Haderer | Seht ihr es nicht? | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Haderer Seht ihr es nicht?

Kriminalroman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7099-3951-2
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-7099-3951-2
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Du siehst es nicht. Und trotzdem kann es dir gefährlich werden ... Philomena Schimmer kämpft gegen eine unsichtbare Bedrohung. Eine Frau tot, ihre Tochter verschwunden - und nicht nur das Motiv scheint unsichtbar zu sein Als Helena Sartori, deren Eltern und ihr Sohn tot aufgefunden werden, wird Philomena Schimmer hinzugezogen: Die jugendliche Tochter Sartoris, Karina, ist spurlos verschwunden - und Schimmer soll sie suchen. Helena Sartori war leidenschaftliche Wissenschaftlerin, wollte die Welt verändern mit ihrer Forschung an Nanobots. Und dann plötzlich hat sie sich - einige Zeit vor ihrer Ermordung - völlig zurückgezogen, in die wlanfreie Einöde. Was ist passiert? Ist ihr die Arbeit an den mikroskopisch kleinen, mit freiem Auge nicht sichtbaren Robotern entglitten - und hat das Sartori und ihre Familie in den Abgrund gestürzt? Ist Karina am Leben? Hat man sie entführt oder ist sie selbst geflohen? Quälende Fragen für Philomena Schimmer, der es immer schwerer fällt, die professionelle Distanz zu wahren, je länger von Karina jede Spur fehlt. Und dann klopft plötzlich ein alter Fall an Schimmers Tür, eine junge Frau aus Schimmers Vergangenheit, die sie damals nicht retten konnte ... Eine Ermittlerin, die so echt ist wie das Leben? Meet Philomena Schimmer! Philomena liebt ihre beiden Schwestern, die ihr aber zuweilen auch ganz schön auf die Nerven gehen - vor allem der Nachwuchs. Sie hassliebt ihren Exfreund, von dem sie sich nicht lösen kann, obwohl er längst eine Neue hat. Sie hat Ideale, die sie auch verkündet, selbst wenn sie dafür zur Spraydose greifen muss. Als Polizistin sieht sie Dinge, die sonst niemand sieht: Sie sucht vermisste Personen und entdeckt selbst kleinste Hinweise und unscheinbarste Spuren. Und: Philomena sieht Menschen, die sonst niemand wahrnimmt: Seit einer traumatischen Erfahrung schickt Philomenas Unterbewusstsein ihr regelmäßig mysteriöse 'Besucher'. Dort, wo du nichts erkennen kannst, lauert die Gefahr Georg Haderers 'Kriminalromane gehören zu den besten, die es für Geld zu kaufen gibt', sagt Elmar Krekeler in der 'Welt'. 'Was denkt sich der Bub bloß immer aus', fragt sich hingegen Mama Haderer. Wie man es auch dreht und wendet: Georg Haderers Roman wird dich in seinen Bann ziehen. Er führt dich hinters Licht, dorthin, wo eine dunkle Bedrohung lauert. Er konfrontiert dich mit deiner ältesten Angst: der vor der Dunkelheit, davor, nichts zu sehen, aber die Gefahr so deutlich zu spüren, dass sich alle Härchen aufstellen. Er bringt dich aber auch zum Lachen, wenn die Spannung unerträglich ist. Haderer lässt dich mit Philomena Schimmer spüren, zittern, fiebern. Und er stößt dich vor den Kopf- immer dann, wenn du denkst, auf der richtigen Fährte zu sein ...

Georg Haderer, geboren 1973 in Tirol, lebt heute in Wien. Nach einer Schuhmacherlehre blieb er nicht bei seinen Leisten, sondern ging in die Werbebranche und von dort weiter ins Lehramt. Mit fünfzehn war seine Liebe zur Literatur bereits so groß, dass er sein erstes Bücherregal (Fichte) baute, um über 500 Bücher unterzubringen. Heute gesellen sich dazu seine eigenen Kriminalromane: Bei Haymon ließ er Major Schäfer bereits in sechs Fällen ermitteln, jetzt wendet er sich einer Ermittlerin zu, die weniger trinkt, aber ebenso speziell ist: Philomena Schimmer.
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1


Was die Schlagzeilen über die Ereignisse jener Nacht vom 23. auf den 24. August 2019 betraf, war eine auffällige Vielfalt in der Wortwahl und den daraus folgenden Bedeutungen zu bemerken. So berichteten etwa aus Deutschland der Stern, die Hamburger Morgenpost oder die Frankfurter Allgemeine von einem Drama beziehungsweise einer Familientragödie – auch seriöse Schweizer Zeitungen tendierten zur Version eines schicksalhaften Unglücks –, während in Österreich auf fast allen Kanälen von einem Verbrechen die Rede war. Hier wiederum war bemerkenswert, dass die überregionalen Zeitungen und Fernsehsender zurückhaltend berichteten, Begriffe wie Mehrfachmord oder Gewaltverbrechen verwendeten, doch je näher die Medien dem Ort des Geschehens waren, desto erzürnter, wüster und auch spekulativer wurden die Berichte. Blutbad, Blutrausch, brutaler Raubmord mit oder gleich ohne Fragezeichen, Massaker, ausgelöscht und regelrecht hingerichtet, so die Titelseiten des ostösterreichischen Boulevards und der Gratiszeitungen. Woher diese Verschiedenheit? Waren den Redaktionen jeweils andere Fakten zur Verfügung gestellt worden? Wollten sie gewisse Schlussfolgerungen auf Seiten der Konsumenten nicht zulassen? Oder glaubten sie gar, durch die verwendeten Begriffe die Wahrheit im Nachhinein beeinflussen zu können? Die ganze Wahrheit. Die es irgendwo doch geben musste. Wenngleich sie zu jenem Zeitpunkt wohl nur dem Täter bekannt war. Natürlich müsste hier hinter einem Querstrich auch die potenzielle Täterin Erwähnung finden, besser noch sollte es die Täter*innen heißen, hier galt es, die kriminaltechnischen und forensischen Untersuchungen abzuwarten, wie der Pressesprecher der Landespolizeidirektion in Graz verlautete, gefasst und sachlich. Ganz anders der mit den Tränen ringende Bürgermeister von Unterlengbach, der von einer so schrecklichen wie unverständlichen Tat sprach, einer unfassbaren Tragödie, eine Gemeinde unter Schock, ein Großaufgebot an Polizisten, Forensikern, Kriseninterventionsteams, Suchtrupps samt Hundestaffeln in den Wäldern, um nach dem abgängigen Mädchen zu suchen, der einzigen Hoffnung auf eine Überlebende des Massakers; wo mochte sie sein, die elfjährige Tochter, deren Bild mittlerweile das ganze Land kannte? Tot, verschleppt, in Panik geflohen oder vielleicht gar als Täterin auf der Flucht? Die Antwort hing wiederum von den Medien und der Wortwahl ab. Die Polizei hielt sich auch hier bedeckt, ersuchte um Zurückhaltung bei Spekulationen, was freilich in den Internetforen niemanden kümmerte. Und wiewohl – hoppla, woher war denn dieses schöne alte Wort plötzlich in ihr Gehirn gestolpert? – und auch wenn sich Philomena Schimmer also beim Aufklappen ihres Laptops geschworen hatte, nicht in diese virtuellen Verschwörungsnester und Geifergruben hinabzusteigen: Lass dich nicht schon wieder verwirren, verstören, erzürnen von diesem Dreck! Lass es, lass es, hier gibt es nichts zu finden, schon gar keine neuen Spuren, auf die der polizeiliche Überwachungsalgorithmus nicht längst vor dir aufmerksam geworden wäre! Lass dich nicht hinabziehen in diese Niedertracht! Wo selbst das vordergründige Mitgefühl voll Selbstmitleid und Zum-Glück-nicht-ich-Erleichterung steckte, lies das nicht! Zu spät. Ah, hier, eh klar, trueblood84, diese miese Kreatur, wollte alles darauf wetten, dass es Touristen vom Balkan oder andere Kültürbereicherer gewesen wären, Albaner, Afghanen, Araber, das Triple-A der österreichischen Willkommenskultur, bemühte sich fettwiegarfield um seine Likes. Philomena! Lass es. Das belastet dich während der Arbeit oft genug, hüfttief im stinkenden Schleim des kranken Volksempfindens zu stehen! So pathetisch äußerte Schimmer sich zumindest am folgenden Tag ihrer jüngeren Schwester Thalia gegenüber. Und deren Antwort: Schön gesagt, aber selber schuld, wieso setzt du dich dem aus? Gestern wäre erstens Das Sommerhaus der Stars und parallel dazu eine Wiederholung der Vorstadtweiber gelaufen.

„Ich versteh nicht, wieso du dir so was anschaust“, sagte Philomena Schimmer kopfschüttelnd, „ich meine, du hast Psychologie und Philosophie studiert, und dann gibst du dir diesen verlogenen, pseudoemanzipatorischen Mist, das ist Jennifer-Aniston-Feminismus, Beauvoir und Butler drehen sich im Grab um.“

„Judith Butler“, jetzt verdrehte Thalia die Augen, „erstens lebt die noch, soweit ich weiß, und zweitens ist mir dieses ganze verkopfte Gendergetue … Als ob man irgendwelche Ungerechtigkeiten automatisch beseitigte, wenn man das Wort dafür ändert … Reicht doch, wenn ich mich traue, Maurern mit ihren sexistischen Sprüchen den Mittelfinger zu zeigen, letztens hat mir einer kleine Ficksau zugeraunzt … Danke übrigens für den Pfefferspray.“

„Gerne, Rechnung geht ans Innenministerium … Maurer hat mich, glaub ich, seit zehn Jahren keiner mehr schwach angemacht.“

„Du hast eben diese … natürliche Autorität, von der sich solche Primitivlinge einschüchtern lassen.“

„Hm“, machte die ältere Schwester und überlegte, ob hinter dieser Aussage ein Kompliment oder ein Besänftigungsversuch steckte. Ach, dieser alte Stachel schon wieder: Ja, Thalia sah besser aus, daran ließ sich ohne völlige Missachtung der gängigen Schönheitsideale nicht rütteln, und auch wenn Philomenas pubertärer, zorniger Frust längst einem meist gleichmütigen Hinnehmen gewichen war, spürte sie doch ab und zu diesen Stich, aua, hätte sie doch auch gerne diese anrührende Zierlichkeit gehabt, diese Figur, dieses perfekt proportionierte Gesicht, diese reine Haut, lass es, Philli, du hast auch deine Reize, hatte ein Ex sie einst zu trösten versucht, worauf sie ihm am liebsten das Ohr abgerissen hätte.

„Ich mach mir noch einen Tee … Magst du noch einen?“, sie deutete mit dem Kinn auf das leere Weinglas ihrer Schwester.

„Sicher … Bist du total abstinent?“

„Ja“, ohne weitere Erklärung stand Schimmer auf und machte die paar Schritte zur Küchenzeile, öffnete den Kühlschrank, füllte das Glas ihrer Schwester randvoll mit dem Rest des Sauvignon, schaltete den Wasserkocher ein und ließ ihn knarzend sein Werk verrichten. Ihr Blick verlor sich in der Krone des mächtigen Kastanienbaums vor ihrem Fenster. War das normal, dass die Blätter jetzt schon diese herbstlichen Altersflecken hatten? Na ja, kein Wunder bei der Hitze, wer weiß, wie lange die das überhaupt noch überlebten in der Stadt, wie lange der Wienerwald dieses Klima noch aushielt, bevor … Ich kapier’s nicht, nachdem er, jetzt sag ich auch schon er, nachdem er/sie die Frau und ihren Vater erschossen hat/haben – was ja noch als vernunftbasierte Entscheidung gesehen werden kann, weil die beiden erstens die kräftigsten der Opfer und zweitens noch wach gewesen sind –, geht er ins Zimmer der Mutter, einer 72-jährigen, pflegebedürftigen Frau, wozu die töten?, wo von ihr keinerlei Gegenwehr ausgegangen wäre, verdammte Scheiße, dann das Kind, im Schlaf, hätte doch gereicht, sie zu fesseln und zu knebeln, meinetwegen bewusstlos schlagen, dann in aller Ruhe den Tresor ausräumen, die Wertsachen einsammeln, keine Alarmanlage, keine Nachbarn weit und breit, was ist das für eine Logik? Und warum schlugen diese Gedanken und Bilder plötzlich wieder auf sie ein wie Splitter eines verglühenden Meteoriten?

„Philli … Philli!“

„Ja, was?“

„Was das für eine Musik ist, wollte ich wissen … In welchem Paralleluniversum warst du denn eben?“

„Pff, diese Geschichte in Unterlengbach eben.“

„Damit hast du eh nichts zu tun, oder? Offiziell meine ich.“

„Nein … aber Michi, er hat es mir erzählt und …“

„Ihr trefft euch noch?“, sagte Thalia süffisant.

„Sporadisch.“

„Soso, und …“

„Lass es … Bach.“

„Was Bach?“

„Die Musik … Es sind die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach.“

„In einer Einspielung von Andrè, Ivan, Glenn Soundso aus dem Jahre sowieso“, machte Thalia ihren kulturbesessenen Vater nach, „ah!, jetzt weiß ich, woher ich das kenne: Das hört doch Hannibal Lecter in der Szene, wo er in diesem riesigen Käfig ist, oder? Wo dann die beiden Wachen mit dem Essen hereinkommen: Bereit, Doktor Lecter?“, imitierte Thalia nun den Polizisten, dem bald mit dem eigenen Schlagstock das Gehirn zermatscht werden würde.

„Bereit, wenn Sie es sind, Sergeant Pembry“, ergänzte ihre Schwester den Dialog. „Apropos: Was machen denn deine Psychos … Wie geht’s dem Mädel mit dem Dings, die sich dauernd … in was gleich, in eine Computerstimme verliebt hat?“

„Sag nicht Psychos, ganz im Ernst … die Sophie, ja“, Thalia verlor sich kurz in einer geschlossenen Gedankenblase, „ist dir eigentlich an der Plakatwand hinter den Containern unten diese Autowerbung aufgefallen, die von Toyota?“

„Kann sein, aber aufgefallen im Sinne von erinnerungswürdig sicher nicht, warum?“

„Da ist so ein … ein Familienvan drauf, hinter dem die typische, glückliche Werbefamilie steht, weiß, Mitte dreißig, zwei Kinder, Bub und Mädel, alle grinsen wie unter Drogen und darüber steht: Willkommen in der Zukunft.“

„Viel einfallsloser geht’s kaum noch“, meinte Philomena, „dass dir das überhaupt auffällt.“

„Was daran besonders sein soll, ist mir eh erst...


Georg Haderer, geboren 1973 in Tirol, lebt heute in Wien. Nach einer Schuhmacherlehre blieb er nicht bei seinen Leisten, sondern ging in die Werbebranche und von dort weiter ins Lehramt. Mit fünfzehn war seine Liebe zur Literatur bereits so groß, dass er sein erstes Bücherregal (Fichte) baute, um über 500 Bücher unterzubringen. Heute gesellen sich dazu seine eigenen Kriminalromane: Bei Haymon ließ er Major Schäfer bereits in sechs Fällen ermitteln, jetzt wendet er sich einer Ermittlerin zu, die weniger trinkt, aber ebenso speziell ist: Philomena Schimmer.



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