E-Book, Deutsch, Band 172, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Haensel Mythor 172: Rauhnacht
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9924-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 172, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9924-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Als Mythor in der durch ALLUMEDDON veränderten Welt zu sich kommt, ist er sich seines Auftrags nicht bewusst, denn man hat ihn seiner Erinnerungen beraubt. Erst bei der Begegnung in der Drachengruft wird Mythor dieses klar, und schließlich sorgt das Duell mit Mythors anderem Ich dafür, dass unser Held in seiner Ganzheit wieder entsteht. Damit beginnt Mythor in bekannter Manier zu handeln. Inseln des Lichts zu gründen und die Welt vor einer erneuten Invasion durch die Horden Xatans zu schützen ist sein Ziel. Und dieses Ziel erreicht er im Drachenland. Kurz darauf macht sich Mythor auf die Suche nach Coerl O'Marn, dem alten Freund und Mitkämpfer. Er folgt dabei der Spur der Albträume. Amazonen von Vanga, die Gorgan erkunden, retten unseren Helden aus höchster Not und geben ihm Gelegenheit, das Land Ameristan zu erreichen, wo Licht und Finsternis ebenfalls im Wettstreit liegen. Der Kampf mit dem 'Hüter des magischen Schatzes' führt schließlich dazu, dass Mythor den Helm der Gerechten wieder in seinen Besitz bringen kann. Und als Träger dieses Helms erlebt der Gorganer die 'Geburt einer Legende' und erreicht die Welt der Minke. Diese Welt wird Raonacum genannt - oder RAUHNACHT ...
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1.
»Er hat Mythor getötet!«, schrie Ilfa auf, riss ihr Schwert aus der Scheide und warf sich auf Ruethan von der Roten See, der ihr geringschätzig den Rücken zuwandte. Doch der Albtraumritter wirbelte ebenso blitzschnell herum, ihre Klingen klirrten hart aufeinander und verhakten sich mit den Parierstangen. Ilfa blickte in ein spöttisch verzerrtes Gesicht und wütend funkelnde Augen. Mit beiden Händen musste sie den Knauf ihres Schwertes umfassen, um Ruethans Kräften Widerstand zu bieten. Offenbar wollte er sie ebenfalls vom dahintrampelnden Yarl stoßen. Wenn sie unter eines der 36 Beine geriet, würde von ihr nicht sehr viel übrigbleiben.
Das Bild, wie Mythor vom Rückenpanzer des gut dreißig Schritt messenden Kolosses stürzte, hatte sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis eingebrannt. Wenn er tot war, verlor das Leben für Ilfa schlagartig jeden Sinn. Mit der ungezähmten Wildheit einer Raubkatze trat sie zu, doch Ruethan wich ihr geschickt aus.
»Niemand soll es wagen, mir die Waffen des Lichtboten abzunehmen«, grollte er und hob mit der Linken den einen Schritt durchmessenden, flach nach innen gewölbten Sonnenschild, der lediglich in der Mitte eine Erhöhung besaß. Ilfa kniff die Augen zusammen. Obwohl der Himmel bewölkt war, schien der Schild das spärliche Licht zu sammeln und um ein Vielfaches verstärkt zu reflektieren.
»Komm schon, Weib«, stieß Ruethan hervor. »In dieser Welt ist nur Platz für ein Geschlecht – für das des Kriegers Gorgan.«
Zwischen ihnen zuckten plötzlich zwei grelle Flammenzungen auf; sowohl Ilfa als auch der Albtraumritter prallten erschrocken zurück. Die Frau fühlte sich von hinten umklammert und zurückgezerrt – vergeblich mühte sie sich, dem Griff zu entrinnen, der ihre Arme eng an den Körper presste.
»Sei vernünftig«, raunte Sadagar ihr zu. »Mythor ist mit dem Mink und dem Helm der Gerechten zumindest vorerst in Sicherheit. Ich sah, dass er nicht in die Reichweite des Yarls geriet.«
Ilfa gab ihren Widerstand auf, woraufhin Sadagars Griff sich lockerte.
Ruethan von der Roten See hatte seine Klinge inzwischen auf Gerrek gerichtet. Aus den Nüstern des Beuteldrachen stiegen kleine Rauchwolken auf. Seine Glubschaugen traten weiter aus ihren Höhlen hervor, während die struppigen Haare des Kinnbarts vor Erregung zu zittern begannen. »Willst du dich wirklich an einer Frau vergreifen?«, brachte er abgehackt hervor.
»Was geht's dich an?« Ruethan machte einen hastigen Schritt auf das Zerrbild eines Drachen zu, seine Klinge schnitt singend durch die Luft, doch Gerrek war auf der Hut. Wieder spie er Feuer; die Flammen umzüngelten Ruethans Waffenhand.
Der Albtraumritter schrie wütend auf. Mit einer Serie blitzschneller Kreuzhiebe trieb er den Beuteldrachen auf den Rand des Yarls zu. Gerrek erhielt keine Gelegenheit, zur Seite hin auszuweichen. Abermals spuckte er Feuer, während die Amazone Ronda, Ilfa und Sadagar erste Anstalten zeigten, einzugreifen.
Ein unverhoffter Ausfall des Albtraumritters war schuld daran, dass die Flammen den Sonnenschild trafen. Bevor Ruethan ihn auf Gerrek richten konnte, wurden sie als grelle, blendende Lichtflut reflektiert, der dreieckige, nach vorne spitz zulaufende Schädel des Yarls war schlagartig in gleißenden Widerschein gehüllt. Das folgende Gebrüll des Tieres war ohrenbetäubend.
Ruckartig warf der Yarl sich herum. Seine achtzehn Beinpaare stampften den Boden und rissen kopfgroße Felsbrocken daraus hervor. Mit einem Mal glich die Oberfläche des Panzers dem schwankenden Deck eines Schiffes in stürmischer See. Verzweifelt versuchte Gerrek, sicheren Halt zu bewahren, doch schon nach wenigen Augenblicken schlug er der Länge nach hin. Langsam, aber unaufhaltsam rutschte er dem Abgrund entgegen. Er nahm nicht wahr, was mit den Gefährten geschah, hatte genug mit sich selbst zu tun. Hornige Zacken ragten aus dem Rückenpanzer des Yarls auf, Gerrek krachte mit Wucht dagegen. Instinktiv grapschte er nach dem festen Halt, während sein Schwanz jäh ins Leere baumelte. Ein flüchtiger Blick nach unten machte ihm nicht gerade Mut, denn da bewegten sich die säulenförmigen Beine des Kolosses wie schwere Rammböcke und zermalmten alles, worüber sie hinwegstampften.
Der Yarl rannte blindlings durch eine unwegsame Felswüste. Mehrfach mannshohe Felszacken zersplitterten wie dünnes Glas unter dem Aufprall seines wuchtigen Körpers, und die Bruchstücke schwirrten Geschossen gleich umher. Es musste ein solcher Splitter sein, der Gerreks linke Schulter streifte und den Arm vorübergehend taub werden ließ.
Rasend schnell näherte sich der Yarl einer geradlinig bis an den Horizont verlaufenden Schlucht, deren jenseitiger Hang steil abfiel. Wie es auf dieser Seite aussah, konnte Gerrek nicht erkennen. Flüchtig spielte er mit dem Gedanken abzuspringen, aber das schroffe Geröll ließ ihn zögern. Wenn er unglücklich aufkam, würde er sich sämtliche Knochen brechen.
Und dann war es zu spät. Unter dem Yarl brach der Boden ein, spaltete sich eine riesige Scholle ab und glitt mit donnerndem Getöse in die Tiefe. Das große Tier geriet ins Schwanken, stürzte langsam auf die Seite, wobei der Rand seines Panzers das Erdreich aufwühlte. Gerrek schaffte es nicht, sich in die Höhe zu ziehen, für die Dauer einiger hastiger Atemzüge baumelte er hilflos zwischen Himmel und Erde und verlor endgültig den Halt, als der Yarl sich brüllend überschlug.
Alles ging so schnell, dass der Beuteldrache sich später kaum mehr an Einzelheiten zu erinnern vermochte. Irgendwie gelang es ihm, sich im Fallen herumzudrehen. Auf allen vieren kam er auf und duckte sich instinktiv, während ein mächtiger Schatten über ihn hinwegzog.
Das Poltern einer abgehenden Gerölllawine und das durch Mark und Bein gehende Brüllen des Yarls verloren sich in der Tiefe. Gerrek stellte fest, dass er auf einem langgestreckten Felsvorsprung lag. Keine fünf Schritt über ihm war die Abbruchkante. Noch bevor er sich aufrichten konnte, durchlief ein jäher Ruck den Fels, der fast eine halbe Mannslänge absackte.
Vorsichtig schob er sich weiter, ergriff einen der armdicken Wurzelstränge, die an vielen Stellen aus der Wand herauswuchsen. Jeden Moment wartete Gerrek darauf, dass der Vorsprung endgültig nachgab und er mit in die Tiefe gerissen wurde. Aber nichts geschah.
Wenig später hatte er wieder sicheren Boden unter den Füßen. Keine fünf Schritt entfernt, zwischen zwei schroffen Felsblöcken, gewahrte er Sternenbogen und Mondköcher. Ruethan von der Roten See musste sie beim Sturz vom Yarl verloren haben. Gerrek erinnerte sich daran, dass Mythor schon vor ALLUMEDDON gelegentlich von den Waffen des Lichtboten gesprochen hatte. Der Bogen bestand aus einem hornartigen Material, die leicht abnehmbare Sehne galt als unzerreißbar. Der aus weichem Leder geformte Griff mit seinen muldenförmigen Vertiefungen mochte wunderbar in der Hand liegen; ein funkelnder Rubin war am oberen Ende als Zielstein eingelassen.
Der Köcher, eine Hand durchmessend und knapp zwei Ellen lang, war aus schwarzem, nahtlosem Leder gefertigt. Eine Vielzahl gefiederter, verschieden farbiger Pfeile ragte daraus hervor. Sobald man versuchte, sie zu zählen, verschwammen sie vor den Augen des Betrachters, und niemand wusste je, wie viele es waren.
Gerrek hatte Sternenbogen und Mondköcher fast erreicht und wähnte sie schon sein eigen, da erschien Ruethan von der anderen Seite her zwischen den Felsen und nahm beide wieder an sich. Er starrte den Beuteldrachen durchdringend an. »Du solltest für Gorgan kämpfen!«, sagte er, bevor er sich umwandte und gemessenen Schrittes davonging.
Aber er kam nicht weit.
Unvermittelt und wie aus dem Nichts heraus, erschien ein Hüne neben ihm. Der Mann hatte schulterlanges, angegrautes Haar, in seinem hart wirkenden Gesicht funkelten kalte, graue Augen. Sein Alter war schwer zu schätzen – er mochte ungefähr fünfzig sein, wirkte jedoch auf unbestimmte Weise zeitlos.
Über seinem Haupt strahlte ein seltsames, unwirkliches Licht; das DRAGOMAE, das Zauberbuch der Weißen Magie.
»Coerl O'Marn«, murmelte Gerrek überrascht. »Der Heerführer der Lichtwelt.«
Ruethan streckte dem Hünen die Waffen des Lichtboten entgegen. »Das ist alles«, sagte er bitter. »Mythor hat dem Krieger Gorgan den Helm der Gerechten gestohlen. Wir müssen ihn finden.«
Was Coerl O'Marn antwortete, konnte Gerrek schon nicht mehr verstehen, denn durch die Kraft des DRAGOMAE verschwanden beide von einem Augenblick zum anderen.
*
»Gorgan«, murmelte der Beuteldrache. Und dann noch einmal: »Gorgan.« Benommen taumelte er vorwärts, zwängte sich durch den engen Einschnitt zwischen den Felsblöcken. Jäh zuckte er zusammen, als Sadagar vor ihm aus dem Nichts auftauchte.
»Sie sind weg«, sprach Gerrek aus, was ihm gerade in den Sinn kam. Er musste einfach etwas sagen, irgendetwas, um das Gefühl der inneren Anspannung, das ihn erfüllte, zu übergehen. Er konnte sich selbst nicht erklären, wodurch es ausgelöst wurde. Vielleicht, weil er den Waffen des Lichtboten so nahe gewesen war und doch nicht zugegriffen hatte? Dabei benötigte Mythor für seinen Kampf gegen die Mächte der Finsternis Bogen und Köcher dringender als der Krieger Gorgan.
»Ich habe Coerl O'Marn auch gesehen«, nickte Sadagar. Ein einziger Schritt zur Seite ließ ihn erneut unsichtbar werden.
»He«, rief Gerrek entgeistert aus. »Wo steckst du?«
»Was soll der Unsinn?«, erklang die nicht minder überraschte Gegenfrage.
Die Stimme kam von unmittelbar vor ihm – doch da war nichts als die nackte Felswand.
»Fang jetzt bloß nicht an, Feuer zu spucken!«, warnte Sadagar.
Blitzschnell...




