E-Book, Deutsch, Band 216, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
Guth Perry Rhodan Neo 216: Geburt einer Torkade
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8453-4916-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 216, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
ISBN: 978-3-8453-4916-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Fünfzig Jahre nachdem die Menschheit zu den Sternen aufgebrochen ist, haben Kolonisten erste Siedlungen auf fremden Welten innerhalb und außerhalb des Sonnensystems errichtet. Der Weg ins Weltall verläuft mühsam und abenteuerlich. Aber geleitet von Perry Rhodan, haben die Menschen bislang jede Gefahr überstanden. Doch im Jahr 2089 werden sie mit einem Gegner konfrontiert, der nicht fassbar erscheint. Das mysteriöse Dunkelleben bedroht die Solare Union. Um dieses Phänomen zu enträtseln, wagt Rhodan eine Expedition in ein fernes Sternenreich - zum Compariat. Nach einem katastrophalen Unfall werden Rhodan und seine Gefährten von Soldaten des Compariats gefangen genommen, den Shafakk. Die Shafakk wollen die FANTASY demontieren, um das Geheimnis des neuartigen Linearantriebs zu entschlüsseln. Dabei wenden sie auch brutale Mittel an - das Leben der Menschen ist ihnen nicht viel wert. Perry Rhodan kommt ein unerwartetes Ereignis zu Hilfe: die GEBURT EINER TORKADE ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
2.
Kashiks Aufbruch
Kashik glitt in die glatte Sitzschale des Vitrons und drehte den Kopf zur Seite, um durch die transparente Wand zu blicken. Vor dem Raumboot standen seine Eltern. Seine Mutter hatte den Arm fest um seinen Vater geschlungen. Kashik sah trotzdem, dass die Schultern seines Vaters bebten. Warum ist das so? Hat er Angst, oder ist er wütend?
Eigentlich hatte nur Kashik Grund, Angst zu haben. Sein Vater durfte hierbleiben, zusammen mit Mutter, in dem schönen Haus. Kashik hingegen musste fortgehen, obwohl er das gar nicht wollte.
»Schalte die Prallfelder an«, sagte der ehrenwerte Miaskull, der gerade an Bord kam.
Kashik zuckte zusammen und tippte auf den schwarzen Armstützen herum. Seine Hände zitterten. Er war nie zuvor in einem Vitron gewesen – er hatte keine Ahnung, wie die Prallfelder bedient wurden.
»Nun mach schon!« Miaskull, der selbst in einer fließenden Bewegung in die Pilotenschale glitt, klang ungeduldig.
Es gab nichts, was Kashik weniger wollte, als den Ehrenwerten zu verärgern. Aber er wusste einfach nicht, welche Eingaben er machen sollte.
»Du wirst doch wohl wissen, wie das geht.« Miaskull stülpte abschätzig die Lippen seines Rüsselmunds nach außen.
»Nein.« Kashik senkte in einem Anflug von Trotz den Kopf. »Ich bin noch nie in einem Raumschiff geflogen.«
»Du bist sechs Umläufe alt und hast nie den Planeten verlassen? Deine Eltern haben deine Ausbildung sträflich vernachlässigt. Dich auf diesem abgelegenen Planten zu verstecken, in der Hoffnung, dass wir dich nicht finden ...«
Die Missbilligung in Miaskulls Stimme war so heftig wie eine Ohrfeige. Kashiks Eltern hatten ihn nie geschlagen. Sie hatten dafür gesorgt, dass er genug zu essen hatte, dass er spielen konnte, was er wollte, dass er lernte, seinen Körper wertzuschätzen. Kashik spürte, dass es keine gute Idee wäre, das Miaskull zu sagen.
Der Ehrenwerte aktivierte eine holografische Steuerkonsole, und kurz darauf fühlte Kashik, dass sich die schützenden Prallfelder um ihn aufbauten.
Er spähte wieder nach draußen. Seine Eltern standen immer noch an der gleichen Stelle. Der Rüsselmund seiner Mutter zuckte.
Kashik hätte am liebsten ebenfalls geweint, aber er riss sich zusammen. »Lebt wohl, Insha«, flüsterte er. Er ahnte, dass er das Kosewort, mit dem er seine Eltern rief, zum letzten Mal in seinem Leben aussprach.
Die Triebwerke des Vitrons summten auf. Während das Raumfahrzeug abhob, verdichtete sich die Struktur der Außenhülle und verwehrte Kashik die Sicht auf seine zurückbleibenden Eltern. Einerseits war er froh darüber – es machte den Abschied wahrscheinlich leichter.
Aber er war auch enttäuscht, denn er hätte gern gesehen, wie der Planet immer kleiner wurde – und wie es im Weltall aussah. Kashik hatte mit seinem Vater nachts oft die Sterne beobachtet und sich gefragt, wie es wohl sein mochte, zwischen den Sternen zu reisen. Nun war es so weit – und er bekam nichts davon mit. Den Ehrenwerten danach zu fragen, wagte er nicht.
Zaghaft musterte Kashik Miaskull von der Seite. Der Ehrenwerte war etwa so alt wie Kashiks Vater, machte aber einen verschlossenen und strengen Eindruck. Kashiks Vater hatte stets viele Zeichen auf der Haut getragen, war für Kashik Lehrer und Freund gewesen. Der junge Oproner ahnte, dass es mit Miaskull anders sein würde. Miaskull war nicht sein Vater und nicht sein Freund. Er war nichts anderes als sein Lehrmeister.
Ihn offen anzustarren, wäre ein Affront gewesen, das hatte ihm seine Mutter seit dem Vorabend eingeschärft – seit sie Kashik eröffnet hatte, dass jemand kommen würde, um ihn zu holen. Beim Gedanken an seine Mutter wurde Kashiks Haut trocken. Er wünschte sich, er hätte etwas Wasser dabei, um es auf seinem Körper zu verteilen. Doch er hatte nichts mitnehmen dürfen.
»Hast du Angst?«, fragte Miaskull, der auf eine für Kashik unerklärliche Weise das Vitron lenkte.
Kashik überlegte, welche Antwort der erwachsene Oproner wohl hören wollte. »Es ist eine große Ehre, für die Ausbildung ausgewählt zu werden.« Das klang wie auswendig gelernt. War es auch.
»Das weiß ich selbst.« Miaskulls Stimme war kalt. »Jeder, der es auch nur versuchen darf, muss sich glücklich schätzen. Es ist eine Chance, die man lediglich ein Mal im Leben bekommt. Aber das beantwortet meine Frage nicht: Hast du Angst?«
Nervös zupfte Kashik an den Rändern seines Rüssels – eine Unsitte, für die ihn seine Mutter stets gerügt hatte. »Du bist kein Kriechkind mehr«, hatte sie immer gesagt.
Kashik wollte nicht, dass Miaskull ihn für ein furchtsames Kriechkind hielt. Aber lügen wollte er ebenso wenig. Er senkte hastig die Hände. »Ja, ich habe Angst. Ich möchte nicht von meinen Eltern getrennt werden.«
Gespannt wartete er auf die Antwort. Miaskull ließ sich Zeit damit. »Angst ist gut«, sagte er schließlich. »Angst macht dich wach und aufmerksam. Um Mitglied einer Torkade zu werden, bedarf es großer Konzentration und intensiver Vorbereitung. Du wirst lernen, deine Angst zu kontrollieren.«
»Aber wie?« Kashik hätte es zu gern gewusst, denn momentan hatte er sehr viel Angst. Er wusste nicht, was auf ihn zukam, und der ehrenwerte Miaskull schüchterte ihn ein, statt ihn zu ermutigen.
»Das wirst du herausfinden. Nun solltest du während des Flugs etwas meditieren und dich auf die kommenden Aufgaben vorbereiten.«
Kashiks Verwirrung wuchs. Er wusste nicht, was Miaskull von ihm wollte, kannte die Bedeutung des Worts »meditieren« nicht.
»Was für Aufgaben meint Ihr, Ehrwürdiger?«, wagte er zu fragen.
»Auch das erfährst du früh genug. Nun sei still!«
Das war immerhin eine Anweisung, die Kashik verstand. Da er nicht mal aus einem Fenster sehen konnte – die Wände des Vitrons waren nach wie vor undurchsichtig –, spielte er mit seinen Fingern und wartete darauf, dass der Flug vorbeiging.
Nach einer gefühlten Ewigkeit setzte das Vitron auf.
»Wir sind angekommen«, verkündete Miaskull und desaktivierte die schützenden Prallfelder. »Die Hallen des Torkadehains erwarten dich.«
Die Wände des Vitrons wurden durchscheinend, sodass Kashik seine Umgebung sehen konnte, ehe er das kleine Raumschiff verließ. Das Vitron stand auf einem gepflasterten Platz vor einem riesigen Tempel. Das Gebäude bestand aus hohen, säulenartigen Türmen, zwischen denen sich helle Stoffbahnen spannten. Einige der Türme waren so hoch, dass sich Wolken an ihrer Spitze bildeten. Kashik sah keine Fenster und erschrak.
Wie düster muss es in diesen Türmen sein? Kashik hatte Angst in der Dunkelheit.
Rings um das Gebäude erstreckten sich dichte Wälder. Die Bäume hatten dunkelgrüne, fast schwarze Kronen aus fleischigen, großen Blättern. Sie sahen ganz anders aus als die Bäume, auf die Kashik zu Hause geklettert war. Er wusste selbstverständlich, dass er sich auf einem anderen Planeten befand. Da war es wohl normal, dass alles anders war, sogar die Bäume.
»Folge mir – du wirst nun den Elo-Tork kennenlernen.« Miaskull ging straffen Schrittes davon.
Kashik bemühte sich, zu ihm aufzuschließen, und sah sich unterwegs neugierig um. Die Türme hatten runde Türen, aber selbst aus der Nähe betrachtet keine Fenster. Zwischen den Gebäuden standen steinerne Sitzgruppen. Auf vielen davon saßen Oproner unterschiedlichen Alters, mal allein ins Studium von Holoschriften oder Weisheitsrollen vertieft, mal in Gruppen und eifrig diskutierend. Kashik sah ein Mädchen, das aufmerksam den Erläuterungen eines alten Manns lauschte und sich Notizen auf den Leib machte. Ihre Runen waren viel hübscher als die von Kashik, der erst seit einigen Wochen Schreiben und Lesen lernte.
Schließlich betrat Miaskull einen der Türme. Es kostete Kashik Überwindung, ihm zu folgen. Drinnen wurde er überrascht. Es war nicht dunkel, sondern taghell – was daran lag, dass die flach gewölbte Dachkuppel aus Glas bestand. Das hatte Kashik von außen und von unten nicht erkannt.
Der Turm war hohl. An den Wänden zogen sich Treppen in die Höhe, die zu vereinzelten Plattformen führten. Kashik folgte Miaskull unzählige Stufen hinauf, ehe sie eine Terrasse erreichten, die wohl so etwas wie eine Bibliothek darstellte. Zumindest gab es sehr viele Regale mit runden Ausbuchtungen für die traditionellen Weisheitsrollen. Von Digi-Ports, wie Kashik sie von zu Hause kannte, schien man in den Hallen des Torkadehains nicht viel zu halten.
Zwischen den Regalen saßen in Hydrosesseln zwei uralte Oproner. Zumindest in Kashiks Augen waren der Mann und die Frau, die sich dort unterhielten, sehr alt. Beide trugen dunkelblaue Mäntel, was Kashik verwunderte. Er hatte in seinem bisherigen Leben keine Oproner getroffen, die Kleidung trugen. Lediglich auf den Holobildern der Digi-Ports hatte er welche gesehen, wenngleich nicht viele. Als Kashik und Miaskull die Plattform betraten, unterbrachen die Alten ihr Gespräch.
Miaskull ging zu den Greisen und verneigte sich tief. »Elo-Tork, ich entbiete meine Grüße. Ich freue mich, Euch und die ehrenwerte Ylain bei guter Gesundheit anzutreffen.«
»Ihr seid schnell zurückgekehrt, Nama-Tork Miaskull.« Die Stimme der Alten klang knarzig wie eine Kooweide im Wind. »Und erfolgreich, wie ich sehe.«
»Richtig, Hainhüterin. Die Suche dauerte nicht lange. Es war leicht, den Jungen aufzuspüren.« Miaskull wandte sich an den Greis. »Ehrenwerter Peleeska, ich bringe unseren neuen Novizen. Sein Name ist Kashik.«
Der Alte, den Miaskull Peleeska genannt hatte, winkte Kashik zu sich. »Komm näher, Junge.« Seine Stimme klang im Gegensatz zu der...




