreibung machen. Ich weilte vor der Freundin Tür,
Mit tausendlei Betrug gelocket, Ich möchte wissen, was sie wohl
Darin für einen Ratschlag machen. Es geben diese Better nur
Dem Wirte Sorg' und Plage, Sie rauben seine Zeit, o sieh!
Was sie dann mit dem Alten machen. Trink' Wein, denn scheinet dir der Scheich,
Der Vogt, und selbst Hafis, der Dichter Auf gutem Weg, so wisse, daß
Sie alles mit Verstellung machen. * Herrscher sind die Sklaven von deinen Narzissen,
Weise sind berauschet von deinen Rubinen, Wie der Ostwind gehe vorbei bei den Veilchen,
Sieh, was deine Locken für Unheil gestiftet. Dich verriet der Ostwind, mich aber die Tränen,
Niemals bleibt versteckt das Geheimnis der Liebe. Deine Rosenwangen besing' ich mitnichten,
Tausend Nachtigallen lobpreisen dieselben. Gehst du deine doppelten Locken vorüber,
Sieh die Unbeständigen, welche dran haften. Eden ist uns einstens zum Lose bestimmet,
Denn gewiß verdienen die Sünder Erbarmung. Geh' zur Schenk' und...




