E-Book, Deutsch, 359 Seiten
Hackett Pete Hackett - Drei Western, Sammelband 6
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7368-3985-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
...und dann gnade dir Gott/ Tot oder lebendig/ Ihr Begleiter war der Tod
E-Book, Deutsch, 359 Seiten
ISBN: 978-3-7368-3985-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das Ebook enthält drei Western ...und dann gnade dir Gott Tot oder lebendig Ihr Begleiter war der Tod Drei Western von Deutschlands Top-Western-Autor Pete Hackett. Archaisch, bleihaltig, authentisch. Selten istes gelungen, den amerikanischen Westen der Pionierzeit so hart zu schildern, wie er wirklich war. Pete Hackett hat viele der Schauplätze, an denen seine Romane spielen selbst bereist und für seine Romane recherchiert. Das merkt man seinen Erzählungen an. Ein CassiopeiaPress E-Book Cover: Steve Mayer
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Die Stimme war schwächer und schwächer geworden. Und es war fast nur noch unverständliches Gemurmel, das über O’Neils Lippen drang, als er weitersprach. „Halt dich nicht auf mit mir, Howard. Mir kann keine Macht der Welt mehr helfen. Schnapp dir diese Schufte. Du darfst keine Rücksicht darauf nehmen, dass dein Sohn dabei ist. Es sind menschliche Bestien.“ Ein Keuchton brach aus dem Mund des Marshals. „Sie fliehen blindlings zu ihrem Schlupfwinkel. Wenn du jetzt clever bist, dann ...“ Der Tod ließ ihn nicht zu Ende sprechen. Er nahm ihm die weiteren Worte von den Lippen. Langsam kippte der Staatenreiter zur Seite. Seine Lider sanken über die starren, glasigen Augen. Flint richtete sich auf. Er bewegte sich wie im Trance. Die Worte des Staatenreiters echoten durch seinen Verstand. ‚Es war dein Sohn: Leichen pflastern seinen Weg ...‘ „Nein“, murmelte Flint, und das Wort tropfte wie ein Bleiklumpen von seinen Lippen. „Wenn er den Blonden meinte - dann handelt es sich nicht um Douglas. Das war nicht mein Junge!“ Er war sich dessen plötzlich ganz sicher. Flint hatte es plötzlich sehr eilig. Um die Toten würde man sich später kümmern müssen. Er konnte sich jetzt nicht damit aufhalten, sie zu beerdigen. Er lief zu seinem Pferd und saß auf. Und dann suchte er die Spur der geflohenen Banditen. Er nahm sie auf und folgte ihr. Die Kerle hatten sich nicht die Zeit genommen, sie zu verwischen. Und so kostete es Flint keine allzugroße Mühe, auf ihrer Fährte zu bleiben. Seine Augen waren in ständiger Bewegung, nahmen die Umgebung auf, sein wettergegerbtes Gesicht wirkte scharf, konzentriert und ausgesprochen lebendig, scharfäugig spähte er in die Runde. Flint rechnete mit einer unliebsamen Überraschung. Er war ein Bündel gespannter Aufmerksamkeit, hatte jeden seiner Sinne aktiviert und war bereit, sich beim geringsten Anzeichen einer Gefahr aus dem Sattel zu werfen. Seine Rechte umklammerte den Kolbenhals der Henry Rifle. Mit der Linken hielt er die Zügel kurz. Und er stellte sich Fragen - eine Reihe von Fragen - Fragen, auf die er im Moment noch keine Antwort erhielt, an deren Ende aber wahrscheinlich eine Reihe von Särgen stehen würden.
*
Das Glück war Douglas und Lana an diesem Tag nicht so hold. Der Verwundete, der Douglas‘ Platz an der Wand einnahm, röchelte und wimmerte. Der Knebel verhinderte, dass er die Banditen draußen alarmierte. Douglas hatte die Wunde des Burschen notdürftig versorgt. Es war keine besonders gefährliche Verletzung, allerdings mochte sie ziemlich schmerzhaft sein. Unablässig beobachtete Douglas das Camp durch einen Türspalt. Die Hitze lähmte die Banditen und ihre Gespielinnen. Es war still. Nicht einmal die Pferde im Corral machten eine Bewegung zuviel. Die Sonne stand hoch im Zenit. Jeden Moment musste Lana mit dem Mittagessen auftauchen. Und dann erschien Lana auch in seinem Sichtkreis. Allerdings folgte ihr ein Mann mit einem Gewehr. Einen Sekundenbruchteil lang drohte das Blut in Douglas‘ Adern zu stocken, dann aber reifte in ihm eine Idee. Es war ein Gedanke, der in sein Bewusstsein einschlug wie ein Blitzstrahl. Douglas nahm den Colt zur Hand und baute sich neben der Tür auf, so, dass er vom Türblatt gedeckt wurde, wenn es aufschwang. Draußen erklangen Schritte. Dann wurde die Tür aufgestoßen. Lana betrat die Hütte. Ihre Gestalt verdeckte den röchelnden Banditen am Boden vor dem Blick des Burschen, der ihr folgte. Douglas hob die Hand mit dem Colt zum Schlag. Lana zeigte sich kaltblütig und handelte mit verstandesmäßiger Sachlichkeit. Sie ging mit dem Tablett auf den am Boden Liegenden zu. Und jetzt befand sich auch der Bandit im Hütteninnern. Douglas drückte die Tür zu und ließ seine Faust mit dem Schießeisen auf den Kopf des Burschen heruntersausen. Ohne einen Ton von sich zu geben sackte der Outlaw zusammen. Sein Hut rollte ein Stück durch den Raum und blieb dann liegen. Douglas fing den schlaffen Körper auf und ließ ihn zu Boden gleiten. Schnell stellte Lana das Tablett auf dem Tisch ab. „Es war, als hätte er irgendeinen Verdacht geschöpft“, erklärte sie. „Ich weiß es nicht. Vielleicht war ich etwas nervöser als sonst. Was ...“ Sie schwieg verdutzt, als sich Douglas daranmachte, dem bewusstlosen Banditen die Stiefel auszuziehen. „Wir warten nicht bis die Nacht da ist“, gab Douglas zu verstehen. „Ich werde mir die Kleidung des Burschen anziehen und dann verlassen wir zusammen die Hütte. Das ganze Gesindel hier liegt irgendwo faul in den Schatten herum und döst. Man wird mich für ihn halten. Es wird kaum auffallen, wenn wir uns nach Südwesten in die Felswildnis schlagen. Hast du deinen Colt noch?“ „Ja.“ „Gut, beobachte das Lager, während ich mich umziehe.“ „Beeile dich. Ich kann es kaum erwarten, von hier zu verschwinden. Wenn uns nur nicht etwas Unerwartetes einen dicken Strich durch die Rechnung macht.“ „Notfalls schießen wir uns den Weg frei.“ „Gegen ein halbes Dutzend heiße Eisen sind wir so gut wie chancenlos“, gab Lana zu bedenken. Darauf antwortete Douglas nichts. Er wollte ihr keine falschen Hoffnungen machen. Auf sie wartete vielleicht die Hölle. Fünf Minuten später hatte sich Douglas Hemd und Hose des Banditen angezogen. Der Bursche begann sich zu regen. Douglas versetzte ihm einen zweiten Schlag, der ihn wieder schlafen legte, dann stülpte er sich den Hut des Mannes auf den Kopf und legte sich den Revolvergurt um. Er holsterte den Colt und griff nach dem Gewehr. „Okay, Lana. Bist du bereit?“ Es konnte ins Auge gehen. Beide wussten sie das. Aber sie mussten das Risiko eingehen. Lana nickte. Sie trat vor ihn hin. „Küss mich noch einmal“, murmelte sie, und ihre Stimme klang belegt, fast heiser. Er zerrte sie leidenschaftlich an sich. Ihre Lippen fanden sich zu einem nicht enden wollenden Kuss. Dann aber kehrten sie in die raue Realität zurück. Sie lösten sich voneinander, Lana ging zur Tür und öffnete sie. Von den Banditen oder den Frauen war nichts zu sehen. Aus einem der Zelte am Bach war geziertes Kichern zu vernehmen. Einen Moment dachte Douglas daran, einfach zwei Pferde zu holen, er verwarf diesen Gedanken aber sofort wieder, denn diese Absicht war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Sie verließen die Hütte. Fünfzig Yards weiter buckelten schon die ersten Felsen. Ohne besondere Hast schritten sie in diese Richtung. Lana ging so, dass sie Douglas gegen mögliche Blicke aus dem Lager einigermaßen abschirmte. Ungeschoren erreichten sie die ersten Felsen. Sie liefen zwischen sie. Doch da ertönte im Camp wildes Geschrei. „Lauf weiter!“, presste Douglas zwischen den Zähnen hervor. Er drängte sich hart an den Felsen und beobachtete das Lager. Der Bursche, den er niedergeschlagen hatte, rannte in Unterhosen und Socken quer über den Platz. Aus den Hütten und Zelten kamen Männer und Frauen. Wütendes Geschrei erhob sich. Ein Mann deutete auf die Felsen, hinter denen Douglas und Lana verschwunden waren. „Ich sah sie dort hinübergehen!“, brüllte der Mann mit kippender Stimme. „Ich war der Meinung, Tex und Lana - na, ihr wisst schon. Ich dachte nicht im Traum daran, dass der Bursche Howard sein könnte. Hölle und Satan, wir müssen die beiden schnappen, andernfalls zieht uns der Colonel die Haut streifenweise ab.“ Sie rissen ihre Waffen heraus und rannten auf die Felsen zu. Es waren ein halbes Dutzend Banditen. Ein unsichtbarer Strom von Brutalität und Gnadenlosigkeit ging von ihnen aus, der Hauch von Unversöhnlichkeit und wilder Entschlossenheit, der ihnen vorauseilte, streifte Douglas wie ein kalter Windstoß. Wie ein Rudel hungriger Wölfe, das eine Beute ausgemacht hatte und nun bereit war, sie zu zerfetzen, hetzten sie heran. Schnell blickte Douglas über die Schulter. Unschlüssig stand Lana zwischen zwei Felsen. Dahinter schwang sich ein steiler Hang nach oben. „Lauf!“, schnaubte Douglas und winkte erregt. Und dann musste er sich auf die heranstürmenden Outlaws konzentrieren. Er jagte ihnen zwei Schüsse entgegen. Einer von ihnen überschlug sich und blieb mit ausgebreiteten Armen liegen. Die anderen spritzten auseinander. Die tödliche Gefahr, der sie sich mit ihrem blindwütigen Angriff ausgesetzt hatten, war ihnen schlagartig bewusst geworden. Sie warfen sich in Deckung und jagten eine Serie von Kugeln zwischen die Felsen. Douglas rannte zu Lana hin, nahm sie bei der Hand und zerrte sie mit sich fort. Sie erklommen den Steilhang. Immer wieder sicherte Douglas nach hinten. Als er eine flüchtige Bewegung zwischen den Felsen wahrnahm, feuerte er darauf. Eine Kugel strich heran und meißelte Splitter von einem Gesteinsbrocken. Sie liefen schräg zum Abhang nach oben. Ihre Gesichter röteten sich von der Anstrengung. Ihr Atem rasselte, ihre Lungen pumpten. Lana stolperte und stürzte fast. Ein erschreckter Ton entfuhr ihr. Hinter einem flachen Felsen drückte Douglas sie zu Boden. Er spähte nach unten, gab zwei Schnappschüsse auf eine huschende Gestalt ab,...




