E-Book, Deutsch, 368 Seiten
Hackett Pete Hackett - Drei Western, Sammelband 5
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7368-3564-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
McLintocks tödlicher Schwur/ Wenn der Teufel Terror macht/ Der Sohn des Gehenkten
E-Book, Deutsch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-7368-3564-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das Ebook enthält drei Western McLintocks tödlicher Schwur Wenn der Teufel Terror macht Der Sohn des Gehenkten Drei Western von Deutschlands Top-Western-Autor Pete Hackett. Archaisch, bleihaltig, authentisch. Selten istes gelungen, den amerikanischen Westen der Pionierzeit so hart zu schildern, wie er wirklich war. Pete Hackett hat viele der Schauplätze, an denen seine Romane spielen selbst bereist und für seine Romane recherchiert. Das merkt man seinen Erzählungen an. Ein CassiopeiaPress E-Book Cover: Steve Mayer
Autoren/Hrsg.
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„Glaube ich nicht. Sie rechnen nicht mit uns. McLintock wird annehmen, dass wir zunächst einmal in der Versenkung verschwinden, um unsere Blessuren zu lecken. Außerdem ist auch McLintock kein Übermensch. Auch er muss einmal schlafen. Und der Deputy wird sich ebenso wenig die Nacht um die Ohren schlagen. Wenn doch - ich glaube nicht, dass er uns viel entgegenzusetzen hat.“ Die Unmissverständlichkeit in seinen letzten Worten klang erschreckend kalt und sachlich. Paco Monterra und Dale Lundtree konnten diese Zuversicht Shaugnessys nicht ganz teilen, aber sie schwiegen sich aus. Als Mitternacht längst vorüber und der Mond hinter den Hügeln im Südwesten verschwunden war, flüsterte Shaugnessy: „Du bleibst hier, Dale, und passt auf die Gäule auf, und du deckst gegebenenfalls unseren Rückzug, wenn es notwendig werden sollte. Paco und ich besorgen zunächst einmal Pferde.“ Shaugnessy und der Mexikaner schlichen davon. Ihre Gestalten wurden von der Finsternis geradezu aufgesogen. Geduckt glitten sie durch die Nacht. Sie huschten hinter den Häusern und Gärten entlang und gelangten durch eine stockfinstere Gasse bis zur Main Street. Burt Shaugnessy hatte den Colt gezogen. Auch in Monterras Faust lag der Sechsschüsser. Sie beobachteten kurze Zeit die Straße. Aber die Stadt schlief. Schräg gegenüber lag das Sheriff‘s Office in absoluter Dunkelheit. Wie leergefegt lag die Straße vor den Blicken der Outlaws. Shaugnessy stieß Monterra an und bedeutete diesem, ihm zu folgen. Sie schoben sich ein Stück zurück, machten kehrt und glitten zurück in die undurchdringlich anmutende Schwärze der Gasse. Minuten später schlichen sie in den Hof des Mietstalles. Sie hielten sich in den Schlagschatten und erreichten das Tor. Abgestandene Luft, durchsetzt mit der Ausdünstung der Pferde und dem Geruch von Heu, empfing sie. Sie konnten die Hand nicht vor den Augen sehen. Als sich ihre Augen aber der Finsternis angepasst hatten, konnten sie die Umrisse der vorderen Boxenwände wahrnehmen. Vorsichtig tasteten sie sich tiefer in den Stall hinein. Als Shaugnessy ein Streichholz anriss, prustete ein Pferd und erhob sich. Auch in den anderen Boxen entstand Unruhe. Shaugnessy und Monterra sahen sich schnell um, nahmen eine Reihe von Sätteln auf einem Balken wahr, Burt Shaugnessy schlenkerte die Hand und die kleine Flamme verlosch. Achtlos ließ er das Hölzchen fallen. „Beeilung!“, zischte der Bandit und war mit wenigen Schritten bei dem Balken, auf dem eine ganze Anzahl von Sätteln lagen. Mit fliegenden Händen sattelte Burt Shaugnessy trotz der Finsternis eines der erregten Tiere, Paco Monterra legte ihm das Kopfgeschirr an. Er führte schließlich das Pferd aus der Box. Minuten später war ein zweites Tier gesattelt und gezäumt. Sie zerrten die Pferde aus dem Stall. Ungeschoren erreichten sie das Stadtende...
*
Die beiden Banditen kehrten in die Stadt zurück. In der Nähe des Sheriff‘s Office bezogen sie Stellung und beobachteten einige Zeit den Eingang und das Fenster, hinter dem totale Finsternis herrschte. „Du bist dran, Amigo!“, zischelte Burt Shaugnessy. Obwohl nichts darauf hindeutete, dass der Gefangene bewacht wurde, hütete sich der Bandit, irgendein Risiko einzugehen. So ganz traute er dem Frieden dennoch nicht. Monterra brummte etwas, das Shaugnessy nicht verstehen konnte, dann verschwand der Mexikaner in der Nacht. Er kletterte über einen Gartenzaun, durchquerte das Grundstück, erreichte schließlich eine enge Gasse und langte gleich darauf am Tor an, das in den Hof des Gefängnisses führte. Die Mauer, die den Hof begrenzte, war etwa drei Meter hoch. Das Tor war von innen verriegelt. Monterra sprang hoch und hing mit beiden Händen am Rand der Mauerkrone. Seine Füße schabten über den Verputz, er bot all seine Kraft auf und zog sich hoch. Sekundenlang verschnaufte er, als er oben war, dann ließ er sich auf der anderen Seite hinunter. Ein kurzer, dumpfer Laut ertönte, als er im Hof landete. Vor ihm lag die weißgetünchte Rückwand des Jails. Zwei kleine, rechteckige Löcher in der Wand verrieten, dass es zwei Zellen gab. Die Fenster lagen hoch und waren nur mit den ausgestreckten Armen zu erreichen. Monterra pirschte unter das erste und lauschte. Er vernahm leise Schnarchtöne. Einmal wurde es von einem röchelnden Ton unterbrochen, dann setzte es wieder ein. Der Bandit presste sein Gesicht gegen die beiden Eisenstäbe und rief leise, aber eindringlich: „Tex, Amigo, kannst du mich hören? He, wach auf!“ Das Schnarchen endete schlagartig. Die Lagerstatt ächzte in den Fugen. Stoff raschelte. „Tex!“, flüsterte Paco Monterra mit rauer, trockener Kehle. „Bist du wach?“ „Paco?“, kam es raunend. „Si. Burt und ich sind hier, um dich rauszuholen, Muchacho. Wirst du bewacht?“ „Ich weiß es nicht. Einige Zeit, nachdem McLintock mich herbrachte, hörte ich ihn noch mit dem Sternschlepper sprechen. Dann schnappte eine Tür. Ich weiß nicht, ob sie beide gegangen sind. McLintock versprach, darauf zu warten, dass ihr kommt, um mich zu befreien. Darum sei vorsichtig, Paco.“ „Caramba!“, fluchte der Mexikaner, und die Unbehaglichkeit in ihm weitete sich aus, begann an seinen Nerven zu zerren. „Wo sind Burt und Dale?“, fragte Tex Calligan. „Burt beobachtet die Eingangstür. Dale bewacht die Pferd und sichert gegebenenfalls unseren Rückzug. Ich komme jetzt hinein, Tex.“ Bei der Hintertür holsterte Monterra den Colt, zog sein Bowie Knife aus dem Stiefelschaft, schob die Klinge in Schlosshöhe zwischen Türblatt und Türstock und benutzte den Dolch wie einen Hebel. Es knirschte, dann gab es einen durchdringenden Laut, als das Schloss aus dem Holz gesprengt wurde. Es schepperte auf den Boden. Leise in den Angeln quietschend schwang das Türblatt nach innen. Der Bandit verstaute das Messer wieder an seinem Platz, nahm den Colt und schob sich in den Flur. Er tastete sich an der Wand entlang und erreichte eine weitere Tür. Sie war nicht abgesperrt. Abgestandene Luft schlug ihm entgegen. Er war im Zellentrakt. Im Office schrak Jed hoch. Er war wieder von der Erschöpfung überwältigt worden. Es dauerte zwei Herzschläge lang, bis sein Verstand klar arbeitete. Ein schepperndes Geräusch hatte ihn geweckt. Lautlos stand er auf. Er war hellwach, glitt zum Fenster, zog den Vorhang etwas zur Seite und äugte hinaus auf die Straße. Jed zog seinen Colt. Sein Atem ging flach. Zwei - drei Minuten vergingen. Jed wartete, dass etwas geschah. „Die Schlüssel findest du im Office!“, empfing Tex den Mexikaner, und seine Worte hetzten einander. „Mach schon.“ Er war als großer, schwarzer Schatten hinter der Gitterwand auszumachen. Die Ungeduld ließ ihn innerlich vibrieren. Ein Flur von etwa fünf Yards Länge trennte den Zellentrakt vom Office. Paco Monterra bewegte sich schnell. Unter seinem Gewicht knarrten die Dielen. Er gelangte in das Office und bemühte sich, mit den Augen die Dunkelheit zu durchdringen. Der Bandit machte einen Schritt auf den Schreibtisch zu. Hinter seinem Rücken knackte es trocken, es klickte, als sich die Colttrommel um eine Kammer weiterdrehte, eine frostige Stimme sprang ihn an und ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren: „Lass das Eisen fallen und nimm die Flossen hoch, Amigo.“ Die zittrige Anspannung seiner Nerven entlud sich bei dem Banditen mit einem dumpfen, versiegenden Ton, der sich in seiner Brust hochkämpfte und erstickend aus seiner Kehle quoll. Das Herz raste und hämmerte unvermittelt so sehr gegen seine Rippen, dass es fast schmerzte. Sein Denken war völlig außer Kontrolle geraten. „Wird‘s bald?“ Scharf wie Peitschenhiebe fielen die beiden Worte. Der Mexikaner zuckte zusammen, seine Hand öffnete sich und der Colt polterte auf den Boden. Während er zögernd die Hände hochnahm, drehte er sich langsam, mit geradezu marionettenhaften Bewegungen um. Jed stand an der Wand neben der Tür. Als der Bandit eintrat, verdeckte ihn das Türblatt. Jetzt konnte Monterra die Silhouette Jeds vor dem Hintergrund der weißgekalkten Wand schemenhaft ausmachen. Umgekehrt erkannte Jed an den mattschimmernden Silberknöpfen, die die Jacke des Banditen zierten, dass ihm Paco Monterra ins Netz gegangen war. Jed sagte ironisch: „Pech gehabt, Hombre. Doch bevor wir weitersprechen, wirst du mir sagen, wo Burt Shaugnessy und Dale Lundtree herumschleichen.“ Der Mexikaner bleckte die Zähne. Der Aufruhr seiner Gefühle ebbte ab. Jäher, glühender Hass übermannte ihn. „Halt mal deine Nase aus der Tür!“, fauchte er aggressiv und leidenschaftlich. „Dann siehst du...“ Er verstummte, biss sich auf die Lippen und verfluchte in Gedanken seine Unbeherrschtheit. „Auf der anderen Seite der Straße also“, knurrte Jed. „Na schön, Paco. Du gehst jetzt zur Tür, öffnest sie und gibst deinen Kumpanen das Zeichen, dass alles in Ordnung sei. Im Klartext heißt das, du lockst deine Freunde ins Office....




