E-Book, Deutsch, Band 10, 64 Seiten
Reihe: PERRY RHODAN-Kartanin
Guth Kartanin 10: Der Inkubator
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-5210-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Miniserie
E-Book, Deutsch, Band 10, 64 Seiten
Reihe: PERRY RHODAN-Kartanin
ISBN: 978-3-8453-5210-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Fast 4000 Jahre in der Zukunft: Zwischen den Sternen der Milchstraße herrscht Frieden. Die Menschen leben auf Tausenden von Welten, pflegen gute Beziehungen zu ihren Nachbarn und arbeiten gemeinsam mit diesen an der Zukunft. Da wird Perry Rhodan um Hilfe gebeten: In der kleinen Galaxis Ursa Minor läuft eine Invasion - die ebenso die Milchstraße bedroht. Geheimnisvolle Parasiten übernehmen ganze Völker. Mit wenigen Gefährten tritt Rhodan gegen die Übermacht der Invasoren an. Seine wichtigste Begleiterin ist Dao-Lin-H'ay, die einzige Kartanin, die relativ unsterblich ist. Ihm haben sich der alte Haluter Miro Teik, eine mysteriöse Frau namens Stayn sowie sein Sohn Kantiran angeschlossen. Gemeinsam überstehen sie in Ursa Minor viele Gefahren und sammeln Informationen über die Invasoren. Diese scheinen Lebewesen zu sein, die einem Zuchtprogramm entstammen. Miro Teik begibt sich auf eine riskante Mission - der alte Haluter trifft auf einen Inkubator ...
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3.
Intalyeny
Vor dem 4. Juni 2144
In einer winzigen Kammer im Inkubator im Inneren des Planeten Mabitt-Han schlief Intalyeny.
Er brauchte nicht viel Ruhe, doch ein paar Stunden pro Tag musste er raus aus der Konkalle, seinen geschmeidigen Körper ausstrecken und sich erholen. Das ging nur in seinem Schlafraum. Der übrige Bereich des Inkubators musste rein bleiben.
Intalyeny regte sich. Vielleicht war es sein natürlicher Schlafrhythmus, vielleicht war es der leise, enervierende Alarmton, der ihn weckte. Obwohl, nein, das glaubte Intalyeny nicht. Ständig sirrte irgendwo ein Alarm, heulte eine Sirene oder blinkte ein Signallicht. Wenn das seinen Schlaf stören würde, käme er niemals zur Ruhe.
Konsequent ignorierte Intalyeny den nicht schrillen, aber konstanten Ton und glitt aus seiner Schlafkoje. Sein privater Raum war nicht groß. Er nutzte ihn tatsächlich nur zum Ruhen. Die meiste Zeit widmete er seiner Aufgabe: Er war der Drittverantwortliche für den Inkubator – einen riesigen Maschinenkomplex, den nur ganz wenige Wesen in seiner Ganzheit begreifen konnten.
Ein Blick auf den Zeitmesser verriet, dass er fast vier Stunden geschlafen hatte. Dennoch fühlte er sich nicht ausgeruht. Die Sorgen verfolgten ihn im Schlaf.
»Bist du da, Sneeks?«, fragte er. Seine Stimme klang schrill. Er mochte seine aktuelle Darstellungsform, aber diese Stimme war etwas, an das er sich wohl nie gewöhnen würde. Sie klang nicht so, wie sich seine Stimme anhören sollte. »Sneeks?«, wiederholte er lauter.
Er bemerkte ein Huschen. Nicht, dass er es wirklich sah. Er verfügte nicht über herkömmliche Sinne wie andere Lebewesen. Gehör, Sehsinn, Geschmack und Geruch – alle seine Sinneswahrnehmungen waren eins. Er spürte den Schall der Sprache, Gerüche nahm er mithilfe seiner Rezeptoren auf.
Ebenso sah er nicht mit Organen wie Augen. Retina, Stäbchen und Zäpfchen waren rudimentär in etwas integriert, das wie ein Fell seinen Körper bedeckte. Dieses Fell bestand nicht aus Haaren, sondern aus unzähligen Nervenzellen, die über seinen Leib verteilt waren. Sie verschafften ihm eine einzigartige Empfindlichkeit.
Der Sehsinn war allerdings von allen Sinnen am schwächsten ausgeprägt. Mehr als verschwommene Umrisse einer anderen Gestalt konnte er nicht erkennen. Doch die Sensibilität seiner anderen Sinne war überragend.
»Da bist du ja, Sneeks. Gibt's was Neues?«
Intalyeny glitt zu der Hygieneplatte, die seinen Körper einer kurzen, intensiven Reinigung unterzog und ihm eine Injektion mit den überlebenswichtigsten Nährstoffen verabreichte. Effizienz, nur darauf kam es an, wenn man Drittverantwortlicher im Inkubator war.
»Nichts Neues, was?« Intalyeny war es gewohnt, keine Antwort zu bekommen. Er redete trotzdem mit Sneeks. Einfach, weil es sonst niemanden gab, mit der er hier reden konnte. Gut, da war noch Aa'd'aa. Aber die war völlig irre.
Intalyeny rief eine digitale Anzeige auf, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Wie immer galt sein erster Blick den Lieferungen, während er das Alarmsignal weiter ignorierte. Nichts war derzeit wichtiger als die Lieferungen. Und nichts stellte ein größeres Problem dar. Denn es gab keine Lieferungen.
»Immer noch kein Nachschub«, sagte er enttäuscht. »Wie soll ich meine Arbeit fortsetzen, wenn ich keine Zufuhr der wichtigsten Ingredienzen bekomme?« Er lauschte auf eine Gegenfrage, die nie kam, beantwortete sie trotzdem. »Unsinn, ich kann diese Zutaten unmöglich selbst erschaffen. Wie stellst du dir das vor? Ich bin nur der Drittverantwortliche, ein einfacher Techniker, und nicht mal ein besonders guter.« Er kicherte. »Natürlich bin ich der Beste auf meiner Position. Es ist ja sonst niemand da, der diesen Job machen könnte. Vielleicht gab es mal einen Erst- oder Zweitverantwortlichen, aber die Zeiten sind lange vorbei. Wenn es notwendig ist, bin ich derjenige, der die Probleme lösen muss.«
Intalyeny seufzte. Doch was war, wenn diese Probleme nicht lösbar waren? Er hatte ganze Heerscharen von Robotern zur Verfügung, aber die halfen ihm dabei nicht weiter. Ja, und er hatte Aa'd'aa. Aber die war eben völlig irre.
Er wusste, auf welchem Niveau er derzeit arbeitete. Es war nichts als Panscherei. Er kippte das ihm zur Verfügung stehende Plasma in zunehmender Verzweiflung zusammen und würzte es mit On- sowie Noon-Quanten. Das Biophorengemisch sollte für Intelligenz sorgen. Die Ergebnisse in der jüngsten Zeit waren indessen schlecht.
Vermutlich lag es am Verhältnis von On zu Noon. Das Plasmamaterial, das der Inkubator seit einiger Zeit hervorbrachte, konnte sich zwar gut teilen und erwies sich als sehr anpassungsfähig. Die Vantani hatten indes nur einen eingeschränkten Lebenswillen. Erst wenn sie durch Zufall stärker von Noon-Quanten befallen wurden, entstanden intelligenzbehaftete Geschöpfe, die sich zu Müttern oder gar zu Dominanzen entwickeln konnten. Diese besondere Mischung gelang Intalyeny aus irgendeinem Grund nicht mehr.
Er langte nach der Konkalle und begann, hineinzuschlüpfen. Ohne die Konkalle verließ er sein Quartier nicht. Niemals. Denn der Inkubator musste rein bleiben. Nichts durfte sie beschmutzen.
Jedes lebende Wesen im Inneren des Inkubators musste einen Schutzanzug wie die Konkalle tragen. Das war wichtig, damit die Proben nicht verfälscht, die Experimente nicht verunreinigt wurden. Es war schwierig gewesen, das Aa'd'aa klarzumachen. Denn die war schließlich völlig irre.
Vor ein paar Wochen hatte sie in einem experimentellen Labor ihren Schutzanzug geöffnet. Einfach so. Sie hatte sogar damit begonnen, den Anzug abzulegen. Sie wurde wirklich jeden Tag ein bisschen verrückter.
Das war das Problem mit den Fremdwesen, die ihm manchmal zur Unterstützung geschickt wurden: Sie waren zwar von Vantani vereinnahmt, doch sie ertrugen die Verhältnisse im Inneren des Inkubators nicht. Früher oder später drehten alle durch.
»Und wer muss sie dann wieder loswerden? Wir natürlich«, beklagte sich Intalyeny bei Sneeks. Warum es bei Intalyeny anders war, wusste er selbst nicht. »Man stelle sich vor, ich würde auch anfangen, verrückt zu werden. Aber das tue ich nicht. Ich unterscheide mich eben von den anderen.«
Er begriff sich als »biodegeneriert«. Dumpf erinnerte er sich daran, einstmals mehr gewesen zu sein. Um seine Aufgabe erfüllen zu können, hatte man ihn in seinen derzeitigen intellektuellen Status versetzt. An die Zeit vor dem Inkubator, vor Ursa Minor, hatte er kaum Erinnerungen.
»Ich war einmal glücklich und zufrieden, ich war genormt«, erzählte er Sneeks, während er die Verschlüsse der Konkalle zuschnappen ließ. »Wegen meiner Kompetenz werde ich jedoch immer wieder abberufen, um dringende Aufgaben im Dienste unserer Herrin zu erledigen.«
Intalyeny erschauerte wohlig, als sich die Konkalle versiegelte und sofort seine Empfindungen dämpfte. Seine derzeitige Darstellungsform hatte zwar durchaus Vorteile – wenn er sich recht erinnerte, hatte er bereits unangenehmere Körperformen besessen –, aber obwohl er die hohe Sensitivität als Vorteil empfand, konnte sie sehr anstrengend sein.
Er konnte sich nur mühsam gegen Außeneindrücke wehren. Der leichteste Windzug, feinste Schwebstoffe und Partikel lösten in ihm einen kaum zu bändigenden Juckreiz und ein Brennen aus. Das war durchaus unangenehm, wenngleich nicht außergewöhnlich schmerzhaft.
Die Konkalle erlaubte es ihm, nur Teile seines Leibes sensorisch empfindlich schalten. So konnte er von minimalen 0,01 bis zu vollen 100 Prozent seiner Nervenrezeptoren nutzen. Das war eine erhebliche Erleichterung. Er wünschte wirklich, er könnte die Konkalle immer tragen. Doch hin und wieder brauchte er eine Pause, sonst überkamen ihn Beklemmungsgefühle.
Im Übrigen mochte er seinen Körper: Sein Leib mit der braunen Haut war völlig steril und sauber, nichts haftete ihm an, er hatte keinen Eigengeruch, keine Botenstoffe, keine Hautschuppen. Im Prinzip passte er perfekt in den Reinraum des Inkubators.
Der Alarmton wurde lauter und intensiver, sodass ihn Intalyeny nicht länger ignorieren konnte.
»Fängt sie schon wieder an, anstrengend zu werden, Sneeks! Hören wir uns an, was sie will, und dann beginnen wir mit dem Tagesgeschäft.«
Missmutig löste er mit einem seiner beiden Tentakel den Impuls aus, der den Alarmruf beendete und ein großflächiges Hologramm der Ruferin direkt vor ihn projizierte.
Mit mildem Interesse betrachtete Intalyeny die Gestalt der schwarz befellten Kartanin, die dicht vor der Kameraoptik stand. Der Blick ihrer dunkelgrünen Augen irrte unstet umher. Sie schien Mühe zu haben, den Blick zu fokussieren. Sie hatte den Rang einer Mutter, sonst wäre sie nie in der Lage zu eigenständigem Handeln auf dem benötigten Niveau gewesen, doch momentan sah sie aus wie frisch befallen.
»Aa'd'aa«, sagte Intalyeny und gab sich Mühe, geduldig zu klingen. »Was gibt es dieses Mal?«
»Wo warst du?«, fauchte die Kartanin – oder war es der Vantani in ihr? Intalyeny hatte nie herausgefunden, ob es die Wirte oder die Symbionten waren, die in dieser Umgebung den Verstand verloren. Die Symbionten sollten es eigentlich nicht sein, schließlich war der Inkubator ihre Geburtsstätte.
Allerdings waren die Schleimklumpen, die Mabitt-Han für die glorreiche Vermehrung des Vantanivolkes verließen, keine Symbionten in diesem Sinne. Das wurden sie tatsächlich erst durch den Kontakt und die Verbindung mit einem Wirt.
»Ich habe geschlafen«, sagte Intalyeny. »Solltest du ebenfalls mal wieder versuchen. Es scheint bei dir länger her zu sein. Würde dir sicher mal guttun.«
»Du darfst...




