Griese / Hoffmann / Winter | Atlan - Das absolute Abenteuer (Sammelband) | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 13, 2000 Seiten

Reihe: Atlan - Das absolute Abenteuer

Griese / Hoffmann / Winter Atlan - Das absolute Abenteuer (Sammelband)

E-Book-Paket: Romane 1 bis 12
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-4765-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book-Paket: Romane 1 bis 12

E-Book, Deutsch, Band 13, 2000 Seiten

Reihe: Atlan - Das absolute Abenteuer

ISBN: 978-3-8453-4765-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Atlan, der unsterbliche Arkonide, gerät zweihundert Jahre nach seiner Reise hinter die Materiequellen an Bord des Fernraumschiffs SOL. Dort findet er chaotische Zustände vor. Allein und allen Schwierigkeiten zum Trotz, nimmt er den Kampf gegen mächtige Gegner und widrige Umstände auf.--Auch wenn er sich an die letzten zwei Jahrhunderte nicht mehr erinnern kann, weiß er eines genau: Die SOL ist Teil eines wichtigen Auftrags, dessen Gelingen eines Tages über Wohl und Wehe ganzer Sternenreiche entscheiden wird ... Folgende Romane sind enthalten: 1.'Raumschiff SOL in Not' von William Voltz / Peter Griese 2.'Schergen der SOL' von Peter Griese / Peter Terrid 3.'Der Katzer' von Detlev G. Winter / Hubert Haensel 4.'Logbuch der SOL' von Hans Kneifel / Detlef G. Winter 5.'Welt der Roboter' von H. G. Francis / Peter Griese 6.'Stadt der Freien' von H. G. Ewers 7.'Flucht der Solaner' von Hans Kneifel / Wilfried A. Hary 8.'Die Basiskämpfer' von Marianne Sydow / Horst Hoffmann 9.'Herr in den Kuppeln' von Hans Kneifel / Kurt Mahr 10.'Das Gesetz der Erbauer' von Hubert Haensel / Detlef G. Winter 11.'Emotio-Schock' von Peter Terrid / Horst Hoffmann 12.'Das Rätsel von Chail' von Marianne Sydow / Falk-Ingo Klee

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2.


Chart Deccon, High Sideryt und Bruder ohne Wertigkeit, blickte auf den Bildschirm der Außenbeobachtung. Er sah ein paar Buhrlos wie plumpe rote Motten um das Schiff herumtanzen. Sie sammelten E-kick für Deccon sowie die Magniden und versuchten gleichzeitig, etwas mehr über den Zugstrahl von Mausefalle herauszufinden.

Der Begriff Zugstrahl war im Grunde genommen eine zu simple Bezeichnung, denn er wurde in keiner Weise den Kräften gerecht, denen die SOL seit nunmehr zweieinhalb Wochen ausgesetzt war. In einer Ecke des Bildschirms sah Deccon einen Zipfel von Mausefalle-Sonne. Er erinnerte ihn an ein glühendes Auge, das spöttisch über den Rand des Monitors schielte, um seine Gefangenen zu beobachten.

Und Gefangene waren alle rund 100.000 Besatzungsmitglieder an Bord: SOLAG-Angehörige, Buhrlos, Terra-Idealisten, Monster, Extras, SOL-Farmer und ... Deccon hielt in seiner gedanklichen Aufzählung unwillkürlich inne, denn er sah, dass zwei der Buhrlos sich gegenseitig Zeichen gaben. Der High Sideryt hatte die wichtigsten Signale der Weltraummenschen studiert und sich eingeprägt, doch das gestenreiche stumme Gespräch lief so schnell ab, dass er ihm höchstens bruchstückhaft folgen konnte. Er sah, dass einer der Buhrlos kurz die Hände über dem Kopf verschränkte.

Das hieß: Ich habe etwas Bedeutsames gefunden!

Deccon verließ seinen Platz an den Kontrollen und begab sich zu einem Interkomanschluss. Wenn sich der fast zwei Meter große Hüne mit dem von Muskeln und Fleischwülsten bedeckten Körper durch seine Zentrale – er nannte den Raum auch seine Klause – bewegte, wirkte er trotz seiner Trägheit auf eine schwer beschreibbare Weise gebieterisch und entschlossen. Sein Gesicht war massig, rot und aufgedunsen; die Röte zog sich bis zum kahlen Schädel hinauf. Deccons Nase war aufgequollen, fast wie eine Art Geschwür; seine Lippen wulstig wie zwei fette, eng nebeneinanderher kriechende Würmer. In diesem Gesicht waren die Augen kaum zu sehen; wenn Deccon die Brauen hob, erinnerten sie an zwei graue, in feuchten Beton gedrückte Steine.

Der High Sideryt schaltete den Interkom ein. Als uneingeschränkter Herrscher der SOLAG konnte er fast jeden Punkt innerhalb des Schiffes erreichen. Dennoch gab es ein paar Ausnahmen, was ihn ungemein störte, im Augenblick jedoch nicht zu ändern war.

Ein Bildschirm erhellte sich, die eigentliche Zentrale der SOL wurde sichtbar.

»Wer hat Dienst an den Kontrollen?« Deccons Stimme klang tief und dunkel. Sie verstärkte den düsteren Gesamteindruck des Mannes.

»Brooklyn«, antwortete jemand, sich außerhalb des Sichtbereiches der Aufnahme befindend.

Der High Sideryt bewegte sich zur Seite. Seine Jacke, die ebenso wie die Hose aus blau schimmernden Metallschuppen zusammengesetzt war, klirrte leise. Obwohl sich die Kleidung eng an den Körper schmiegte und seine Konturen deutlich erkennen ließ, wirkte sie wie eine Rüstung. Um den Hals trug Deccon ein goldenes Kettchen, an dem ein kleiner Kasten befestigt war. Niemand wusste, was sich in diesem Behältnis befand.

Brooklyn tauchte auf dem Interkomschirm auf. Deccon erinnerte sich daran, dass niemand ihren richtigen Namen kannte. Es ärgerte ihn ein bisschen, denn er sah darin einen gewissen Autoritätsverlust, was ihn selbst anging. Brooklyn gehörte jedoch zur Gruppe der Fortschrittlichen unter den Magniden, und da Deccon insgeheim mit dieser kleinen Partei sympathisierte, vermied er es, ihre Angehörigen zu sehr unter Druck zu setzen.

»Hallo, Chart«, sagte Brooklyn freundlich.

»Wie viele sind draußen?«, wollte Deccon wissen.

Sie dachte nach, als sei sie von der Direktheit seiner Frage irritiert.

Wie kann sie nur so liebenswürdig und charmant sein?, fragte er sich ärgerlich. Ich möchte zu gern wissen, was wirklich im Kopf dieser grauhaarigen alten Dame vorgeht.

»Einundzwanzig«, sagte Brooklyn schließlich.

Unwillkürlich überlegte er, wie viel E-kick das bedeutete. Er fluchte leise. Seine Gedanken kreisten viel zu oft um E-kick. Dabei hatten sie in diesem Augenblick andere Sorgen.

Und was für Sorgen!, dachte er.

»Hast du eine Namensliste?«

Ihre Verwirrung wuchs. »Wozu brauchst du eine Namensliste, High Sideryt?«

»Ich glaube, dort draußen geht etwas Ungewöhnliches vor«, antwortete er.

Sie sah erstaunt aus. »Zweifellos«, bestätigte sie ironisch. »Wir zappeln wie ein Fisch an der Angel.«

Was zum Teufel wusste sie über das Angeln?, schoss es ihm durch den Kopf.

Sie fuhr fort: »Wahrscheinlich kommt etwas vorbei.«

Seit zweieinhalb Wochen wurde die SOL von allen möglichen Objekten überholt, die ebenfalls im Kraftfeld von Mausefalle gefangen waren – und überholte ihrerseits langsamere Gebilde. Es war auch für die Wissenden innerhalb der SOLAG nicht möglich, die Kriterien zu erkennen, nach denen sich die Geschwindigkeiten all der Dinge bestimmten, die in Mausefalle festsaßen. Besonders teuflisch erschien Deccon die Tatsache, dass jedes eingefangene Objekt, einschließlich der SOL, sein Tempo ständig änderte. Auf diese Weise ließ sich nicht einmal bestimmen, wann das Schiff die Bahn des äußersten der insgesamt dreiundzwanzig Planeten des Systems kreuzen würde.

Das Kraftfeld, in dem die SOL festgehalten wurde, ging vermutlich von Mausefalle-Sieben aus, aber sicher war man bei der SOLAG nicht.

Deccon rieb sich den kahlen Schädel mit der flachen Hand. »Es kommt ständig irgendetwas vorbei«, sagte er und seufzte. »Das ist die gewaltigste kosmische Falle, von der ich jemals gehört habe – und ausgerechnet wir sind hineingetappt.«

»Das lag an den mangelhaften Vorbereitungen«, versetzte sie mit sanftem Vorwurf. »Bevor wir uns dazu entschlossen haben, in diesem Sonnensystem Vorräte aufzunehmen, hätte die SOL eine Zeit lang außerhalb operieren und die Messergebnisse abwarten sollen. Schließlich waren wir nicht auf der Flucht.«

Deccon wäre ihr fast ins Netz gegangen. Ihr letzter Satz war pure Provokation: Sie wollte herausfinden, inwieweit er die Fortschrittlichen unterstützte.

»Ja«, sagte er lahm. »Schon möglich.«

»Außerdem«, fuhr sie fort, »sind etwas mehr als dreitausend Mitglieder für die SOLAG einfach nicht genug. Gemessen an der Besatzungsstärke. Die Katastrophe war unausweichlich.«

Er lachte.

»Seit Jahrzehnten schlittern wir von einer Krise in die andere«, erinnerte er sie. »Bisher haben wir noch jede überstanden.«

»Aber die Situation an Bord war noch nie so unübersichtlich und gespannt«, hielt sie ihm entgegen. »Dazu kommt nun eine äußere, lebensbedrohende Gefahr.«

Deccon witterte den unausgesprochenen Vorwurf in ihren Worten. Er war nun seit zwei Jahren und vier Monaten High Sideryt, dazu bestimmt von seiner Vorgängerin im Amt, Tineidbha Daraw. Unmittelbar nach seiner Ernennung hatte Chart Deccon seinen Nachfolger ausgewählt und dessen Namen in SENECA gespeichert. Seine Wahl war geheim; nur er und SENECA wussten, wer sein Erbe sein würde. Allerdings war er berechtigt, den Namen jederzeit zu ändern. Deccon hielt das für heikel, denn SENECA war in seinen Funktionen wesentlich schwerer gestört, als den meisten Wissenden bekannt war.

»Ich werde nicht der High Sideryt sein, unter dessen Herrschaft es zu einer Katastrophe kommt«, sagte er trotzig. Er benutzte ganz bewusst den Begriff »Herrschaft« anstelle von »Kommando«, um sie zu ärgern.

Brooklyn reagierte jedoch nicht darauf. »Ich habe ein paar Namen«, sagte sie. »Art Drutan, Loony Waltzeck, Kartron Amer ...«

»Vergiss es«, unterbrach er sie, plötzlich anderen Sinnes geworden. »Was sind schon Namen? Behaltet die Burschen im Auge und stellt fest, ob etwas Bedeutsames geschieht.«

»Wann starten wir das nächste Manöver?«, wollte sie wissen.

Die SOL konnte sich, obwohl sie in Mausefalle festsaß, 1500 Kilometer frei in alle Richtungen bewegen, das hieß, ihr war eine Raumkugel mit einem Durchmesser von 3000 Kilometern geblieben. Gemessen an den Entfernungen, die das Schiff seit dem 24. Dezember 3586 zurückgelegt hatte, war das lächerlich wenig. Eine weitere Teufelei von Mausefalle war, dass jedes eingefangene Objekt eine unterschiedlich große Operationsraumkugel besaß.

Jemand spielt mit uns!, dachte Deccon.

»Sobald wir neue Informationen haben«, erwiderte er ausweichend. Unwillkürlich blickte er auf den Zeitmesser.

4. März 3791, las er das Datum ab. Als High Sideryt besaß Chart Deccon Zugang zum Logbuch der SOL. Er war, was die Ereignisse in den vergangenen zweihundert Jahren anging, der am besten eingeweihte Solaner.

»Ich glaube«, bemerkte die grauhaarige Frau auf dem Bildschirm, »wir befinden uns in der Krise.«

»Was soll das heißen?«, fragte Chart Deccon schroff, obwohl er genau wusste, was sie ausdrücken wollte.

»Die Schläfer«, sagte sie. »Wir müssen sie wecken.«

»Nein«, entgegnete er heftig. »Das tun wir auf gar keinen Fall.«

Er spürte die Erregung in sich aufsteigen. Seit fast zweieinhalb Jahren war er Einsamkeit gewohnt; nun kam eine völlig neue Erfahrung für ihn hinzu: das Gefühl der Verlorenheit.

»Schluss mit dem Gerede«, sagte er schnell. »Macht weiter!« Dann unterbrach er die Verbindung.

Seine Blicke wanderten erneut zum Bildschirm der Außenbeobachtung. Im Augenblick waren dort sieben Buhrlos zu sehen. Unwillkürlich beneidete Deccon sie um ihre Fähigkeit, ohne jeden künstlichen Schutz im Weltraum schweben zu können. Diese Art von Freiheit unterlag zwar einer zeitlichen Begrenzung,...



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