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E-Book, Deutsch, 172 Seiten

Grifka Rücken

Beschwerden wirksam begegnen: Ursachen, Therapie, Training
2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-86371-308-9
Verlag: W. Zuckschwerdt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Beschwerden wirksam begegnen: Ursachen, Therapie, Training

E-Book, Deutsch, 172 Seiten

ISBN: 978-3-86371-308-9
Verlag: W. Zuckschwerdt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieser medizinische Ratgeber stellt häufige Krankheitsbilder vor, die mit Beschwerden des Rückens einhergehen. Es werden Therapiekonzepte vorgestellt und Selbsthilfemaßnahmen erläutert, die Verschleiß und Verspannungen vorbeugen und den Behandlungserfolg aktiv unterstützen. Mit zahlreichen, bebilderten Übungen für Kinder und Erwachsene.

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Weitere Infos & Material


1 Ein starker Rücken schützt vor Schmerzen
2 Aufbau und Funktion der Wirbelsäule

3 Frühzeitig Fehlbelastungen begegnen

4 Typische Krankheitsbilder der Wirbelsäule

5 Therapie – schrittweise zum Erfolg
6 Injektionstherapie – mit gezielten Spritzen den Schmerzzyklus durchbrechen

7 Orthesen – zum Stützen und Formen

8 Operationsverfahren – Kleinerer Schnitt, schonende OP-Technik: schnellere Rehabilitation
9 Verhaltensmaßnahmen – sinnvoll schonen, wirkungsvoll vorbeugen

10 Tägliche Übungen zum gezielten Muskeltraining

11 Glossar


2Aufbau und Funktion der Wirbelsäule
Als Erstes muss man verstehen, dass die Wirbelsäule keine Säule im eigentlichen, statischen Sinne ist. Die Wirbelkörper sind keineswegs wie Bauklötze stabil aufeinander gestapelt, woraus eine starre, gewichtsbelastete Säule resultieren würde. Im Gegenteil, die Stabilität der knöchernen Elemente fehlt. Erst durch das Zusammenwirken von Knochen, Bandscheiben, Bändern und Muskeln kann diese instabile Säule in Balance gehalten werden. Um Beweglichkeit, Belastbarkeit und Erkrankungen zu verstehen, zunächst die Grundzüge der Anatomie: Die Wirbelsäule besteht aus 33 Wirbelkörpern (Abbildung 3): 7 Hals(Zervikal)wirbeln, 12 Brust(Thorakal)wirbeln, 5 Lenden(Lumbal)wirbeln und 9 Kreuzbein(Sakral)wirbeln sowie dem Steißbein (Os coccygis). Die Wirbelkörper sind miteinander beweglich verbunden. Kreuz- und Steißbein sind zusammengewachsen. Zwischen den übrigen Wirbeln befindet sich im vorderen Bereich, bei den Wirbelkörpern jeweils eine Bandscheibe (Zwischenwirbelscheibe, Discus intervertebralis). Im hinteren Anteil sind die Wirbelkörper jeweils durch 2 Wirbelbogengelenke (rechts und links) nach oben und unten verbunden. Abbildung 3: Seitliche Ansicht der Wirbelsäule. Gliederung in Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäulenbereich sowie Kreuz- und Steißbein. 2.1Das Bewegungssegment – Element der Beweglichkeit
Die Bandscheibe wird durch Flüssigkeitsein- und -abstrom bei Be- und Entlastung ernährt. Zwischen den Wirbeln findet die Bewegung statt. Medizinisch spricht man von dem Bewegungssegment (Abbildung 4). Damit ist jeweils der Übergangsbereich von einem Wirbelkörper zum anderen gemeint: Im vorderen Anteil der Wirbelkörper ist das jeweils der untere Bereich des oberen Wirbelkörpers (Grundplatte), die zwischengelagerte Bandscheibe und der angrenzende obere Anteil des unten liegenden Wirbelkörpers (Deckplatte). Ebenso gehören die rechts und links nach hinten gelegenen Zwischenwirbellöcher und die jeweils zwei weiter nach hinten angrenzenden kleinen Wirbelgelenke (Facetten) dazu. Sie haben die Verbindung nach oben und unten. Durch jedes Zwischenwirbelloch (rechts und links) tritt eine Nervenwurzel mit begleitenden Blutgefäßen aus. Die Nervenwurzel liegt typischerweise im oberen Anteil des ohrförmigen Zwischenwirbellochs, geringfügig über der Höhe der Bandscheibe. Im Zusammenspiel dieser verschiedenen Elemente des Bewegungssegments ist die Bandscheibe die anfälligste Struktur. Diese hat zwei zentrale Aufgaben: Abbildung 4: Bewegungssegment mit seinen Anteilen 1 Grundplatte 2 Bandscheibe 3 Deckplatte 4 Zwischenwirbelloch 5 Kleine Wirbelgelenke Abbildung 5: Bandscheibe mit Be- und Entlastung. Bei Entlastung saugt sich die Bandscheibe mit Nährstoffen voll. Bei Belastung gibt sie Flüssigkeit und Stoffwechselprodukte ab. Zum einen muss sie die Beweglichkeit zwischen den Wirbelkörpern maßgeblich zulassen und mitmachen, zum anderen muss sie als Belastungsdämpfer (Puffer) zwischen den Wirbelkörpern wirken. Im Laufe des Lebens verfestigt sich die Bandscheibe durch Faserbildung. Trotz dieser elementaren Aufgaben ist die Ernährungssituation der Bandscheibe höchst ungünstig. Nur in den ersten Lebensjahren (bis etwa zum 4. Lebensjahr) wird sie durch Blutgefäße versorgt. Danach bilden sich die Blutgefäße zurück und die Bandscheibe kann dann nur noch durch einen Einstrom von Flüssigkeit aus der Umgebung Nährstoffe aufnehmen bzw. durch ein Abpressen von Flüssigkeit Stoffwechselschlacken abgeben. Diesen Vorgang nennt man Diffusion. Er wird durch den äußeren Druck auf die Bandscheibe gesteuert, also die Druckbelastung auf den Wirbelkörpern, sowie die Fähigkeit des Bandscheibengewebes, Flüssigkeit anzusaugen (osmotischer Druck). Das Ansaugen von Flüssigkeit ist somit erst möglich, wenn die axiale Druckbelastung auf die Bandscheibe maßgeblich reduziert ist. Die Bandscheibe kann sich dann vollsaugen und muss dabei alle Substanzen aufnehmen, die sie für die Ernährung und als Baustoffe benötigt. Die Ernährung gelingt natürlich umso besser, je regelmäßiger der Wechsel zwischen Belastung und Entlastung erfolgt, umso mehr also die Diffusion, d. h. die Durchsaftung, mit ihrem Wechsel von Flüssigkeitsaufnahme und -abgabe gefördert wird. Abbildung 6: Faserringbildung der Bandscheibe. Die äußeren Anteile zeigen die Faserstruktur, im Inneren finden sich flüssigkeitshaltige gallertige Anteile. Im Laufe des Lebens ändert sich die Struktur der Bandscheibe. Bei einem Kleinkind und im Vorschulalter ist die Bandscheibe durch und durch gallertig, also eine strukturlose Masse, die sich bei Bewegung beliebig hin und her verschiebt. Im Schulalter, spätestens im Alter der Pubertät, weist die Bandscheibe als äußere Begrenzung eine ringartige Faserstruktur auf, wobei der größere innere Bandscheibenanteil immer noch gallertig ist. Die Faserringbildung (Anulus fibrosus) nimmt im Laufe des Lebens stetig zu, sodass der weichere, mobile, gallertige innere Bandscheibenanteil kleiner und kleiner wird. Im Alter von 50–65 Jahren ist schließlich die gesamte Bandscheibe faserig strukturiert. Sie hat dann keine stoffwechselaktiven und flüssigkeitshaltigen inneren gallertigen Anteile mehr. Diese Entwicklung der faserigen Strukturierung der Bandscheibe schreitet individuell unterschiedlich schnell fort. Grundsätzlich läuft dieser Prozess am schnellsten an denjenigen Bandscheiben ab, die im Übergangsbereich von beweglicheren zu starreren Anteilen der Wirbelsäule liegen. Dies ist im Bereich der unteren Halswirbelsäule und der unteren Lendenwirbelsäule der Fall. Diese Bereiche haben auch eine besondere Bedeutung für Bandscheibenerkrankungen, wie später noch erläutert wird. Abbildung 7: a) Übliche Wölbungen der Wirbelsäulenabschnitte. b) Hohlrücken: Übermäßige Beckenvorneigung mit vermehrter Hohlwölbung der Lenden- und der Halswirbelsäule sowie Vorwölbung der Brustwirbelsäule. Ein seitlich gefälltes Lot vom Kopf fällt in den Deckplattenbereich des Kreuzbeins. c) Flachrücken. Die Wölbungen von Lenden- und Brustwirbelsäule sind vermindert. d) Rundrücken. Großbogig vermehrte Brust- und Lendenwirbelsäulenkyphose. 2.2Gewölbt statt kerzengerade
Die leichten Wölbungen der Wirbelsäule sind für die Balance des Rumpfes wichtig. Die Form des Rückens und insgesamt unsere Haltung werden maßgeblich durch die bogige, gewölbte Anordnung der Wirbelkörper bestimmt. Im Bereich der Lendenwirbelsäule und der Halswirbelsäule macht schon die Rückenkontur die Höhlung (Lordose) deutlich. Im Bereich der Brustwirbelsäule findet sich eine Wölbung nach außen (Kyphose). Diese Wölbungen werden maßgeblich durch die Position des Beckens und des Kreuzbeins bestimmt. Je mehr das Becken nach vorne geneigt bzw. das Kreuzbein in die Horizontale verkippt ist, desto größer ist die Höhlung der Lendenwirbelsäule. Damit der gesamte Körper noch in der Balance bleibt, ist eine umso größere Gegenschwingung der Brustwirbelsäule nach hinten erforderlich (übermäßige Kyphose). Ebenso muss dann auch die Halswirbelsäule eine übermäßige Höhlung ausbilden. Die übermäßigen Wölbungen sind nötig, damit der Körper insgesamt noch in der Balance ist. Ein vom Kopf gefälltes Lot muss durch den Deckplattenbereich des Kreuzbeins fallen. Deswegen provoziert jede vermehrte Schwingung eines Abschnitts eine wiederum vermehrte Gegenschwingung des darüberliegenden Wirbelsäulenabschnitts. 2.3Bänder und Muskeln zur Stabilisierung
Abbildung 8: Verspannungen der Wirbelsäule an den Wirbelkörpern durch vorderes (1) und hinteres (2) Längsband, über die kleinen Wirbelgelenke (3), zwischen den Dornfortsätzen (4) und als Verbindung zwischen den Dornfortsatzspitzen (5). Bänder geben passiven Halt, Muskulatur sorgt für aktive Stabilisierung. Die einzelnen Wirbelkörper werden durch ein vorderes und hinteres Längsband...


Grifka, Joachim, Prof. Dr. Dr.
Prof. Dr. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie der Universität Regensburg. Als anerkanntem Experten auf dem Gebiet der Rückengesundheit ist es ihm ein Anliegen, Zusammenhänge zu verdeutlichen, Therapien vorzustellen und durch effektive Selbsthilfe Menschen mit Rückenproblemen zu einem beschwerdefreien Leben zu verhelfen.

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka ist Lehrstuhlinhaber für Orthopädie an der Universität Regensburg. Er ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Institutionen und wurde für sein Wirken vielfach ausgezeichnet. Neben Arthroseforschung und Sportorthopädie gehören Wirbelsäulenerkrankungen zu seinen Schwerpunkten.



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