E-Book, Deutsch, Band 149, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Haensel Mythor 149: Der Herr des Chaos
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9901-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 149, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9901-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Die Entscheidungsschlacht zwischen den Heeren des Lichts und der Finsternis wurde abgebrochen. Der Lichtbote griff ein und verhinderte den Sieg der Dunkelmächte, indem er durch sein Erscheinen Vangor ins absolute Chaos stürzte und die Kräfte beider Seiten zersplitterte. Viele starben bei den Katastrophen, die das Gesicht der Welt veränderten. Doch Mythor, der Sohn des Kometen, rettet sich hinüber in den Morgen einer neuen Zeit. Mythor hat einen Auftrag zu erfüllen. Denn bevor der Lichtbote Vangor verließ und zu anderen Welten weiterzog, forderte er den Sohn des Kometen auf, Ordnung in das herrschende Chaos zu bringen, Inseln des Lichts zu gründen und den Kampf gegen das Böse wiederaufzunehmen. Aber als Mythor in der veränderten Welt erwacht, ist er seiner Erinnerung beraubt. An der Seite der jungen Ilfa, die ihn aus der Gefangenschaft einer Hexe befreite, findet sich unser Held unversehens in einen Strudel gefahrvoller Abenteuer hineingezogen. Im Bestreben, seine Erinnerung zurückzugewinnen, schlägt Mythor den Weg eines Lichtkämpfers ein. Er wagt sich sogar nach Thauburg, der Residenz des allerseits gefürchteten Kalaun. Denn Kalaun ist DER HERR DES CHAOS ...
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2.
Zitternd vor Kälte verharrten sie eine Weile eng an den Felsen gepresst.
»Wir müssen weiter«, bestimmte Torcay schließlich. »Wenn der Ritter mit seinem Pferd hierher gelangte, gibt es auch für uns einen Ausweg.«
Der Boden war sandig. Vereinzelt wuchernde Leuchtmoose ließen die Finsternis nicht mehr ganz so undurchsichtig erscheinen. Hufabdrücke verrieten, dass der Reiter oft ans Ufer des Sees kam – vielleicht, um sein Tier zu tränken.
Sie folgten den Spuren und gelangten in einen sich mehrfach verzweigenden Stollen. Feuchtigkeit schlug sich überall nieder, an den Wänden wucherten Algen und Moose. Einige eidechsenähnliche Tiere huschten flink über den Boden.
Kristalladern durchzogen den Fels. Etliche waren von der Art, die großen Reichtum und Ansehen verspricht. Einen Ruf der Verzückung ausstoßend, hob Torcay sein Schwert, um einige Steine herauszubrechen, aber Mythor hielt ihn zurück. Der Fährtensucher wollte aufbegehren, doch Mythor deutete stumm auf das halb vermoderte Skelett, das nur wenige Schritte entfernt in verkrümmter Haltung an der Wand kauerte. Die Knochenfinger hielten den Knauf eines Langschwerts umklammert, als wollten sie jeden Moment zuschlagen.
»Na und?«, machte Torcay unwillig. »Der Krieger ist vor Jahrzehnten gestorben.«
»Willst du sein Schicksal teilen?«
»Unsinn. Hier wartet mehr Reichtum auf mich, als ich von Kalaun je für dich bekommen werde.« Torcays ohnehin starke Backenknochen zeichneten sich noch deutlicher unter seiner blauschwarzen Haut ab. Die tiefliegenden Augen schienen Mythor förmlich durchbohren zu wollen. Er war ein Abenteurer, der hoffte, eines Tages zu großem Reichtum zu gelangen. Jede Freundschaft musste zwangsläufig an diesem Punkt enden.
»Sieh genau hin, bevor du dein Leben wegwirfst!« Mythor deutete auf das Skelett, dessen eine Hand das Schwert hielt, dessen andere aber einen großen Kristall umkrampfte.
Torcay ließ seine zum Schlag erhobene Klinge sinken.
»Du hast recht«, ächzte er. »Ich bin ein Narr. Wenn ein Fluch auf diesen Steinen liegt, muss ich ebenfalls sterben.« Ohne einen weiteren Blick an die funkelnden Adern zu vergeuden, wandte er sich ab.
Der Weg stieg merklich an, und allmählich wich die bislang herrschende Nässe. Endlich trockneten die noch immer klammen Kleider am Körper.
Mythors knurrender Magen machte ihm bewusst, wie lange sie schon durch das Höhlensystem liefen, ohne einen Ausweg gefunden zu haben. Vielleicht würden sie Tage brauchen, den richtigen Weg zu entdecken. Die herrschende Düsternis war nicht gerade dazu angetan, Hoffnungen zu wecken.
»Wir haben uns eine Rast verdient«, sagte Torcay. Aber als er sich in die Hocke sinken ließ, erklang leiser Hufschlag.
»Das kam von da.« Mythor deutete in einen engen Seitengang, der sich schon nach wenigen Schritten in drohender Schwärze verlor.
Im Nu war Torcay wieder auf den Beinen. Gemeinsam hetzten sie den Stollen entlang. Ein goldener Schimmer nicht weit voraus lockte sie.
Der Stollen weitete sich.
Vornübergebeugt saß der Ritter auf seinem Pferd und schien zu warten. Dumpf klang sein Lachen unter dem geschlossenen Visier hervor.
Die Rüstung erinnerte Mythor unwillkürlich an die Brünne der Unverwundbarkeit.
»Bist du ein Aegyr?«, hörte er sich fragen.
Der Goldene tätschelte den Hals des Rappen, der sich daraufhin langsam in Bewegung setzte. Aber bevor er Mythor und Torcay erreichte, begannen seine Umrisse zu verschwinden. Nur sein heiseres Lachen brach sich noch zwischen den Felsen.
»Ein Geist«, stieß Torcay wütend hervor. »Wir sind einem Trugbild gefolgt.«
»... Trugbild gefolgt ... gefolgt ... gefolgt ...«, hallte es von allen Seiten zurück. Die Höhle, in der sie sich befanden, musste eine beachtliche Ausdehnung besitzen. Wenn der Klang nicht täuschte, standen sie auf einem Felsband, das sich etwa in halber Höhe hinzog.
»Was hast du vor?«, fragte Mythor verwundert, als Torcay seine lederne Jacke abstreifte.
»Ich will endlich wissen, wo wir sind. Wozu trage ich stets zwei Feuersteine bei mir?«
Ein winziger Funke zuckte auf – und erlosch wieder.
Dann noch einmal. Der Fährtensucher schlug die Steine heftiger gegeneinander. Er stieß ellenlange Verwünschungen aus.
Endlich wurde ein kleines, zuckendes Flämmchen geboren, das in dem ledernen Wams aber nur zögernd Nahrung fand. Sein zuckender Schein huschte über eine kahle Felswand und ließ eine Reihe eiserner Halterungen erkennen, die in regelmäßigen Abständen eingeschlagen waren. In zwei von ihnen steckten halb abgebrannte Fackeln.
Ehe Torcays Jacke gänzlich verbrannt war, entzündete Mythor die beiden pechgetränkten Hölzer.
Das Felsband war kaum zehn Schritt breit und verjüngte sich nach den Seiten hin zunehmend. Das Licht der Fackeln reichte nicht aus, die Höhlendecke erkennen zu lassen. Dafür entdeckte Mythor etwas anderes. In schmalen Nischen ruhten die sterblichen Überreste gerüsteter Krieger. Viele von ihnen waren nur noch Skelette, die durch Stoffe oder Kettenhemden zusammengehalten wurden, bei anderen spannte sich fleckige Haut über die Gesichtsknochen.
Torcays gellender Warnruf ließ Mythor herumfahren. Nur um Haaresbreite entging er der tödlichen, von einer Knochenhand geführten Klinge.
Es waren gut ein Dutzend Untoter, die wie auf ein geheimes Kommando hin antraten. Mythor schwang seine Fackel gegen sie, doch konnte er damit nichts ausrichten.
»Torcay, mein Schwert!«, rief er.
»Mein Schwert ... Schwert ... Schwert ...«, schien das Echo zu spotten.
Die Angreifer zwängten sich zwischen ihn und den Fährtensucher. Ihre Absicht war unverkennbar; sie wollten die beiden Menschen über das Felsband in die Tiefe stürzen.
Mit Schwert und Fackel zugleich stieß Torcay zu, fintierte, griff an, wurde aber mehr und mehr in die Verteidigung gedrängt. Seine wuchtigen Hiebe zeigten kaum Wirkung.
Auch Mythor verlor einen Fußbreit Boden nach dem anderen. Wenigstens gelang es ihm, den Angreifern die Waffen zu entreißen, indem er seine Kette über dem Kopf schwang und mit Wucht auf die Untoten herabsausen ließ. Schon war er dem Abgrund bedrohlich nahe. Sich nach einem Schwert bückend, warf er die hinderliche Fackel zur Seite.
Die Angreifer zeigten sich verwirrt. Als Mythor dann die Klinge mit beiden Händen führte, wichen sie sogar vor ihm zurück.
Torcay begriff. In hohem Bogen schleuderte er seine Fackel in die Finsternis, wo sie aufglutend verschwand. Wenige Augenblicke später war der Kampf entschieden. Die geschlagenen Skelette zerfielen zu Staub, der rasch in den Unebenheiten des Felsbodens verschwand. Nur ihre Waffen blieben zurück – schartige Klingen. Auch das Schwert in Mythors Hand, eben noch scharf geschliffen, wurde stumpf und unbrauchbar.
Torcays schwarzes Gesicht war schweißüberströmt und glänzte wie polierter Stein. Der Anblick weckte das dumpfe Gefühl des Unbehagens. Mythor taumelte. Ihm war, als wolle ein rasender Wirbel ihn mit sich reißen.
Er stöhnte leise. Dass der Fährtensucher auf ihn einredete, nahm er kaum bewusst wahr.
Da war die Spur einer Erinnerung: Ein düsteres, vierarmiges Wesen, wie aus Stein gehauen ... Bevor Mythor sie in Worte kleiden konnte, entzog sie sich seinem Zugriff. Zurück blieb ein stechender Schmerz in der Brustgegend.
Blicklos starrte er in die Tiefe hinab, wo Torcays Fackel dem Erlöschen nahe war. Ihr flackernder Schein ließ Hunderte mannshoher, spitzer Felssäulen erkennen. Wer hinunterstürzte, war rettungslos verloren.
Mythor wirbelte herum und riss die Kette zum Schlag hoch. Torcay erstarrte, als er das verzerrte Gesicht sah.
»Was ... ist mit dir?«
Ein Zittern durchlief Mythors Körper. Er wollte etwas sagen, doch kein Laut drang über seine Lippen. Erst nach einer geraumen Weile entspannten sich seine Züge.
»Ich fühle mich nicht wohl«, gestand er. »Manchmal ist mir, als wäre ich nur ein halber Mensch.«
*
Zarter Gesang erfüllte plötzlich die Höhle, untermalt vom Klang vielfältiger Musikinstrumente. Im ersten Moment, als sie sich umwandten, glaubten Mythor und Torcay, ihren Augen nicht mehr trauen zu dürfen.
Doch was sie sahen, war Wirklichkeit geworden.
Die Höhle war zum Festsaal geworden – wo eben noch schroffe Felsen aufragten, reihten sich nun schwere hölzerne Tische aneinander, überfüllt von Speisen und Getränken. Eine buntgekleidete Menge drängte sich auf den Bänken. Öllampen verbreiteten einen angenehmen Schein, und der Geruch abgebrannter Räucherkerzen vermischte sich mit dem Dunst herben Weines in tönernen Krügen.
»Ich träume!«, stieß Torcay hervor.
Die uralten Waffen auf dem Boden waren verschwunden. Aus dem schmalen Felsband war eine umlaufende Galerie geworden, von der aus mehrere Wendeltreppen in den Saal hinabführten. Ein faszinierendes Schlachtengemälde zierte den Boden – ein Mosaik, wie es an Schönheit kaum seinesgleichen finden konnte.
Auch hier oben brannten Öllampen. Zwischen ihnen verdeckten schwere Stoffe Nischen in der Wand.
Mythor verständigte sich mit Torcay durch einen flüchtigen Blick. Gemeinsam traten sie vor einen der Vorhänge hin, und während der Fährtensucher sein Schwert zog, riss Mythor den Stoff mit einem heftigen Ruck zur Seite.
Die Nische barg lediglich einen kleinen Tisch und eine Bank. Sie maß etwa drei Schritte im Geviert.
Enttäuscht und überrascht zugleich, wandte Torcay sich dem nächsten Vorhang zu. Auch hier dasselbe.
»Aber ich bitte Euch«, erklang es hinter ihnen. »Wozu das Schwert?« Ein Hofdiener verbeugte sich galant....




