Guillou | Madame Terror | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 11, 496 Seiten

Reihe: Coq-Rouge-Reihe

Guillou Madame Terror

Sonderauftrag für Hamilton
14001. Auflage 2014
ISBN: 978-3-492-98100-2
Verlag: Piper ebooks in Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sonderauftrag für Hamilton

E-Book, Deutsch, Band 11, 496 Seiten

Reihe: Coq-Rouge-Reihe

ISBN: 978-3-492-98100-2
Verlag: Piper ebooks in Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieser Terrorangriff gegen Israel soll der größte der Weltgeschichte werden - so viel steht fest für die palästinensische Geheimdienstchefin Mouna al Husseini, genannt Madame Terror. Das technische Know-how holt sie sich bei den Russen: Gemeinsam wird ein gigantisches Atom-U-Boot aus Titan entwickelt, mit dem sich die israelische Flotte ausschalten lässt. Doch auf der U-1 Jerusalem prallen die Mentalitäten der russischen und der arabischen Besatzungsmitglieder aufeinander, und das gesamte Projekt droht zu kippen. Ein Oberbefehlshaber muss her, der fließend Russisch und Englisch spricht, weder Araber noch Russe ist und über umfassendes militärisches Wissen verfügt. Es kommt nur ein Mann infrage, ein alter Freund von Mouna al Husseini: Carl Hamilton, der unter dem Namen Charles Hamlon seit Jahren inkognito in Kalifornien lebt ... In diesem temporeichen Thriller betritt Carl Hamilton, der Held aus der erfolgreichen Krimiserie Bestsellerautors Jan Guillou, erneut die literarische Bühne und hat einen besonders brisanten Fall zu übernehmen.

Jan Guillou, Jahrgang 1944, ist einer der meistgelesenen Autoren Schwedens. Bislang verfasste er knapp vierzig Bücher, darunter auch die erfolgreich verfilmte Bestseller-Saga um den Tempelritter Arn Magnusson. Seine elfteilige Thriller-Serie um den Agenten Carl Hamilton alias »Coq Rouge« ist ein Welterfolg und in seiner Heimat ein moderner Klassiker, sie wurde mehrfach verfilmt und in mehr als 15 Sprachen übersetzt. Guillou lebt in Stockholm und liebt ebenso wie sein Protagonist »Coq Rouge« klassische Musik, guten Wein und die Elchjagd.
Guillou Madame Terror jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Prolog


Die erste Version war offensichtlich gelogen. Offensichtlich schon deshalb, weil sie aus sogenannten »westlichen diplomatischen Kreisen« stammte – mit anderen Worten von der CIA in der amerikanischen Botschaft in Moskau. Zum anderen war diese Erklärung für den Tod von einhundertachtzehn russischen Matrosen und Offizieren an Bord des Atom-U-Boots Kursk etwas zu primitiv. Es hieß, ein mit Wasserstoffperoxid betankter Torpedo älteren Typs habe sich selbst entzündet und die fürchterliche Explosion verursacht, die zum Untergang des U-Bootes führte. Die Nato verwendete diese Torpedos wegen ihrer Unzuverlässigkeit seit über fünfzig Jahren nicht mehr.

Vielleicht war die Erklärung nur ein derber Witz eines CIA-Angestellten in irgendeiner Abteilung für politische Analyse und Desinformation. Denn die Kursk stellte gerade deshalb eins der wichtigsten Spionageziele der westlichen Welt dar, weil sie mit modernen Waffen ausgerüstet war, die allen Seestreitkräften der Nato und anderer westlicher Länder erschreckend überlegen waren.

Bereits 1995 hatten russische Wissenschaftler ein Torpedoproblem gelöst, mit dem sich Forscher und Entwickler seit der Erfindung dieser Waffe im 19. Jahrhundert herumgeschlagen hatten.

Ein Torpedo war im Prinzip nie mehr als eine längliche Bombe mit einer Sprengladung vorne und einem Propeller hinten gewesen. Immer wieder hatte man neue Methoden entdeckt, die Sprengkraft zu vervielfachen, die Steuerung zu verbessern und die Antriebskraft zu erhöhen. Doch im Grunde hatte sich zwischen den Neunziger jahren des 19. Jahrhunderts, als sich die Torpedos vierzig Kilometer pro Stunde vorwärtsbewegten, und den Neunzigerjahren des 20.Jahrhunderts, abgesehen von der doppelten Geschwindigkeit, nicht viel verändert.

1995 stellte der russische Wissenschaftler Anatolij Pawkin den von ihm entwickelten Torpedo VA-111Schkwal (Orkan) vor, der trotz seines beachtlichen Gewichts von zwei Tonnen eine Geschwindigkeit von über fünfhundert Kilometern pro Stunde erreichte.

Das Problem, das Anatolij Pawkin endlich gelöst hatte, sein großer Durchbruch, hatte mit dem Reibungswiderstand des Wassers zu tun. Ein Metallrumpf traf, wenn man ihn beschleunigte, auf einen exponentiell wachsenden Wasserwiderstand, woraus die scheinbar unüberwindbare Begrenztheit der Torpedogeschwindigkeit resultierte. Was kein strategisches Problem war, solange für alle das Gleiche galt.

Doch seit 1995 galt nicht mehr das Gleiche für alle. Anatolij Pawkins Erfindung beruhte auf der Idee, etwas anderes als Metall auf den Wasserwiderstand treffen zu lassen. Der neue Torpedo Schkwal bewegte sich in einer Gasblase vorwärts, und Gas war im Wasser schneller als Metall.

Als das Atom-U-Boot Kursk am 12. August 2000 von dem amerikanischen U-Boot USS Memphis versenkt wurde, war es mit der neuen Version VA-232Schkwal bestückt, die unter anderem über ein deutlich besseres Steuerungssystem verfügte. Aus diesem Grund waren die beiden Jagd-U-Boote der Los-Angeles-Klasse, USS Toledo und USS Memphis, zu der größten russischen Flottenübung seit sowjetischen Zeiten kommandiert worden. Sie sollten den Test dieser grauenerregenden neuen Waffe ausspionieren.

Die Anwesenheit der Amerikaner bei der Flottenübung in der Barentssee hatte auch einen politischen Beweggrund. Indem man sich der russischen Großmacht an die Fersen heftete, wollte man seine Verärgerung zum Ausdruck bringen beziehungsweise der Kursk drohen. Damit war die USS Memphis beauftragt. Das andere amerikanische U-Boot, die USS Toledo, sollte sich noch näher anpirschen, von der Seite Tonaufnahmen machen und exakte Messungen vornehmen, sobald die Russen einen Schkwal abfeuerten.

Wäre dieser Torpedo im Kalten Krieg zum Einsatz gekommen, hätte er mit einem Schlag das seemilitärische Kräfteverhältnis aus dem Gleichgewicht gebracht. Er hätte der Sowjetunion die Herrschaft auf den Meeren garantiert, weil kein Flugzeugträgergeschwader mehr vor ihm sicher gewesen wäre. Das Versenken von Flugzeugträgern war die Hauptaufgabe des Schkwal-Torpedos, und unter den Streitkräften innerhalb der Nato war bislang kein Gegenmittel bekannt.

Das war der wahre Grund, warum einhundertachtzehn russische Matrosen und Offiziere zwischen dem 12. und dem 20. August des Jahres 2000 starben. Man wusste, dass dreiundzwanzig Männer eine gewisse Zeit hinter dem neunten wasserdichten Schott im Heck des U-Boots überlebt hatten. Sie klopften an den Rumpf, um SOS-Signale zu schicken, und einige hinterließen Briefe, die nach sorgfältiger russischer Zensur teilweise veröffentlicht wurden. Doch die in der gesunkenen Kursk eingeschlossene Besatzung wartete vergeblich auf die Rettung, obwohl das U-Boot in nur hundert Meter Tiefe und auf flachem Sandboden leicht zugänglich war. Sie starben aus politischen Gründen.

Einer der politischen Gründe für die USA, ihre Verärgerung über die russische Übung in der Barentssee deutlich zu zeigen, war der Verkauf der neuen russischen Torpedowaffe an China. Daher waren an Bord des russischen Stabs- und Flaggschiffes, dem Atomkreuzer Peter der Große, auch einige chinesische Admiräle als Beobachter anwesend.

China drohte immer mal wieder damit, sich Taiwan zurückzuholen, das deshalb permanent von einem amerikanischen Flugzeugträgergeschwader geschützt wurde. Dieser Umstand galt lange Zeit als sichere Garantie dafür, dass China niemals einen Angriff wagen würde, wie sehr es seine Flotte auch modernisierte und verstärkte. Doch der Torpedo Schkwal an Bord von chinesischen U-Booten hätte auch hier die Machtverhältnisse aus dem Gleichgewicht gebracht.

Im schlimmsten Fall würde China den USA enorme Verluste bescheren können, falls sich die amerikanische Flotte in einen Wiedereroberungsversuch Taiwans einmischte. Die Chinesen würden behaupten, die Taiwanfrage sei eine innere chinesische Angelegenheit und man habe selbstverständlich nicht die Absicht, auf amerikanische Flottenkräfte zu schießen – solange man nicht zuerst beschossen werde. Woraufhin man zum Gegenangriff übergehen würde.

Hiervon hatten die einhundertachtzehn Besatzungsmitglieder an Bord der Kursk, dem Stolz der russischen Flotte, vermutlich nicht die geringste Ahnung gehabt. Doch für die Mehrzahl von ihnen war es sicherlich nichts Neues gewesen, während einer Übung von amerikanischen U-Booten bespitzelt zu werden. Amerikanische und sowjetische und später russische U-Boote hatten in den letzten fünfzig Jahren vor allem im Atlantik Katz und Maus gespielt. Mindestens acht russische und zwei amerikanische U-Boot-Wracks waren das Resultat dieser andauernden bitterernsten Spielchen.

In Anbetracht dessen, was vom Sinken der Kursk bekannt wurde, ehe der neu gewählte russische Präsident Wladimir Putin das Durchsickern von Information verhinderte, musste sich das Geschehen in etwa folgendermaßen ereignet haben:

An Bord der Kursk wurde bald bemerkt, dass man von einem amerikanischen U-Boot der Los-Angeles-Klasse, der USS Memphis, verfolgt wurde. Aber das war Teil des Spiels. Die USS Memphis sollte die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, um von dem sehr viel aufdringlicheren Spion USS Toledo abzulenken.

Allerdings schien die russische Besatzung ihre beiden Bewacher entdeckt zu haben, denn plötzlich verschwand die Kursk von allen Bildschirmen an Bord der USS Memphis und der USS Toledo.

In den Kommandozentralen der beiden amerikanischen Jagd-U-Boote glaubte man wahrscheinlich, es mit schwarzer Magie zu tun zu haben. Denn das Aufspüren und – im Falle eines Krieges – Vernichten dieser russischen Riesen war ihre Spezialität. Zudem war die Kursk hundertfünfzig Meter lang und acht Stockwerke hoch, ein riesiges Teil, das man aus so geringer Distanz eigentlich nicht aus den Augen verlieren konnte.

Gewiss war die Kursk ein strategisches U-Boot insofern, als es genau wie seine Vorgänger aus der Taifun-Klasse an jedem Ort der Weltmeere ein enormes Kernwaffenarsenal platzieren konnte. An Bord der Kursk befanden sich vierundzwanzig Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen, eine Kernwaffenladung, die dem Neunhundertsechzigfachen von Hiroshima entsprach.

Aber im Gegensatz zu ihren Vorgängern konnte sich die Kursk gegen sich anschleichende amerikanische Jagd-U-Boote zur Wehr setzen. Der Torpedo Schkwal eignete sich nicht nur zur Vernichtung von Flugzeugträgern.

Man kann sich also die Panik in den Kommandozentralen der beiden amerikanischen U-Boote ausmalen. Obwohl sie sich in nächster Nähe befanden, war die Kursk genau zwischen ihnen verschwunden, was an sich unmöglich war.

Es mangelte nicht an Erklärungsversuchen. Seichtes Wasser, Magnetismus, Temperaturunterschiede zwischen verschiedenen Wasserschichten und andere natürliche Erklärungen – doch das Schlimmste war, dass diese russischen Giganten trotz lärmender Kernreaktoren offenbar vorsätzlich »verschwinden« konnten. Das Problem mit den lauten Reaktoren galt allerdings für alle drei Boote. Wenn man selbst einen oder zwei Reaktoren an Bord hatte, hörte man zunächst einmal diese, wenn man hinaus in die schwarze Stille lauschte.

Im Nachhinein könnte man vielleicht meinen, die Amerikaner hätten unter diesen Umständen etwas vorsichtiger sein und anhalten sollen, um wenigstens einen Zusammenstoß zu verhindern.

Man wird nie erfahren, was die Amerikaner gedacht haben. Zumindest nicht in den nächsten fünfzig Jahren, solange die Berichte unter Verschluss sind. Aber in Anbetracht der historisch gewachsenen Rivalität zwischen den amerikanischen U-Boot-Besatzungen und der russischen, dem Katz-und-Maus-Spiel unter Feinden, kann man sich leicht vorstellen, dass die amerikanischen Befehlshaber nun einen härteren Ton anschlugen: Diese Schweine brauchen nicht zu...


Guillou, Jan
Jan Guillou, Jahrgang 1944, ist einer der meistgelesenen Autoren Schwedens. Bislang verfasste er knapp vierzig Bücher, darunter auch die erfolgreich verfilmte Bestseller-Saga um den Tempelritter Arn Magnusson. Seine elfteilige Thriller-Serie um den Agenten Carl Hamilton alias »Coq Rouge« ist ein Welterfolg und in seiner Heimat ein moderner Klassiker, sie wurde mehrfach verfilmt und in mehr als 15 Sprachen übersetzt. Guillou lebt in Stockholm und liebt ebenso wie sein Protagonist »Coq Rouge« klassische Musik, guten Wein und die Elchjagd.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.