Gruber | Winterblues mit Zuckerguss | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 249 Seiten

Gruber Winterblues mit Zuckerguss

Liebesroman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96714-030-9
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Liebesroman

E-Book, Deutsch, 249 Seiten

ISBN: 978-3-96714-030-9
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Es gibt sie wirklich, die kleinen Wunder des Lebens.
Maja Wunder fährt Taxi, aber so ein Fahrgast ist ihr noch nie untergekommen. Was soll sie nur mit diesem Typen machen, der nicht so recht weiß, wohin er möchte, aber auch nicht aussteigen will?
Oliver ist eigentlich mit dem Wagen da. Warum er an diesem Dezemberabend ein Taxi wählt, ist ihm selbst nicht ganz klar. Doch die Fahrerin ist der erste Lichtblick seines Tages. Und plötzlich hat er so ein Gefühl …
Bevor Maja sich versieht, überredet Oliver sie zu einer außergewöhnlichen Nacht, die sie quer durch das vorweihnachtliche München führt. Auch Wochen später kann sie dieses besondere Zusammentreffen nicht vergessen. Wird sie Oliver wiedersehen? Wird sich ihr ganz persönliches Wunder fortsetzen?
Während sie noch darüber sinniert, schreibt das Leben bereits am nächsten Kapitel ihrer Geschichte …

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1
    »Nun fahr schon!«, zischte Maja und schlug leicht mit der Hand aufs Lenkrad. »Wieder so einer, der keine Winterreifen draufhat.« Es war Anfang Dezember, und – Überraschung! – es schneite. Jedenfalls wenn man das, was da aus dem Himmel kam, als Schnee bezeichnen konnte. Maja fand, dass es sich vielmehr um Schneeregen handelte. Aber für den Autofahrer vor ihr reichte es offenbar aus, um im Schneckentempo die Straße entlangzukriechen. Dabei hatte sich lediglich ein kleiner Film auf dem Asphalt gebildet. Warum konnten die Leute nicht einfach ihre Winterreifen aufziehen lassen, wie es verlangt wurde? ›Von O bis O‹ lautete die Regel: Oktober bis Ostern. Dann gäbe es keine Probleme, wenn es – oh Wunder! – doch schneite. Schließlich lebten sie hier nicht auf einer Südseeinsel, sondern in München. Kopfschüttelnd tuckerte sie mit ihrem Taxi dem übervorsichtigen Verkehrsteilnehmer hinterher. Genaugenommen war es gar nicht ihr Wagen, sondern der ihres Vaters. Aber seitdem er krank geworden war, fuhr sie das Taxi. Anfangs war Maja nur eingesprungen, wenn es ihrem Paps nicht gutging und sie gerade Zeit hatte, doch über die Monate hinweg war das immer öfter der Fall gewesen, bis sie vor knapp einem Jahr ihren Job gekündigt hatte und nun hauptberuflich das Taxi übernahm. Sie sah auf die Uhr im Cockpitdisplay ihres Audis. Hoffentlich wartete der Fahrgast noch auf sie und nahm sich nicht ein anderes Taxi. Die Ampel vor ihnen wurde rot. Maja seufzte. Bis sie an der Kreuzung angelangten – bei dem Tempo! –, war es hoffentlich wieder grün. Ob sie die Zeit nutzen und ihren Vater anrufen sollte? Wie es ihm heute ging? Nach dem letzten Krankheitsschub hatte er beschlossen, in ein kleines Appartement im ›betreuten Wohnen‹ umzuziehen. Auf diese Weise war ihm bei Bedarf die notwendige Pflege sicher. Er wollte weder Maja noch ihrer Schwester Isabell zur Last fallen. Seine Töchter hätten ihr eigenes Leben, meinte er immer wieder. Und was ihre Schwester betraf, stimmte das auch. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter hatte Isa geglaubt, so schnell wie möglich eine eigene Familie gründen zu müssen. Bereits mit Anfang zwanzig war sie vor den Traualtar getreten, ein Jahr später war das erste Baby gekommen. Inzwischen war Nummer drei unterwegs. Aber Maja war Single. Sie hatte gerade deshalb das Taxi übernommen, damit sie flexibel bleiben und sich um ihren Vater kümmern konnte, wenn nötig. Doch Frank verhielt sich in diesem Punkt unnachgiebig. Endlich schaltete die Ampel um, und der ›Schleicher‹ vor ihr bog rechts ab. Halleluja! Sie trat aufs Gaspedal. Fünf Minuten später hielt das Taxi an der Zieladresse. Eine ältere Frau, dick eingehüllt im schwarzen Wintermantel, stand bereits am Straßenrand und wartete. Sofort riss sie die Tür auf und schob sich auf den Rücksitz. »Das hat ja gedauert!« »Tut mir leid, dass Sie so lange warten mussten. Das Wetter ...« Bemüht fröhlich drehte Maja sich zu der alten Dame um. Krause graue Locken umspielten ihr rundes Gesicht. Der rote Lippenstift stach Maja – durch die Kombination mit ihrer blassen Gesichtsfarbe und dem Schwarz ihres Mantels – sofort ins Auge. An ihren Ohren baumelten edle kleine Ohrringe. »Das Wetter? So ein Quatsch! Wie lange haben Sie denn schon Ihren Führerschein? Für meinen Geschmack sehen Sie noch ziemlich jung aus. Dürfen Sie überhaupt Taxi fahren?« Maja runzelte für eine Sekunde die Stirn, entschied sich dann aber es als Kompliment anzunehmen. »Ich fahre seit über zehn Jahren Auto. Sie können sich bequem zurücklehnen. Wo soll es denn hingehen?« »Dann mal los. Zum Christkindlmarkt! Meine Freundinnen warten bestimmt schon!« Drei Touren später beschloss Maja, dass sie für heute genug hatte. Zwar waren die beiden Fahrgäste, die sie nach der hochnäsigen alten Dame noch kutschiert hatte, um einiges freundlicher gewesen, aber die wiederholten Fahrten zum Flughafen hatten sich in die Länge gezogen. Der Schneeregen ging allmählich in weiße Flöckchen über, hinzu kam der einsetzende Feierabendverkehr. Majas Magen knurrte, als sie ihr Taxi nach Hause lenkte. Das hellerleuchtete Apothekenschild hob sich vom bereits dunklen Nachthimmel ab. Ihr fiel ein, dass sie Isa ein paar dieser Kügelchen besorgen wollte, die ihrer Schwester recht gut gegen die permanente Schwangerschaftsübelkeit halfen. Nicht jede Apotheke war mit Globuli ausgestattet, diese hier schon. Also schlüpfte sie in den nahegelegenen freien Parkplatz, kramte in ihrer Tasche nach dem Zettel, auf dem sie sich den genauen Namen notiert hatte, und kam gerade noch rechtzeitig, um als letzte Kundin des Tages bedient zu werden. Zufrieden schlenderte sie zum Auto zurück und schwenkte die kleine Papiertüte in der Hand. Sie war kaum eingestiegen, als die Beifahrertür aufflog und ein Mann auf dem Sitz neben ihr Platz nahm. »In die Innenstadt bitte.« Verdutzt sah Maja ihn an. Hatte er nicht bemerkt, dass das Taxischild nicht leuchtete? Sie wollte ihm schon mitteilen, dass sie heute nicht mehr im Einsatz war, überlegte es sich jedoch anders. Die Innenstadt in München war zwar groß, aber sie musste auf ihrem Nachhauseweg sowieso mehr oder weniger daran vorbei. Warum sollte sie ihn also nicht mitnehmen? Es war schnell verdientes Geld. Sie schaltete das Taxameter ein und startete den Motor. »Und wohin genau?« Der Mann antwortete nicht und schnaufte nur tief. Nachdem Maja sich in den Verkehr eingefädelt hatte, warf sie ihm einen Seitenblick zu. Er stierte durch die Windschutzscheibe nach draußen. Ob ins Dunkel der Nacht, auf die gelb-roten Rücklichter der Autos vor ihnen oder in die tanzenden Flocken, die aus dem Himmel fielen, wusste Maja nicht. »Keine Ahnung«, sagte er dann, ohne den Blick abzuwenden. »Soll ich Sie einfach irgendwo absetzen? Oder wie soll ich das verstehen?« Er straffte die Schultern und sah sie direkt an. Sein Gesicht erschien freundlich, auch wenn der Ausdruck in seinen Augen etwas müde war. Maja schätzte ihn auf Anfang bis Mitte dreißig, in jedem Fall ein bisschen älter als sie selbst. Die dunklen Haare waren adrett kurz geschnitten und passten zu seinem ovalen Gesicht. Viel mehr konnte Maja auf die Schnelle nicht erkennen, zumal der unterste Teil seines Kopfes mit einem karierten Schal vermummt war.     Oliver Brunels Kopf war wie leergefegt. Die süße Taxifahrerin neben ihm war der erste Lichtblick des Tages, obwohl dieser sich bereits dem Ende neigte. Es war kurz vor 19.00 Uhr, und in einer halben Stunde sollte das jährliche Familienessen anlässlich seines Geburtstags stattfinden. Wenn er nur daran dachte, verging ihm der Appetit. Es gab Zeiten, da war dies etwas Besonderes für ihn gewesen. Jahre, in denen er sich bei seinem Geburtstagsessen richtig wohlgefühlt hatte. Er konnte sich noch gut erinnern, wie stolz sein Vater gewesen war, als er sein Jurastudium erfolgreich abgeschlossen und seinen Platz in einer Kanzlei gefunden hatte, die auf Medienrecht spezialisiert war – dafür hatte er sich schon immer interessiert. Damals hatte er die Zukunft noch vor sich, und die Welt stand ihm offen. Nun, zumindest beruflich hatte sich daran kaum etwas geändert – er war gut in seinem Job. Familiär hingegen war seither viel geschehen. Zum ersten Mal wohnte er in einem Hotel, wenn er in München war. Dabei gehörte ihm inzwischen sogar die Villa, die sich seit Jahrzehnten im Familienbesitz befand. Automatisch erschienen Tante Cecilie und Onkel Lennert vor seinem inneren Auge. Nein, an die beiden wollte er gegenwärtig überhaupt nicht denken! Und trotzdem blieb ihm keine Wahl. Unwillkürlich blinzelte er, bis die roten Rücklichter des Wagens vor ihnen wieder klar und deutlich zu erkennen waren. Durch die Schneenässe und die Dunkelheit sah es aus, als würde sich um die Lichter ein Strahlenkranz befinden, der sich auf dem nassen Asphalt bruchteilhaft widerspiegelte. Ein Anblick, der Oliver seltsamerweise ein anheimelndes Gefühl vermittelte. Aber vermutlich war das auf die Vertrautheit zurückzuführen, immerhin verbrachte er so manche Stunde auf der Straße, wenn er von einem seiner unzähligen Termine zum anderen fuhr. »Soll ich Sie einfach irgendwo absetzen? Oder wie soll ich das verstehen?« Die Taxifahrerin riss ihn aus seiner Lethargie. Er löste sich von der Straßenromantik vor ihm und sah zu ihr hinüber. Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke. Sie war jünger und etwas kleiner als er. Ihr langes, glattes hellbraunes Haar war zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Sie besaß hohe Wangenknochen, eine süße Stupsnase, die ihrem Aussehen etwas Freches verlieh, und auffallend große Augen, in denen ein Blitzen lag, das sein Interesse weckte. »Also, wohin denn nun?« Sie hörte sich weder genervt noch kratzbürstig an, wie Oliver bemerkte. Dabei wäre es ihr nicht zu verübeln gewesen, schließlich stellte er ihre Geduld mit seinem Verhalten gewiss auf die Probe. Doch zu seiner Überraschung schwang in ihrer Stimme etwas Warmes, Herzliches mit. »Eigentlich in die Schübelstraße ...« »Die Schübelstraße? Aber die liegt doch ...« Sie vollführte eine rasche Handbewegung, und ihr Daumen deutete durch das Fenster irgendwohin, nur nicht in Fahrtrichtung. Oliver kannte sich aus. Er war in München großgeworden und wusste, was sie damit sagen wollte. »Alles bestens. Die Innenstadt ist gut. Perfekt.«     Maja schielte zu ihrem Fahrgast hinüber. Wie sollte sie jemanden zum gewünschten Ziel bringen, wenn derjenige selbst nicht zu wissen schien, wohin er wollte? Die Schübelstraße lag in einer gutbetuchten Wohngegend Münchens. Hierfür müsste sie allerdings scharf links...



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